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“Ärger wegen böser Nazi-Kühe”: So absurd parodiert @ROB0TIUS den Spiegel Fake-Reporter Relotius

Ex-Spiegel-Reporter Claas Relotius, Twitter-Bot ROBoTIUS
Ex-Spiegel-Reporter Claas Relotius, Twitter-Bot ROBoTIUS

Ein Satz, der die zentrale Aussage eines Artikels zusammenfasst: Mit dem sogenannten "Küchenzuruf" schlagen Journalisten für gewöhnlich ein Thema vor. Der Twitter-Account @ROB0TIUS führt das ad absurdum – und verschickt vermeintliche Reportage-Ideen im Stil des ehemaligen Spiegel Fake-Reporters Claas Relotius.

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“Eine Reportage über die angeblich ersten vermissten Kryoniker in Fergus Falls. Manchmal, im Traum, erscheint ihnen Angela Merkel. Womöglich mit erfundenen Gesprächsszenen.” Oder: “Ein Interview mit einem Sportler über eine Hinrichtung in Kirgisien, wo gar kein Wald ist.” Derartig krude Themenvorschläge verschickt der Account @ROB0TIUS mehrmals pro Tag über Twitter. Der Clou: Hier twittert keine Person direkt, sondern ein Bot, der einzelne Textbausteine zusammenfügt.

Die vermeintlichen “Reportage-Ideen” sind dabei bewusst absurd formuliert, enthalten aber Story-Elemente und Protagonisten aus den Reportagen des ehemaligen Spiegel-Reporters Claas Relotius. Etwa Willie Parker, der in einer Relotius-Reportage als letzter Arzt im US-Bundesstaat Mississippi noch Abtreibungen durchführt. Im entsprechenden Tweet wird aus Parker aber kurzerhand “der letzte Rassist in Amerika, der noch Abtreibungen ausführt.”

Ähnlich ergeht es der US-Kleinstadt Fergus Falls, die in einer von Relotius gefakten Spiegel-Reportage als klischeehafte Trump-Hochburg herhalten musste:

Ebenso wie das Spiegel-International-Team:

Auch die Spiegel-Dokumentation bekommt in den Tweets ihr Fett weg:

Seit dem 13. Januar verschickt der Roboter-Relotius seine vermeintlichen Themenvorschläge via Twitter. Mit dem Hinweis: “Textideen dürfen gerne verwendet werden. Bitte gewissenhaft recherchieren.” Hinter @ROB0TIUS steckt Marie Kilg. Die Journalistin (taz.de, sueddeutsche.de) arbeitet als Redakteurin für die deutsche Version von Amazons Sprachassistentin Alexa. Gegenüber MEEDIA verriet sie: “Der Relotius-Fall hat mich als ehemalige Journalistin in den letzten Wochen natürlich sehr beschäftigt. Und da lag es nahe, seine Reportagethemen per Zufallsgenerator zu parodieren.”

Technisch betrachtet sei das sehr simpel. “Ich habe einfach echte Teaser von Relotius-Texten genommen, in Satzbausteine zerhackt und den Bot damit gefüttert. @Rob0tius setzt sie zufällig wieder zusammen”, so Kilg. “Wo im Original eine Granate als Blumengefäß verwendet wurde, setzt der Bot jetzt vielleicht einen Mannschaftsbus aus einem anderen Text ein. Er sucht sich für jed*e Protagonist*in ein Adjektiv, ein Herkunftsland oder einen beschreibenden Nebensatz.” Die Bausteine stammen dabei fast alle aus Relotius-Texten. “Die Absurdität war also schon da, vom Kryoniker bis zu den Nazi-Kühen.”

Tatsächlich lesen sich die kruden Küchenzurufe grammatikalisch korrekt, obgleich sie oft keinen Sinn ergeben:

Allem Anschein will Kilg genau das bezwecken und den Lesern die Absurdität der Relotius-Affäre vor Augen führen. Über 500 Personen scheint das zu gefallen. Zumindest folgen dem Twitter-Account derzeit viele Journalisten aus Berlin und Hamburg, darunter auch einige Spiegel-Mitarbeiter.

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