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Sexistische Beleidigungen und Porno-Gifs: Französische Journalisten mobben Frauen im Netz

Auf Facebook gründete Vincent Glad die Gruppe “Ligue du LOL”
Auf Facebook gründete Vincent Glad die Gruppe "Ligue du LOL" ©Screenshot: Twitter/@vincentglad/ Montage: MEEDIA

In einer französischen Facebook-Gruppe haben Journalisten und Kreative offenbar jahrelang sexistische Attacken gegen Frauen organisiert. Mehrere Medien haben am Montag ihre Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der Gruppe beendet – auch Chefredakteure wurden beurlaubt. Über 30 zum Teil namhafte Journalisten, PR-Berater und Werbende sind für die Mobbingaktionen verantwortlich. Der Gründer hat sich mittlerweile entschuldigt.

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Am Freitag hatte die Zeitung Libération über die Gruppe mit dem Namen “La Ligue du LOL” berichtet. Deren Mitglieder sollen fast zehn Jahre lang innerhalb der Gruppe Frauen sexistisch beleidigt und Vergewaltigungen verharmlost haben. Ihre Opfer haben die Männer dem Bericht zufolge auch öffentlich verhöhnt, sie auf Sozialen Netzwerken verbal angegriffen oder ihnen pornografische Fotos und Montagen gesendet.

Die Libération zitierte zahlreiche Opfer, die schildern, wie sie von den Mitgliedern der Gruppe belästigt worden seien. Zumeist sind es Aktivistinnen oder Feministinnen, die von den Männer beleidigt und verhöhnt wurden. Die Journalistin Nora Bouazzouni schildert etwa in dem Bericht: “Es war unerbittlich, ich wurde auch belästigt, mit Beleidigungen, Fotomontagen, animierten Gifs mit pornografischen Inhalten mit meinem Kopf darauf und anonymen Beleidigungs-Mails”.

Auch die ehemalige Bloggerin Capucine Piot habe rassistische und sexistische Belästigungen durch die Journalisten erlitten. Jahrelang hätten ihr Männer gehässige Foto- und Videomontagen geschickt. Mehrere Opfer berichten, dass sie wegen der Attacken soziale Netzwerke gemieden haben.

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Der Gründer der Facebook-Gruppe, der Journalist Vincent Glad, hat bis zum Bekanntwerden des Skandals selbst für die Zeitung Libération gearbeitet. Am Sonntag entschuldigte er sich auf Twitter. “Ich habe nicht gesehen, dass wir mit unseren Witzen die ersten feministischen Worte zum Schweigen gebracht hatten, als sie 2011 und 2012 in den Netzwerken auftauchten”, schrieb er. Mit der Gründung der Gruppe habe er ein “Monster” erschaffen, über das er völlig die Kontrolle verloren habe. Man wollte nur Spaß haben, aber niemanden belästigen wollen. Allerdings sei das sehr schnell eskaliert.

Journalisten suspendiert

Mittlerweile wurde Glad von seinem Arbeitgeber suspendiert, ebenso der Online-Chef der Zeitung, Alexandre Hervaud, der ebenfalls aktives Mitglied der Gruppe gewesen sei. Auch das “Brain Magazine” will künftig nicht mehr mit dem Gruppen-Gründer zusammen arbeiten. Der Chefredakteur des Musikmagazins „Les Inrockuptibles“, David Doucet, wurde ebenfalls beurlaubt. Auf Twitter macht eine “nicht vollständige” Liste die Runde, auf der 35 Männer gelistet sind, die der “LOL-Liga” angehört haben sollen. Die meisten von ihnen sind Journalisten, PR-Berater und Werbende aus der französischen Hauptstadt.

Mit Material der dpa

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