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Sendepause beim Deutschlandradio: Intendant Stefan Raue droht Rauswurf seiner Programme aus dem Kabelnetz

Unitymedia will die Programme vom Deutschlandradio aus dem Kabelnetz nehmen
Unitymedia will die Programme vom Deutschlandradio aus dem Kabelnetz nehmen

Dem Deutschlandradio droht die Abschaltung seiner Programme im Kabelnetz. Betroffen sind die Regionen Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Grund hierfür ist ein Streit mit dem Kabelnetzbetreiber Unitymedia um die Einspeiseentgelte. Eine Einigung ist allerdings nicht in Sicht. Derzeit bemühen sich der Intendant Stefan Raue, die Staatskanzleien und die Landesmedienanstalten um eine Lösung.

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Eigentlich müsste Intendant Stefan Raue in bester Laune sein. Vor wenigen Tagen feierte das Deutschlandradio sein 25-jähriges Jubiläum. Aus dem Deutschlandfunk, RIAS und früheren Sendern der DDR war Anfang 1994 ein einzigartiges nationales Hörfunkangebot entstanden. Heute zählen hierzu bekannte Sender wie der Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova. Doch die Stimmung des Intendanten ist getrübt. Grund hierfür ist, dass dem Deutschlandradio ab dem morgigen Dienstag eine Sendepause im Kabelnetz droht, von dem die Regionen Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen betroffen sind. Auslöser ist ein Streit zwischen dem Deutschlandradio und Unitymedia, denn die Hörfunkkette ist künftig nicht mehr bereit, die von dem Kabelnetzbetreiber geforderten sogenannten Einspeiseentgelte zu tragen.

Weiteres Vorgehen wird geprüft

Da sich die Sendergruppe bisher nicht dem Kabelnetzbetreiber auf einen Anschlussvertrag einigen konnte, schmeißt Unitymedia die Hörfunkprogramme raus. „Wir nehmen die einseitige Ankündigung von Unitymedia vom 14. Januar zur Kenntnis, die Programme von Deutschlandradio zum 22. Januar aus seinem Kabelnetz zu entfernen“, erklärt ein Sprecher des Deutschlandradios gegenüber MEEDIA. Das Unternehmen bedauere diesen Schritt und prüfe derzeit das weitere Vorgehen. Dazu sei man mit Unitymedia, den Landesmedienanstalten und den Staatskanzleien im Gespräch.

Die Hoffnung, dass sich die Sendekette mit Unitymedia auf neue Bedingungen einigt, scheinen allerdings gering zu sein. „Als öffentlich-rechtlicher Rundfunkanbieter hat für Deutschlandradio der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit eine hohe Priorität. Wo immer es möglich ist, entlasten wir die Beitragszahler. Wir schließen deshalb keine Verträge mit Unternehmen, deren Bedingungen nach unserer Auffassung vor dem Gebot der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit keinen Bestand haben“, betont der Sprecher.

Digital weiter zu hören

Und ergänzt: „Das Signal unserer Programme stellen wir sowohl Unitymedia als auch allen anderen Anbietern grundsätzlich zur Verfügung. Ob Unitymedia hiervon Gebrauch macht, liegt in der Verantwortung dieses Unternehmens. Ebenso ist es die Verantwortung von Unitymedia, die rechtlichen Vorgaben zur Übertragung bestimmter Hörfunkprogramme zu erfüllen.”

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Digital seien die drei Deutschlandradio-Programme allerdings weiterhin über DAB+, Internet und Satellit verfügbar, ebenso seien Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur in vielen Regionen auch wie bisher über UKW erreichbar. „Auch die übrigen Kabelnetzbetreiber verbreiten das Programm von Deutschlandradio nach unserer Kenntnis weiter“, so der Sprecher.

Update, 22. Januar 2019, 15.10 Uhr:

Unitymedia weist in einem Tweet darauf hin, dass das Deutschlandradio als Veranstalter der drei Deutschlandfunk-Angebote für sich entschieden habe, “dass sie nicht mehr im Kabel verbreitet werden wollen”. Deshalb hätten sie “die Verbreitungsverträge mit uns entsprechend gekündigt”, erklärt der Kabelnetzbetreiber. Ebenfalls betont Unitymedia, dass sie jederzeit bereit seien, “mit dem DLF eine neue Vereinbarung über die Verbreitung der betroffenen Radioprogramme abzuschließen”, sollte seitens des Deutschlandradios Interesse an einer Kabelverbreitung bestehen.

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Alle Kommentare

  1. Unity Media will Geld dafür, dass sie Content erhalten, den sie dann den Abonenten in Rechnung stellen. Sie wollen an einem mit Gebühren finanzierten Programm verdienen.

    Laut Staatsvertrag sind die Kabelbetreiber verpflichtet die Grundversorgung zu gewährleisten. DLF IST Grundversorgung.

    1. Wie ist das mit “ortsübliche” Programme? Sollen die nicht auch grundsätzlich eingespeist werden?

      Wenn DLF vor Ort über Antenne in der Luft empfangbar ist, dann ist der doch auch “ortsüblich”, nicht wahr?

  2. dlr und dlr_kultur: für mich die besten Sender.
    Morgens ab 5:30 bis 9:00 – ausser sonntags 😉
    was mir besonders gut gefällt:
    – keine Werbung
    – interessante Interviews zu aktuellen Themen – ruhige Sprecher:innen
    – Pressespiegel
    – Podcasts zum Nachhören
    – Hörspiele (die muss ich leider immer aufnehmen, da nicht in den Pods)

    wirklich eine der wichtigsten Sendereinrichtungen und ein großer Verlust, wenn die Rechtspopulisten und GEZverweigerer hier in unserem Land die Oberhand bekommen würden

    1. Wir finden es unmöglich, dass über die Köpfe der Hörer, die ihre Rundfunkgebühren zahlen, einfach entschieden wird den Deutschlandfunk aus dem Unitymedianetz herauszunehmen. Wir hören ständig Deutschlandfunk, der Sender ist für uns sehr wichtig. Sind aber leider am Glasfaserkabel bis ins Haus angeschlossen. Es geht doch alles nur um ein paar Gebühren mehr oder weniger.

  3. Ach ja, die Staatsfunkgegner. Sie wohl nie Staatsfunk genossen. Der DDR-Rundfunk war einer. Da liegen Welten zwischen diesem und dem ÖR.

  4. Als öffentlich-rechtlicher Rundfunkanbieter hat für Deutschlandradio der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit eine hohe Priorität. Wo immer es möglich ist, entlasten wir die Beitragszahler.

    Echt jetzt? Weltfremd oder total besoffen?

    1. Deutschlandradio sagt:

      Wo immer es möglich ist, entlasten wir die Beitragszahler.

      Jetzt entlasten sie die Beitragszahler vom Hören.

      Sie brauchen nur noch zahlen. Hören ist Arbeit, und das nimmt DLF den Beitragszahlern jetzt ab.

  5. Schon schreit der Staatsfunk panisch nach noch mehr staatlichem Druck auf die Privatwirtschaft. Aber man will ja kein Staatsfunk sein. Ob morgen die Steuerfahndung bei Unitiymedia durch die Beete trampelt und der Landesverfassungsschutz die Familien der Vorstände durchleuchten wird?
    Alles möglich in diesem Land, wenn die Pressefreiheit und die Demokratie auf dem Spiel steht, ganz zu schweigen vom finanziellen Auskommen der Staatsfunker

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