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Sex, Medien und Politik: die Hintergründe zur haarsträubenden Erpressungs-Story um Amazon-CEO Bezos und den National Enquirer

Jeff Bezos vs. The National Enquirer
Jeff Bezos vs. The National Enquirer © imago/UPI Photo/ Montage: MEEDIA

Die Geschichte rund um intime Fotos und die Vorwürfe von Amazon-CEO Jeff Bezos, das US-Klatschblatt National Enquirer habe ihn erpressen wollen, hat viele Facetten. Der Enquirer hat den Vorwurf, er habe Bezos mit der Drohung, intime Fotos von ihm zu veröffentlichen, erpressen wollen, mittlerweile zurückgewiesen. Es habe sich lediglich um "Verhandlungen" gehandelt. Die Affäre hat eine enorme politische Dimension.

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Jeff Bezos ist nicht nur Gründer und CEO von Amazon, Multi-Milliardär und reichster Mann der Welt – er ist auch Eigentümer der Washington Post. Nun sind Bezos und die Post zusammen mit der New York Times so etwas wie Lieblingsfeinde des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump. Außerdem war der ermordete saudische Journalist Jamal Khashoggi Kolumnist bei der Washington Post. Dies sollte man für den weiteren Verlauf dieser haarsträubenden Geschichte im Hinterkopf behalten.

David J. Pecker wiederum ist ein ausgewiesener Freund von Donald Trump und CEO von American Media (AM), der Firma, die das berüchtigte Klatschblatt National Enquirer herausgibt. Laut NY Times hat Pecker außerdem finanzielle Interessen in Saudi Arabien. U.a. hat American Media eine Jubel-Publikation über den Reformkurs des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman (“The New Kingdom”) in den USA herausgebracht. Bin Salman wird nachgesagt, die Ermordung des Journalisten Khashoggi mindestens geduldet, wenn nicht gar beauftragt zu haben. Es gibt Spekulationen, dass Saudi Arabien bei der Finanzierung von “The New Kingdom” behilflich gewesen sein könnte, was American Media abstreitet. Trump pflegt enge Beziehungen zu den Saudis und zu American Media. Belegt ist, dass American Media 150.000 Dollar Schweigegeld an ehemalige Geliebte Trumps während dessen Präsidentschaftskampagne zahlte.

In dieser Gemengelage nun berichtete der Enquirer im Januar über eine außereheliche Affäre Bezos’ mit der Nachrichten-Journalistin Lauren Sanchez und veröffentlichte in diesem Zuge auch private Text-Mitteilungen von Bezos. Der Milliardär beauftragte daraufhin einen Ermittler herauszufinden, wie das Klatschblatt an seine persönlichen Nachrichten gekommen ist. Der Ermittler, Gavin de Becker, erklärte unlängst gegenüber The Daily Beast, einiges deute auf “politische Motive” hin.

Da schrillten im Hause AM offenbar Alarmglocken. Verantwortliche von American Media schrieben mehrere Mails, in denen sie de Beckers Rechtsvertreter darüber in Kenntnis setzten, dass AM, bzw. der Enquirer über weitere private Text-Nachrichten sowie Fotos verfüge und sie beschrieben auch, was auf diesen Fotos zu sehen ist. Neben einigen Selfies von Bezos mit mal mehr, mal weniger Kleidung seien dies auch Bilder, die Teile seines Schambereichs zeigen und Fotos von Sanchez in anzüglichen Posen. American Media verlangte, dass Bezos und Gavin de Becker öffentlich erklären, dass es keinerlei Basis dafür gibt zu behaupten, die Berichterstattung des Enquirers in Sachen Bezos sei politisch motiviert oder von von politischen Kräften beeinflusst gewesen.

Jeff Bezos wiederum entschied sich, die Mails und den kompletten Vorgang auf dem Portal Medium.com öffentlich zu machen, da er sich keiner Erpressung beugen wolle. Mittlerweile ließ American Media ausrichten, es habe sich nicht um einen Erpressungsversuch gehandelt, sondern um “legitime Verhandlungen”, damit Bezos und der Enquirer ihre Differenzen beilegen könnten. Die Wortwahl mit den “legitimen Verhandlungen” kann damit zu tun haben, dass sich American Media im Zuge der Schweigegeld-Zahlungen verpflichtet hat, mit den us-amerikanischen Strafverfolgungsbehörden zusammenzuarbeiten und sich im weiteren Verlauf der Trump-Ermittlungen keine Gesetzesverstöße zu leisten. Nur unter diesen Bedingungen entging American Media einer strafrechtlichen Verfolgung wegen der Schweigegeld-Zahlungen. Eine Anklage wegen Erpressung, bzw. Nötigung würde den Deal, den American Media mit den Behörden geschlossen hat, zunichte machen.

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Eine andere Frage ist, ob sich American Media bei einer Veröffentlichung der Fotos einer Urheberrechtsverletzung schuldig machen würde, wie es Bezos in seinem Text andeutet (“My lawyers argued that AMI has no right to publish photos since any person holds the copyright to their own photos, and since the photos in themselves don’t add anything newsworthy.”) AM weist dies ebenfalls zurück und erklärt, die Bilder hätten Nachrichtenwert, da sie etwas über Bezos’ Eignung aussagen würden, Amazon zu führen.

Wie auch immer der Fall ausgeht: Das Vorgehen von American Media ist atemberaubend dreist. Wäre so etwas auch in Deutschland möglich? Fälle in denen Medien, bzw. Journalisten wegen Nötigung angeklagt wurden gab es durchaus schon. Einer der bekanntesten Fälle war der des Schauspielers Ottfried Fischer gegen die Bild-Zeitung. Ein Bild-Journalist hatte 2009 ein Video bekommen, das Fischer beim Sex mit einer Prostituierten zeigen soll. Der Schauspieler gab seinerzeit an, er habe Bild ein entblößendes Interview gegeben, weil seine Agentin ihn von der Existenz des Films unterrichtet hatte und er Angst hatte, der Film würde von der Zeitung sonst an die Öffentlichkeit gezerrt. Fischer klagte wegen Nötigung und Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches. Das Verfahren wurde nach diversen Freisprüchen für den Journalisten 2016 gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt.

Wie der Fall Jeff Bezos gegen den National Enquirer ausgeht wird nicht zuletzt auch davon abhängen, was noch alles an politischen Verwicklungen herauskommt.

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