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Der Zeitungsausstieg bei DuMont, die Kaufkandidaten und die große Preisfrage: Wer macht’s?

Die DuMont Unternehmenszentrale in Köln
Die DuMont Unternehmenszentrale in Köln

Nach Jahren der Einsparungen und Konsolidierungen will sich die DuMont Mediengruppe nun endgültig vom Geschäft mit den Tageszeitungen trennen: Sie stellt das Erbe des Verlegers Alfred Neven DuMont zum Verkauf. Auch wenn der journalistische Räumungsverkauf mit Blättern in den Metropolen Köln, Hamburg und Berlin bereits seit einiger Zeit erwartet wird, scheint ein Abschluss kaum in Sicht – wer wird's machen? Das ist die große Preisfrage.

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Der Konzern will sich von seinem Zeitungsgeschäft, zu dem neben dem Kölner Stadt-Anzeiger und dem Express auch die Hamburger Morgenpost, die Hauptstadttitel Berliner Zeitung und Berliner Kurier sowie die Mitteldeutsche Zeitung in Halle gehören, trennen. Bereits seit Wochen kursierten sich in der Branche die Ausverkaufsgerüchte, am heutigen Dienstag schuf Horizont anhand eines Verkaufsprospekts, das der Redaktion offenbar vorliegt, Klarheit. Demnach will man die Titel gerne als Paket abtreten, im Zweifel sollen die Zeitungen aber auch einzeln über den Tisch gehen. Einen Preis ruft DuMont wohl nicht auf, Interessenten sollen Angebote vorlegen. Offiziell geäußert hatte sich der Konzern auf Nachfrage von Horizont nicht. Wer macht’s, lautet nun die große Preisfrage, die wiederum nur eine Frage des Preises sein kann.

Zukäufe im Hamburger und Berliner Zeitungsmarkt – die Begeisterung hält sich in Grenzen

Denn das Preisschild wird letztlich darüber entscheiden, ob die DuMont-Gruppe die Boulevard- und Abozeitungen überhaupt im Paket veräußern kann. Für CEO Christoph Bauer und die DuMont-Erben wäre dies die bequemste Lösung. Allerdings enthält das Portfolio Titel aus Märkten, nach denen sich Verlagsmanager derzeit nicht unbedingt die Finger lecken. Während der Express wie auch der Kölner-Stadtanzeiger zumindest für die meisten großen Regional-Player als Filetstück gelten dürften (im Stadtgebiet Köln ist DuMont quasi Monopolist), bewegt sich der Konzern mit dem Rest des Portfolios in schwierigen Gefilden. Besonders Hamburg und Berlin, wo die eine Hälfte der Titel erscheint, gelten als höchst unattraktiv – und die Begeisterung für die Titel hält sich bei potentiellen Interessenten dem Vernehmen nach in Grenzen.

Nach gescheiterten Gesprächen: Unternimmt Funke einen erneuten Anlauf?

In der Hauptstadt ist aber klar, dass etwas passieren muss. Mit seinen rund vier Millionen Einwohnern ist der Markt mit fünf regionalen Zeitungen (die Berliner B.Z. von Springer inkl.), die summiert auf eine Verkaufsauflage von rund 360.000 Exemplaren kommen, übersättigt. Eine Chance bieten könnte sich für die Funke Mediengruppe (Hamburger Abendblatt, Berliner Morgenpost), die augenscheinlich einer der heißen Kandidaten für eine Übernahme des DuMont-Portfolios ist. Es wäre nicht das erste Mal, dass man sich am Verhandlungstisch trifft. Dem Vernehmen nach ist erst vor wenigen Jahren ein möglicher Deal im Zeitungsgeschäft geplatzt. Gesprochen wurde damals wohl über eine Fusion – die von DuMont-CEO Christoph Bauer eingebrachten Erwartungen waren mit den Vorstellungen der damaligen Funke-Manager allerdings nicht kompatibel, verlautet es aus der Funke-Konzernzentrale in Essen. Der Gesprächsfaden riss ab.

Dennoch ist davon auszugehen, dass die Funke-Manager die Lage erneut ausloten dürften. Die Berliner Titel wären vor dem Hintergrund einer Sanierungsfusion mit der Berliner Morgenpost durchaus attraktiv. Dem Vernehmen nach tut sich Funke nach der Übernahme des ehemaligen Springer-Titels in der Hauptstadt nach wie vor schwer. Eine Fusion sämtlicher Einheiten – als krasser Schritt – würde neue Synergiepotentiale heben, auch über Verlagsgrenzen hinaus.

Denn auch hier war in der Vergangenheit in verschiedenen Konstellationen über Kooperationen gesprochen worden. Eine Novelle des Wettbewerbsrecht hatte es ermöglicht, in allen Bereichen, die nicht die Redaktionen betreffen, über Unternehmensgrenzen hinweg zu kooperieren. Vor allem im Vertrieb, der durch den Mindestlohn vor große Herausforderungen gestellt wird, wäre eine Zusammenarbeit von Berliner Zeitung/Kurier, Morgenpost und dem ebenfalls in Berlin erscheinenden Tagesspiegel sinnvoll. Doch auch hier konnte man sich bislang nicht einigen. Eine Marktverschiebung könnte Anlass für neue Gespräche sein.

Mit den Titeln in Köln könnte sich Funke im Heimatmarkt Nordrhein-Westfalen ausdehnen und seine Position gegenüber der Konkurrenz stärken. Anders bei der Rheinischen Post dürfte das Kartellamt bei einer Übernahme von Express und Stadt-Anzeiger durch Funke weniger Bedenken haben. Ins Portfolio hineinpassen würde auch die Mitteldeutsche Zeitung aus Halle. Zumindest geografisch käme Funke auch die Hamburger Morgenpost gelegen. Mit der Berliner Morgenpost kaufte Funke damals auch das Hamburger Abendblatt – doch spätestens hier dürfte dann auch das Kartellamt ein Wörtchen mitreden. Hinzu kommt: Wirklich attraktiv sind Boulevardtitel längst nicht mehr.

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Wie viel Sinn macht eine Übernahme durch Madsack tatsächlich?

Auch bei der Hannoveraner Madsack Mediengruppe ist fraglich, ob man bei den anstehenden Konsolidierungen nur als Zuschauer dabei sein will. Gerade erst ist der Konzern mit DuMont einen Deal in der Hauptstadt eingegangen. DuMont hat seine ehemalige Hauptstadtredaktion ins RND Berlin eingebracht und eine Minderheit am Joint Venture erworben. Einem neuen Eigentümer der DuMont-Titel könnte eine andere Lösung für die Mantellieferung genehmer sein.

Darüber hinaus dürfte DuMont für Madsack deutlich weniger attraktiv sein. Bislang hat sich Madsack aus dem Zeitungsmarkt in Berlin herausgehalten, auch in Hamburg wie im ebenfalls umkämpften Nordrhein-Westfalen ist Madsack nicht aktiv. Angesichts der allgemeinen Entwicklung im (regionalen) Zeitungsmarkt und ohne Aussicht auf spürbare Synergieeffekte dürfte dies auch so bleiben. Für eine Stärkung der eigenen Position im Osten durch den Erwerb der Mitteldeutschen Zeitung dürfte ein Paket-Kauf wohl kaum in Frage kommen.

Paket-Verkauf gilt als unwahrscheinlich

Ohnehin kommt bei beiden großen Playern im Regionalmarkt die Frage auf, inwiefern sie sich große Übernahmen überhaupt leisten können und wollen. Gerade erst hat die Funke Mediengruppe das “Programm 2020” ausgerufen, das weitere interne Konsolidierungen zur Folge hat. Zudem hatte die Gruppe in jüngster Vergangenheit im Magazinsegment zugekauft. Beide Zeitungsgruppen haben im Rahmen der allgemeinen Konsolidierungen am Markt genügend offene Baustellen.

Der Verkauf der Titel wird also eine Frage des Preises sein. Dass Interessenten bereit sein werden, einen dreistelligen Millionenbetrag Betrag auf den Tisch zu legen, gilt nach Aussagen von Branchenbeteiligten als utopisch. Im Jahr 2016 berichtete das Manager Magazin in seiner Geschichte “Das vergiftete Erbe” über ein KMPG-Gutachten, dass 2013 den gesamten Wert des Konzerns auf unter 100 Millionen Euro geschätzt hatte. Neben dem Tageszeitungsgeschäft hatte DuMont, wie heute auch noch, den Bundesanzeiger sowie Anzeigenblätter im Portfolio.

Sollten die Erwartungen der Geschäftsführung wie auch der Eigentümer höher liegen, bleibt also nur der aufwändigere Einzelverkauf, wodurch sich in der Summe zumindest mehr Interessenten finden lassen könnten. So kämen rein theoretisch für die Hamburger Morgenpost auch Unternehmen wie die NOZ Medien infrage. Gemeinsam mit der medien-holding-nord-Gruppe hat diese am Standort Hamburg, direkt in den Büros gegenüber der Mopo, im vergangenen Jahr eine digitale Zentralredaktion hochgezogen. Ins Portfolio passen könnte die Mopo – zumindest digital – auch bei der DDV Mediengruppe aus Sachsen. Mit Tag24 – ehemals Mopo24 – expandiert die Dresdner Morgenpost seit einiger Zeit deutschlandweit. Die Integration der reichweitenstarken mopo.de wäre zumindest eine logische Option.

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Alle Kommentare

  1. Stakeholder geben gerne das Geld aus.
    Die Gefahr besteht nun, dass ein verdecktes Konsortium von Immobilienunternehmen die von DuMont ausgeschriebenen Tageszeitungen übernimmt. In den Ballungszentren Berlin und Hamburg wäre dies eine wertvolle Investition, die querfinanziert werden könnte.
    Beispielsweise ein Konsortium unter der Führung von Adreas Mattner in Kooperation mit Ströer Media
    bestehend aus
    Deutsche Wohnen
    Vonovia/Deutsche Annington
    CBRE Group
    Akelius
    Signa/Benko
    ECE

    Erwähnenswert wäre noch:
    Mit dem Verkauf der Regionalblätter wird sich die FDP sehr sehr warm anziehen müssen. Es war doch so, dass Alfred DuMont zwischen 2006 und 2009 eben diese Blätter aufkaufte um der FDP – in der Rückschau nachweisbaren – Schub zu geben mit dem Ziel der Bildung Kabinett Merkel II. D.h. bei der kommenden BTW wird die FDP draußen sein.

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