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Wochenrückblick: Knallt die Bestie ab! Die Anti-Wolf-Aktivisten von der Bild

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©Fotos: Fotolia/Picture Alliance/ Montage: MEEDIA

Bei der Bild sind sie ganz wild darauf, dass Wölfe endlich abgeknallt werden dürfen. Der Lungenarzt, dem Dieselfahrer vertrauen, hat sich verrechnet. Leser müssen mehr zahlen und Medienhäuser müssen mehr sparen. Sowas Dummes! Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Die Rückkehr von Meister Isegrim in deutsche Wälder polarisiert schon seit Jahren wie vielleicht sonst nur veganes Essen oder neuerdings der Diesel. Abknallen oder hochpäppeln – das sind die Positionen. Auf welcher Seite der Wolf-Wut-Skala sich die Bild einordnet, steht außer Frage (abknallen). In den vergangenen Tagen wurde es besonders absurd und fast schon aktivistisch.

Im neuen Bild Politik Heftchen wurde geschäumt “Es muss wohl erst ein Kind sterben”. Meinung: “Das Verbot, Wölfe zu schießen, ist verantwortungslos”. Gestern in der normalen Bild der große Bericht “So lebt ein Dorf mit der Wolf-Angst”. Das Raubtier “GW924m” ist “seit zwei Wochen nicht zu fassen”. Am Tag davor diese Story:

Das einzige, was die Leute vermutlich ähnlich aufregt wie der Wolf, ist der Diesel. Hmmm, warum nicht beide Themen kreuzen? Gedacht, getan:

“Der Wolf ist der neue Diesel” – muss man auch erstmal drauf kommen. Laut dem Kommentar streichen “bis zu 1.000 Wölfe” durch unsere “heimischen Wälder”. Was hat das jetzt mit dem Diesel zu tun, fragen Sie? Ist doch klar! “Nach der Sorge um den Diesel-Motor wächst verständlicherweise deshalb vor allem auf dem Land die Angst vor dem Wolf.” So einfach, so genial. Am Ende dieser Themen-Kreuzung haben wir dann den Salat, bzw. das neue Monstrum: den Hybrid-Wolf!

Screenshot: Bild.de

Auch Bild-Briefe-Onkel FJW setzt sich mit dem Thema auseinander. Aber differenziert! Denn für FJW sind Wölfe und Bienen nur Menschen wie er und du:

Und was machen wir mit dem bösen Wolf? Für mich ist er ein Lebewesen.

Er ist eine Biene, er ist ein Lebewesen wie ich.

Die zweite Ausgabe von Bild Politik kommt selbstverständlich auch nicht ohne Wolf auf dem Cover aus. Rubrik “Neugier”: “Entscheidet der Wolf die nächsten Wahlen?” Kommt ganz drauf an, wen er frisst …

Die Anti-Wolf-Brigade der Bild sollte sich aber vielleicht lieber nicht von ihrem Ober-Chef erwischen lassen. Der mag nämlich keine Aktivisten-Journalisten. Sagt er.

Dabei hat es der Wolf wirklich nicht leicht gehabt:

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Die fiesen Diesel-Feinde bei der taz haben nachgerechnet und sind draufgekommen, dass der Lieblings-Lungenarzt der Vollgas-Fraktion, Prof. Dr. Dieter Köhler, Initiator des weltbekannten “107 Lungenärzte”-Briefs, sich in dem berühmtesten all seiner berühmten Erstickungsoxid-Vergleiche (“Warum sterben Zigarettenraucher nicht sofort?”) schlicht grob verrechnet hat! Ja, wo samma denn!? Der Mann ist schließlich Lungenarzt und kein Mathematiker. Wer wird sich schon von einem doofen Rechenfehler ins Bockshorn jagen lassen? Die Bild etwa?

Screenshot: Bild.de

Alles andere, wäre nun wirklich eine echte Überraschung gewesen. Aber: Waren das jetzt eigentlich 107 Lungenärzte oder 100? Hat da jemand nachgerechnet?

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Paid Content ist in aller Medienmacher Munde und das Lieblings-Magazin der Info-Elite (sorry, Focus!) zieht die Bezahlschrauben an. Das britische Magazin The Economist informiert seine Leser, dass nunmehr statt drei Artikel pro Woche nur noch fünf Artikel pro Monat gratis online zu lesen sind. Schon länger hat der Economist die Zahl der Hörproben in den “Editor’s Picks” deutlich reduziert. Konnte man sich früher Woche für Woche rund 45 Minuten gratis ausgewählte Artikel aus der aktuellen Economist-Ausgabe vorlesen lassen, wurde die Spielzeit mittlerweile auf gut 20 Minuten runtergefahren. Die Strategie, immer weniger “mundgeblasenen Premiumcontent” (Copyright: Mopo) for free rauszutun, wird auch hierzulande gefahren. Bei Spiegel Online leiert man immer häufiger die Zahlschranke namens Spiegel+ runter und auch in der digitalen FAZ wimmelt es nur so von FAZ+ Artikeln. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden. In der goldenen Zeit der Medien hat Werbung den Löwenanteil der Erlöse gebracht, jetzt sind es zahlende Leser. Für den Journalismus muss das nicht Schlechtes bedeuten.

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Für einzelne Journalisten unter Umständen leider schon. Denn der Shift hin zu Paid-Content bedeutet in den meisten Fällen geringere Gesamt-Erlöse für die Medienhäuser. Und da wird nun gerade in diesen Tagen gespart bis der Lungenarzt kommt. Diese Woche schlug der Spar-Hammer fast täglich zu. Zunächst haben die Spar-Meister von Funke vorige Woche vorgelegt, dann die Handelsblatt Media Group, die es augenscheinlich nicht dabei belässt, sich den Mediendienst ihres Vertrauens zu sparen. Und heute gibt es weniger feine Nachrichten aus dem Hause Hamburger Morgenpost. Betroffen sind keineswegs nur traditionelle Medien. Burda hat bei der deutschen HuffPost den Stecker gezogen, das deutsche Buzzfeed gründet einen Betriebsrat (wer hätte das für möglich gehalten!?) und jetzt wird auch beim einstigen Super-Duper-Erfolgsmedium Vice.com ordentlich gestrafft (die haben btw auch gerade vorsorglich einen Betriebsrat gegründet). Als der jüngste Reuters Digital News Report orakelte, dass 2019 mit vielen Stellenkürzungen in der Medienbranche zu rechnen sein wird, hätte ich nicht geglaubt, dass das so schnell wahr wird.

Trotzdem: schönes Wochenende!

PS: Diese Woche gibt es wieder einen Medien-Woche-Podcast, hurra! Christian Meier von der Welt und ich sprechen über dieses seltsame Framing-Manual von der ARD, über die umstrittene Reform des EU-Urheberrechts und über Cathy Hummels vor Gericht. Freue mich, wenn Sie reinhören!

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Alle Kommentare

  1. Kann ja nicht jeder beim Thema Wolf wieder nur an Sexualverkehr mit solchen Tieren denken, wie in den Redaktionen der “Qualitätsblätter” von Stern , Zeit und Konsorten.

  2. Immer mehr Bezahlschranken überall und da ja einige wenige dann auch tatsächlich zahlen, hauptsächlich aber wohl, um aus der Not dann eben eine Tugend zu machen, kommt Herr Winterbauer zu dem zweifelhaften Fazit:

    “Für den Journalismus muss das nichts Schlechtes bedeuten.”

    Das muss es zwar nicht zwingend, aber die Wahrscheinlichkeit ist doch außerordentlich hoch.

    Bezahlen tut die deutliche Minderheit der Bevölkerung und diese wird einen Teufel tun auf Dauer Geld für etwas auszugeben, wo ihr jedes Mal die Galle hochkommt.

    Das heißt für den Journalismus dann aber am Ende:

    Du hast so zu schreiben, wie es denen, die dafür bezahlen gefällt und nicht anders, sonst sind die nämlich schnell weg.

    Freier Journalismus war schon immer ein Mythos, jedenfalls, was Deutschland angeht.

    Durch die Bezahlschranken wird jetzt denen der Allerwerteste gepudert, die den Obolos zum Öffnen der Schranke entrichten, vor allem auch was Meinung und Inhalte der Artikel angeht.

    Das ist das Ende jeder freien Berichterstattung, allerdings auch hier wieder nicht in Deutschland, denn die ” Berichterstattung” über die Flüchtlingskrise hat spätestens seit dem Jahr 2015 jedem noch so Gutgläubigen gezeigt, dass es eine freie Berichterstattung in Deutschland sowieso nicht mehr gibt, denn sonst wäre so ein verheerendes Versagen quasi der gesamten deutschen Presse nämlich nicht möglich gewesen.

    In absolut jeder Print oder Online-Ausgabe so gut wie aller deutschen Medien, fand sich nur eine einzige Meinung zum Thema Flüchtlinge und das war die der Regierung Merkel.

    Insofern kann also ohnehin nichts mehr verloren gehen, was sowieso schon lange verloren ist.

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