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“Mir ist die Lust an der Branche ziemlich vergangen” – Wie Zalando eine Fashion-Bloggerin in die Abmahnfalle tappen ließ

Shopazine-Bloggerin Berit Müller, Zalando
Shopazine-Bloggerin Berit Müller, Zalando ©Foto: the-shopazine.de/ Montage: MEEDIA

Seit vielen Jahren bloggt die Modedesignerin Berit Müller über Fashion, Interior und das Leben als zweifache Mutter. Damit ist jetzt Schluss: Ihr Blog Shopazine fällt der jüngsten Abmahnwelle zum Opfer. Besonders bitter: Die Bilder, für die die Bloggerin abgemahnt wurde, hatte Zalando in einer offiziellen Pressemitteilung versandt – ohne Hinweis auf die eingeschränkte Lizenz.

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“Dies wird vermutlich mein letzter Post auf meinem eigenen Blog sein”, schreibt die Bloggerin in einem Beitrag auf ihrem Blog Shopazine. “Mir fehlen momentan Kraft, Motivation und die finanziellen Mittel, meinen Blog weiter zu betreiben”, beendet sie ihren Abschiedsartikel ab.

Was war passiert? Als Fashion-Bloggerin erhielt die Mode-Expertin auch Pressemitteilungen. So auch von Zalando im November 2013. In einer Mail kündigte das Modeunternehmen seine neue Kollektion “Eleonora Carisi” an. Mit der für Pressemitteilungen üblichen “Bitte einer Veröffentlichung”. Angehängt an die Mitteilungen waren auch Bilder der Kollektion.

Kein Hinweis auf eingeschränkte Nutzungsdauer in Pressemitteilung

Weil die Modebranche für gewöhnlich eine Frühjahrskollektion bereits im Winter vorstellt, lag die Ankündigung Monate vor dem Verkaufsstart. Der erfolgte erst im März 2014. Der Haken: Die Nutzungsrechte an den Bildern betrugen nur sechs Monate – mit Verkaufsstart der Kollektion also wiederum nur zwei Monate.

Nun wurde die Bloggerin im vergangenen Jahr vom Fotografen abgemahnt, der die Motive Zalando zur Verfügung gestellt hatte. Einen klaren Hinweis über eine eingeschränkte Nutzungsdauer gab es in der betreffenden Pressemitteilung nicht. Gegenüber MEEDIA kommentiert Zalando sein Vorgehen wie folgt: “Wir fügen in der Regel beim Versand von Pressematerialien die Metadaten hinzu, so dass sich unsere Partner nicht proaktiv bei uns nach der Nutzungsdauer erkundigen müssen.” In diesem speziellen Fall sei dies leider nicht erfolgt, “dafür entschuldigen wir uns ausdrücklich und haben unsere Prozesse nochmals überprüft und angepasst.”

 

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Laut Müller sicherte Zalando ihr zu, die Sache würde geklärt und sie müsse sich keine Sorgen machen. Deswegen habe sie im Anschluss die Bilder von ihrer Webseite entfernt, sei aber nicht auf die Zahlungsforderungen eingegangen.

Doch offenbar kam es zu keiner Klärung zwischen Zalando und dem Fotografen. So erreichte Müller Ende vergangenen Jahres eine Klage wegen Zuwiderhandlung gegen einen Unterlassungsvertrag und eine für Jahresende anberaumte Gerichtsverhandlung. Denn auch wenn Müller belegen kann, dass sie nicht über die eingeschränkte Nutzungsdauer der Bilder informiert worden war, verstößt eine Verwendung über den Lizenzzeitraum hinaus gegen das Urheberrecht.

Zalando: “Eine derartige Nutzungsdauer ist nicht branchenüblich”
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Gegenüber MEEDIA bestätigt Zalando, die Fotos für einen begrenzten Zeitraum eingekauft zu haben. “Die Bilder sind der Bloggerin 2013 zur Verfügung gestellt worden”, teilt eine Sprecherin des Unternehmens mit. “Wie sie in ihrem eigenen Artikel schreibt, ist es gängige Praxis, die Veröffentlichungsrechte nur für einen bestimmten Zeitraum zu erwerben.” Nach dem Ablauf der Nutzungsfrist habe man die Bilder nicht mehr aktiv genutzt oder beworben. “Die Bloggerin hat die von uns im Jahr 2013 zur Verfügung gestellten Bilder bis 2018 online gestellt”, so die Sprecherin. “Eine derartige Nutzungsdauer ist nicht branchenüblich.”

Müller zeigte sich auf ihrem Blog resigniert:

Wie unverschämt ist es von Firmen oder Agenturen mit solchen Geschäftspraktiken wissentlich das Risiko auf die Presse abzuwälzen? Wir als Blogger stellen den Firmen unentgeltlich unsere hart erarbeitete Reichweite für ihre PR zur Verfügung und werden in solche Geschichten reingezogen, werden abgemahnt und müssen am Ende sogar sehr viel Geld bezahlen. Im Rahmen einer Geschäftsbeziehung von der die Firmen am meisten profitierten, werden von ihnen Abmahnungen der Blogs bewusst in Kauf genommen.

Zalando sieht die Sache etwas anders:

Nach unserem Kenntnisstand hat sie einen Teil der beanstandeten Bilder nach Unterzeichnung einer Unterlassungserklärung in 2018 – entgegen ihrer eigenen Zusicherung gegenüber dem Fotografen – nicht offline genommen und musste deshalb eine Vertragsstrafe an den Fotografen zahlen.

Bloggerin musste “vierstellige Summe” an Fotografen zahlen

Es steht Aussage gegen Aussage. Zalando wird nach eigener Aussagen vom selben Fotografen abgemahnt. Zur Zeit befinde man sich in einer laufenden gerichtlichen Auseinandersetzung. Allem Anschein nach wurde auch weitere Medien abgemahnt. So finden sich bei einer Recherche zur besagten Zalando-Kollektion bei Google etliche Links zum Thema, die aber auf leere bzw. gelöschte Seiten führen. Darunter auch den Online-Ableger der Modezeitschrift Elle.

Um ähnlichen Situationen – für sich selbst, aber auch die Partner – vorzubeugen, habe man nicht nur die Zusammenarbeit mit dem Fotografen eingestellt, sondern auch bestehende Prozesse angepasst und optimiert, heißt es bei Zalando. Für Müller kommt das zu spät: Nach eigenen Angaben aus Angst zahlte die Bloggerin eine nicht genauer bezifferte “vierstellige Summe”. Ihr Blogbeitrag endet mit den Worten: “Ehrlich gesagt, ist mir auch die Lust an diesem Job und der Branche ziemlich vergangen.”

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