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Wochenrückblick: Die Woche, in der sich EU-Urheberrechtskämpfer Axel Voss endgültig zum Gespött machte

Der Jonny Controlleti von der FAZ, ein Dr.-Seltsam-Titel beim stern, der RTL-Chef-Populist und Mr. Meme (v.l.o.n.r.u.)
Der Jonny Controlleti von der FAZ, ein Dr.-Seltsam-Titel beim stern, der RTL-Chef-Populist und Mr. Meme (v.l.o.n.r.u.) © Fotos: imago/RTL/Picture Alliance

Der Berichterstatter für die EU-Urheberrechtsreform, Axel Voss (CDU), sorgt in diesen Tagen für x-treme Stirnrunzeln. Mario Barth beschämt RTL. Der stern gibt selbst Wohlmeinenden mit seinen Titeln Rätsel auf. Und die FAZ kommuniziert wie zu Kaiser-Wilhelm-Zeiten. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Am morgigen Samstag steigt in Berlin eine große Demo gegen den bösen Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform. Stichwort: Uploadfilter (an dieser Stelle bitte das Darth-Vader-Thema im Kopf ertönen lassen). Der Vorkämpfer dieser umstrittenen Reform ist der CDU-Europapolitiker Axel Voss, der diese Woche in zahlreichen Interviews dilettierte. Sorry, man muss das so hart ausdrücken. Ich habe keine Ahnung, ob dieser Artikel 13, wenn er denn kommt, sofort das Internet und die freie Welt, wie wir sie kennen, atomisiert oder ob endlich Kreative angemessen an den Milliarden-Erlösen der Plattformen beteiligt werden. Aber dass der Politiker Voss denkbar ungeeignet ist, seine Sache öffentlich zu vertreten, das musste spätestens in dieser Woche jedem klar werden. Wie kann das denn nur sein, dass er tatsächlich glaubt, bei Google, gäbe es eine “Memes”-Rubrik? Völlig zurecht hat er sich damit zum Gespött gemacht. Er muss ja keinen Abschluss in IT haben (der Mann ist Jurist), aber dass Google keine “Memes”-Rubrik hat, sondern dass die Suchmaschine da nur ein Schlagworte anzeigt, das hätte man nun wirklich wissen können. Bzw.: müssen!

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Als Beispiel für das schlimme, schlimme Wirken der Uploadfilter wurde diese Woche ein Video österreichischer Medienkritiker herangezogen. Die haben einen Ausschnitt aus “Mario Barth deckt auf” (RTL) gegengeschnitten mit einer aktuellen Nummer aus “Die Anstalt” (ZDF). Der Gag dabei war, dass die “Anstalt” den Unfug, den Mario Barth über die Diesel-und Feinstaub-Debatte verzapfte, komplett widerlegte. Uploadfilter verhinderten allerdings, dass das Video bei YouTube angezeigt wurde. Unabhängig davon, ob das nun ein gutes oder schlechtes Beispiel für das Wirken von Uploadfiltern war: Was bitte, war das für eine unsägliche Darbietung von Mario Barth? Thomas Lückerath hat bei DWDL.de den Auftritt des Komikers völlig zurecht als “verantwortungsloses Fernsehen” gegeißelt. Wenn RTL inhaltlich relevanter werden will und dafür u.a. die frühere Bild-Zeitungs-Chefin Tanit Koch angeheuert hat, dann sollte man ein Format wie “Mario Barth deckt auf” zügig entsorgen. Das ist billiger Populismus unter dem Deckmäntelchen des Infotainments.

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Neulich schon wunderte ich mich an dieser Stelle über die neuerdings doch merkwürdig anmutenden Titel des stern. Damals ging es um die Titelstory “Wie geht gut?”

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Diese Woche liegt der stern mit der Titelzeile “Mutter, Mama, Mami” am Kiosk.

“Kryptisch, mysteriös, nichtssagend”. Es geht um die Beziehung zu unseren Müttern. Ich könnte wetten, dass das einst als “Dickschiff” firmierende Magazin aus dem Hause Gruner + Jahr mit dieser Titelpolitik beim allwöchentlichen MEEDIA-Cover-Check in Kürze neue Minus-Rekorde einfährt. Falls nicht und die Dr.-Seltsam-Titel sollten top verkaufen, leiste ich gerne Abbitte.

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Die Personalie der Woche war der Abgang von FAZ-Wirtschafts-Herausgeber Holger Steltzner. Die FAZ hat es geschafft, ihren nunmehr Ex-Herausgeber mit der Art und Weise, wie der Abgang kommuniziert wurde maximal zu beschädigen. “Die Grundlage für eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den anderen Herausgebern war nicht mehr gegeben”, hieß es in der Mitteilung ultraknapp. Kein geheucheltes Dankeswort, nix. Derartig verbal nachgetreten wird eigentlich nur, wenn einer die berühmten silbernen Löffel geklaut hat, was man sich bei Steltzner nun wirklich nicht vorstellen kann. Die (Un-)Art dieser Kommunikation öffnete natürlich Tür und Tor für Spekulationen. Roland Tichy fabulierte in seinem “Einblick” eine Geschichte zusammen, dass die FAZ nun ohne den letzten aufrechten Helden des Wirtschaftsliberalismus (Steltzner) einer “alternativlosen Gleichschaltung” anheimfalle. Horizont schrieb, dass innerhalb der FAZ von „Kontrollwahn“ und einer „Redaktionsdiktatur“ im Wirtschaftsressort die Rede sei. Bei der FAZ schweigen sie eisern und man lässt die Leute reden. Das kann man souverän finden oder sehr unprofessionell. Ich tendiere zu Letzterem.

Ein super-sonniges Wochenende!

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