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Radikale Neuausrichtung bei Impulse: Verleger Nikolaus Förster gibt den Kiosk-Verkauf auf

Chefredakteur und Geschäftsführer von “Impulse”: Nikolaus Förster
Chefredakteur und Geschäftsführer von "Impulse": Nikolaus Förster © Foto: Ulla Deventer/ impulse/ Montage: MEEDIA

In einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld für Presseprodukte schlägt Impulse-Verleger Nikolaus Förster unternehmerisch einen mutigen, aber riskanten Weg ein: Er beendet die Reichweiten-Vermarktung und gibt den Kioskverkauf auf. Künftig will er sich auf den Vertrieb von Heften konzentrieren, die von den Abonnenten voll bezahlt werden. Zugleich sollen Digitalprodukte und Nebengeschäfte dazu beitragen, die wirtschaftliche Zukunft seines Verlags abzusichern.

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Es ist ein tiefer Einschnitt für Impulse: Lange Zeit setzte das ehemals zu Gruner + Jahr gehörende Unternehmermagazin auf eine klassische Reichweiten-Vermarktung, um für Anzeigenkunden attraktiv zu sein. Ob Bordexemplare, Lesezirkel oder sonstige Verkäufe – kostenlos legte Impulse-Chef Nikolaus Förster hierzu den Wirtschaftstitel in Flughafen-Lounges aus, schanzte Verbänden und Vereinen vergünstigte Abos zu oder bediente Leser-Zirkel mit vergünstigten Exemplaren.

Voll bezahlte Abos

Nun macht der Verleger mit dieser Politik Schluss: Er will sich ab April auf den Vertrieb von Magazinexemplaren fokussieren, die von Abonnenten voll bezahlt werden. „Wir brechen bewusst mit der Reichweitenvermarktung und der Billigstrategie, die wir Verlage über Jahrzehnte hinweg verfolgt haben“, erklärt Förster. Damit sinkt die Auflage des Unternehmermagazins allerdings schlagartig – von 70.000 auf 12.500 Exemplare. Dem Verleger ist dies klar. Doch: „Magazine vergünstigt auf den Markt zu bringen, passt nicht mehr zu dem, wofür Impulse heute steht: eine Premiummarke mit einer intensiven Kundenbeziehung, die sich daran messen lässt, welchen unternehmerischen Nutzen sie stiftet.“

Für den Unternehmer – ein Mann mit Drei-Tage-Bart und sportlicher Statur – ist die Maßnahme nicht ungewöhnlich. Gerne bricht der Geschäftsmann mit Gewohnheiten vieler Medienhäuser. Dazu gehört der übertriebene und kostspielige Einsatz von Abo-Prämien. Ob Koffer oder großzügige Geldgeschenke – der ehemalige Journalist der G+J-Wirtschaftsmedien verzichtet seit dem Management Buy Out 2013 konsequent auf teure Beigaben, um Abonnenten zu werben. Dies hält er für den falschen Weg. Seiner Meinung nach würden die Verlage hierdurch ihre Magazine bei den Lesern als Qualitätsmedium herabwerten.

Doch das ist wohl nur die halbe Wahrheit für die aktuelle Radikalkur des Hamburger Verlags, der im Bürostandort Hammerbrook seinen Sitz hat. Ein wichtiger Grund dürfte das stark veränderte Umfeld sein: Gestiegene Papierpreise und Logistikkosten – vor allem über den Versand mit der Post – belasten den Vertrieb vieler Medienhäuser. Zudem gerät das Anzeigengeschäft vieler Pressebetriebe durch die digitale Übermacht von Google, Facebook & Co. immer stärker unter Druck. Trotz des jetzigen Kurswechsels glaubt Impulse für Werbetreibende weiter interessant zu sein. „Für Anzeigenkunden, die keine Streuverluste mehr in Kauf nehmen und Entscheider zielgenau erreichen möchten, sind wir künftig äußerst attraktiv,“ meint Verlagsleiterin Laura Blindow.

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24,90 Euro für ein Heft

Doch das ist nicht alles: Im Zuge der neuen Strategie dreht Förster beim Heft weiter an der Preisschraube. Erneut soll der Einzelverkaufspreis auf künftig 24,90 Euro steigen (das Jahresabo klettert auf 249 statt 199 Euro). Mehrfach hatte Förster den Copypreis seit der Übernahme des Blattes von Gruner + Jahr erhöht – von ursprünglich 7,50 Euro auf zuletzt 19,90 Euro Anfang 2018. Doch die Vertriebsmaßnahme hinterlässt Spuren im Verkauf, zuletzt in diesem Jahr. Zwar stieg die verkaufte Auflage im 4. Quartal 2018 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal um rund 1,3 Prozent auf 74.556 Exemplare. Blickt man hingegen auf die harte Währung (Abo + EV), sank die Auflage im Berichtszeitraum um mehr als 1.700 Exemplare auf 33.487 Stück. Förster schließt deshalb nicht aus, dass durch die erneute Preisanhebung weitere Abonnenten abspringen.

Zudem könnte sich der Druck auf den Verkauf des Heftes weiter verschärfen, da der Zeit-Verlag als neuer Wettbewerber auf den Markt tritt. Ab 20. März bringt das Printhaus sein neues Mittelstandsmagazin “Zeit für Unternehmer” heraus. Vier Mal im Jahr soll es gratis an rund 80.000 Entscheider aus dem deutschen Mittelstand gehen. Produziert wird das Heft von der Zeit-Wirtschaftsredaktion. Herausgeber ist Uwe Jean Heuser, Wirtschaftschef der Zeit.

Förster hofft, trotzdem das Ergebnis seines kleinen, mittelständischen Unternehmens 2019 weiter zu steigern. Im vergangenen Jahr hatte die Impulse Medien GmbH, an er der 75 Prozent hält, ein Jahresergebnis von 136.049 Euro erwirtschaftet – bei einem Umsatz von 4,4 Millionen allerdings eine magere Rendite von gut drei Prozent. Doch das soll nach der Neuausrichtung nicht so bleiben. Mittelfristig strebt er eine Umsatzrendite im zweistelligen Bereich an. Hoffnung setzt Förster auf einen kostenpflichtigen Digitaldienst namens Gesetzeslotse, der Unternehmen Orientierung im undurchsichtigen Dschungel von Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien geben soll, eine Kontaktvermittlungs-Börse für Mittelständler sowie das Seminargeschäft.

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