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Relotius-Fälschungen: Acht weitere Redaktionen haben Belege für Manipulationen gefunden

Claas Relotius hat nicht nur für den Spiegel Reportagen veröffentlicht
Claas Relotius hat nicht nur für den Spiegel Reportagen veröffentlicht

Claas Relotius hat seine preisgekrönten Reportagen nicht nur für den Spiegel, sondern auch für die NZZ, Weltwoche, Cicero und zahlreiche andere Medien geschrieben. Seit Bekanntwerden der Fälscher-Affäre haben die betroffenen Medienhäuser umfassende Prüfungen angekündigt. Das Medienmagazin journalist hat nachgefragt. Eine Erkenntnis: Keine Redaktion konnte ihn entlasten.

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Der im Dezember als Fälscher aufgeflogene Autor Claas Relotius hat nicht nur für den Spiegel, sondern auch für zahlreiche andere Medien geschrieben. Nach Informationen des journalist haben neben dem Spiegel insgesamt 13 Redaktionen beziehungsweise Redaktionsverbünde Texte von Relotius veröffentlicht. Eine Recherche des Medienmagazins hat nun ergeben, dass acht Redaktionen Belege für Manipulationen oder frei erfundene Passagen in einzelnen oder mehreren der bei ihnen veröffentlichten Artikel gefunden haben.

Darunter der Tagesspiegel, das SZ-Magazin und Zeit Online. Auch all jene Redaktionen, die bislang keine Fälschungen nachweisen konnten, geben gegenüber dem journalist an, Zweifel an den veröffentlichten Texten von Relotius zu haben. Wichtiges Erkenntnis: Keine Redaktion konnte Relotius entlasten.

Redaktionen wollen “Sicherheitssysteme” verbessern
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Die Verantwortlichen der betroffenen Redaktionen haben angekündigt, ihre internen Sicherheitssysteme zu verbessern. Weltwoche-Chef Roger Köppel will bei Interviews künftig Audiobänder einfordern. Insgesamt 28 Texte von Relotius waren zwischen 2012 und 2016 im Schweizer Magazin erschienen. Ende Dezember kündigte Köppel an, man werde die Artikel “so weit wie möglich” nachprüfen. Laut dem Chefredakteur und Verleger befänden sich fast ausschließlich Interviews unter den publizierten Relotius-Texten. “Dem beschuldigten Autor wird selbstverständlich Gehör eingeräumt”, so Köppel damals.

Bei Zeit Online will man sich von Autoren jeweils kurze Rechercheberichte vorlegen lassen. “Die Angaben werden wir stichprobenartig checken”, so Jochen Wegner zum journalist. Ähnlich äußert sich Luzi Bernet, Chefredakteur der NZZ am Sonntag: “Wir müssen künftig eine punktuelle Dokumentation der Recherchen anfordern. Und wir müssen, wenn es finanzierbar ist, dem Reporter einen Fotografen zur Seite stellen.” Bei der Schweizer Zeitung war der Star-Faker schon 2014 wegen Fake-News in einer Frisör-Kolumne aufgefallen – und dann rausgeflogen.

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