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Bevor Sie als Verleger in Apple News+ die Zukunft für Ihre digitalen Medien sehen, sollten Sie das hier lesen

Apple News+: Magazin-Inhalte auf iPhone und iPad verfügbar machen
Apple News+: Magazin-Inhalte auf iPhone und iPad verfügbar machen ©Apple

Als "Netflix für News" wurde Apples geplanter Magazin-Abodienst heiß diskutiert. Am Montagabend deutscher Zeit hat Apple im Rahmen seiner März-Keynote Klarheit geschafft. Viele Fragen zu Apple News+ ließ man bei der Präsentation noch offen. Einige lassen sich dennoch schon beantworten.

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Wie viel Texture steckt in Apple News+?

Wir erinnern uns: Für eine nicht genannte Summe kaufte der Techpionier den Digital-Magazin-Dienst Texture im März 2018. “Wir setzen uns für Qualitätsjournalismus aus vertrauenswürdigen Quellen ein und werden unterstützen, dass weiterhin Magazine mit schön gestalteten und ansprechenden Geschichten für die Nutzer produziert werden”, erklärte Apples Content-Chef Eddy Cue die Übernahme.

Wohlgemerkt: Texture ist keine App eines Silicon-Valley-Startups. Die App war die Anstrengung diverser Verlage, den Tech-Giganten mit einer eigener Inhalte-Plattform etwas entgegenzusetzen. Angekündigt wurde das Joint-Venture von Condé Nast, Hearst, Meredith, Rogers Media und des Private Equity-Finanzierer KKR im Jahr 2009, kurze Zeit später ging die App live. In einer Zeit, in der das iPad noch als absoluter Heilsbringer der Verlagsbranche galt. Springer-Chef Mathias Döpfner ließ sich einst im Talk mit dem US-Star-Journalisten Charlie Rose zu dem mittlerweile legendären Zitat hinreißen: “Jeder Verleger sollte sich einmal am Tag hinsetzen, beten und Steve Jobs dafür danken, dass er mit diesem Gerät die Verlagsindustrie rettet.”

Nun, rund ein Jahrzehnt später, haben Tablets ihren festen Platz gefunden. Allerdings in der Nische. In den USA und auch hierzulande machen sie durchschnittlich rund sieben Prozent des Web-Traffics aus. Der Großteil der Nutzer konsumiert digitale Inhalte viel lieber übers Smartphone. Und ob es nun an unmotivierten Versuchen der Verlage lag oder nicht: E-Magazine kamen nie wirklich zum Fliegen.

Was bietet der neue Service?

Dass besagtes Verlagskonsortium rund ein Jahrzehnt später seine App ausgerechnet an einen der Tech-Giganten veräußert, denen man die Stirn bieten wollte, ist zum einen absurd. Zum anderen aber ein Eingeständnis an die Tatsache, dass man sich selbst nicht mehr zutraute, die Plattform selbst erfolgreich weiterzuentwickeln. Eine Niederlage letzten Endes, wenn auch eine gut bezahlte.

Doch unabhängig davon, wie viel Apples Software-Ingenieure in den vergangenen Monaten an Apple News+ gearbeitet haben – die Grundlagen für das Angebot bildet Texture. Eine App, die Magazine auf mobilen Endgeräten zugänglich machen sollte.

Und genau das bietet auch Apple News+: Apple verspricht Zugang zu über 300 Magazinen. Sie ergänzen und bereichern das bisherige, kuratierte und personalisierbare Angebot von Apple News, das auch weiterhin kostenlos zur Verfügung steht. Nutzern werden die Abo-Inhalte im News-Stream der App sowie unter dem Register “My Magazines” angezeigt. Das Layout erinnert sehr stark an Texture und lässt sich auch genauso bedienen.

Kurzum: Der kostenlose News-Dienst wurde nun ergänzt um einen digitalen Zeitschriften-Kiosk. Und ob Harper’s Bazaar, Vanity Fair, Rolling Stone oder Esquire: Schaut man sich das aktuelle Angebot an, sticht der hohe Anteil an Lifestyle-Magazinen ins Auge.

Und was nicht?

Darüber hinaus listet Apple News+ im Gegensatz zu Texture erstmals auch einige Non-Magazin-Produkte: Darunter auch eine neue Publikation des US-Verlages Vox (TheVerge, re/code) namens “The Highlight”, sowie “Extra Crunch” von TechCrunch. Hinzu kommen Inhalte des Wall Street Journal und der Los Angeles Times. Die Erwähnung zweier Tageszeitungen war im Rahmen der Apple-Keynote jedoch nur eine Randnotiz, verglichen mit der aufwändigen und langen Präsentation von Magazin-Inhalten für Apple News+.  Spätestens hier dürfte klar sein, dass Apple den Nicht-Magazin-Inhalten bzw. nachrichtlich getriebenen Medien keine allzu große Bedeutung für sein Plus-Paket beimessen wird.

Zudem basiert das Angebot in erster Linie auf Magazinen-Ausgaben – nicht einzelnen Magazin-Inhalten. Zwar werden Plus-Abonnenten im Stream der News-App auch gehighlightete Artikel kuratiert vorgeschlagen, allerdings liegt der Fokus auf gesamten Ausgaben. In erster Linie bekommt ein Nutzer bzw. Leser nicht Zugriff auf einzelne Artikel aus Magazinen – sondern immer die gesamte Ausgabe. Man wählt ein Heft aus und klickt sich in Folge durch die Artikel.

Das macht wiederum den Konsum von tagesaktuellen Zeitungsartikeln schwieriger. Sie würden theoretisch den News-Stream verstopfen. Und so wirbt Apple zwar damit, dass man für knapp zehn Dollar quasi ein Abo des Wall Street Journal geschenkt bekommt. Doch Joshua Benton von NiemanLab erläutert, wie kompliziert es derzeit noch ist, auf dessen Inhalte zuzugreifen:

Es ist tatsächlich ein wenig schwierig, L.A. Times- und WSJ-Inhalte in Apple News Plus zu finden. Denn sie passen nicht in die Magazin-UX der App. So muss man auf “Im Katalog blättern” und anschließend den ganzen Tag durchblättern. Doch Sie würden nichts finden, da dieser Content nicht in Ausgaben zu finden ist. Wer WSJ-Artikel lesen will, klickt erst auf die Registerkarte Plus, scrollt an den Navigationstasten vorbei, vorbei am Karussell “My Magazines”, vorbei an der Rubrik “First Look”, vorbei an einem kuratierten Sportteil mit dem Titel “Keeping Score”. Erst dann gibt es vier WSJ-Stories zu lesen. Tippen Sie auf einen Artikel, dann auf das Logo oben auf der Artikelseite, und Sie sind endlich beim Journal – für das Sie ja bezahlt haben.

Hinzu kommt, dass viele Magazine mittlerweile ein wöchentlich erscheinendes Destillat von Redaktionen sind, die online bzw. digital längst auch tagesaktuell oder zumindest mehrfach in der Woche veröffentlichen.

Die Redaktionen des New Yorker, der Time und vieler andere Magazine publizieren tagtäglich Artikel im Netz. Immer häufiger auch hinter einer Paywall im Rahmen einer eigenen Subscription-Strategie, die wiederum Zugriff auf die gedruckte Ausgabe in digitaler Form geben kann. Wer also erwägt, bestehende Digitalabos zu kündigen, sollte vorher überprüfen, was er dafür bekommt bzw. ob er auf entsprechende Digital-Inhalte verzichten will. Denn Apple News+ bietet “nur” Zugriff auf den Magazin-Content.

Unterschiede zu Texture: Weniger Pdf, mehr Aufwand
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Ein nicht zu vernachlässigender Unterschied zu Texture ist die Tatsache, dass der Service vor allem auf Smartphones besser aussieht. Denn während die Verlage bislang mit relativ wenig Aufwand die Pdf-Versionen ihrer Magazine bei Texture eingekippt hatten, scheinen viele Verlage ihre Magazin-Inhalte für Apple News+ angepasst zu haben. Genauer: anpassen zu müssen. Apple trägt damit dem erwähnten Umstand Rechnung, dass Digital-Inhalte vor allem auf dem Smartphone konsumiert werden.

Die Konsequenz: Inhalte werden responsiv je nach Device größer und optisch ansprechender ausgespielt – und unschöne schwarze Balken und viel zu kleine Schrift, an die man heranzoomen musste, vermieden. So lassen sich Inhalte auf dem iPhone schlichtweg besser lesen. Allerdings bedeutet dieser neuer Look für die Verlage auch Mehraufwand. Sie müssen die ursprünglich für Printzwecke gelayouteten Seiten in für die App erkennbare Pakete zerteilen. Ob sich dieser Aufwand lohnt und eine bessere Lesbarkeit einer stärkeren Nutzung des Services über Smartphones führt, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen.

Freilich bietet der Konzern nun Verlagen eine neue Plattform mit potenziell Millionen zahlender Kunden. Allerdings hat diese in erster Linie einen Zweck: Apple-Produkte attraktiver zu machen. So ist Apple News+ Teil einer ganzen Entertainment-Offensive. Mit AppleTV+ bietet man künftig Zugriff auf exklusive Hollywood-Produktionen, und über “Arcade” bekommen Nutzer exklusiven Zugang zu neuen Spielen aus dem App Store.

Apple News+ ist eine große Chance für Verlage,…

Kaum ein anderer Konzern hat das Potenzial, die digitalen Nutzungsgewohnheiten der Menschen derart zu verändern wie Apple. Über eine Milliarde Devices sind weltweit in Gebrauch. Und weil der Konzern aus Cupertino seine Geräte für gewöhnlich mindestens fünf Jahre nach Einführung mit Updates versorgt, kommen hunderte Millionen Geräte und damit auch Abermillionen von Nutzern zumindest in Kontakt mit Apples News+.

Dass Apple durchaus in der Lage ist, neue Services auch erfolgreich zu etablieren, davon zeugen die rund 50 Millionen zahlenden Apple-Music-Kunden. Zudem hat Apple auch einen nicht unerheblichen Anteil am Podcast-Hype. Ende 2014 machte das Unternehmen mit dem Update auf iOS 8 “Podcasts” zur System-App, die standardmäßig auf jedem iPhone und iPad installiert ist. Und nach wie vor gelten Apples Podcast-Charts als Benchmark für die Branche.

Kurzum: Apple hat die Möglichkeit, mit nur einem Icon auf den Homescreens seiner Nutzer ganze Branchen umzuwälzen.

…,aber nicht für alle

So sollte man sich im Anschluss an Apples Keynote von dem Gedanken verabschieden, dass das neue Angebot die Rettung in der Not für viele Verlage ist. Vielmehr ist es ein weiterer Vertriebskanal. Und bislang gelang es nur wenigen Medien, dem Auflagenverschwund der gedruckten Ausgaben sowie den sinkenden Anzeigen-Erlösen im Online-Geschäft mit dem erfolgreichen Aufbau von Digital-Abomodellen etwas entgegenzusetzen.

Global betrachtet sind hier etwa das Wall Street Journal oder die New York Times mit Millionen von Abonnenten weltweit zu nennen. In Deutschland etwa Zeit und Bild. Währenddessen tun sich Scharen von Verlagen umso schwerer, zahlende Nutzer für ihre Outlets zu finden. Daran wird auch Apple nichts ändern können – und auch nicht müssen.

Steht Apple News+ insofern gar in Konkurrenz zu den Subscription-Modellen der Verlage? Wohlgemerkt: Die Hälfte der Erlöse aus dem News-Abo behält der Konzern ein. Viel wichtiger dürfte in den Verlagshäusern aber die Frage sein, ob ein Apple-News+-Abo mit den eigenen Digital-Abopaketen kollidiert. So bietet das WSJ mehrere Abomodelle an: nur Print, Print und Digital, Digital-All-Access – wiederum je nach Laufzeit des Abos unterschiedlich bepreist.

Wie viel ist der Nutzer bereit zu zahlen?

Nur 9,99 Dollar pro Monat für den Zugriff auf hunderte Magazine zu haben, ist in erster Linie ein Argument für den Nutzer – nicht die Verlage. Allerdings stellt sich dann einmal mehr die Frage, wie viel ein Nutzer insgesamt bereit ist zu zahlen für Digital-Abos. Entsprechende Analysen für den Videostreaming-Markt deuten daraufhin, dass die Mehrheit kaum mehr als fünf Euro pro Monat zahlen will – und schon die aktuellen Preismodelle als zu teuer empfindet. Zudem begnügen sich viele Nutzer mit einem Anbieter.

Übertragen auf den News-App-Markt würden sich Nutzer demnach nicht die Frage stellen nach dem “Was noch?”, sondern vielmehr nach dem “Was stattdessen?”. Bislang gelten News-Apps als extrem populär: Laut Zahlen von E-Marketer nutzen 99,1 Millionen Amerikaner mindestens einmal im Monat eine solche Anwendung, ein Zuwachs von 5,6 Prozent zum Vorjahr. Hierzulande erfreut sich Springers upday immenser Abrufzahlen.

Nun wird sich zeigen, ob Apple mit einem kostenpflichtigen Abo-Modell Magazin-Inhalten zu einem zweiten Frühling verhelfen kann. Deutsche Verlagshäuser sind hier allerdings vorerst in der Beobachterrolle: Der Service ist vorerst nur in den USA und Kanada verfügbar, ab Herbst auch in Großbritannien.

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Alle Kommentare

  1. Zumindest erwähnen können hätte man Readly schon, die bieten 3000 Magazine zum gleichen Preis wie Apple und haben einen 70/30 Split (zugunsten der Verlage).

  2. Wird die Verlage nicht retten. Warum? Weil sie sich einfach nicht ändern wollen. Sie müssten dafür ja “Investieren” und ihre “Gewohnheiten ändern”.
    Und das geht mal gar nicht.
    Die Verlage wollen weiter ihre gedruckten Zeitungen (die Computerprogramme dafür haben sie ja noch) als PDF dem Leser vorwerfen und der hat dann gefälligst dankbar zu sein.

    Denn sehen wir mal zurück:
    2010 kam das iPad und noch heute bieten die meisten Verlage an, PDFs der vorherigen Ausgaben zu erwerben, weil sie diese einfach nicht leserfreundlich vorhalten wollen.

    AppleNews ist also für Verlage, die Lust haben ihre Leser ernst zu nehmen. Und die den Leser als Kunden begreifen. Denn im Gegensatz zu den eigenen Apps können sie die Daten der Leser nicht an die Kunden verkaufen. Der VDZ hat sich darüber schon beschwert. Hat er 2010 zur Vorstellung des iPad auch schon, aber das nur am Rande.

  3. Ein bemerkenswertes Geschäft winkt für die Verlage!

    Eine transaktionsökonomische Abschätzung der 9,99 Dollar-Flat-Ökonomie:
    300 Magazinex bieten (angenommen) je 100 Seiten / Monat = 30.000 Seiten.

    Der Seitenpreis sinkt damit auf 0,000333 Dollar – und verschwindet fast!

    In 10 sek. Distant Reading können max. 6 Seiten pro 1 Minute wahrgenommen werden.

    Das monatliche Informationsangebot entspricht ca. 5.000 Minuten Lesezeit.
    Das entspricht rund 100 Stunden potentielles Informationsangebot.

    Smartphone User in Berlin haben in der Konkurrenz der Medienangebote und in tageszeitlicher Bereitschaft nur etwa 1 Stunde Lesezeit verfügbar = 30-31 Stunden monatlich.

    Apple News+ übersteigt damit die potentielle monatliche Perzeptionszeit um mehr als das Dreifache. Das Abo sollte daher in D nur etwa 3,50 € kosten.

    Als einziger Vertriebskanal eignet sich Apple News+ nicht, Magazine sind damit betriebswirtschaftlich “hundertausendstel-mausetot.

    Da Apple News+ praktisch alle Abo-Modelle dekonstruiert und das Geschäft mit Magazinwerbung gänzlich Ad Absurdum führen kann, bricht unweigerlich eine Phase der radikalen Disruption an.

    Alle Magazinverleger suchen nach Auswegen und neuen Synergien!

    Geräteabhängige Paywalls werden eine Alternative!

    Abschaltbar für eine iOS-Geräteabgabe von 60ct / Leser und Jahr für Lokalmedien!

  4. Nicht euer Ernst, liebe MEEDIA-Redakteure!

    Habt ihr diese Überschrift witzig gefunden? Oder gar kreativ? Welcher Verleger, der nur halbwegs klaren Verstandes ist, sollte in Apple News+ die Zukunft für seine digitalen Medien sehen?

    1. Ein Verleger, der seine Leser als Kunden begreift?
      Sie wahrscheinlich nicht, sie haben das “Wir spionieren Leser oder sonstwen so viel aus wie möglich” ja schon im Namen (des verlinkten Unternehmens)

      Aber es ist mal wieder bezeichnend für Ihre Branche, jedem vorzuwerfen mental/intellektuell gestört zu sein, aber selbst nicht ein einziges Argument zu liefern.

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