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Presserat rügt Bild wegen erneuter Veröffentlichung von G20-Bildern und Opfer-Fotos

Die Bild veröffentlichte Fotos einer G20-Randaliererin gleich zweimal

Weil die Bild trotz Gerichtsurteil wiederholt ein Foto einer G20-Plünderin veröffentlichte, erhielt die Redaktion eine Rüge des Presserats. Auch wegen drei weiterer Verletzungen des Opferschutzes nimmt der Rat die Zeitung ins Visier. Auf seiner Sitzung sprach er insgesamt neun öffentliche Rügen aus.

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Gerügt wurde einmal das Online-Portal der Bild-Zeitung. Die Redaktion veröffentlichte trotz eines gerichtlichen Verbots Fotos einer G20-Plünderin im Januar 2018. Die hatte sich zuvor beim Landgericht Frankfurt erfolgreich gegen eine erstmalige Veröffentlichung zur Wehr gesetzt, weil die Bild damit die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen verletzte.

In der wiederholten Veröffentlichung sah der Presserat einen „schweren presseethischen Verstoß“. Es gebe kein hinreichendes öffentliches Interesse daran, die Bilder der Frau, die bei den Protesten vor einem geplünderten Drogeriemarkt zu sehen ist, zu veröffentlichen. Ein solches Verhalten schade dem Ansehen der Presse, stellten die Mitglieder des Rates fest.

Drei Rügen gegen Bild wegen Fotos von Opfern

Auf ihrer Sitzung beschäftigte sich der Rat zudem mit weiteren Beschwerden gegen das Springer-Blatt. Drei Rügen erhielt die Bild wegen Verletzungen des Opferschutzes. Die Redaktion hatte unter der Überschrift „Wurde die Aufsichtspflicht verletzt?“ darüber berichtet, dass ein fünfjähriger Junge in seiner Kindertagesstätte von einem anderen Jungen in den Penis gebissen worden war. Sowohl Name als auch Fotos des verletzten Kindes bettete die Zeitung in den Artikel ein.

Ähnlich verhielt es sich bei der Berichterstattung über einen 30-Jährigen Mann gegen den wegen eines Mordes an einer Cafébesitzerin in Duisburg ermittelt wurde. Der Beitrag enthielt ein Foto des Opfers, dessen Persönlichkeitsschutz dadurch verletzt wurde. Zudem druckte die Zeitung Bilder eines Skifahrers, der bei einem Lawinenunglück ums Leben kam. Auch darin sah der Presserat kein öffentliches Interesse.

Falsches Zitat im Focus Money

Das Wirtschaftsmagazin Focus Money erhielt vom Presserat ebenfalls eine Rüge. Es hatte ein offenbar falsches Zitat des ehemaligen Chefs der US-Notenbank, Alan Greenspan, abgedruckt, das so lautete: Wer Verstand hat, kauft Gold“. Im Original hatte Greenspan allerdings folgendes gesagt: „Gold ist immer noch von großer Bedeutung. Ich frage mich, wenn es bloß ein Relikt der Geschichte sein soll, warum halten dann die Zentralbanken der Welt sowie der Internationale Währungsfonds (IWF) und alle anderen Finanzinstitutionen Gold für Billionen von Dollar?“

Als zu werblich schätzte der Presserat Teile der Berichterstattung von Digitalfernsehen.de, der Hörzu und der Auto Zeitung ein. Digitalfernsehen.de erhielt zwei Rügen von den Pressewächtern, weil es zu einseitig über ein Casino und einen Pay-TV-Sender berichtete. Schleichwerbung erkannte der Presserat auch in drei Beiträgen über medizinische Themen der Hörzu und in einem 32-seitigen „Special“ über die Fahrzeuge eines Autoherstellers bei der Auto Zeitung. In beiden Fällen war die Werbung für den Leser entweder nicht erkennbar oder „willkürlich“.

(rt)

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