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Wochenrückblick: “Swipe nach rechts” – ein AfD-Jungmann im Tinder-Wahlkampfrausch

Spiegel-TV-Filmer Stefan Aust, der alterslose Jan Hofer, Partylöwe M. Matussek, AfD-Tinder-Gott Jonas Dünzel
Spiegel-TV-Filmer Stefan Aust, der alterslose Jan Hofer, Partylöwe M. Matussek, AfD-Tinder-Gott Jonas Dünzel ©Fotos: Picture Alliance/Eventpress/dpa Montage: MEEDIA

Die Geburtstagsparty eines verwirrten Ex-Alpha-Journalisten bringt die Branche in Wallung. "Tagesschau"-Chefsprecher Jan Hofer hat Probleme mit seinem Alter. Stefan Aust arbeitet wieder für den Spiegel (Spoiler: ist bloß Spiegel TV) und ein AfD-Jungmann macht Tinder-Wahlkampf. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Ja, wo samma denn, wenn der 65. Geburtstag des früheren Kulturchefs des Spiegel zum Medienaufreger der Woche taugt? Matthias “Mad” Matussek bat zur B-Day-Sause und viele kamen. Alte und neue Freunde, wie sich Matussek irgendwo auf Facebook einließ. “Alte Freunde” waren mutmaßlich Medienmenschen wie Spiegel-Kolumnist Jan Fleischhauer oder Ex-ARD-Talker Reinhold Beckmann. “Neue Freunde” waren höchstvermutlich Leute wie die AfD-Politikerin Erika Steinbach oder Mario Müller, der zur ultrarechten Identitären Bewegung gehört und wegen eines tätlichen Angriffs auf einen Antifa-Aktivisten vorbestraft ist. Matussek veröffentlichte zahlreiche Fotos von der Sause und auch ein Video des Ständchens, das ihm ein schwerst in sich selbst verliebter Reinhold Beckmann brachte.

Nachdem Beckmann gemerkt hat, dass sich da eine gewisse Shit-Welle auftürmt, veröffentlichte er auf Facebook eilig eine Art Entschuldigung für seine Teilnahme. Er habe sich “verlaufen”. Wirklich? Besser gemacht hat es Jan Fleischhauer, der in seiner Kolumne keine weinerlichen Ausreden suchte, sondern zurecht schrieb: “Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, in der die Frage, ob man an der Geburtstagsparty eines Freundes teilnimmt, zur Mutprobe wird.” Der ZDF-Komiker Jan Böhmermann verglich die Matussek-Party auf Twitter mit den Nürnberger Prozessen. Ex-Außenminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel äußerte sich zum Thema (“Die bürgerlichen Eliten sollten für Demokratie einstehen, anstatt an ihr zu sägen! Der Fall #Matussek ist dafür ein weiteres Negativbeispiel.”). Der Spiegel sah sich nach einer Frageliste von Böhmermann genötigt klarzustellen, dass die Einladung zur Matussek-Geburtstagsfeier an einzelne Kollegen “privater Natur und der Chefredaktion darum nicht bekannt” war. Ja, was denn sonst!?

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“Tagesschau”-Chefsprecher Jan Hofer hat am Donnerstag kurz vor Ende der 20-Uhr-Ausgabe einen Schwächeanfall erlitten. Die Sache sorgte für große Anteilnahme im Netz und auch für einige Berichterstattung. Ihm geht es wieder gut, Gottseidank!

Bei der zugehörigen dpa-Meldung stolperte ich über die Formulierung, dass Hofer “wohl im Januar entweder 67 oder 69 Jahre alt geworden” sei. Man weiß es nicht genau. Es ist wohl so, dass sich Jan Hofer zu seinem Alter und der Frage, ob sein Name ein Pseudonym ist oder nicht, generell nicht äußert. Im Januar 2010 schon gratulierte ihm die Saarbrücker Zeitung zum 58., 59. oder 60. Geburtstag:

Gut denn, dann feiern wir diesen Sonntag Jan Hofers Geburtstag. Wohl wissend, dass es der 60. sein müsste, stoßen wir gern aber auch auf den 59. oder 58. an. Bloß, dann hätte er ja im letzteren Fall noch neun Jahre bis zur Rente mit 67. Das möchten wir ihm nun auch wieder nicht wünschen.

Tja, so ist es aber nun doch gekommen. Die neun Jahre sind vorbei, aber Rente für Jan Hofer ist immer noch nicht in Sicht. Eigentlich kannte ich solche Alters-Kapriolen eher von Leuten wie Vicky Leandros, Iris Berben oder Karl Lagerfeld.

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Stefan Aust arbeitet wieder für den Spiegel! Aber warum wird diese Sensations-Personalie im dritten Absatz dieser Kolumne versteckt? Weil es bloß eine Doku-Reihe für Spiegel TV ist! Genau genommen sogar für eine Tochterfirma von Spiegel TV. Bemerkenswert ist das trotzdem. Aust hat gemeinsam mit dem preisgekrönten Dokumentarfilmer Helmar Büchel in einer Koproduktion von Spiegel TV und Welt (ehemals N24) die fünfteilige Dokureihe “Völkerwanderung” gedreht. Es geht um die Flüchtlingskrise im Jahr 2015 und die Folgen. Spiegel Geschichte ist ein reiner Geschichts-Sender und gehört zur Spiegel TV Geschichte+Wissen GmbH & Co. KG, einem Joint Venture von Spiegel TV und der Autentic GmbH. Was es alles gibt. Empfangen kann man Spiegel Geschichte bei Sky Deutschland. Dort wird “Völkerwanderung” erstmals am 25. März um 21.45 Uhr gezeigt. Im Free-TV kann man die Doku dann im September auf Welt (ist einfach ein doofer Name für einen TV-Sender!) sehen.

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Der AfD-Jungpolitiker Jonas Dünzel hält sich für besonders clever oder besonders sexy – oder womöglich beides. Jedenfalls verknüpft er bei Facebook die Ankündigung, dass er für die AfD bei der anstehenden Europawahl kandidiert, mit der Info, dass er nun bei Tinder unterwegs ist. “Wir brauchen eine Willkommenskultur für Kinder”, sagt er. Darum sei er nun bei Tinder “dein AfD-Kandidat ‘zum anfassen'” (sic!).

Wozu zwei Dinge zu sagen wären: 1. Depperter Pseudo-Wahlkampf mit Tinder ist auch nicht ganz neu. Damit machte sich schon der Junge-Soze Alexander Freier (!) anno 2016 gehörig zum Affen. 2. Angeblich gibt es keine schlechte PR und nach dieser Lehrmeinung würden wir uns hier auch zum Wahlgehilfen des Herrn Dünzel machen, indem an dieser Stelle über seine Tinder-Policy geschrieben wird. Das ist aber falsch. Es gibt sehr wohl schlechte PR, es gibt sogar sackpeinliche PR. Beides trifft auf die Aktion des Herrn Dünzel zu. Ob er sich übrigens der Doppeldeutigkeit bei “Swipe nach rechts – AfD meets Tinder” bewusst ist? Bin mir nicht sicher.

Schönes Wochenende!

PS: Im Podcast “Die Medien-Woche” spreche ich mit Kollege Christian Meier von der Welt (der Zeitung, nicht dem Sender!) auch über die irre Matussek-Party sowie weitere Aufreger. Es geht um den Umzug des deutschen Business Insider (BI) nach Berlin und wir haben mit BI-Gründer Henry Blodget geredet. Außerdem diskutieren wir die EU-Beschwerde von Spotify gegen Apple und die neue RTL-Group-Strategie. Ich freue mich, wenn Sie reinhören!

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