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Spar-Hammer bei Funke: Mediengruppe plant Stellenabbau in Berliner Zentralredaktion und NRW-Titeln

Funkes Zeitungschef Ove Saffe verkündete das Sparprogramm
Funkes Zeitungschef Ove Saffe verkündete das Sparprogramm ©Foto: imago/epd

Die Funke-Mediengruppe hat harte neue Sparmaßnahmen verkündet. Über 20 Mitarbeiter müssen laut dem DJV die Berliner Zentralredaktion von Funke verlassen. Bei den drei Zeitungstiteln in Nordrhein-Westfalen wird Funke zehn Prozent Personal streichen. Auch die Druckerei in Essen mit 120 Mitarbeitern wird geschlossen. Die Mediengruppe will dadurch Kosten in zweistelliger Millionenhöhe einsparen.

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Die Sparmaßnahmen stehen unter dem Titel “Zukunftsprogramm Funke 2022”, das dafür sorgen soll, die Printtitel zu stabilisieren und sich auf den Ausbau der Digitalthemen zu fokussieren. Am stärksten betroffen wird die Druckerei in Essen sein, in der bislang 120 Mitarbeiter tätig sind. Sie wird komplett geschlossen, wie Funke am Donnerstag bekanntgab. Die Druck-Aktivitäten werden an den Standort Hagen verlagert, in den der Verlag einen “niedrigen zweistelligen Millionenbetrag” investieren will.

Redaktionell muss unter anderem die erst im Herbst 2015 gegründete Zentralredaktion in Berlin Einbußen hinnehmen. Sie versorgt die Funke-Titel mit überregionalen Inhalten. Dem DJV zufolge plant Funke, etwa 22 der 94 Angestellten in der Redaktion zu entlassen. Laut MEEDIA-Infos sind vor alle Produktionsredakteure, also technische Stellen, von den Kürzungen betroffen. Die Beschäftigten seien heute Vormittag von den Maßnahmen informiert worden. Funke selbst spricht lediglich von einem Stellenabbau, ohne Zahlen zu nennen. Laut Horizont will Funke auch den Produktionsaufwand verringern, indem individuelle Anpassung für einzelne Zeitungen bei Artikeln nicht mehr möglich sein werden.

Ove Saffe, der für das Zeitungsgeschäft verantwortliche Geschäftsführer, sagt dazu: „Die Zentralredaktion ist für uns überaus wichtig, sie ist eine unüberhörbare publizistische Stimme in Deutschland geworden. Das wird auch so bleiben. Allerdings werden wir von Berlin aus künftig straffer und standardisierter die Regionaltitel beliefern“. Darüber hinaus werden in der Berliner Zentralredaktion die Aufgaben des Service-Ressorts an die Tochter Raufeld Medien ausgelagert.

NRW-Titel ebenfalls von Sparprogramm betroffen

Auch den Printtiteln in NRW wird ein Sparprogramm verordnet: Zehn Prozent der Stellen will Funke dort laut DJV streichen. Dabei ist ein Großteil der Mitarbeiter gerade erst in die neue Essener Firmenzentrale gezogen. Offiziell spricht der Verlag nur von Stellenstreichungen, wiederum ohne Zahlen zu nennen. Die Lokalredaktion der Westfalenpost in Warstein mit fünf festangestellten Mitarbeitern wird laut Funke ganz geschlossen. Sie sei trotz großer Anstrengungen schon seit Jahren nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Außerdem setzt die Gruppe die Ausbildung der Volontäre an der Medienakademie-Ruhr für ein Jahr aus.

 

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Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes NRW (DJV-NRW), Frank Stach, kritisiert: „Dahinter steckt blinde Profitgier. Um ihre Renditeziele zu erreichen, werden reihenweise Menschen auf die Straße gesetzt. Der Schein des Aufbruchs in Wertschätzung der Mitarbeiter durch die Geschäftsführung in der neuen Firmenzentrale in Essen trügt.“

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Eingestellt wird außerdem der Morgenpost-Ableger “Berliner Morgenpost Kompakt“, der erst Ende 2016 gestartet wurde. Über 90 Prozent der Leser hätten laut Funke das Großformat oder die Digitalausgabe bevorzugt. In Hamburg ist eine zentrale Redaktion für alle Wochenblätter geplant. Für die Thüringer Titel werden laut Funke Szenarien erarbeitet, wie eine Versorgung der Abonnenten in ländlichen Gebieten mit dem E-Paper gewährleistet werden kann.

“Schalter umlegen”

Funke verteidigt sein Sparprogramm in einer Pressemitteilung. Ove Saffe: „Die Kosten für die Zeitungszustellung haben sich auch aufgrund staatlicher Maßnahmen drastisch erhöht, die Zustellung wird dadurch immer schwieriger. Wenn wir die Entwicklung unserer Auflagen und der Werbeerlöse in die Zukunft fortschreiben und Belastungen wie steigende Papierpreise hinzurechnen, wird deutlich, dass wir den Schalter jetzt umlegen müssen. Genau das tun wir: Wir schaffen ein Umfeld, in dem unabhängiger und professioneller Regional- und Lokaljournalismus gedeihen kann.“

Der DJV verurteilt die heute bekanntgewordenen Sparpläne als “konfusen und völlig überzogenen Aktionismus”. „Für diesen Kahlschlag gibt es keinen Grund“, kritisiert der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall. Unbestritten sei, dass auch die Funke-Mediengruppe vom Strukturwandel der Medien betroffen sei. „Wer in einer wirtschaftlichen Durststrecke qualifizierte und verdiente Journalisten in die Arbeitslosigkeit entlässt, hat von verlegerischer Verantwortung keine Ahnung“, so der DJV-Vorsitzende.

(rt)

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Alle Kommentare

  1. Jeder Stellenabbau, jede weniger verkaufte Zeitung, jeder weniger eingenommene Werbe-Euro ist bei dieser gleichgeschalteten Medienlandschaft ein Sieg für die Meinungs- und Informationsfreiheit.

  2. Ich spare auch, den Kauf der FUNKE Zeitungen, die sich nur noch rudimentär am Titelkopf unterscheiden.
    Dann soll man doch gleich die Zeitungen einstellen, wenn man es so lieblos macht.

    Da waren ja selbst die Zeitungen in der DDR pluralistischer.

  3. Ja, es ist absehbar bald vorbei mit der linken “Qualitäts”presse. Allgemein gesehen, nicht nur hier. Und das ist gut so. Die taz ist das beste Beispiel einer Idiotie, die existiert und denen wird sogar noch einen Prunkbau von linksgrün präsentiert. Man kapiert es nicht – kann es idiologisiert ja auch nicht – den Schund will keiner lesen.

  4. Ich kann mich nicht erinnern, dass Verlagswesen und Zeitungsverkauf rentabel waren. Es lief immer nach dem selben Muster: rückläufige Anzeigen- und Aboverkäufe, deshalb heisst es sparen, sparen, sparen.

    In Zeiten konstenloser Informationen im Internet ist es wirklich schwierig ein tragfähiges Online-Geschäftsmodell zu entwicklen.

  5. Wie war die Praxis bisher? Anzeigenverkäufer wurden reihenweise entlassen – plötzlich leidet das Anzeigengeschäft – warum wohl? Der Vertrieb unprofessionell umgestellt – Abbonenten (das wichtigste Gut) erhielten nicht ihr bezahltes Produkt. Kündigung!

    Wie wird es?
    Der (ältere) stabil bezahlende Abbonent auf dem Land soll elektronisch lesen. Kann und will er/sie aber nicht. Wieder weniger Einnahmen!

    Das ist der falsche Ansatz.

    Vielleicht so:
    Ordentlicher Lokaljournalismus. Den Gewählten Volksvertretern, den Verwaltungen, den Umweltverschmutzern, den Straßen Planern …. auf die Finger schauen und Missstände aufdecken. Bürgerschaftliches Engagement würdigen. Kulturelle Ereignisse ankündigen und dann darüber berichten.

    Dann klappt’s auch mit dem Abo.

  6. Na sowas aber auch. Ich dachte nicht, dass die Restrukturierungen im US Pressebereich, so schnell in dem Ausmaß nach Deutschland rüberschwappen. Neben dem linksextremen Boulevardblatt Zeit nun auch beim Linkaußenstürmer, der Funke Gruppe?

    Steht dieses Jahr ein Zeitungssterben bevor oder kann man mittels Kostenreduzierung die Blätter weiter vertreiben lassen? Ich bin gespannt.

  7. In ihrer Verzweiflung setzt FUNKE seit geraumer Zeit voll auf clickbait, da könnte Meedia mal einen Artikel drüber machen

  8. Es ist interessant, dass die Funke-Mediengruppe in der Lage ist, für den Neubau ihrer Zentrale in Essen über 90 Millionen Euro locker zu machen, nun aber ihre Angestellten nicht bezahlen kann. Übrigens auch solche, die eben erst dort eingezogen sind.
    Was lernen wir daraus?
    Der Funke-Mediengruppe sind Immobilien mehr wert als die journalistische Vielfalt und Qualität ihrer Print-Produkte.
    Irgendwie irritierend für ein Medienhaus, nicht wahr?

    1. Medienhaus? So nennt es sich wohl. Doch die Funke Gruppe ist bekannt dafür dass nur die Gier re-gier-t. Fragt doch mal “Die Anstalt” nach ihren Recherchen, falls Ihr die Sendung nicht sowieso gesehen habt.
      Menschen sind in so einem Unternehmen nur Gewinnoptimierungsmaschinen – und werden auch wie Maschinen einfach ausgetauscht. Wertschätzung? Menschlichkeit? Ehrlicher Journalismus?…Was ist DAS denn…!!

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