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Neue Missbrauchsvorwürfe: BBC und norwegischer Rundfunk nehmen Michael-Jackson-Songs aus dem Programm

HBO hat eine umstrittene Doku über Michael Jackson ausgestrahlt
HBO hat eine umstrittene Doku über Michael Jackson ausgestrahlt © Picture Alliance/ Montage: MEEDIA

Die im Bezahlsender HBO über Michael Jackson ausgestrahlte Doku schlägt hohe Wellen: Der norwegische Rundfunk NRK will auf seinen Radiosendern zwei Wochen lang keine Lieder von Michael Jackson spielen. Grund seien die in einer US-Fernsehdokumentation erhobenen Missbrauchsvorwürfe gegen den "King of Pop", teilte der NRK am Montag mit. Auch BBC 2 hat sich zu diesem Schritt entschlossen.

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“Michael Jackson hat eine enorme populärkulturelle Bedeutung gehabt und ist für ein großes Publikum ein wichtiger Künstler”, erklärte NRK-Musikchef Knut Henrik Ytre-Arne. Dessen Musik komplett zu verbannen, sei deshalb zunächst schwierig. Ab diesem Freitag werde man 14 Tage lang die Songs von Jackson aus den Wiedergabelisten der Sender P1, P13 und P1+ entfernen und dann schauen, wie das Publikum auf den Inhalt der Doku reagiere. Wenn sich ein zuständiger Programmleiter entschließe, doch Musik des Popsängers zu spielen, sollte den Zuhörern erklärt werden, warum.

Auch der britische Radiosender BBC2 möchte künftig keine Songs mehr des 2009 verstorbenen Musikers spielen. “Wir betrachten jedes Musikstück nach seinen Verdiensten. Und Entscheidungen darüber, was wir spielen, werden immer unter Berücksichtigung des relevanten Publikums und des Kontextes getroffen”, sagte ein Sendersprecher gegenüber der Sunday Times.

Keine neuen Beweise zu den Vorwürfen

Hintergrund ist die Dokumentation “Leaving Neverland”, in der zwei erwachsene Männer Jackson vorwerfen, sie im Kindesalter sexuell missbraucht zu haben. Die erste Hälfte wurde am Sonntag trotz heftigen Widerstands von Jacksons Nachlassverwaltern beim Bezahlsender HBO ausgestrahlt, die zweite sollte am Montagabend (Ortszeit) folgen. Im Anschluss ist eine Sondersendung von Talkmasterin Oprah Winfrey mit den beiden Männern, James Safechuck und Wade Robson, sowie mit Regisseur Dan Reed geplant. Neue Beweise zu den Vorwürfen werden in dem Film von Regisseur Dan Reed nicht geliefert. Der NRK will die Doku an diesem Sonntag ebenfalls zeigen.

In den USA hat der Film gemischte Reaktionen hervorgerufen. Einige Zuschauer nahmen Jackson in Schutz, andere kündigten an, seine Musik nicht mehr zu hören. In dem Film werfen zwei erwachsene Männer Jackson vor, sie im Kindesalter sexuell missbraucht zu haben.

Gespaltene Reaktionen auf den Film
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“Michael Jackson stand deutlich länger als ein Jahrzehnt unter Überwachung des FBI. Sie haben nichts gefunden, um Behauptungen von Kindesmissbrauch zu belegen”, schrieb TV-Produzent Elgin Charles bei Twitter. “Mit Blick auf die Erzählmethode ist “Leaving Neverland” eine sehr schlechte Dokumentation”, schrieb Drehbuchautor und Filmemacher Gabriel Torrelles. Beim “größten Megastar der Welt und einem Verstorbenen” erwarte er mehr Fakten und Recherche. Andere fragten, ob HBO höhere Einschaltquoten nötig habe.

Comedian Rosie O’Donnell bezeichnete den Film als “quälend”. Regisseur Morgan J. Freeman schrieb: “Dieser Mann muss von allen Sockeln entfernt werden und seinen angemessenen Platz in der Geschichte erhalten: ein Megastar, der seine Macht missbrauchte, um kleine Jungen zu belästigen.” Der Film habe seine Antipathie gegen Jackson in “Übelkeit” verwandelt, schrieb Regisseur Ben Rock. “Was für ein grotesker Widerling.” Sport-Kommentator Jason La Canfora kündigte an, er werde “nie wieder einen Michael-Jackson-Song hören”.

Bereits zweimal sah sich Jackson mit schweren Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen konfrontiert. 1993 kam es nicht zu einem Prozess, allerdings erhielt die Familie des Hauptzeugen eine Zahlung von 22 Millionen US-Dollar. Zwölf Jahre später wurde der Musiker von einer Jury freigesprochen. Einer der Männer, die nun die schweren Vorwürfe erheben, hatte den Sänger damals noch verteidigt und unter Eid entlastet.

tb/dpa

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