Partner von:
Anzeige

“Wollen kein Internet, das außer Kontrolle gerät”: Sheryl Sandberg wirbt beim DLD um Vertrauen in Facebook – doch Skepsis bleibt

Facebook-COO Sheryl Sandberg bei ihrem DLD-Auftritt in München
Facebook-COO Sheryl Sandberg bei ihrem DLD-Auftritt in München Photo: Andreas Gebert/picture alliance

Sheryl Sandberg, die mächtige Frau hinter Facebook-CEO Mark Zuckerberg, ist auf Stippvisite in Deutschland – in mehreren Auftritten versucht die COO des Netzwerks Vertrauen in den in die Krise geratenen Social-Media-Konzern zurückzugewinnen. Beim DLD und im Vorfeld dessen gab sich die verantwortliche Managerin demütig. Die Skepsis gegenüber Facebook räumte sie damit allein aber nicht aus dem Weg.

Anzeige

Es war der mit größtem Interesse erwartete Auftritt beim diesjährigen DLD in München. Bereits eine halbe Stunde vor der Keynote von Sheryl Sandberg war nahezu jeder Stuhl in Conference Hall besetzt. Währenddessen wurde das Programm auf der zweiten Bühne im Deutschen Museum Verkehrszentrum unterbrochen, um die Rede der Facebook-COO zu streamen. Sheryl Sandberg, Co-Geschäftsführerin bei Facebook, ist auf Stippvisite in Deutschland, ihre Mission: Vertrauen in den in die Krise geratenen Konzern zurückgewinnen.

Verstärkt durch die Affäre rund um Cambridge Analytica hat das Ansehen Zuckerbergs und seiner für’s operative Geschäft zuständigen Kollegin in den vergangenen Monaten extrem gelitten – Fake News, Wahlbeeinflussung über das Werbegeschäft, allgemeiner Vertrauensverlust machen Facebook zu schaffen. Um ein Drittel ist der Aktienkurs des einflussreichen Konzerns in den vergangenen Monaten gefallen, die Regulierung der weltweit aktiven Internetkonzerne gilt als „unausweichlich“, wie Zuckerberg bereits bei seiner Anhörung vor dem US-Kongress eingestand.

Am heutigen Sonntag sprach seine Vize beim DLD in München zur Fragestellung „What Kind of internet do we want?“. „Menschen sagen uns, sie wollen ein Internet, in dem jeder seine Stimme erheben und frei sprechen kann“, betonte Sandberg. „Und sie wollen eines, in dem kein Hass verbreitet wird.“ Jeder Mensch weltweit sollte Zugang zum World Wide Web mit all seinen Vorteilen haben.

Facebook arbeite ernsthafter denn je daran, „ein besseres Internet“ zu ermöglichen, in dem jeder die vorhandenen und entstehenden Technologien für Gutes nutzen könne. Mehrfach betonte die COO, dies gemeinsam mit „jedem“ ermöglichen zu wollen. Und sie wiederholte das Mantra der vergangenen Monate: „Wir haben verstanden und wir wollen besser werden.“

Diese Form der Demut der Facebook-Managerin ist keineswegs kein neuer Ton. Seit Monaten versucht der Konzern „expactation management“ zu betreiben, Missbrauch des sozialen Netzwerk vorzubeugen. Beim DLD wiederholte Sandberg in großen Teilen, was sie am Sonntag zuvor in Interviews mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) und der ARD erklärte, betonte Maßnahmen und Richtlinien, die das Unternehmen zuletzt erlassen hat.

Und auch das Verständnis für Regulierung thematisierte Sandberg erneut. „Ich denke, wir wollen kein Internet, das außer Kontrolle gerät. Wir wollen aber auch kein Internet, das zu streng kontrolliert wird.“ Sie betonte die Interessen mancher Staaten, ihre Bevölkerung zu kontrollieren und der Meinung seien, dass niemand eine eigene Stimme haben dürfte. „Wir wissen, dass wir nicht alle Entscheidungen alleine treffe können, und manche von der Gesellschaft getroffen werden müssen.“ Regierungen hätten das Recht wie auch die Pflicht, Regeln und Grenzen aufzuzeigen. „Wir unterstützen das und arbeiten mit vielen Regierungen weltweit zusammen.“ Zugleich warnte Sandberg vor Regulierungen, die Innovationen unterdrückten.

Die Frage, die sich auch Teilnehmer der Konferenz stellten, lautete jedoch, wie groß die Demut der Facebook-Verantwortlichen tatsächlich ist. Mit Skepsis wurde deshalb die Nachricht aufgenommen, dass Sandberg nicht nur mit Appeasements-Bekundungen nach Deutschland gereist ist, sondern auch mit rund 6,5 Millionen Euro im Gepäck. Damit will Facebook über die kommenden fünf Jahre einen Lehrstuhl für KI-Ethik an der TU München finanzieren. Auch wenn die Unterstützung der Wissenschaft aus der Privatwirtschaft längst nichts Ungewöhnliches mehr ist, und trotz der vergleichsweise geringen Summe, befeuert Facebook von selbst den Eindruck, man wolle das Vertrauensproblem auch mit finanziellen Mitteln lösen. Immerhin: Der Konzern macht sein Lobby-Engagement transparent.

Mit dem Geld werde das Institut für Ethik in künstlicher Intelligenz, dessen Unabhängigkeit Facebook betonte, diverse Aspekte künstlicher Intelligenz wie Fairness, Transparenz und Sicherheit untersuchen. Die Ergebnisse sollen mit Gesellschaft, Wirtschaft und Regierungen geteilt werden. Facebook werde die Anschubfinanzierung leisten, werde aber nicht der einzige Geldgeber bleiben, hieß es am Rande der DLD.

Das Engagement für die Erforschung künstlicher Intelligenz ist Facebook auch ein Anliegen, weil das Netzwerk die neuen Technologien im Kampf gegen Missbrauch bereits anwendet. So spüre künstliche Intelligenz bereits terroristische Inhalte wie auch Hassrede auf, beteuerte Sandberg. Zudem gelinge es, monatlich Fake Accounts in Millionenhöhe zu blocken.

Mit Blick auf das Geschäftsmodell betonte Sandberg, auch hier ein neues Verantwortungsbewusstsein. Sie sehe, dass viele Menschen besorgt darauf schauten, wie Facebook Geld verdiene und erklärte, den Zugriff auf Daten durch Drittanbieter stark eingeschränkt zu haben. Zugleich beteuerte sie, die über Nutzer gesammelten Informationen weiterhin „datenschutzgerecht“ fürs Werbegeschäft zu nutzen. Facebook habe aber niemals mit Datenhandel sein Geld verdient.

Das Geschäftsmodell nutze Sandberg, um die Bedeutung Facebooks deutlich zu machen. Das Social Web ermögliche vor allem kleinen Geschäften, die keine teuren Werbe- oder Außenwerbung-Kampagnen finanzieren könnten, Werbung zu betreiben und sie genauso mit Menschen zu vernetzen, wie jeden einzelnen Nutzer. Auch seien durch das Social Web im Allgemeinen und Facebook im Speziellen Millionen Jobs weltweit entstanden. Gegenüber der FAS hatte sie bekräftigt, am Geschäftsmodell festzuhalten und einem gebührenpflichtigem Facebook zwischen den Zeilen und mit Blick auf die Freiheit des einzelnen eine Absage – genauso wie den Gedanken, aus den begangenen Fehlern insoweit zu lernen, als dass sie oder auch Mark Zuckerberg von ihren Ämtern zurücktreten. „Mark und ich haben dieses Unternehmen gemeinsam aufgebaut, und wir fühlen eine tiefe Verantwortung, unsere Herausforderungen gemeinsam energisch anzugehen.“

Anzeige

Trotz der Bekundungen und Vorstellung ihrer Maßnahmen betonte Sandberg, dass auf Worte weitere Taten folgen müssten. Damit schätzte die Managerin die Stimmung genau richtig ein, die ihr Auftritt beim DLD-Publikum hervorgerufen hatte.

Insgesamt blieb nach dem Vortrag Sandbergs, die DLD-Gründerin Steffi Czerny betont als „meine gute und vertrauensvolle Freundin“ ankündigte, eine gewisse Skepsis zurück.

Eine erneute Möglichkeit, Facebooks Eingeständnisse authentischer und glaubwürdiger zu formulieren, wird Sandberg bereits in der kommenden Woche haben. Im Rahmen ihrer Europa-Tour sind nach dpa-Informationen Treffen mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Justizministerin Katarina Barley geplant – auch die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer soll Sandberg treffen.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Diese Hybris das Internet sein, bzw. repräsentieren zu wollen. Was ist Facebook denn? Doch eher ein überfressenes, aufgeblähtes Imageboard mit besserem Textprozessor was zu wichtig genommen wird.

    Es gab in grauer Vorzeit mal Altavista und Geocities, die erkaltete Asche von Yahoo ist auch schon fast verweht und in naher Zukunft wird Facebook gewesen sein. Selbst Google wird nicht ewig sein. Der natürliche Gang von reinen “Internet”konzernen.

    Die einzige Gefahr die ich sehe ist, dass FB beim sterben zu viel Schaden anrichtet.

    Das die Kuponschneider daher das Schiff verlassen ist kein Wunder, wenn aber noch verfrüht. Der Untergang wabert schon durch die Matrix.

  2. Systemfragen:
    Können Werbekunden einem Unternehmen trauen, das Kundendaten aller Art sammelt, um dann verhaltensbasierte, personalisierte und temporal gezielte Werbung der Konkurenz auf Engeräten auszuspielen?

    Obsiegen Unternehmen mit massiven Werbebudgets zwangsläufig, wenn sie so
    die Daten der kleineren Konkurrenz nutzen, und nach der Devise “The Winner
    take its all” den Markt erobern?

    Halten Journalisten das System als “Middlemen” in Gang, und sorgen sogar für
    die Kolonisierung ihrer Leser- und Anzeigenmärkte im Lesereinzugsgebiet ihres
    Pressemediums?

    Wie sollen Zeitungsherausgeber in Tarifverhandlungen damit umgehen?

  3. Statt sich mit den Regime-Oberen zu treffen und ins Bett zu legen vielleicht mal mit Nutzern reden und auf deren Bedürfnisse eingehen.

    Joachim Steinhöfel postet fast täglich unfassbare Fälle von Zensur und Willkür auf Facebook.

    Der Laden hat keine Zukunft mehr!

    1. @ Jesus
      Ist das jetzt ein Witz, oder wortwörtlich zu nehmen? Sich mit Regime-Oberen treffen und ins Bett legen? Machen die sowas denn?

      Welche Zensur? Welche Willkür? Ich dachte, dort geht alles mit rechten Dingen zu und jetzt eben noch besser, vor allem auch todsicher für uns Frauen, wegen Sexismus und so.

  4. Was mich am allermeisten beruhigt und mein Vertrauen in Facebook sofort um mindestens 150% steigert, ist die Tatsache, dass künstliche Intelligenz bereits terroristische Inhalte wie auch diese Hassreden aufspüre, so es Sandberg beteuert, und es gelinge, monatlich Fake Accounts in Millionenhöhe zu blocken.

    “Ich hasse Hitler, seine Gefolgschaft und sein gesamtes Umfeld!” geht dort dann nicht mehr. Und auch nicht, “Verpfeif und verpetz dein Schwein”.

    #Ich liebe Facebook

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

Werben auf MEEDIA
Meedia

Meedia