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Upload-Filter bei der Arbeit: YouTube blockiert Video, das zeigt, wie “Die Anstalt” Mario Barths Diesel-Unfug widerlegt

Mario Barth und “Die Anstalt”: Wirklich ein Lehrstück für die Gefahren von Upload-Filtern?
Mario Barth und "Die Anstalt": Wirklich ein Lehrstück für die Gefahren von Upload-Filtern? © Kobuk (Facebook-Screenshots) / Montage: MEEDIA

Ein Ausschnitt aus der RTL-Sendung "Mario Bart deckt auf", in dem der Komiker vermeintlichen Irrsinn in Bezug auf Stickoxid-Grenzwerte in der Diesel-Debatte aufspießt, erfreut sich im Social Web großer Beliebtheit. Die österreichischen Medienkritiker "Kobuk" haben das Video mit Ausschnitten der ZDF-Sendung "Die Anstalt" gegengeschnitten. Die Uploadfilter von YouTube blockieren aber die Verbreitung.

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Im Mario-Barth-Video macht dieser sich in der ihm eigenen Art über die Debatte um Stickoxid-Grenzwerte mit Bezug auf die Diesel-Debatte lustig. Barth lässt diverse Experten und einen Arzt zu Wort kommen, präsentiert werden die bekannten Argumente: Der EU-Grenzwert sei willkürlich festgelegt, im Haushalt entstünden viel höhere Stickoxid-Konzentrationen als auf der Straße, Raucher fielen auch nicht alle sofort tot um etc.

Die österreichischen Medienkritiker Kobuk haben das Video mit einer Nummer der aktuellen Ausgabe der ZDF-Satire-Sendung “Die Anstalt” gegengeschnitten, in der exakt die Argumente aus dem Barth-Auftritt pointiert widerlegt werden, freilich ohne dass sich die “Anstalt”-Macher auf die RTL-Sendung beziehen. Das Problem: RTL hat seine Inhalte bei YouTube mit einer so genannten Content ID geschützt. Die ID erkennt automatisch RTL-Inhalte und verhindert, dass diese bei YouTube von Dritten hochgeladen werden.

Das Kobuk-Video fällt hierbei nicht unter das Zitate-Recht, da die verwendeten Ausschnitte viel zu lang sind, bzw. sogar fast die kompletten Nummern aus den jeweiligen Sendungen umfassen. Die kreative Leistung besteht hier ausschließlich im Gegeneinanderschneiden der beiden Videos. Laut der geplanten EU-Urheberrechtsreform wären solche Videos möglich, insofern sie nicht kommerziell sind. Aber würde das auf das Kobuk-Video zutreffen? Wenn das YouTube-Video für die Werbe-Vermarktung freigegeben ist und die Uploader des Videos (hier: Kobuk) an möglichen Werbeeinnahmen beteiligt sind, wäre es kommerziell. Nach der Logik der Urheberrechtsreform könnten RTL und das ZDF mit YouTube Lizenzvereinbarungen treffen, nach denen RTL (und das ZDF) an den mit diesem Video erzielten Umsätzen beteiligt werden. Dass dies praktikabel ist, wird von Kritikern der Reform bezweifelt. Sollte es solche Lizenzvereinbarungen aber geben, wäre das Hochladen des Kobuk-Videos möglich.

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Netzpolitik.org kritisiert das Verhalten YouTubes in diesem Fall und bezeichnet die Sperrung des Videos durch YouTube als “Lehrstück über die Gefahren der geplanten EU-Urheberrechtsreform”. Aber ist das wirklich so?

Zwei Dinge kann man hier anmerken: Der Zusammenschnitt von Kobuk ist erkenntnisreich, er stellt jedoch auch eine klare Verletzung der Urheberrechte dar. Die gezeigten Ausschnitte sind in ihrer Länge keinesfalls durch das Zitate-Recht gedeckt. Neu sind solche Konflikte zudem nicht. Vor allem in den Anfangstagen hat z.B. Stefan Raab in seiner Sendung “TV total” immer wieder Ausschnitte aus anderen Sendungen gezeigt und sich darüber lustig gemacht. Die Rechtefrage musste dabei jedesmal geklärt werden und es kam häufiger vor, dass Raab bestimmte Ausschnitte nicht zeigen konnte, weil seiner Redaktion die Rechte dafür nicht eingeräumt wurden. Das hat dann dazu geführt, dass den Zuschauern vielleicht der eine oder andere “TV total”-Gag vorenthalten wurde. Debatten um die Zukunft der Meinungsfreiheit hatte diese Implementation des Urheberrechts damals freilich nicht ausgelöst. Es war ja “nur” Fernsehen und nicht das Internet. Warum für letzteres nun aber komplett andere Spielregeln gelten sollten, erschließt sich nicht.

Auf Facebook ist das Kobuk-Video übrigens zu sehen:

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