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Service-Wette wegen iPhone-Krise: Apples ummauerter Garten wird löchrig

Unter Dauerdruck: Apple-CEO Tim Cook
Unter Dauerdruck: Apple-CEO Tim Cook © Apple

Es ist die DNA seit den frühesten Tagen der Gründung: Apple steht für ein geschlossenes Ökosystem, in dem Hard- und Software vom Kultkonzern aus Cupertino stammen. Wegen der iPhone-Krise, die Apple in diesem Jahr erhebliche Umsatzeinbußen einbrocken dürfte, scheint bei Tim Cook ein Umdenken eingesetzt zu haben, wie jüngste Ankündigungen deutlich machen. Der inzwischen nur noch viertwertvollste Konzern der Welt bringt Apple Music plötzlich auf den Amazon-Speaker und seine Fernsehwelt iTunes auf Samsung Smart TVs.

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Es ist ein bisschen, als würde die Hölle zufrieren. Wer bislang Dienste von Apple – ob Hard- oder Software – nutzen wollte, musste Apple kaufen. Anwendern, die seit vielen Jahren ihr digitales Leben in Apples Ökosystem verbracht und ihre Daten in der iCloud abgespeichert haben, macht der Kultkonzern aus der Cupertino einen Wechsel ins Android-Lager so schwer wie möglich – eine iCloud-App gibt es erwartungsgemäß bis heute nicht. (Mails, Kontakte und Kalenderdaten können nur manuell umständlich synchronisiert werden.)

Dass bei Tim Cook inzwischen trotzdem ein gewisses Umdenken eingesetzt zu haben scheint, dokumentieren zwei bemerkenswerte Schritte in den vergangenen zwei Monaten. Seit Mitte Dezember können Besitzer von Amazons Smartspeakern Echo auch Apples Musik-Streaming-Dienst Apple Music nutzen. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass Apple Music erstmals nicht von Apples Sprachassistentin Siri, sondern von Amazons Pendant Alexa gesteuert wird, das viele Branchenbeobachter für überlegen halten.

Öffnung für Amazon und Samsung

Zu Jahresbeginn folgte auf der Unterhaltungselektronikmesse CES der nächste für Apple ungewöhnliche Schritt: Der US-Techkonzern bringt den Zugang zu seinem digitalen TV-Angebot iTunes künftig direkt auf Fernseher des langjährigen Erzrivalen Samsung.

In anderen Worten: Der Kauf der Set-Top-Box Apple TV, der seit 12 Jahren bei jedem Fernseher nötig war und in der Spitze immerhin mit 219 Euro zu Buche schlägt, um auf Apples digitale Inhalte zuzugreifen, fällt bei neuen Smart TVs von Samsung künftig weg. Da Samsung künftig kaum der einzige TV-Anbieter bleiben dürfte, der in den Vorzug von iTunes kommt, deutet der Schritt gewissermaßen das Ende von Apple TV an, dem es in über einer Dekade nicht gelungen ist, sich über ein “Hobby”  (Steve Jobs) hinaus zu entwickeln.

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Alles für die Servicesparte

Die beiden Öffnungen von Apples legendärem Prinzip einer geschlossenen Plattform (walled garden) können als eindeutiger Fingerzeig verstanden werden, dass Tim Cook bereit ist, sich von Doktrinen der Steve Jobs-Ära zu verabschieden, um neue Erlösquellen zu erschließen.

Tim Cooks große Wette auf Apples Zukunft liegt eindeutig im Servicebereich, den der 58-Jährige in den vergangenen Jahren gebetsmühlenartig hochgeredet hat. Die Ansage ist eindeutig: Service-Umsätze mit Apple Music und iTunes sind Cook wichtiger als Hardwareverkäufe mit Apple TV und dem HomePod. Ob die Service-Wette indes aufgeht, ist unter Analysten umstritten, die teilweise ebenfalls eine signifikante Verlangsamung der Internetdienst-Umsätze ausgemacht haben.

 

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