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Fleischhauer zu Matussek-Party: „Böhmermann trifft garantiert nur auf Personen, die so ähnlich denken wie er“

Von links: Fleischhauer, Böhmermann, Matussek ©Fotos: Picture Alliance/ZB/ imago/Horst Galuschka/ Stefan Schmidbauer/ Montage: MEEDIA

Die Party von Matthias Matussek sorgte in den sozialen Medien für viel Gesprächsstoff, vor allem Jan Böhmermann äußerte starke Kritik. Nun hat Spiegel-Redakteur und Partygast Jan Fleischhauer in seiner Kolumne Stellung genommen. Darin widerspricht er dem Moderator – und ist um einen kleinen Seitenhieb nicht verlegen.

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„Darf man als Redakteur des Spiegel an einer Feier teilnehmen, zu der auch Menschen eingeladen sind, die rechts oder vielleicht sogar rechtsradikal sind?“, fragt Jan Fleischhauer in seiner Kolumne bezüglich seiner Teilnahme am 65. Geburtstag von Matthias Matussek. Darin geht er vor allem auf die Großkritik von Jan Böhmermann ein, der sogar die Spiegel-Chefredaktion kontaktiert hatte, weil sich aus dessen Sicht Fragen nach den journalistischen und ethischen Standard des Spiegel ergäben (MEEDIA berichtete). Fleischhauer kontert nun die Kritik des ZDF-Moderators:

Macht man sich mit der Meinung der Umstehenden gemein, wenn man auf den Gastgeber einen Toast ausbringt, wäre eine. Oder: Fraternisiert man bereits mit Rechten, wenn man am Büfett steht, statt Reißaus zu nehmen? Das ist ja der Vorwurf: Wer mit solchen Leuten auf einer Geburtstagsfeier zusammenstehe, normalisiere rechtes Denken und trage es damit in die bürgerliche Mitte.

Wer den Gedanken zu Ende denke, so der Spiegel-Redakteur, kommt zum Prinzip der sogenannten Kontaktschuld: „Im Prinzip reicht es schon, dass man sitzen bleibt, wenn einer mit der falschen Gesinnung an den Tisch tritt. Der Umstand, dass man erst im Nachhinein belehrt wurde, mit wem man es zu tun hatte, ist dabei kein hinreichendes Entlastungsargument. Du hättest damit rechnen müssen, dass der Gastgeber zweifelhaften Umgang pflegt, heißt es dann.“

Fleischhauer hält seinen Freund für einen“Wirrkopf“

Ja, er halte Matussek für einen Wirrkopf, so der Kolumnist. „Ich habe ihn politisch nie ernst genommen. Wer in nüchternem Zustand in der Hamburger Innenstadt auf Bierkisten steigt, um die Zuhörer zum Aufstand aufzurufen, ist bestenfalls ein Bajazzo, im schlimmsten Fall ist er reif für die Klapsmühle.“ Allerdings sei die Entscheidung, ob man deshalb eine langjährige Freundschaft aufkündigt eine rein private Angelegenheit. Die Öffentlichkeit kann die Distanzierung verlangen, „aber dann bewegt man sich nicht mehr in einer freiheitlichen Gesellschaft, die aus gutem Grund auf die Trennung von privatem und öffentlichem Raum Wert legt“.

In Richtung ARD-Moderator Reinhold Beckmann, ebenfalls Partygast, fragt er: „Was muss ein Mann wie er fürchten, dass er sich so klein macht? Wie groß muss die Angst sein, wenn selbst ein erfolgreicher ARD-Moderator in die Knie geht?“ Beckmann hatte sich knapp zwölf Stunden nach der Party öffentlich auf Facebook für seine Teilnahme am Geburtstag entschuldigt. „Es handelte sich um eine öffentliche Lossagung, einen Kotau“, so Fleischhauer.

Über Böhmermann: „Trifft garantiert nur auf Personen, die so ähnlich denken wie er“

Fleischhauers schreibt, dass er einen weiten Freundes- und Bekanntenkreis hat. Dazu gehörten auch Anarchisten oder Feministinnen. Er habe sich ohnehin den Journalismus ausgesucht, weil er dort auf Menschen trifft, „denen andere nicht einmal die Hand geben würden.“ Einen Seitenhieb auf Böhmermann kann sich der Spiegel-Mann dabei nicht verkneifen. „Der gefährlichste Mensch, den Jan Böhmermann kennt, ist vermutlich Katrin Göring-Eckardt. Er trifft garantiert nur auf Personen, die so ähnlich denken wie er. Mich hat die Verdopplung meiner Meinung nie interessiert.“

Böhmermann hat die Causa Matussek in der aktuellen Folge seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ aufgegriffen. Hier gibt’s den zehnminütigen Ausschnitt:

tb

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