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“Protagonistin erfunden”: SZ Magazin trennt sich von preisgekröntem Autor – Spiegel und Zeit überprüfen Artikel

Das SZ Magazin hat sich von einem freien Autor getrennt, nachdem Ungereimtheiten bei Recherchen aufgefallen sind – weitere Medien prüfen Veröffentlichungen
Das SZ Magazin hat sich von einem freien Autor getrennt, nachdem Ungereimtheiten bei Recherchen aufgefallen sind - weitere Medien prüfen Veröffentlichungen

Nach Informationen von MEEDIA hat sich das SZ Magazin von einem freien Autor und Kolumnisten getrennt, nachdem Recherchen einer Überprüfung vor Veröffentlichung nicht standgehalten haben. Der Autor hatte offenbar eine Protagonistin erfunden. Der Verlag spricht von einem "groben Verstoß gegen journalistische Standards". Der u.a. mit dem Henri-Nannen-Preis ausgezeichnete Reporter schrieb auch für andere Qualitätsmedien wie den Spiegel und die Zeit, wo seine Recherchen nun geprüft werden.

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Der freie Journalist war dem Vernehmen nach vom SZ Magazin damit beauftragt worden, eine Geschichte zum Thema Beziehungen zu schreiben, die er vor einigen Monaten geliefert hatte und die im Januar dieses Jahres produziert werden sollte. Doch kurz vor dem vorgesehenen Erscheinungstermin der Skandal um die Fälschungen des Spiegel-Reporters Claas Relotius war erst wenige Wochen alt kamen innerhalb der Redaktion Zweifel auf. Darauf angesprochen habe der Autor “zugegeben, dass die Zweifel an der Geschichte berechtigt sind”, heißt es nun seitens des Verlages auf Nachfrage von MEEDIA.

“Grober Verstoß gegen journalistische Standards”

Eine Verlagssprecherin: “Das Süddeutsche Zeitung Magazin hat eine für den Druck vorgesehene Geschichte eines freien Journalisten nicht veröffentlicht, weil Redaktion und Dokumentation des Magazins feststellen mussten, dass eine die Geschichte tragende Person nicht existiert.” Die Chefredaktionen des SZ Magazins wie auch der Süddeutschen Zeitung hätten dies als “groben Verstoß gegen die journalistischen Standards” erachtet und die Zusammenarbeit mit dem Journalisten beendet.

“Die Geschichte mit der erfundenen Protagonistin ist nicht erschienen, unsere Verfahren zur Prüfung von journalistischen Texten haben funktioniert. Trotzdem werden wir diesen Vorfall zum Anlass nehmen, unsere redaktionsinternen Abläufe gerade bei der Verifizierung und Dokumentation von Texten weiter zu verbessern.”

Im Raum steht nun die Frage, ob es sich um einen Einzelfall handelt oder auch bei anderen Veröffentlichungen die journalistische Sorgfaltspflicht verletzt wurde. Der Journalist publizierte in mehreren Medien der SZ-Markenfamilie. Für das Jahr 2018 sind online mehr als 40 Artikel abrufbar, darin schrieb er über diverse Themen aus Sport und Gesellschaft. Bei der Überprüfung der bereits erschienenen Stücke haben sich nach Verlagsangaben aber “keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass es weitere schwerwiegende Verstöße gegen unsere journalistische Standards gegeben hat. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass in einer Geschichte des Journalisten fremdsprachige Zitate unsauber wiedergegeben wurden und dadurch Sachverhalte ungenau dargestellt worden sind.”

Spiegel und Zeit überprüfen Veröffentlichungen

Derweil zieht der Fall weitere Kreise: Auch andere Qualitätsmedien wie der Spiegel und Spiegel Online oder auch Redaktionen der Zeit Verlagsgruppe hatten in Vergangenheit Texte des Reporters veröffentlicht. Nachdem der Fall beim SZ Magazin aufgeflogen war, wurden nach MEEDIA-Infos andere Redaktionen, für die der Autor arbeitete, informiert. 

Bei Spiegel und Zeit werden die betreffenden Texte dem Vernehmen nach derzeit noch geprüft. Im Falle des Spiegel laufen die Veröffentlichungen erneut durch die Dokumentation, die Ergebnisse werden zunächst Blattmacher Clemens Höges und Nachrichtenchef Stefan Weigel vorgelegt. Beide sind gemeinsam mit anderen Spiegel-Verantwortlichen auch mit der aufwändigen Aufarbeitung der Relotius-Recherchen beauftragt.

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Wie es aus Spiegel-Kreisen heißt, seien rund die Hälfte der insgesamt 43 Veröffentlichungen des Autors im Spiegel und bei Spiegel Online erneut gecheckt worden. Bislang habe man aber keine verdächtigen Unregelmäßigkeiten identifizieren können, heißt es. Bei dem größten Teil der Online-Veröffentlichungen handelt es sich um Übernahmen eines anderes Mediums.

Im Falle einer im gedruckten Spiegel veröffentlichten Geschichte, gibt es aber offenbar keine Möglichkeiten zum Fact-Checking – es handelt sich dabei um ein Stück aus der Reihe “Homestory”, in der Reporter persönliche Erlebnisse schildern, die nicht von außen überprüfbar sind.

In den Medien der Zeit-Gruppe hat der Journalist viele Reportagen und Stücke aus der Ich-Perspektive veröffentlicht, die überwiegend subjektive Beschreibungen enthalten. Dem Vernehmen nach sind Digital-Chefredakteur Jochen Wegner und Stefan Willeke, Mitglied der Zeit-Chefredaktion, federführend mit der Aufklärung beauftragt.

Eine Sprecherin der Zeit-Verlagsgruppe erklärt: “Wir prüfen intensiv alle Texte des freien Mitarbeiters. Dies geschieht unter Mithilfe des Autors, der uns seine Rechercheunterlagen zur Verfügung gestellt hat. Die Prüfung hält noch an. Bislang haben sich alle Orte, Personen und Ereignisse als real erwiesen. Allerdings sind in einem Teil der Texte sachliche Fehler und Ungenauigkeiten der Schilderung aufgefallen. Über eine abschließende Bewertung und mögliche Konsequenzen beraten wir zeitnah, nach Ende aller Recherchen.”

MEEDIA hat versucht, den Journalisten auf mehreren Wegen zu erreichen. Kontaktversuche blieben bislang unbeantwortet. Da der Betroffene in der Sache bislang nicht angehört werden konnte, hat MEEDIA sich gegen eine Veröffentlichung des Namens entschieden.

Der Reporter ist mehrfach preisgekrönter und ausgezeichneter Journalist, u.a mit dem renommierten Henri-Nannen-Preis sowie mit dem Reporterpreis.

 

Update, 20.02., 21.35 Uhr: In der ersten Fassung des Artikels hieß es, dass der Autor den beanstandeten Text im Januar 2019 – also nach Bekanntwerden der Affäre um Claas Relotius – an das SZ Magazin geliefert habe. Inzwischen hat die SZ darauf hingewiesen, dass der Artikel bereits Monate zuvor abgegeben worden, aber erst im Januar von der Redaktion bearbeitet und geprüft worden sei, wobei die Unstimmigkeiten auffielen. MEEDIA hat diesen Punkt entsprechend korrigiert.

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Alle Kommentare

  1. Tja, so lange die Redaktionen den Druck aufbauen, dass eine Reportage mehr zu sein hat, als eine journalistische Kunstform, nämlich ein perfekt durchkomponiertes Essay… Solange sich Jurys berauschen an Texten, die das wahre Leben selbst nicht inszenieren kann.., ist das alles doch eine verlogene Debatte. Wie viele Abnahmen von Texten gibt es bei Print, wo die Redaktion herum mosert, es sei alles noch nicht peppig genug, was der Journalist da heimgebracht hat in seinem Notizbüchlein – und nun machen sich die Mittäter in den Redaktionen alle einen schlanken Fuß…

  2. Ich hab mal am Küchentisch eines Verfassungsrichters erfahren das bei der SZ sogar Mitglieder der Chefredaktion manchmal Storys erfinden.
    Nach dem Essen haben wir dann in den Keller eines Innenministers gewechselt und mit der Modelleisenbahn gespielt, Gerüchte das ein Nannen Preisträger dabei war stimmen aber nicht.

    1. Können wir bitte mal aufhören, den Fall Pfister in diese Debatte mit reinzubringen?! Das eine hat mit dem anderen ü-ber-haupt-nichts zu tun. Um das zu merken, braucht man sich nur eine ganz einfach fragen: Stand eine Modelleisenbahn im Keller von Seehofer? Antwort: Ja. Hat Pfister also gelogen? Nein.
      Hat Relotius mit dem Jungen aus Syrien gesprochen? Antwort: Nein. Hat Relotius also gelogen? Ja.

      1. Hat Pfister den Eindruck erweckt, dass er im Keller war und die Modeleisenbahn selbst gehen hat? Ja. War er im Keller? Nein. Hat Pfister also gelogen? Jpurnalistisch sauber gearbeitet hat er jedenfalls nicht.

      2. @Karl Auer,
        da musst man schon differenzieren.
        Erstens ist das eine ist die Behauptung eines erfundenen Fakts. Das ist schon eine andere Qualität als die Behauptung, einen realen Fakt persönlich gesehen zu haben.
        Zweitens hat Pfister nie behauptet, dabei gewesen zu sein. Vorsätzliches Lügen fällt also schon mal aus.
        Bleibt drittens, höchstens noch, wie Sie es nennen “den Eindruck erwecken” – Ich sehe es nicht als ein “Den Eindruck-Erwecken” wenn man nicht explizit ein “Ich” mit hineinbringt. Aber darüber kann man in der Tat diskutieren. Und darüber ist ja auch diskutiert worden.
        Aber wegen Punkt eins und zwei ist es für mich hier trotzdem verfehlt.

  3. Keine Überraschung, auf ZEIT finden sich Monate nach Relotius immernoch solche offensichtlichen Fake-Texte:

    “Minuten später sitzen die Jungs mit uns auf der Decke, als einer der beiden Männer verschwitzt sein T-Shirt auszieht. Auf seinem Rücken wird ein großes Wehrmachtskreuz sichtbar. Trotz Vorahnung stockt mir der Atem. Die andere Mutter schluckt – das kann ich sehen –, sagt aber nichts. ”

    “Neulich an der Bushaltestelle fiel einem älteren Herrn ein Einkaufswagenchip aus dem Portemonnaie. Schnell hob ich ihn auf, damit er sich nicht hinunterbücken musste. Beim Aufheben stellte ich fest – ein Einkaufschip mit AfD-Logo. “Oh”, sagte ich zu dem Herrn, “das können Sie natürlich nicht wissen, aber da ist ein AfD-Logo drauf. Den entsorge ich mal für Sie.” Beherzt warf ich den Chip in den öffentlichen Mülleimer neben mir”

    Hier von “Qualitätsmedien” zu sprechen ist eine Lüge

    1. Auch für Sie gilt, trotz ihres lustigen Nicks:

      Sie müssen beweisen, dass diese Autorin gelogen hat. Mindestens sollten Sie Indizien vorlegen können.

      Waren Sie vor Ort dabei?

      Was Sie hier machen, ist eine boshafte Unterstellung. Mehr noch: es ist geschäftsschädigend.

      1. Pedantisch kritisch gegen Kritiker zu sein ist ein Meister aus Deutschland. Lesen Sie mal häufiger z.B. Politico oder Science Files, da vergeht einem Hören und Sehen. Das platte Erfinden/Falschaussagen ist die trivialste Form der Manipulation, das weiß jedes Kind. Die sogenannten Qualitätsmedien verwenden andere Formen der Lüge, etwa das Dekontextualisieren oder das Weglassen oder den kalkulierten Widerspruch zwischen Aufmacher und Text. Oder Kampagnenjournalismus, also kollektiv gleichgerichtete Einseitigkeit. Auf diesen Gebieten wird überwiegend manipuliert und “gelogen”.

      2. @ Torsten:

        Ach so ist das. Der Journalist kann schreiben was er will. So lange niemand das Gegenteil beweisen kann. Die Massenvernichtungswaffen im Irak hat es dann ja auch gegeben, die liegen da immer noch, ganz bestimmt! Die hat bis jetzt bloß niemand gefunden! Die Medien würden ja nicht lügen. Also, die Medien haben geschrieben im Irak gibt es Massenvernichtungswaffen. Bis jetzt hat keiner das Gegenteil beweisen können, also liegen die bestimmt noch irgendwo dort, das bedeutet, sämtliche Hetzmedien haben 2003 die Wahrheit geschrieben!

  4. für mich ist es keine Überraschung,dass immer mehr Journalisten von den sogenannten Leitmedien als Märchenerzähler enttarnt werden..
    Relotius war erst der Anfang…
    Und nun dieser ebenfalls preisgekrönte Journalist,dessen Namen wir noch nicht kennen..
    Eigentlich tun mir die Journalisten leid,da diese unter enormen Druck stehen und das überwiegend liefern,was die Verlage wünschen..

    Man sollte auf die Bezeichnung Qualitätsmedien verzichten.

    Was ist deren Qualität??

    1. Aber auf die Bezeichnung “Medium” sollten wir nicht verzichten. Was ist ein Medium? Irgendeine obskure Verbindung zwischen Realität und der Welt der Geister und Gespenster.

    2. lisakienapfel sagt:
      20.02.2019 um 19:15 Uhr

      für mich ist es keine Überraschung,dass immer mehr Journalisten von den sogenannten Leitmedien als Märchenerzähler enttarnt werden.

      … und gleich noch ein Mal

      lisakienapfel sagt:
      20.02.2019 um 19:15 Uhr

      für mich ist es keine Überraschung,dass immer mehr Journalisten von den sogenannten Leitmedien als Märchenerzähler enttarnt werden.

      … und gleich noch ein Mal

      lisakienapfel sagt:
      20.02.2019 um 19:15 Uhr

      für mich ist es keine Überraschung,dass immer mehr Journalisten von den sogenannten Leitmedien als Märchenerzähler enttarnt werden.

      … und gleich noch ein Mal

      lisakienapfel sagt:
      20.02.2019 um 19:15 Uhr

      für mich ist es keine Überraschung,dass immer mehr Journalisten von den sogenannten Leitmedien als Märchenerzähler enttarnt werden.

      … und gleich noch ein Mal

      lisakienapfel sagt:
      20.02.2019 um 19:15 Uhr

      für mich ist es keine Überraschung,dass immer mehr Journalisten von den sogenannten Leitmedien als Märchenerzähler enttarnt werden.

      … und gleich noch ein Mal

      lisakienapfel sagt:
      20.02.2019 um 19:15 Uhr

      für mich ist es keine Überraschung,dass immer mehr Journalisten von den sogenannten Leitmedien als Märchenerzähler enttarnt werden.

  5. Bei den genannten Stückzahlen abgenommener Artikel muss man vielleicht nicht von schlimmster wirtschaftlicher Ausbeutung nud Druck sprechen. Da dürfte auch ein Anteil eigener Angebote und nicht nur Abarbeitung von Aufträgen dabei sein. Gesuchte Autoren müssen nicht jeder (übertriebenen) Erwartung von Redaktionen an perfekt durchkomponierte Geschichten gerecht werden.

  6. “Grober Verstoß gegen journalistische Standards” ???
    Bei genauerem Hinsehen wird man “EINIGE” Personen finden, die sich selbst gern stolz als Journisten bezeichnen, aber eigentlich doch eher “Schriftsteller” sind. Das nicht nur bei der SCHREIBENDEN ZUNFT, sondern auch in unserem “QUALitäts-TV”. Man schaue sich nur einmal die vielen Programmbeschwerden an, dann findet man auch dort die “Filmemacher”, die sich frech als Journalisten bezeichnen, selbsverständlich ohne Faktenbindung, aber dafür mit “Meinungsbildungsauftrag”.
    Der Vertrauensverlust ist real und Fakt! Mit jeder Zeile manipulierter Wahrheit wird die Lüge offenkundiger, wie auch mit jedem moderierten Satz, in dem Fakten bewusst entfernt und durch “Meinungen”ergänzt werden.

  7. Je linientreuer Journalisten berichten, desto mehr Preise bekommen sie verliehen und desto erfolgreicher verläuft der Karriereweg, das war bereits in der DDR so. Demokratie und Meinungsfreiheit sind in diesem Land leider im Rückzug begriffen, was zählt ist die richtige Gesinnung. Mich wundert nur, dass so viele Menschen sich immer noch von der vorgesetzten Propaganda manipulieren lassen.

    1. Genau das bringt es auf den Punkt: Mentale Unselbständigkeit dummer/träger Menschen. Oder einfach nur die Angst der Mitläufer/Mitschwimmer!
      Propagandajournaille sieht sich in jedem repressiven Ausbeutungssystem in einer Art Missionierungsauftrag, ob politisch, weltanschaulich oder auch nur bezahlt.
      Es scheint sich hier auch ein Überlegenheits-, Erfolgs- und Machtrausch zu entwickeln, der, verdrängend, eigenen (kläglichen) Schreiberlingslügen “Legitimation” verleiht. Und, wenn’s ganz hart sülzig kommt, einen albernen Preis.

  8. Dieser Text von diesem Geschichtenerzähler ist im Tagesspiegel erschienen:
    Tagesspiegel 05.06.2013, 14:42 Uhr

    «Geschichten passieren nicht, Geschichten werden erzählt. Ein kluger Mann hat das mal gesagt. Dieser Mann ist vermutlich einer der größten Hochstapler der Welt – und der beste Geschichtenerzähler. Er kommt aus Schottland, getroffen haben wir uns in Ghana, er heißt Billy Griffith. Und ich glaube, er hat recht.
    Es ist doch so, wir alle kriegen nie genug von Geschichten. Geschichten erzählen ist die größte Kunst. Deshalb lesen wir Bücher, gehen ins Kino, schauen Serien. Oder wir hören Leuten wie Billy zu. Meine drei Lieblingsgeschichten von Billy: Wie er seine Mutter in einem Postamt überfiel. Wie er die Namib-Wüste mit dem Lkw durchquerte und dabei fast verdurstet wäre. Wie seine Ex-Frau ihn mit seinem besten Freund betrog und er kurz davor war, beide abzuknallen.
    Billy liebt die Übertreibung. Aber es ist nicht alles geflunkert – und wenn schon: In unserer Erinnerung verschwimmt die Grenze zwischen Wahrheit und Wahrhaftigkeit ohnehin. Letztlich ist unser Leben doch nichts anderes als eine Geschichte, die wir selber glauben müssen.
    Am liebsten erzählt Billy die Geschichte, die sein Leben ist: Erst war er Drogenbaron in England, dealte mit Koks und Heroin, saß 13 Jahre im Knast wegen Drogenhandels und bewaffneten Raubüberfalls. Dann war da dieses faustgroße Blutgerinnsel, an dem er fast gestorben wäre. Danach: Bekehrung, der Weg zu Gott, Missionar in Afrika, Pastor. Seit 15 Jahren.
    Frage: Müssen wir etwas wirklich erleben, oder reicht es nicht, wenn wir felsenfest daran glauben, es erlebt zu haben? Billy würde sagen: Eine gute Lüge ist besser als eine langweilige Geschichte. Übrigens, es gibt Billy wirklich. True Story. Ich habe Beweise. Aber nur mal angenommen, es gäbe ihn nicht – hättest du diese Kolumne dann weniger gern gelesen?»

    Wie viele dieser Geschichtenerzähler gibt es eigentlich noch, die sog. hochwertige Reportagemedien beliefern?

    1. Sie denunzieren hier gerade einen Autor ohne zu wissen, ob er wirklich derjenige ist, um den es geht. Was soll das?

    2. Sie denunzieren hier gerade einen Autor, ohne zu wissen, dass er tatsächlich derjenige ist, um den es geht. Was soll das?

      1. Was macht das für einen Unterschied? Man kann keinem dieser Märchenerzähler glauben!

  9. Wieder die SZ . im Duett it dem Spiegel und der Zeit. EinSchelm, wer Böses bei den Märchen-Erzähler-Redaktionen vermutet, oder?

  10. Irre ich mich, oder haben gerade die “Haltungsmedien”, also die, die gerne belehren, moralisieren, verkürzen, Kommentarbereiche vor ihnen unangenehmer Kritik schließen und Politik machen wollen, derzeit größte Probleme mit ihrer Reputation?
    Daß ausgerechnet SZ, Spiegel, Zeit sowie der ÖR dergestalt von sich reden machen, scheint mir eher auf ein systemisches Problem denn einen Zufall hinzudeuten.

    1. Sie haben völlig Recht: Bestimmte Medien haben einen Haltungsschaden, dessen Folgen immer deutlicher werden.

  11. Aus Zeitungssicht sollte man so etwas positiv sehen. Die Absatzzahlen des Relotiusspiegel waren schließlich auch vergleichsweise hoch.
    Und kurzfristig verlorenes Vertrauen kann man langristig zurückgewinnen. Jedoch müssen dazu wirklich ALLE Relotiusse gefunden werden.
    Und bei einigen Häusern würde vermutlich 50% der Autoren gehen müssen.

    1. Ja, vermutlich. Und vermutlich wissen Sie das so genau, weil und obwohl Sie, vermutlich, noch nie eine Redaktion von innen gesehen haben. Bewerben Sie sich doch als Faktencheckerin. Dann müssen Sie nicht pauschal die Arbeit jedes zweiten Journalisten diskreditieren.

      1. @CvD

        Die mangelnde Einsicht in ihrer Zunft ist das grösste Problem.

        Laden sie als Augenöffner doch mal Leute aus der Qualitätssicherung der Industrie zu einem kleinen Vortrag zu sich in die Redaktion ein.

        Dann lernen sie vielleicht doch noch was Qualität wirklich ist.

        Und in der Tat müsste man mindestens 50% der Autoren rausschmeissen und bei der Neubesetzung viel stärker auf intellektuelle Substanz prüfen, auch wenn dann halt nur 10% Frauenanteil übrig bleibt.

      2. @ Jesus
        Apropos „Protagonistin erfunden“: Sie sind nicht zufällig auch noch „Sara Goldsteen“?

      3. Man kann sich einfach “pauschal” die Berichterstattung zur Migration seit 2015 anschauen, inkl. der witzigen Bilder “Mama mit Baby in Nahaufnahme”, die vorhergehenden und folgenden 1000 jungen Männer wegretuschiert.

        Da bleibt eher das Staunen, welche anderen 50% denn wahrheitsgemäß berichtet haben sollen.

      4. @ CvD: Man muss nicht Journalisten pauschal diskreditieren.
        Das machen die von ganz allein. Dem Fass den Boden ausgeschlagen hat schon die Berichterstattung oder besser gesagt die Propaganda 2014 zur Ukraine. So einseitig und hetzerisch, das war schon kriminell. Selbst den Systemclowns der “Anstallt” wurde diese Propaganda zu viel:

        https://www.youtube.com/watch?v=LSDitudiGR4

        Und dann noch die Flüchtlingskrise. Damit haben sich 99 Prozent aller “Journalisten” endgültig als das geoutet was sie sind: PROPAGANDISTEN!

  12. Ätzend und diskriminierend, dass Sie Im Bericht ohne Anführungszeichen von Qualitätsmedien sprechen. „Überregional“ täte es auch, wäre aber wertneutral. Genervte Grüße vom Redakteur einer Tageszeitungsredaktion in einem ländlich geprägten Kreis bei Köln, der sich um saubere Arbeit bemüht.

  13. [ „Bei Spiegel und Zeit werden die betreffenden Texte dem Vernehmen nach derzeit noch geprüft.“ ]

    [ „…hat der Journalist viele Reportagen und Stücke aus der Ich-Perspektive veröffentlicht, die überwiegend subjektive Beschreibungen enthalten.“ ]

    = Journalisten auf der Suche nach der Realität zu ihren Artikeln.

    Ein kleiner Workshop bei Elisabeth Wehling könnte abhelfen, so a là
    “Realität, liebe Meinungsbildner, ist jetzt nicht das, was uns weiterbringt. Setzen sie mehr auf emotionale Trigger.”

  14. Spiegel 2006 – Von Hamburg nach Afrika –
    “…Peitschen knallen. Brutal schlagen die Hafenpolizisten zu. Schreie gellen über das Gelände. Die Gepeinigten springen auseinander….
    …Hasserfüllte Blicke treffen das Peitschenkommando….
    …Wieder versperren die Diebe den Weg. Der Fahrer hält auf sie zu. Die Peitschenmänner verteilen ihre Schläge…
    …Der Anführer des Peitschenkommandos ist ins Schwitzen gekommen und nutzt eine kurze Verladepause für einen Erfrischungsdrink, Kokosmilch, direkt aus der Nuss….”
    Hahaha, wie im Comic!

  15. Die Redaktionen der sog. Qualitätsmedien erwarten geradezu derartige erfundene Geschichten. Hauptsache, die Richtung stimmt!

  16. Und wegen dieser Qualitätsmedien mit erfundenen Geschichten bekommen wir jetzt Uploadfilter fürs Internet?

  17. “Andere Qualitätsmedien” – danach musste ich erst einmal meinen Bildschirm vom Kaffee säubern, der mir wegen eines Lachanfalls aus der Visage gefallen ist…

  18. Der Fehler liegt im Denken der Redaktionen. Die _glauben_, ihre Aufgabe wäre, Geschichten zu erzählen und den Lesern ihre Meinung einzuimpfen. Sie _glauben_, deshalb würden Leser ihre Produkte kaufen.

    Beides ist falsch.

    Ich hätte Geld für einfache sachlich korrekte Information. Von mir aus übersichtlich sortiert und geordnet nach den Prioritäten der Redaktion (aber ohne Taktieren und Weglassen).

    Aber ohne reißerische Titel, Kommentare klar gekennzeichnet, und es müssen auch Leute (Leser wie Redakteure) kommentieren dürfen, die abweichende oder anstößige/nicht politisch korrekte Meinungen haben. Niemandem “die Bühne verweigern”, denn Demokratie funktioniert nur durch Dialog mit den jeweils Andersdenkenden.

    Aber die Mehrheit der Redaktionen – auch die ARD, wie wir nun wissen – glaubt, ihr Auftrag sei ein anderer.

  19. Das nervt dermaßen. Wieso können nicht mal Autoren “Autor” richtig deklinieren? “Nach Informationen von MEEDIA hat sich das SZ Magazin von einem freien Autoren (!!) und Kolumnisten getrennt …”

    1. Das ist Bairisch. Die standarddeutsche “Gemischte Deklination” wird an bayerischen Grundschulen nicht gelehrt. Warum? Weil die Lehrer auch Bayern sind.

      Du kannst einen Autor aus Bayern rausholen, aber niemals den Bayern aus einem Autor(en).

  20. So erklären sich wohl auch die ständigen Artikel bei SZ, Zeit und Spiegel zu sexuellen Erfahrungen beim Sex mit Gemüse, Obst, Hackfleisch und Hunden.
    Aber wenn man geschlossen linke “Qualitätsjournalisten” heranzüchtet, dann bleibt sowas halt nicht aus.

    1. Was soll man erwarten, mit politischer Expertise oder fundierter Bildung können die Lisas und Lauras, die zunehmend die Redaktionsstuben besiedeln, nicht aufwarten.

      Deswegen versucht Frau mit sexueller Aufgeschlossenheit beim Altlinken Redaktionschef zu punkten.

      1. „Jesus“ versucht sich mit Gleichnissen! Der echte hatte es weitaus besser gekonnt – und landete dafür am Kreuz. Sie dürfen weiterleben – wie ungerecht ist doch diese Welt!

  21. Im Verlauf des teilweise unsachlich und vehement geführten Medienkriegs um die Deutungshoheit beim Wahlkampf um den österreichischen Bundespräsidenten fiel mir ein Autor der SZ auf, der wahre Gruselstories über das Pro-Hofer-Lager zum Besten gab. Ich hatte diesen Autor, der übrigens damals Redakteur war, auf Unstimmigkeiten hingewiesen. Ohne jede Emotion, rein sachlich. Was ich als Antwort bekam, war völlig unprofessionell. Zunächst beschimpfte er mich ziemlich persönlich, um im zweiten Absatz äußerst emotional und hasserfüllt seine angeblichen Kindheitstraumata vor mir auszubreiten.
    Konnte das ein objektiv berichtender, unabhängig denkender Profi sein?
    Ich hatte kurz den Reflex, die Redaktionsleitung zu informieren, doch ließ es auf sich beruhen. Mit dem heutigen Wissen kann man wohl sagen, dass ich offenbar einen wunden Punkt getroffen hatte.
    Deshalb glaube ich nicht mehr an Einzelfälle, sondern an ein strukturelles Problem.

  22. Eine Namensnennung würde wohl auch den letzten Leser mit Informationsbedürfnis abschrecken. Deshalb erspart man sich diesmal den Namen.
    Aber wenn er für Spiegel, SZ und Zeit geschrieben hat, dann ist er auch sicher beim Öffentlichen Rundfunk fest verankert.
    Man will ja schließlich die üppige Altersversorgung beim Staatsfunk nicht in Gefahr bringen.

  23. “MEEDIA hat versucht, den Journalisten auf mehreren Wegen zu erreichen. Kontaktversuche blieben bislang unbeantwortet. Da der Betroffene in der Sache bislang nicht angehört werden konnte, hat MEEDIA sich gegen eine Veröffentlichung des Namens entschieden.”

    Sehr, sehr lustig.

    Würde das bei einem Politiker oder Spitzenmanager auch so funktionieren? Wer sich nicht äußert, wird nicht namentlich genannt?

    Krähe, andere Krähe, Auge aushacken usw. …

    1. Nun ja, der freiberufliche Autor (oder die freiberufliche Autorin – auch Frauen spinnen schon mal rum) fällt unter Umständen tiefer als in Gottes Hand (wie die Frau Käßmann). Ich glaube nicht, dass der wie ein Politiker oder Manager eine Abfindung in Höhe von 10 Jahresgehältern in Aussicht hat.

      1. Na und, wer braucht Betrüger ? Die Medienfuzzis sollten doch besonders sauer auf diese vielen schwarzen Schafe sein, denn sie versauen den Ruf.

        Zeigt aber, wo Rauch ist, da ist auch Feuer – Grüne Vielflieger würden sagen “das ist ein strukturelles Problem”

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  26. @Media

    Wenn der Name, der in sozialen Netzwerken rumgereicht wird zutreffend ist, dann solltet ihr mal einen grösseren Fragenkatalog an Die Zeit schicken.

    Offenbar hat man dort ein umfangreiches Reportage-Buch-Projekt des Autors (natürlich zur Flüchtlingspolitik) aktiv begleitet.

    Die Texte, die Zeit-Online im Auszug bringt, wirken – im Wissen um Relotius – absolut unglaubwürdig, wurden aber doch sicher von DIE ZEIT überprüft

    1. ….und wenn das was, hier geschrieben wird, jetzt auch nicht ganz den Tatsachen entspricht,……?
      Dann zitieren mal wieder alle schlecht Recherchiertes….

      und durch schlecht recherchiere Hetz-Kommentare stellt man sich wahrscheinlich noch unter die Stufe des Index Falles…

      und wer frei sei von Schuld der werfe den ersten Stein

      1. Bei diesen ganzen Reportagen aus der Ich-Perspektive kann man die Lügen förmlich riechen.

        Und diese Reportage dürften in echten Qualitätsmedien nie erscheinen, weil eben nicht nachprüfbar.

        Leute, die diese gefühligen Geschichten lesen wollen, die sollen zum Groschenroman greifen.

        Relotius war in jedem Fall nur die Spitze des Eisbergs, es gibt unzählige dreiste Lügner bei den Medien.

      2. Tendenziös relotiös

        You’ve had your fun with your Seemannsgarn.
        Jetzt aber schön die Verachtung ertragen.

  27. Wir haben es mit einer facettenreich und systematisch lügenden Presse zu tun (Kampagnenjournalismus) und diese mutwillige Reduzierung auf platte Lügengeschichten riecht nach Bauernopfer und Ablenkung der wahren Schuldigen. Es wird suggeriert, als wären es nicht die subtileren Methoden der Manipulation, die am effektivsten sind. Lügengeschichten flankieren da bloß.

  28. Der eigentliche Punkt ist doch – mit diesen ganzen Lügen sollen wir gezielt umerzogen werden von den sogenannten Qualitätsmedien. Es geht um die feste Installierung EINES EINZIGEN Weltbildes- das von Herrn Habeck und Frau Baerbock. 65 % aller Journalisten bekennen sich ja auch offen zu dieser Splitterpartei – bei bereinigten Wählerwerten von 5 % in der Bevölkerung. Das ist gezielte Gehirnwäsche- Politik seit Jahren – und sonst gar nichts.

  29. Neusprech :

    Qualitätsmedien= Lügenblätter
    preisgekrönter Journalist= verlogener Märchenerzähler
    Haltung zeigen= Propaganda verbreiten
    restlos aufklären= eingestehen was nicht mehr zu vertuschen ist
    Einzelfall= der tägliche Wahnsinn

    1. Hä- das ist doch RICHTIG – Sprech! Denn:
      – sie lügen auf der Atlantikbrücke, was das Zeug hält
      – genauerer Prüfung hält keines dieser Indoktrinierungs- Stücke stand
      – sie verbreiten ununterbrochen Grünen- Propaganda (Greta!)
      -sie klären nix auf …wenn es um den eigenen Mainstream – Sumpf geht
      – und das ist eine Strategie – keine Reihung von Einzelfällen.

      Und zum Schluss wird der dumme Plebs dann auf Linie geframt.

      War das gemeint ?

  30. Ich habe kürzlich auf ZEIT Online unter einem Bericht über angebliche Jungfräulichkeitstänzchen in der “Stadt des Matriarchats” Juchitan in Mexiko (Die Töchter des Matriarchats” von Frederike Oertel, ZON vom 26.12.2018) den Kommentar hinterlassen, das Juchitan im Oktober 2017 durch ein Erdbeben und zwei Wochen später durch den Hurricane “Katia” zu 80% zerstört wurde und in dem Artikel darüber kein einziges Wort steht. Der Artikel ist in dem Link hier unten, der Kommentar ist auf Seite 11. Wenn Sie mein Pseudonym anklicken, wissen Sie, was der Dank war: ich wurde unmittelbar danach ohne Begründung für das ZON-Forum gesperrt. https://www.zeit.de/campus/2018-12/mexiko-matriarchat-veraenderung-feminismus-frauen-juchitan?page=11#comments

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