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AKK und das “Narrengate”: CDU-Chefin schweigt nach Karnevals-Kalauer über Intersexuelle zu Twitter-Shitstorm

Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) beim “Stockacher Narrengericht”
Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) beim "Stockacher Narrengericht" © dpa

Der deutsche Karneval ist um einen Skandal "reicher": Bei einer Büttenrede machte Annegret Kramp-Karrenbauer Witze auf Kosten des dritten Geschlechts. Dafür erntete die CDU-Chefin nun Kritik. Kurios nur: Die Rede hielt sie am Donnerstag. Tagelang waren die zweifelhaften Äußerungen AKKs völlig unkommentiert geblieben.

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Die CDU-Chefin war am Donnerstag vor das sogenannte “Stockacher Narrengericht” geladen worden. In bester südwestdeutscher Karnevalsmanier müssen die “Angeklagten” zuerst Hohn und Spott über sich ergehen lassen, bevor sie dann die Möglichkeit bekommen, sich zu verteidigen. Auch Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier, Malu Dreyer, Winfried Kretschmann, Andrea Nahles und Philipp Rösler standen schon vor dem altehrwürdigen Narrengericht.

Und so musste auch AKK als “Angeklagte” erst einmal eine Reihe von Witzen über sich ergehen lassen. Als sie dann schließlich an der Reihe war, feuerte die 56-Jährige zurück. Und kritisierte eben jenes Narrengericht, das seit der Gründung vor 668 Jahren aus 20 Männern besteht. Frauen: Fehlanzeige.

Die Berliner “Latte-Macchiato-Fraktion”

Anschließend richtete die CDU-Chefin ihre Kritik aber gegen Berlin und Intersexuelle: “Guckt euch doch mal die Männer von heute an”, so AKK. “Wer war denn von euch vor kurzem mal in Berlin, da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen?” Abgesehen davon, dass in AKKs Berlin-Bild mit Hipness gleichzusetzende Heißgetränk seit Jahren aus der Mode geraten ist, wurde zwar in Berlin über die Einführung von Toiletten für das dritte Geschlecht diskutiert. Konkrete Pläne hingegen liegen aktuell aber nur für Bayern vor.

Das hielt die Politikerin aber nicht davon ab, sich über das dritte Geschlecht lustig zu machen: “Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür – dazwischen – ist diese Toilette.” Nanu, stand da plötzlich Mario Barth im AKK-Kostüm auf der Bühne?

Kramp Karrenbauer heute im Karneval:"Guckt Euch doch mal die Männer von heute an: Wer war denn von Euch vor Kurzem mal…

Gepostet von Johannes Kram am Samstag, 2. März 2019

Reaktionen aus Berlin ließen überraschend lange auf sich warten. Denn obwohl die Sendung bereits am Donnerstag zur Prime-Time im SWR ausgestrahlt wurde, machte erst am Samstag der “Nollendorf”-Blogger Johannes Kram in einem Facebook-Beitrag darauf aufmerksam. Erst im Anschluss schien die Empörung zuzunehmen: Der Grünen-Politiker Sven Lehmann kritisierte in einem offenen Brief den fragwürdigen Auftritt der gebürtigen Saarländerin.

Dass Karneval sei, mache die Sache keineswegs besser: “Im Gegenteil: Denn Fasching und Karneval sind Feste der Toleranz und Lebensfreude; Feste, bei denen alle Menschen zusammen kommen können, um friedlich und unter Gleichen miteinander zu feiern.” Anscheinend glaube Kramp-Karrenbauer, eine Stimmung bedienen zu müssen, “die nicht ohne billige Kalauer auf Kosten gesellschaftlicher Minderheiten auskommt”. Solche Äußerungen würden nicht nur von Unkenntnis in der Sache zeugen, “sie sind diskriminierend und verächtlich machend”, schreibt Lehmann.

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“Stammtischniveau” und “absolut respektlos”

Gegenwind für Kramp-Karrenbauer gab es im Anschluss auch von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD): “Ein Karnevalsgag kann gut oder schlecht sein, komisch oder eher mäßig – aber auch hinter Humor steht immer eine Haltung.”

Kramp-Karrenbauer fehle offenbar in Diskriminierungsfragen “eine dem Amt und der Funktion angemessene Haltung”. Die CDU-Vorsitzende “denunziere auf Stammtischniveau” Menschen, “die nicht der geltenden Machonorm entsprechen”, erklärte Berlins Kultursenator Lederer auf Twitter. Der SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil erklärte gegenüber der Funke-Mediengruppe, dass ihre Äußerungen “absolut respektlos” seien.

Reagiert auf den verspäteten Shitstorm hat Kramp-Karrenbauer bislang nicht. Und dass, obwohl zuletzt der WDR nach Bernd Stelters “Doppelnamen-Gate” Teile aus einer Sendung entfernte. Kram fragt dazu im Bildblog:

Sind die Grenzen des Sagbaren mittlerweile so weit verrutscht, dass keiner der offensichtlich vielen anwesenden Journalistinnen und Journalisten so etwas für berichtenswert hält? Wie kann das selbst dem übertagenden Sender durch die Lappen gehen? Und wieso hat der SWR nicht spätestens nach der großen medialen Aufregung heute nachgelegt und wenigstens jetzt darüber etwas gemacht, wer da alles parteiübergreifend im Saal mitgejohlt hat?

So unsäglich die Aussagen der CDU-Chefin auch sein mögen: Verwundern dürften sie eigentlich nicht. So ist Kramp-Karrenbauer nicht nur gegen die Ehe für alle. Bereits 2015 hatte die Frau, die auf Merkel im Kanzleramt folgen könnte, die gleichgeschlechtliche Ehe in eine Reihe mit Polygamie und Inzest gestellt.

(dis)

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