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Die lebende Frauenzeitschrift: Warum die Schleichwerbe-Vorwürfe gegen Cathy Hummels im Influencer-Prozess Unsinn sind

Cathy Hummels vor Gericht (Archivbild) © Picture Alliance

Vor dem Münchner Landgericht läuft gerade der sogenannte Influencer-Prozess gegen Cathy Hummels, Gattin des bekannten Fußballspielers Mats Hummels und eine Größe bei Instagram. Der Verband Sozialer Wettbewerb hat sie wegen unlauteren Wettbewerbs, vulgo: Schleichwerbung, verklagt. Sollte diese Klage Erfolg haben, wäre das ziemlicher Unfug. Ein Kommentar.

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Man muss sich mal vor Augen halten, um was es hier geht: Cathy Hummels wird tatsächlich verklagt, weil sie das Gesicht ihres Sohnes für ein Instagram-Foto mit einem Stofftier verdeckt hat. Den Plüsch-Elefanten hat sie noch nicht einmal gekauft, sondern geschenkt bekommen – nicht etwa vom Hersteller der Spielware, sondern von Tante und Cousine. Zur Geburt des Kindes.

In anderen Beiträgen hat sie Pullover oder Schuhe von bestimmten Marken lobend erwähnt und gezeigt, ohne dafür Gegenleistungen der jeweiligen Firmen erhalten zu haben. Cathy Hummels nimmt aber auch Geld. Wenn Sie gegen Honorar Produkte anpreist, dann wird das jeweils als „bezahlte Partnerschaft“ gekennzeichnet. Soweit, so normal. Wo, bitteschön, ist hier das Problem?

„Ich bin mir keiner Schuld bewusst“, sagte Frau Hummels vor Gericht. Auf den komplett berechtigten Hinweis der Richterin, dass traditionelle Medien in ihrem Beiträgen zigfach Produktnamen nennen, ergänzte sie: „So sehe ich mich, als Frauenzeitschrift.“

Auch TV-Sendungen wie „Der Bachelor“ oder das ZDF-„Traumschiff“ arbeiten mit so genannten Produktplatzierungen, die selbstverständlich gekennzeichnet werden. Würde eine solche Kennzeichnung fehlen, wäre das Schleichwerbung. Schleichwerbung würde unter Umständen auch vorliegen, wenn Influencer sich auf eine bestimmte Marke oder ein Produkt konzentrieren und dieses in werblicher Art und Weise immer wieder loben würden. So lange sie aber verschiedene Marken und Produkte vorstellen und empfehlen, ist unklar, warum bei Influencern Schleichwerbung sein soll, was bei Medien redaktionelle Unabhängigkeit heißt. Würde man solche Maßstäbe, wie sie hier von Klägerseite eingefordert werden, bei traditionellen Medien anlegen, könnten ganze Branchenzweige komplett dichtmachen.

Der Irrsinn, Influencer mit Schleichwerbe-Abmahnungen zu verfolgen führt so weit, dass mittlerweile gefühlt jeder zweite Hobby-Influencer schlicht jedes Foto und Video mit dem Hinweis „Werbung“ versieht. Teils sogar, wenn gar keine Produkte namentlich genannt werden, einfach um auf Nummer sicher zu gehen. Durch diese inflationäre Verwendung, wird die „Werbung“-Kennzeichnung selbst entwertet. Wenn überall „Werbung“ steht, weiß der Leser auch nicht, was nun wirklich bezahlte Werbung ist und was nicht.

So gesehen ist es gut, dass dieser Prozess in München geführt wird und das Cathy Hummels offenbar willens ist, die Sache auszufechten. Es gibt keinen Grund, warum Influencer mit anderen Maßstäben behandelt werden sollten, als traditionelle Medien. Stattdessen ist zu hoffen, dass das Gericht den Abmahn-Tätigkeiten des Verbands Sozialer Wettbewerb einen Riegel vorschiebt. Das Urteil wird für den 29. April erwartet.

Korrekturhinweis: In einer früheren Version hieß es in dem Text: „Alles andere als ein Freispruch wäre ziemlicher Unfug.“ Einen Freispruch gibt es aber nur bei Strafverfahren, nicht bei Zivilverfahren. Der Text wurde entsprechend korrigiert und wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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