Anzeige

„Deutsche Medien sind nach wie vor ein männlich dominiertes Feld“: Streikaufrufe und taz in Violett zum Weltfrauentag

Medien und Medienschaffende startet zum Weltfrauentag verschiedene Aktionen Montage: MEEDIA

Zum Weltfrauen-Tag lassen sich Medienschaffende diverse Aktionen einfallen, um auf die Gleichberechtigung für Frauen aufmerksam zu machen: Die Berliner taz erscheint heute ganz in violett und verzichtet wie der Weser Kurier auf Männer, beim Neuen Deutschland und in anderen Redaktionen streiken dagegen die Redakteurinnen. Auch in den sozialen Netzwerken wird das Thema heiß diskutiert.

Anzeige

„Ein anderer Journalismus ist möglich“, lautet der Titel eines Streikaufrufs, dem sich über 100 Journalistinnen in Deutschland angeschlossen haben. Zum heutigen Weltfrauentag legen sie ihre Arbeit nieder. „Die Streikenden setzen sich gegen all die Formen von Unterdrückung und Ausbeutung zur Wehr, die Frauen betreffen“, heißt es in dem Schreiben, das unter anderem von verdi unterstützt wird. „Als Medienschaffende haben wir die Möglichkeit, viele Menschen zu erreichen. Wir stehen mit diesem Aufruf für die Forderungen aller streikenden Frauen und Queers am 8. März ein und wollen zudem die bestehenden Ungleichheiten in unserer eigenen Branche sichtbar machen.“

Zu den Unterzeichnern gehören Redakteurinnen und Mitarbeiterinnen von der taz, dem Neuen Deutschland, dem Bayrischen Rundfunk, Zeit Online, dem Tagesspiegel und weiteren Medienunternehmen. Weil in Berlin dank des Feiertags die Arbeit vielerorts sowieso stillsteht, haben die Mitarbeiterinnen des linken Blatts Neues Deutschland schon am Donnerstag gestreikt. Rund die Hälfte der Redaktion war davon betroffen. Der DJV unterstützt die Ziele des Aufrufes, betont aber, dass der Streikaufruf nur symbolisch sein kann.

Die taz färbt sich violett, Berliner Morgenpost und Weser Kurier mit Sonderausgabe

Der Weltfrauentag ruft aber auch die Medienhäuser selbst auf den Plan. Die taz färbt ihr komplettes Layout und die Webseite violett – um auf die Frauenbewegung aufmerksam zu machen. „Die deutschen Medien“, schreibt die linke Tageszeitung in einem Beitrag dazu, „sind nach wie vor ein männlich dominiertes Feld. Männer schreiben, Männer erklären, Männer sind die Protagonisten.“

In der Freitagsausgabe, die trotz des Berliner Feiertags erscheint, verzichtet die taz daher auf Männer und kommt dafür mit reichlich Autorinnen, Protagonistinnen, Expertinnen und Fotos von Menschen daher, die sonst unterrepräsentiert sind. Die „Frauentaz“ lässt sich als ePaper zudem gratis herunterladen.

Das Blatt erklärt aber: „Auf Dauer, das vielleicht noch, wollen wir gar nicht ohne Männer. Wir wollen, dass sie unsere Verbündeten sind, dass sie über Feminismus schreiben, dass sie mitdenken, was es bedeutet, in einer patriarchalen Welt zu leben. Ab morgen dürfen sie auch wieder Zeitung machen. Heute machen wir sie.“

Auf eine ähnliche Idee kam der Weser Kurier. Unter dem Motto „Der weibliche Blick“ hat das Medienunternehmen die redaktionelle Leitung sowie alle redaktionellen Führungspositionen, die an der Entstehung der Zeitung und des Onlineauftritts beteiligt sind, ausschließlich mit Frauen besetzt – „um zu dokumentieren, dass Frauen in vielen Bereichen des Lebens – auch in Deutschland – beinahe 60 Jahre nach Beginn der modernen Frauenbewegung immer noch mit Vorurteilen zu kämpfen haben“, sagt Marcel Auermann, stellvertretender Chefredakteur der Mediengruppe.

Auch die Berliner Morgenpost veröffentlicht eine Sonderausgabe zum Weltfrauentag. Sie widmet sich auf 28 Seiten den „Fragen der Frauen“.

Große Resonanz in sozialen Medien

Auf Twitter trendet erwartungsgemäß der Hashtag „Weltfrauentag“. Zu diesem Hashtag gab es in den vergangenen 24 Stunden fast 18.000 Tweets. Einer der erfolgreichsten stammt von der Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli. Dort gesteht sie zunächst ein, dass sie früher mit „Feministinnen nichts anfangen“ konnte. „Wenn Du gut bist, kommst Du weiter. Dachte ich.“ Sie habe aber gemerkt, dass die Realität anders aussehe:

Ebenfalls erfolgreich war der Tweet eines Accounts namens „Verrückte Geschichte“: „1983: Die Grünen-Abgeordnete Waltraud Schoppe fordert im Bundestag ein Ende des ‚alltäglichen Sexismus‘ im Parlament – und wird ausgelacht.“

Hohe Interaktionsraten erreichte zudem dieser Twitter-Post: „Solange Frauen beschnitten werden, solange Frauen Menschen 2.Wahl sind, solange Frauen vergewaltigt werden und die Schuldigen sind, solange Frauen keine Rechte haben, gibt es noch unglaublich viel zu tun.“

Sowie auch die Tweets des Satiremagazins extra3:

Anzeige