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Wochenrückblick: Noch vor dem Film soll bitte “Claas Relotius – das Musical” kommen

In diesem Wochenrückblick: Fake-Superstar Claas Relotius, Chef-Whistleblower Ed Snowden, Geheimdienstkenner Julian R., Maskulinisten-Idol Jordan Peterson
In diesem Wochenrückblick: Fake-Superstar Claas Relotius, Chef-Whistleblower Ed Snowden, Geheimdienstkenner Julian R., Maskulinisten-Idol Jordan Peterson ©Fotos: Picture Alliance/AP Photo/dpa/ imago/ Montage: MEEDIA

Die EU-Richtlinie zur Urheberrechtsreform wurde beschlossen, die Debatte ist damit aber lange noch nicht beendet. Eine neuseeländische Buchhandelskette boykottierte Jordan Peterson nach dem schrecklichen Anschlag auf eine Moschee in Christchurch - aber nur kurz. Und "Claas Relotius - der Film" kommt, wir aber wollen das versprochene Musical! Der MEEDIA-Wochenrückblick.

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Das EU-Parlament hat am Dienstag über die böse EU-Urheberrechtsreform abgestimmt und diese mit doch recht deutlicher Mehrheit angenommen. Bzw., wie Kritiker der Reform gerne sagen: “durchgewinkt”. Wieso nur habe ich den Eindruck, dass die Gegner der Reform ein Problem damit haben, dass eine Abstimmung eines Parlaments nicht das gewünschte Ergebnis gebracht hat? Da werden dann die Namenslisten der Abgeordneten auf Twitter herumgereicht oder es wird “ein schwarzer Tag für die Netzfreiheit” beschworen (Julia Reda). Bald ist ja wieder Europawahl, da kann man dann entsprechend wählen. Einige seltsame Reaktionen zur Wahl gab es auch. Zum Beispiel meldete sich Chef-Whistleblower Edward Snowden auf deutsch zu Wort:

Schon interessant, das Snowden jetzt Wahlkampf gegen die CDU macht. Einige mokierten sich über die nicht ganz einwandfreien Deutschkenntnisse von Herrn Snowden, Bild-Chef Julian Reichelt hat da eine Theorie:

FSB ist der russische Inlandsgeheimdienst. Ob Reichelt das ernst meint oder dies seine spezielle Art von Humor ist – wer weiß?

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Überreaktionen, wohin man schaut. Nach dem schrecklichen Anschlag von Christchurch machte eine neuseeländische Buchhandelskette Schlagzeilen, weil sie die Bücher von Jordan Peterson aus dem Programm nahm. Peterson hat den Bestseller “12 Rules for Life” geschrieben und gilt den einen als der “einflussreichste Intellektuelle der westlichen Welt” (New York Times) und anderen als Superstar der Maskulinisten und ideeller Wegbereiter von Rechtsextremen. Konkreter-Anlass für den Peterson-Buch-Boykott war wohl ein Foto, das den kanadischen Autoren und Psychologieprofessor zeigt, wie er neben einem Mann posiert, der ein fragwürdiges T-Shirt trägt:

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Aufmerksame Zeitgenossen bemerken, dass die T-Shirt-Aufschrift im Foto lautet “I’m a proud Islamophobe”, also etwa “Ich bin ein stolzer Islam-Phobiker”. Darunter steht in kleinerer Schrift, für was für schlimme Sachen der Islam angeblich alles stehen würde, also Terror, Genital-Verstümmelung bei Frauen, Vernichtung von Israel usw. Übersetzt wurde der T-Shirt Aufdruck in deutschen Medien allerdings vielfach mit “Ich bin ein Islam-Hasser”. Das ist vielleicht sinngemäß nicht falsch, es ist aber auch nicht korrekt. Und Peterson in Verbindung mit dem Christchurch-Anschlag zu bringen, weil er mal mit einem Typen mit dämlichem T-Shirt-Aufdruck ein Fan-Foto gemacht hat, ist eindeutig schäbig. Das ist genauso herbeikonstruiert wie der Zusammenhang, dassPeterson schon mal zu Gast in der Show des YouTubers PewDiePie war und der wiederum von dem Christchurch-Täter erwähnt wurde. “Kontaktschuld” nennt man das, wie ich nun lernte. Ein paar Nummern kleiner hatten wir das Phänomen neulich bei der Geburtstagsfeier von Matussek. Mittlerweile hat die besagte Buchhandelskette Petersons Bücher wieder ins Programm genommen, freilich ohne sich dazu zu erklären. Könnten Verkaufszahlen eine Rolle spielen?

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Dass die Story um Mega-Fälscher Claas Relotius bester Filmstoff ist, war eigentlich klar. Jetzt wird es recht schnell ernst mit “Relotius – der Film”. Aber auch nur, weil Relotius Ex-Kollege Juan Moreno, der ihn auffliegen ließ, ein Buch darüber geschrieben hat: “Tausend Zeilen Lüge. Das System Relotius und der deutsche Journalismus” erscheint im Herbst im Rowohlt Berlin Verlag. Wie die FAZ schreibt, hat sich Ufa Fiction die Filmrechte gesichert. Moreno hat das alles schon vorausgeahnt, als er über die Enttarnung des Claas Relotius im Spiegel schrieb:

“Claas Relotius – das Musical” – ja, bitte! Das muss doch noch zuerst kommen! Vorschlag für die Hauptrolle: Matthias Schweighöfer.

Schönes Wochenende!

PS: Diesmal gibt es wieder eine reguläre Folge vom Podcast “Die Medien-Woche”, in dem ich mit meinem Kollegen Christian Meier von der Welt die Medienthemen der Woche diskutiere. Diesmal geht es (vorerst) abschließend um die in dieser Woche beschlossene EU-Richtlinie zur Urheberrechtsreform und wir analysieren, was Apples Inhalte-Offensive für die Medienhäuser bedeutet. Viel Spaß beim Reinhören!

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