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265.000 neue Onlineabos in Q4: New York Times macht bald mehr Geld digital als mit Print

Verlagsgebäude der New York Times
Verlagsgebäude der New York Times

Die New York Times hat im vierten Quartal 2018 rund 265.000 Digitalabos neu dazugewonnen. Das ist der höchste Zuwachs im Digitalgeschäft seit dem US-Wahlkampf 2016, der das Interesse an politischen Nachrichten massiv befeuerte. Etwa 3,4 Millionen Digitalabos zählt die Times damit insgesamt. Bald macht sie digital mehr Umsatz als mit dem Printgeschäft.

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Den Großteil der Digitalabos konnte die amerikanische Tageszeitung dank ihres Nachrichtengeschäftes gewinnen. Etwa 93.000 Kunden abonnierten aber allein die alternativen Service-Angebote des Portals, wie die Kochplattform oder Kreuzworträtsel. Insgesamt erreicht das Medienhaus nun 27 Prozent mehr digitale Abonnenten als 2017. Zählt man die Print-Ausgabe dazu, kommt die Zeitung auf 4,3 Millionen Kunden.

Angesichts des starken Wachstums setzt sich das Unternehmen ehrgeizige Ziele: Bis zum Jahr 2025 soll die Marke von zehn Millionen Abos geknackt werden, kündigte CEO Mark Thompson im Conference-Call mit den Analysten und Anlegern an. Dabei setzt der Verlag auch auf neue Formate. Nach dem erfolgreichen Podcast “The Daily” folgt in Kooperation mit dem Kabelsender FX die TV-Doku-Serie “The Weekly”.

Auch finanziell lief es zuletzt deutlich besser. Zwar brachen die Anzeigenerlöse der Printausgabe im Schlussquartal im Jahresvergleich um weitere gut zehn Prozent weg. Dafür florierte das Geschäft mit Online-Werbung, hier stiegen die Einnahmen um 23 Prozent auf 103 Millionen Dollar. Insgesamt legte der Umsatz um vier Prozent auf 502,7 Millionen Dollar im Q4 zu.

Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn betrug 55,2 Millionen Dollar (48,5 Mio Euro), nachdem es im Vorjahreszeitraum noch einen Verlust von 56,8 Millionen Dollar gegeben hatte. Die Ergebnisse übertrafen die Erwartungen deutlich, die Aktie stieg im frühen US-Börsenhandel um rund vier Prozent.

Angesichts der starken Bilanz plant CEO Thompson mit weiteren Investitionen. “Unsere Abonnenten legen mehr denn je Wert auf die Qualität unseres Journalismus”, sagte Thompson in einem Statement. In diesem Jahr wolle das Medienhaus viele Produkte weiterentwickeln. Allein 2018 hat die New York Times 120 neue Angestellte in ihren Newsroom gebracht. 1.600 Journalisten arbeiten damit bei der Zeitung – so viel, wie noch nie zuvor.

40 Prozent des Umsatzes kommt aus dem Digitalen

Interessant ist, wie groß das Digitalgeschäft bei der NYT mittlerweile ist. Übers Jahr hinweg macht es 40 Prozent des Umsatzes (insgesamt 1,7 Milliarden in 2018) aus. Der Anteil ist seit dem Jahr 2013, als die Times den Digitalumsatz erstmals einzeln auswies, kontinuierlich gestiegen. Damals war der Netzauftritt noch für 20 Prozent des Umsatzes verantwortlich. Branchenkenner erwarten,  dass die Times spätestens im nächsten Jahr digital mehr Geld einfährt als mit dem immer noch profitablen Printgeschäft.

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Den größten Sprung machte das Digital-Business 2016, im Jahr des Wahlkampfes und der Wahl Donald Trumps – von 30 auf 37 Prozent stieg der digitale Anteil am Gesamtumsatz allein in diesem Jahr. Damals war das Interesse an den Produkten des Hauses sehr hoch. Allein in den sechs Monaten nach der Wahl Trumps kamen 600.000 neue Abonnenten zur Times.

“Wir denken langfristig”

Nicht zuletzt der schlagzeilenträchtige Streit mit US-Präsident Donald Trump hat die Zeitung als eine wichtige und glaubwürdige Stimme in den USA etabliert. Trump kritisiert die Times auf Twitter und in Reden seit seinem Wahlkampf regelmäßig, bezeichnet sie etwa als “Failing” (zu deutsch: “scheiternd”). CEO Thompson dazu gegenüber der SZ: “Eine disruptive Periode mit so viel Veränderung und Unsicherheit produziert unglaubliche viele Nachrichten, das ist gut für alle Journalisten und Nachrichtenanbieter, es gibt viel Material für Geschichten.” Allerdings grenzt er ein: “Ich glaube aber nicht, dass Trump uns so hilft wie vielleicht noch vor zwei Jahren.”

Im Spiegel äußerte sich auch der Verleger Sulzberger in dieser Woche zum Geschäftsmodell. “Dass wir langfristig denken”, sagt er, “ist der Grund, warum wir in einer Zeit, in der viele andere journalistische Organisationen im Niedergang sind, ein beispielloses Wachstum erleben”. Weiterhin bekräftigte er abermals den starken Fokus auf das Digitalgeschäft. “Wir können für die nahe Zukunft nicht mehr auf Print zählen, um unseren Journalismus zu finanzieren”, sagt Sulzberger.

(rt, dpa)

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Alle Kommentare

  1. Die New York Times macht ja auch etwas richtig. Ein Online-Abo kostet im ersten Jahr 1 Euro/Monat, danach 2 Euro/Monat. Darum habe ich mir das auch gegönnt. Wenn ich hier so in Deutschland gucke – das etwas eingeschränkte FAZ-Angebot (F+ FAZ.NET) kostet 11,80 Euro im Monat, die Süddeutsche 37 Euro im Monat (dafür dann im Gegensatz zur FAZ komplett) – puh, ganz andere Größenordnung.

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