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BDZV-Trendumfrage: Künstliche Intelligenz wird in Redaktionen mehr und mehr zur verlegerischen Realität

Der BDZV hat seine 5. Trendumfrage veröffentlicht
Der BDZV hat seine 5. Trendumfrage veröffentlicht

Der Bundesverband deutscher Zeitungsverleger (BDZV) hat seine Trendumfrage für 2019 präsentiert: Die Ergebnisse der fünften Ausgabe bestätigen nicht nur bereits beobachtete Entwicklungen, wie den Reichweitenzuwachs digitaler Kanäle, sondern zeigen ebenso den Einzug neuer Technologien in den Mediensektor auf. Vor allem die Nutzung künstlicher Intelligenz wird mehr und mehr zur Realität.

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“Verlage nutzen die Potenziale künstlicher Intelligenz” lautet einer der drei Top-Trends für das Jahr 2019. In seiner Trendumfrage macht der BDZV gemeinsam mit der Unternehmensberatung Schickler vor allem auf die Möglichkeiten dieser viel diskutierten Technologie aufmerksam. An der aktuellen Umfrage haben 72 Verleger und Geschäftsführer teilgenommen, 22 weniger als 2018. Damit repräsentieren sie laut BDZV 29 Prozent der Branche, nach Auflage 57 Prozent.

Während also die Verlage den Nutzen künstlicher Intelligenz (KI) erst nach und nach erkennen und in ihre redaktionelle Arbeit implementieren, sind große US-Unternehmen bereits einen Schritt weiter. Der E-Commerce-Riese Amazon hat das bekannte Artikel-Vorschlagssystem auf Basis historischen Kaufverhaltens entwickelt. Bei Google gibt es bei der Übersetzung 60 Prozent weniger Fehler, seit von regelbasierter Übersetzung auf maschinelles Lernen umgestellt wurde. Und auch Netflix nutzt einen selbstlernenden Algorithmus, um den Nutzern Tipps für neue Filme und Serien zu bieten.

Erste Versuche in Zeitungsverlagen

In der Zeitungsbranche wird mit der Technik beispielsweise bei der Main-Post experimentiert. In Unterfranken erhalten die Leser individuelle Inhalte und Werbung, die auf Basis der sogenannten Customer-Journey erstellt werden. Bei der NWZ gibt es dagegen den “Roboterjournalismus”, bei dem Texte für das Eventportal, RegioFußball und das Branchenbuch automatisch generiert werden. Die Umfrage zeigt, dass bei 74 Prozent der Verlage die KI relevant bis sehr relevant ist, bei großen Verlagen ist dies sogar bei 96 Prozent der Fall. Während bei diesen auch die Ressourcen und Daten zur Umsetzung der Technologie gegeben sind, fehlt es kleineren Verlagen an genau jenen Punkten. Dort ist KI nur für 58 Prozent der Verlage relevant bis sehr relevant. Zur Einordnung: Der BDZV hat “kleiner Verlag” definiert als weniger “100.000 Ex. Auflage” und “großer Verlag” als “über 100.000 Ex. Auflage”.

Die Auswertung des BDZV sieht vor allem drei nützliche Anwendungsbereiche: Im Werbemarkt ergibt sich die Identifikation von Verkaufs- und Upselling-Chancen bei Werbekunden. Derzeit nur zu 16 Prozent genutzt, prognostiziert der Verband einen Anstieg bis 2022 um 53 Prozent. Ähnliche Sprünge sind für die Bereiche Redaktion und Lesermarkt zu erwarten, dort soll die Nutzung bis 2022 bei 64 Prozent liegen, deutlich geringer in der Logistik (43 Prozent) und im Controlling (33 Prozent). Die Umfrage zeigt zudem, dass Verlage Spezialisten für KI in übergreifenden Bereichen auf. Dabei konzentrieren sich diese Teams bislang vornehmlich auf die Redaktion (20 Prozent), die IT (34 Prozent) und eine neue Abteilung (37 Prozent).

Preis- und Angebotsdifferenzierung wird wichtiger
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Ein zweiter wichtiger Trend: flexible und innovative Preis- und Angebotsmodelle. 79 Prozent der Verlage setzen dies bereits ein oder planen eine innovative Preis- und Abogestaltung, die den potenziellen Lesern mehr Auswahl bietet. Den Fokus setzen die befragten Verleger und Geschäftsführer auf Bundles (71 Prozent), also beispielsweise die Kombination von Print- und Digital-Angeboten. Zwei Drittel der Umfrageteilnehmer sehen in der Differenzierung dabei mehr Vorteile als Nachteile. Besonders chancenreich werden die Neukundengewinnung (91Prozent) und Vermeidung von Kündigungen (76 Prozent) gesehen. Allerdings befürchten 80 Prozent langfristig niedrige Preise oder die Verärgerung von Kunden (75 Prozent).

Bezüglich möglicher Entlassungen wegen sinkender Erlöse lässt sich auf Grundlage der Umfrage wenig ableiten: 79 Prozent der Verlage geben an, sich als Folge des Transformationsprozesses mit Organisationsfragen beschäftigen zu wollen. Aus der Studie sei ersichtlich, dass Fachkräfte im Bereich IT und Logistik gesucht werden, so BDZV-Sprecherin Anja Pasquay. “Da geht es den Zeitungsunternehmen genau so wie vielen anderen Industriebereichen auch.”

Der Reuters Digital News Report hat erst Mitte Januar verkündet, dass 2019 eine massive Entlassungswelle im Medienbereich bevorstehe. Als Grund sehen die Macher vor allem fehlende Online-Einnahmen, weil Paywalls und Abomodelle in ihrer bisherigen Form auf Widerstand stoßen könnten (MEEDIA berichtete). Erste Hiobsbotschaften für die Branche waren die Meldungen, dass die deutsche Ausgabe der Huffington Post eingestellt wird und – erst vorige Woche – die Ankündigung von BuzzFeed, etwa 200 Mitarbeiter zu entlassen.

Der dritte vom BDZV präsentierte Trend betrifft die Logistikdienstleistungen: Insgesamt hat für 71 Prozent der Verlage die Logistik eine strategische Relevanz, unter den großen Branchenvertreter sind es gar 93 Prozent. Für die Zukunft bietet sich dort ein Wachstum durch neue innovative Geschäftsfelder in der Logistik für lokale Unternehmen und Leser. Dazu zählt beispielsweise der Ausbau der B2B-Kurierleistung oder Dienstleistungen für den E-Commerce.

tb

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