Partner von:
Anzeige

Bauer plant neues Publishing-Board: Hintergründe zum überraschenden Abgang von Verlagsmanager Jörg Hausendorf

Jörg Hausendorf
Jörg Hausendorf

Der spektakuläre Abgang von Jörg Haussendorf bei Bauer Media gibt Rätsel auf. Der Verlagsmanager verlässt nach zehn Jahren das Hamburger Familienunternehmen. Er konnte sich mit Verlegerin Yvonne Bauer nicht über die künftige Strategie des Magazingeschäfts einigen. Auslöser sind möglicherweise auch Personalentscheidungen. Denn Yvonne Bauer will ein globales Board fürs Publishing schaffen, zu dem auch die ehemalige Chefin der Ostsee Zeitung und Lübecker Nachrichten gehört: Stefanie Hauer.

Anzeige

Jörg Hausendorf ist für sein Durchhaltevermögen bekannt. Begeistert läuft der gebürtige Lübecker bei Marathon-Rennen mit. Auch beruflich hält der ehemalige Bundeswehr-Offizier bei seinen Arbeitgebern lange durch – zumindest beim Hamburger Zeitschriftenverlag Bauer Media. Hier war er mehr als zehn Jahre tätig – zuletzt als Chef des Magazingeschäfts für Kontinentaleuropa.

Völlig überraschend verlässt Hausendorf nun das Unternehmen und sein Abschied klingt nicht gerade nach Harmonie. „Jörg Hausendorf hat die Bauer Media Group in den letzten Jahren geprägt und mitgestaltet. Gerade unser wichtiges deutsches Publishing-Geschäft führte er durch konsequente Effizienzsteigerung, Innovationen in Prozesse und Produkte sowie kluge Akquisitionen souverän durch die schwierige Zeit schrumpfender Märkte. Ich bedaure sehr, dass wir uns über den zukünftigen Kurs der Bauer Media Group nicht haben verständigen können“, erklärte Yvonne Bauer.

Der neue starke Mann

Die Verlegerin reicht seine Aufgaben an Veit Dengler weiter, den neuen starken Mann, der das Traditionshaus radikal umbaut. Vom reinen Verlagshaus zu einem Portfolio-Unternehmen soll der ehemalige Chef der NZZ-Mediengruppe das norddeutsche Unternehmen umwandeln. Und dies aus gutem Grund: Das Publishing-Geschäft, das rund 70 Prozent zum Gesamtumsatz des Familienunternehmens beiträgt, steht unter Druck. Vor allem in Australien hat das Geschäft in den vergangenen Jahren kräftig Federn gelassen. Mehrere Magazine mussten eingestellt werden, weil die Auflagen massiv fielen. Das Management wechselte, Stellen wurden abgebaut. In Europa zog sich das Unternehmen in Tschechien und Slowakei aus dem Publishing zurück. Stattdessen soll nun die OCP-Sparte mit Vergleichsplattformen und neue Dienstleistungen für klein- und mittelständische Unternehmen Wachstum bringen.

Hausendorf, der sich langfristig wohl mehr Macht im Bauer-Reich erhoffte, hat bei der Neu-Ausrichtung das Nachsehen. Dass Yvonne Bauer nun Dengler vorzieht hat wohl mehrere Gründe: So soll sich Yvonne Bauer in den vergangenen Jahren von Hausendorf entfremdet haben. Während der Hamburger Konkurrent Gruner + Jahr mit immer neuen Testimonial-Titeln wie Barbara, JWD oder Guido den Markt aufrollt, brachte Bauer im Inland unter Hausendorfs Führung kaum bahnbrechende Print-Innovationen hervor. Zu spät griff sich der Manager Trends auf. So bringt der Verlag erst jetzt ein Magazin mit Quizmaster Jörg Pilawa heraus, das am Donnerstag erscheinen soll. Zudem dürfte Yvonne Bauer wohl auch das unrühmliche Aus des Promi-Magazins People Mitte 2016 in Erinnerung haben. Bereits nach einem Jahr musste Hausendorf den Titel wegen fehlender wirtschaftlicher Perspektive vom Markt nehmen. Ein schwerer Schlag für ihn und den Verlag.

Anzeige

Globales Publishing Board geplant

Dass Hausendorf bei Bauer den Rückzug antritt, hat aber möglicherweise auch andere Gründe, denn die Verlegerin will das Magazingeschäft personell auf neu aufstellen. Sie plant, ein globales Publishing-Board aufzubauen. Es soll sich um Innovationen kümmern und nach potenziellen Akquisitionszielen Ausschau halten. Teil des Boards wird Bauers Deutschlandchef Sven Dams, UK-Chef Rob Munro-Hall sowie die ehemalige Chefin der Ostsee-Zeitung und Lübecker Nachrichten (LN), Stefanie Hauer. Die ehemalige Verlagsmanagerin hatte vor zwei Jahren die Madsack-Tochter verlassen.

Grund für ihren Rausschmiss war ihr unglückliches Auftreten bei einem Journalistentalk mit SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Die Geschäftsfrau hatte sich in die Gesprächsrunde mit den LN-Journalisten und dem SPD-Chef eingeklinkt, das die Zeitung für Leser als Video auch bei Facebook übertrug. Doch das Gespräch wurde zur Farce: Die Medienmanagerin konfrontierte den Kanzlerkandidaten mit den Belastungen durch den Mindestlohn, der mittlerweile auch für Zeitungszusteller gilt. Sie fragte den Politiker, ob er sich vorstellen könne, die Verlage durch geringe Sozialabgaben zu entlasten. Der reagierte empört. Jetzt soll Hauer dem Vernehmen nach in dem neuen Publishing Board für Personal zuständig sein. Dams hingegen wird unverändert für das deutsche Magazingeschäft verantwortlich zeichnen und Munro-Hall alle englischsprachigen Märkte im Blick behalten. Noch gesucht wird ein CFO, der die Kosten im Publishing unter Kontrolle hat. Bislang sei Bauer hier aber noch nicht fündig geworden, heißt es.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige
Werben auf MEEDIA
Meedia

Meedia