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Nach Wahlschlappe um AfD-Spitzenplatz gegen Magnitz: Ex-„stern TV“-Reporter Lührssen kündigt Rückzug an

Nach der Abstimmungsniederlage gegen den Bremer AfD-Landeschef Frank Magnitz (li.) hat sich Hinrich Lührssen neu orientiert: Bei den "Bürgern in Wut" darf er Spitzenkandidat sein

Er wollte hoch hinaus – und ist tief gestürzt: Der freiberufliche Fernsehreporter Hinrich Lührssen, der vor sieben Monaten in die AfD eingetreten ist und gleich in den Bremer Landesvorstand berufen wurde, wollte jetzt auch noch Spitzenkandidat bei der Bürgerschaftswahl im Mai werden. Er unterlag jedoch deutlich einem unerwartet aufgetretenen Gegenkandidaten. Jetzt will Lührssen nicht länger für die Partei aktiv sein, wie er am Montag auf Anfrage von MEEDIA sagte.

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Von Eckhard Stengel

Der 60-jährige Journalist, der jahrelang Beiträge für Radio Bremen und „stern TV“ geliefert sowie Bücher im Rowohlt-Verlag veröffentlicht hat, hatte sich für seine Bewerbung um den Bremer Listenplatz 1 gute Chancen ausgerechnet (MEEDIA berichtete). Doch auf der entscheidenden Mitgliederversammlung bewarb sich plötzlich auch der Landesvorsitzende Frank Magnitz um die Spitzenkandidatur – und gewann das Rennen deutlich mit 32 zu 19 Stimmen.

Im Gespräch mit MEEDIA meinte Lührssen am Montag, er habe verloren, „weil Herr Magnitz seine Mehrheit gut organisiert hat“. Allein sechs der rund 50 erschienenen AfD-Mitglieder seien Magnitz-Familienmitglieder gewesen. Außerdem habe er „auffallend viele neue Gesichter gesehen“, die vermutlich erst seit Kurzem Parteimitglied seien.

„Keine Demokratie in der Bremer AfD“

Nach seiner Niederlage verzichtete Lührssen darauf, für einen der weiteren Listenplätze zu kandidieren. Denn für ihn wäre es „unmöglich“, mit Magnitz gemeinsam in den Wahlkampf zu ziehen, wie er sagt. „Das kann ich mir nicht zumuten.“ Der Vorsitzende und neue Spitzenkandidat „steht wirklich rechts“. Aber das sei nicht das eigentliche Problem der Bremer AfD. „Da geht es wirklich nur um Macht. Politische Positionen spielen überhaupt keine Rolle.“

Lührssen erhebt sogar den Vorwurf: „In der Bremer AfD gibt es nach meinem Kenntnisstand keine Demokratie.“ Das zeige zum einen der Verlauf der Wahlversammlung, aber zum anderen auch die große Zahl an Ausschlussverfahren. Einer der Betroffenen hatte kürzlich zu Radio Bremen (RB) gesagt: „Wer nicht Magnitz-konform ist, der fliegt raus.“ Ein weiterer sprach davon, dass der Landesverband „regimeähnlich geführt“ werde. Nach Darstellung von RB hat der Landesvorstand in den vergangenen fünf Jahren bereits 31 Parteiausschlussverfahren gegen interne Kritiker eingeleitet, zum Teil mehrfach. Magnitz steht seit 2015 an der Spitze des Landesverbands.

Nur noch AfD-Mitglied

Er selbst bestritt am Montag diese Zahl. In Wirklichkeit liege sie „bei Anfang 20“, und dabei gehe es um „immer wieder die gleichen sieben bis acht Leute“, sagte er auf MEEDIA-Nachfrage. Magnitz widersprach auch den anderen Vorwürfen seines unterlegenen Gegenkandidaten. Nicht er, sondern Lührssen habe versucht, für sich Mehrheiten zu organisieren, indem er „alle möglichen bedenklichen Parteimitglieder angeschleppt“ habe.

Lührssen überlegt jetzt, welche Konsequenzen er aus seiner Niederlage ziehen will. Bleibt er Mitglied? „Erstmal ja“, antwortet er. „Aber ich werde nicht mehr aktiv in der Bremer AfD sein.“ Er sei auch schon länger nicht mehr kooptiertes Mitglied im Landesvorstand. Zuletzt sei er dort noch Gast gewesen, „aber das mache ich jetzt auch nicht mehr“.

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