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Clickbaiting mit dem Thema Abtreibung: Brigitte Online entschuldigt sich für missratene Story

Verantwortet das Angebot von Brigitte.de: Digital-Chefin Doris Brückner
Verantwortet das Angebot von Brigitte.de: Digital-Chefin Doris Brückner Archivbild/Brigitte.de(Screenshot) Montage: MEEDIA

Der Streit um eine Reform des Paragrafen 219a Strafgesetzbuch, der das Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche regelt, ist emotional aufgeladen wie kaum eine andere politische Debatte. Umso härter fällt es ins Gewicht, wenn die Berichterstattung in Schieflage gerät – wie im Fall von Brigitte Online geschehen. Die Redaktion musste sich nun dafür entschuldigen, journalistische Standards nicht eingehalten zu haben.

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Es wird derzeit viel zum Paragrafen 219a gestritten, viele Meinungen ausgetauscht, viele Kommentare, Berichte, Reportagen veröffentlicht. Darin schreiben unter anderem Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen einen Schwangerschaftsabbruch vorgenommen haben, über ihre Erfahrungen, Gedanken und Motive. Auch die Autorin Kathrin Weßling hat das getan – bei Twitter schilderte sie ihre eigenen Erfahrungen samt schwieriger Suche nach kompetenten Informationen und Beratung, um “der Debatte das Abstrakte zu nehmen”, wie sie später erklärte. Ihren Thread hat die Autorin, die auch als Social-Media-Expertin arbeitet, mittlerweile wieder gelöscht – nicht zuletzt wegen Brigitte.de.

Die Redaktion hatte die Tweets Weßlings aufgegriffen und daraus eine Story gebaut. Mit der Überschrift “Bewegende Schilderung: So traumatisch war meine Abtreibung” wurde der Eindruck erweckt, Weßling sei die Autorin des Textes.

Bei der Urheberin stieß das auf wenig Begeisterung. Sie prangerte das Clickbaiting ebenfalls via Twitter an – mehr als 1.200 Mal wurde der Tweet weiterverbreitet, mehr als 4.000 Mal wurde er mit einem “Gefällt mir” versehen. Es gab viel Zustimmung und Verständnis für Kathrin Weßling und viel Schelte für Brigitte Online.

Einige Zeit später reagierte darauf die Redaktion und bat auch um Entschuldigung. Dabei gestand Brigitte.de ein, in der Überschrift verknappt und den Kontext verzerrt zu haben, betonte aber auch, keine böse Absicht verfolgt zu haben. Zuvor hatte die Redaktion versucht, das Problem im nicht öffentlichen Austausch mit Weßling zu lösen.

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“Manchmal kann man auch mit guten Absichten etwas schlecht machen – das ist uns hier passiert. Dafür ein großes Sorry an alle, die sich betroffen fühlen und dir, liebe Kathrin, ganz besonders!”, heißt es in einem weiteren Tweet. Mittlerweile wurde der Artikel zudem gelöscht.

Gelöscht habe Weßling ihren Thread aber eigener Aussage zufolge nicht nur der “Medien” (u.a. ein Blog hatte den Thread kopiert und wörtlich zitiert) wegen, sondern auch, weil sie für ihr Engagement und den Mut, ihre Geschichte zu teilen, nicht nur Zuspruch erhalten hatte. Für das, was auch von Abtreibungsgegnern daraus gemacht worden sei, sei die Autorin “nicht geschaffen”.

 

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