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DDV Mediengruppe: Zeitungsgeschäft “schwieriger als vorgestellt” – Tag24 und Reisen als Wachstumstreiber

DDV Mediengruppe: Erwartungen erfüllt, Vorjahresniveau aber nicht erreicht
DDV Mediengruppe: Erwartungen erfüllt, Vorjahresniveau aber nicht erreicht

Mit dem Ausbau von Tag24 ist die regionale DDV Mediengruppe bundesweit expandiert – das Newsportal ist eine der Wachstumshoffnungen, auf die die Beteiligung von Gruner + Jahr und der SPD-Medienholding ddvg setzt, um Verlusten im Printgeschäft etwas entgegenzusetzen. Denn das lief bei Sächsischer Zeitung und Dresdner Morgenpost 2018 schlechter als ohnehin erwartet.

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Wenn Geschäftsführer eines Zeitungshauses vor die Belegschaft treten, um über das vergangene Geschäftsjahr zu sprechen, gibt es längst nicht mehr nur gute Nachrichten – oft sind sie eher schlecht. Manchmal sind sie durchwachsen. So auch bei der DDV Mediengruppe, bei der Geschäftsführer Carsten Dietmann in diesem Jahr in Form eines Video-Interviews, das intern via YouTube-Link verbreitet wurde, Mitarbeiter informierte und einen strategischen Ausblick auf das neue Jahr gab.

Die DDV Mediengruppe, an der Gruner + Jahr zu 60 Prozent beteiligt ist und 40 Prozent der Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft (ddvg) gehören, habe ihre Ziele für das abgelaufene Geschäftsjahr 2018 erreicht. Das war die gute Nachricht. Die weniger schöne: Die Ziele lagen unter Vorjahresergebnis, die DDV, in der die Sächsische Zeitung wie auch die Dresdner Morgenpost erscheinen, ist 2018 nicht gewachsen, auch wenn sie offenbar weiter profitabel war.

Zahlen nannte Dietmann in seiner Ansprache nicht, bereits in den Vorjahren hat die DDV ihre Geschäftsberichte nicht veröffentlicht. Der Medienmanager informierte aber grob über die einzelnen Geschäftsfelder und machte deutlich, wo Wachstumshoffnungen liegen.

Nationaler Vermarkter Score Media erfüllt Erwartungen nicht

Mit Blick auf das Print-Geschäft von SZ und Mopo sagte Dietmann: “Es ist schwieriger geworden als wir es uns vorgestellt haben.” Als Gründe nannte er “Kostenblöcke, die gegen uns arbeiten”, wie steigende Zustellkosten (Stichwort Mindestlohn) aber auch auch steigende Preise für Papier, aber auch gegen die Mediengruppe arbeitende Erlösblöcke. Das Anzeigengeschäft sei weiter rückläufig, auch die Auflagen entwickelten sich “schwieriger” als erwartet worden sei. Gegenüber MEEDIA führt Dietmann aus: “Ein Grund ist, dass die Erwartungen in Score Media als nationaler Vermarkter noch nicht aufgegangen sind.”

Auf das Geschäft im Print-Segment drückt offenbar auch der digitale Ausbau. Die “interne Konzentration auf regionale Digitalangebote” nennt Dietmann als weiteren Grund. Gemeint sind Tag24 wie auch die Plattform Sächsische.de. In diesem Segmenten liegen die Erlöse laut Dietmann “über den Erwartungen”. In seiner Videobotschaft sagte er aber auch: Es werde weiter investiert, “um bald Früchte zu sehen”.

Tag24, ehemals Mopo24.de, hat in den vergangenen Monaten eine bundesweite Expansion vorangetrieben. Über Lizenzgeschäfte mit anderen Regionalverlagen ist das Boulevardportal in elf Ausgaben verfügbar. Mit 14,1 Mio. Inlands-Visits im Dezember 2018 (IVW) steht Tag24 auf Platz 20 in der deutschen Nachrichten-Branche, wobei es in den vergangenen Monaten deutlich verloren hat. Zwischen Mai und August holten die Teams deutlich mehr als 20 Mio., im Juni sogar mehr als 25 Mio. Inlands-Visits. Sächsische.de erreichte im Dezember 2,7 Mio. Inlands-Visits – ungefähr Platz 60 der deutschen News-Branche. Wegen eines umfassenden Relaunches ist hier ein Vergleich zu den Vormonaten nicht aussagekräftig.

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Die gedruckte Sächsische Zeitung kam in den beiden wichtigsten IVW-Kategorien Abo und Einzelverkauf  im vierten Quartal 2018 auf 193.968 Verkäufe. Das Minus von 4,2 Prozent ist in den neueren Bundesländern Normalniveau. In Sachsen ist sie die Nummer 2 hinter der Freien Presse aus Chemnitz.

Postgeschäft scheint zu stagnieren, Reisegeschäft als neuer Wachstumstreiber

Die Wachstumsgeschäfte werden für die DDV Mediengruppe auch bedeutsamer, weil andere “starke Ergebnisbringer” an Grenzen geraten. “Post Modern ist mit 92 Mio. Briefen inzwischen in einer Menge angekommen, wo weiteres Wachstum nicht mehr so einfach realisierbar ist, insbesondere, weil der Markt der Briefe nicht mehr so wächst, tendenziell eher schrumpft”, so Dietmann gegenüber der Belegschaft. Wachstumspotentiale sieht der Manager dennoch, erklärt er gegenüber MEEDIA. “Gleichzeitig reagiert die deutsche Post mit Preissteigerungen auf diese Entwicklung, was ggf. wieder zu Marktverschiebungen führen kann. Unabhängig davon versuchen wir uns aktuell auch in der lokalen Paketzustellung.”

Wachstum soll auch in einem Bereich erfolgen, der nicht zum klassischen Verlagsgeschäft zählt, in dem sich aber mehr und mehr Medienunternehmen versuchen: im Reisesegment. “Dort haben wir richtig Geld investiert”, erklärte Dietmann in seiner Videobotschaft. Man übernehme mittlerweile das Reisegeschäft auch für Wettbewerber. Auf Nachfrage von MEEDIA erklärt er, dass der Geschäftsbereich bereits profitabel laufe.

Für das gerade angebrochene Jahr forciert die DDV Mediengruppe offenbar weiter den Umbau im Rahmen der digitalen Transformation. Dazu zählten vor allem Workflows sowie die Weiterbildung. “Das kostet Geld und wird uns auch in den nächsten Jahren sehr stark beschäftigen. Wir tun das im Rahmen der Möglichkeiten, die uns die Gesellschafter Gott sei dank einräumen.” In diesem Zuge appellierte Dietmann auch an die Belegschaft, den digitalen Wandel mitzugehen. Mitarbeiter, “die dazu nicht in der Lage sind oder es nicht wollen” würde man im Zweifelsfalle versetzen oder entlassen müssen. Gegenüber MEEDIA führt Dietmann aus, solche Maßnahmen bereits in Vergangenheit sozialverträglich durchgeführt zu haben. “Wir haben solchen Mitarbeiter Ausstiegsalternativen wie z.B. Altersteilzeit angeboten”, so der DDV-Chef. 30 Mitarbeiter hätten dies 2018 in Anspruch genommen, gleichzeitig sei das Personal im Digitalen ausgebaut worden. “In Summe ist die DDV Mediengruppe personell weiter wachsend und inzwischen bei über 1.800 Mitarbeitern.”

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