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“Mainstream” vs. Meinungsfreiheit: Die Debatte um Stefan Kretzschmar zeigt, dass wir alle ein Problem mit Kritik haben

Meinungsfreiheit und ihr Preis: Ex-Handball-Profi Stefan Kretzschmar sprach in einem Interview über die politische Zurückhaltung von Sportlern
Meinungsfreiheit und ihr Preis: Ex-Handball-Profi Stefan Kretzschmar sprach in einem Interview über die politische Zurückhaltung von Sportlern

Handball-Ikone Stefan Kretzschmar hat sich in einem Interview kritisch über den Umgang mit kritischen Äußerungen von Sportlern geäußert – und geriet selbst in die Kritik. Unabhängig davon, was von alledem berechtigt ist oder nicht: Die Diskussion zeigt, wie kompliziert es für Prominente geworden ist, Kontroverses öffentlich zu machen. Wer sich traut, braucht starke Nerven – und da liegt ein Problem.

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Vier Tage hat es gedauert, bis das Interview überhaupt weitere Schlagzeilen produzierte – es brauchte die Instrumentalisierung durch die AfD in Heidelberg sowie die Bild-Zeitung, die Aussagen des ehemaligen Handballprofis Stefan Kretzschmar in einer Überschrift so extrem verkürzte, dass Lesern kaum eine andere Wahl blieb, als darauf zu klicken.

Laut Bild sprach Kretzschmar im Interview mit T-Online.de den Deutschen eines der wichtigsten Grundrechte ab: “Keine Meinungsfreiheit in Deutschland”, stand auf der Homepage des einflussreichen Boulevardtitels. Schon immer bewegte sich Kretzschmar nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch im politischen Spektrum links außen. Doch solche Töne waren durchaus neu – und in der von Bild verkürzten Form auch falsch.

Richtig war: Kretzschmar, geboren in Leipzig, sprach mit T-Online über Meinungsfreiheit, und er äußerte sich dahingehend, dass er sie auch nach der Wende nicht wirklich habe ausleben können, und dass es vielen Sportlern so ginge – nicht, weil der Staat ihre Grundrechte einschränke, sondern weil Sponsoren und Arbeitgeber sensibel auf politische Äußerungen reagierten.

Die Äußerung politischer Positionen gilt im Sport genauso als “Tabuthema” wie Homosexualität. Konzerne, die Millionen in populäre Sportarten und deren Galionsfiguren investieren, schätzen es nicht, wenn die Stars “polarisieren” und als Sympathieträger Angriffsflächen bieten. Und nicht nur der Sport ist betroffen, auch in der Unterhaltung ist längst nicht jeder bereit, sich in der Öffentlichkeit politisch zu äußern – zur Meinungsfreiheit gehört es auch, seine Meinung für sich behalten zu dürfen. Die Gründe dafür fallen unterschiedlich aus: fehlender Spaß an der Diskussion, fehlendes Interesse an Politik, Angst vor wirtschaftlich oder karrieretechnisch negativen Effekten. Letztes führte auch Kretzschmar an. Wörtlich sagte er:

Wir Sportler haben in Deutschland eine Meinungsfreiheit, für die man nicht in den Knast kommt. Wir haben aber keine Meinungsfreiheit im eigentlichen Sinne. Wir müssen immer mit Repressalien von unserem Arbeitgeber oder von Werbepartnern rechnen. Deswegen äußert sich heute keiner mehr kritisch.

Kretzschmars pauschale Aussage mag genauso richtig sein wie sie falsch ist: Seine Meinung zu äußern, bedeutet immer, dass es auch Konsequenzen haben kann. Es ist die (Meinungs-)Freiheit eines jeden Sponsoren, die Zusammenarbeit zu beenden, weil die politische Gesinnung nicht zum Image der Marke passt. Genauso ist es die Freiheit eines jeden Sportlers, auf zusätzliche Einnahmen durch Werbung zu verzichten oder für einen Verein zu spielen, der sich politisch anders (oder gar nicht) positioniert. Trotz des viel beschworenen Team-Gedanken im Sport, muss es nicht sein, dass alle dort agierenden Kräfte dieselben Intentionen verfolgen. Oft prallen Idealismus und Kapitalismus aufeinander – nicht nur im Sport. Doch die Spieler spielen “das Spiel” mit, wie Kretzschmar selbst sagte – auch wenn er die Meinung vertritt, sie hätten keine andere Wahl.

Kretzschmar jedenfalls hat die Spielregeln selbst akzeptiert. Er habe sich von politischen Demonstrationen ferngehalten, nachdem ihm von seinen Chefs nahegelegt worden sei, auf politische Anteilnahmen dieser Art zu verzichten, sagte er im Interview. Jahre später bekennt er nun Farbe. Man muss ihn dafür sicher nicht feiern, aber über das Thema nachzudenken und ohne Schnellurteile zu debattieren, wäre durchaus eine Erwägung wert. Sind Reaktionen wie die FDP-Politikers Wolfgang Kubicki, der Kretschmar “Feigheit” vorwirft, der Sache wirklich angemessen – oder nicht eher Teil des Problems, dass der ehemalige Profi-Sportler angesprochen hat?

Doch unabhängig von alledem, ob und was an Kretzschmars Kritik berechtigt ist oder nicht: Der Fall zeigt, wie kompliziert es geworden ist, seine Meinung zu äußern. Kretzschmar ist mittlerweile keinem Verein, keinem Team mehr verpflichtet, im Interview sprach er offen über seinen Eindruck, er schilderte sein subjektives Empfinden, das für Journalisten Anlass für Recherchen sein kann.

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Zugegeben: Mit Äußerungen wie dieser hier…

Welcher Sportler äußert sich denn heute noch politisch? Es sei denn, es ist die Mainstream-Meinung, “Wir sind bunt” oder “Refugees welcome”, wo man gesellschaftlich eigentlich nichts falsch machen kann. Aber hat man eine einigermaßen kritische Meinung, ob gesellschaftskritisch oder regierungskritisch, darf man das in dem Land auch nicht sagen.

… gibt man keine glückliche Figur ab. Doch verdeutlicht vor allem das dazugehörige Video-Interview, dass sich Kretzschmar eher unglücklich ausgedrückt hat, als dass er eine politische Agenda verfolgt. Es wäre sicherlich hilfreich gewesen, hätte Kretzschmar ein paar weitere, aktuelle Beispiele genannt, welche konkreten Meinungen seiner Ansicht nach unterdrückt werden. In diesem Interview antwortete aber der (Ex-)Sportler – nicht Politiker – auf für ihn spontan gestellte Fragen. Bei der Diskussion und Einordnung dieser Aussagen sollte man das nicht vergessen – was nicht bedeutet, dass man ihnen nicht widersprechen oder sie nicht hinterfragen darf. Meinungsfreiheit sei dank.

“Viele verwechseln das Recht, das doch noch mal sagen zu dürfen mit dem Recht, das doch noch mal unwidersprochen sagen zu dürfen”, schrieb Autor Nils Pickert in einer Analyse über “das Ende der politischen Korrektheit”. Damit hat er Recht, doch hat sich Widerspruch auch verändert. Für jene, die sich öffentlich äußern, bedeutete es schon immer, nicht nur gut im Austeilen, sondern auch im Einstecken sein zu müssen. Heute mehr denn je.

In Zeiten der Digitalisierung hallt das Echo nicht mehr nur aus den Feuilletonspalten regional begrenzter Tageszeitungen zurück, es wird unter Umständen von jedem deutschsprachigen Online-Medium aufgegriffen, jeder Mensch hat die Möglichkeit, direkt im Netz darauf zu reagieren – natürlich jeder in seiner eigenen Tonalität. “Für alles, was dich von der Masse abhebt, erntest du einen Shitstorm”, sagt Kretzschmar. Wer sein Recht auf freie Meinungsäußerung im digitalen Zeitalter ausüben will, muss das – genauso wie die Instrumentalisierung von ungeliebten Seiten – wohl oder übel aushalten.

Nicht jeder kann oder will das, wie jüngst Grünen-Parteichef Robert Habeck bewies. Er zog sich aus den sozialen Medien zurück, nachdem er heftig für Aussagen aus dem Thüringer Wahlkampf kritisiert worden war. Denn richtig ist auch: Wer im digitalen öffentlichen Raum erfolgreich sein will, muss einsteigen in das Wettrennen um Aufmerksamkeit: “Das macht einerseits den Charme des Mediums aus, hier kann jeder mit einem originellen Spruch erfolgreich sein, aber es setzen sich eben oft auch die Lautesten und Aggressivsten durch”, merkte er später an“Twitter kann den Gemütszustand verändern.”

Für die Medien bedeutet das eine Chance – in ihrer Rolle als Erklärer, Moderator, kritischer Begleiter können sie die Möglichkeit bieten, Forum der sachlichen Auseinandersetzung zu werden. Das heißt nicht, sich von der Aufmerksamkeitsökonomie zu verabschieden, wohl aber sich auf ihre eigenen Umgangsformen zu besinnen und nicht – wie Habeck es getan hat – jene der sozialen Medien anzunehmen. Das beginnt damit, dass eine Überschrift, wenn nötig, auch länger sein darf als ein Fünfzehntel eines Tweets.

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Alle Kommentare

  1. Danke Stefan Kretzschmar! Das Interview war sehr mutig. Damit gibt man keineswegs “eine unglückliche Figur ab”. Im Gegenteil. Das können nur Autoren finden, die keine andere Meinung als die des Mainstreams zu lassen. Eine Partei, eine Kanzlerin, die Grünen haben nicht immer Recht! “Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden” – soviel Rosa Luxemburg gilt zu jederzeit, in jedem Regime. Diesen Spruch haben Bürgerrechtler vor gut 30 Jahren auf Ost-Berlins Straßen den Meinungsbeherrschenden mutig vorgehalten.
    Sicher kann man heute nicht verhaftet werden, wie Kretzschmar sagt, aber du kannst vom politisch-medialen und grünen Mainstream ruiniert werden.
    Meinungsfreiheit in der Öffentlichkeit, in den Medien und ihren Redaktionsstuben befindet sich im Niedergang. Viele haben wie vor 1989 Angst um ihre persönliche Existenz, wenn sie heute frei ihre Meinung äußern, aufschreiben oder senden. Meist schlägt vorher die Zensur zu, die sich aber so nicht nennen will. Denn jenseits von Grün beginnt die Stigmatisierung als Nazi. Es ist einfach nur noch schlimm.

    1. Mimimi, “Denn jenseits von Grün beginnt die Stigmatisierung als Nazi. Es ist einfach nur noch schlimm”. Was ich nur noch schlimm finde, sind Pauschalisierungen dieser Art. Wann beginnt bei Ihnen denn schon die “Stigmatisierung als Nazi”? Etwa wenn man aufgrund von offen fremdenfeindlichen und herabwürdigenden Äußerungen als rechtsradikal bezeichnet wird (was ja dann auch zutrifft, ohne dass gleich das Unwort Nazi nötig wäre)? Ich glaube, Sie haben ein Problem damit, wenn eine offen zur Schau gestellte politische Haltung klar beim Namen genannt wird. Mit Grün hat das gar nichts zu tun, sondern mit Aufrichtigkeit.

      1. Die Stigmatisierung als Nazi beginnt öffentlich-rechtlich bekundet durch ZDF-Korrespondentin Nicole Diekmann: „Jede/r, der/die nicht die Grünen wählt.“
        Das wird dann als Ironie verbrämt, aber Sigmund Freud hat hier durch Diekmann gesprochen.
        Diskriminierer anderer Meinungen begegnen wir im Akademiker-Kreis immer laut lachend mit “Alles Nazi außer Mutti!”

    2. „Die“ Medien sollten bilden, informieren und dabei auch kritisch hinterfragen, wo immer dies erforderlich erscheint. Wer aber entscheidet, wo Letzteres erforderlich ist und wie weit man sich kritisch ,aus dem Fenster lehnen’ kann? Mit den und über die Medien wird zweitens Politik gemacht und erstens Geld verdient. Die Menschen, die in den Medien die ,eigentliche’ Arbeit verrichten, wollen nicht nur, sondern müssen in den allermeisten Fällen von ihrem ,Job’ auch leben. ,Mainstream’ erscheint mir viel zu abstrakt: Die vergleichsweise paar ,Indianer’, die im Auftrag vieler ,Häuptlinge’ ihren ,Job machen’, bekommen in den Redaktionen ganz schnell und ganz genau mit, was „geht“ und was nicht. Und jene ,Häuptlinge’ waren früher auch einmal lediglich ,Indianer’ und haben jenes „Was geht und was nicht“ gut genug internalisiert; sonst wären sie nämlich nie ,Häuptlinge’ geworden. Da liegt m.E. der berühmte ,Hund begraben’. Und wer diesem Mechanismus, als Journalist oder als ,Konsument’ von Verbreitetem, lang genug ausgesetzt war, der merkt gar nicht mehr, dass er sich kaum mehr traut auch nur zu d e n k e n, was man tunlichst nicht denken sollte. ,Wider den Stachel zu löcken’, k a n n man in unserer Demokratie natürlich; aber schon ein Mal ist ein Mal zuviel, um jemals wieder ,auf die Füße zu fallen’. Scharfe Kritik ist hierzulande beispielsweise an Putin oder Erdogan, sogar an Herrn Trump, zulässig, sogar ,in’, denn dann wähnt man sich auf der richtigen, auf der guten und ehrenwerten Seite. Aber wehe, wenn man offen kritisiert oder auch nur hinterfragt, was man gefälligst zu lassen hat. Und so fällt uns jetzt auf die Füße, dass der Mensch im Zuge der Evolution eines tatsächlich gelernt: Eine Überlebenschance hat nur, wer sich am besten anpassen kann.

  2. “Seine Meinung zu äußern, bedeutet immer, dass es auch Konsequenzen haben kann.” So ist es auch in den bekannten Diktaturen.

    Es geht immer darum, welche Konsequenzen und um die Verhältnismäßigkeit sowi um die Bestfafung Täter auf der seite des Staates.

    Meingsäußerung kann auch in Deutschland zu Tod führen: Beispiel, Benno Ohnesorg, Kann 1,5 Jahre Gefängnis bedeuten: Beispiel, Peter Niehenke durch Druck seitens der Adressbuchmafia. Kann zum Körperverletzung führen: Beispiel, die vielen Poluizieübergriffe bei Demonstrationen. Die vielen falschen urteule der Pressekammern und OPressesenate lass ich mal außen vor.

    Mir sind keine Fälle bekannt, dass die Staatsdiener (Richter) bzw. die staatlichen Lakaien (Rechtsanwälte) wg. Unterdrückung der Meinngsfreiheit bestraft wurden.

    Meinungsfreiheitn sieht für mich anders aus.

  3. Ich erinnere nur an Ihren Beitag “Sendelizenz für Russensender?” ….und den ehemaligen MDR-Chefredakteur, der dabei helfen soll, diese zu erlangen:
    Der Meedia-Beitrag war mit so viel Voreingenommenheit und Zuschreibungen und Stigmatisierungen kontaminiert, dass sich jeder Friedliebende, Meinungsvielfalt erleben Wollende oder Russophile gleich eingeschüchtert fühlen musste, aber gleichzeitig einen Hoffnungsschimmer verspürte, weil: endlich hat jemand (der pensionierte Ex-MDR-Cefredakteur) den Mut, sich für RTdeutsch einzusetzen. Endlich eine Alternative zu unseren ÖR, endlich eine Stimme für die Pressefreiheit. Und dass sich ein Mann, ein ARD-Pensionär dafür stark macht, der nicht durch unsere Meinungshüter und Haltungsjournalisten in den finanziellen Ruin getrieben werden kann. Ich bin täglich auf den Seiten von RTund Sputnik und genieße objektiven Journalismus ohne Diffamierung, Vorverurteilungen, haltlosen Verdächtigungen und Totschlagargumenten, dafür aber Einsatz für Frieden, gegen Aufrüstung und gegen ständigen Aufbau von Feindbildern, ohne Meinungsmache, ohne das Messen mit zweierlei Maß. Ich hatte schon Angst, nach der ständigen Verunglimpfung und Etikettierung als Kreml-, Propaganda- oder Putinsender, dass man diese großartige Informationsquelle im Namen der Meinungsfreiheit versuchen wird zu verbieten.
    …… und wie zürnt gleich der Herr Überall vom DJV? – …….RTdeutsch darf keine Sendelizenz erhalten, weil RTdeutsch im Sinne der Pressefreiheit ein Putin-Propagandasender ………, natürlich ohne Nennung von Beispielen oder Beweisen und frei nach dem Motto “gegen Russland ist alles erlaubt”
    Meine Frage: sind diese Art von Russenhetze, Ausgrenzung, Stigmatisierung nicht wirklich rechte Methoden der Meinungsmache?

  4. Der Tenor dieses Artikels beweist doch eindeutig, dass Stefan Kretzschmar recht hat mit seiner Einschätzung. Kaum, dass hier jemand einmal eine pointierte, vom Mainstream (ja, den gibt es!!) abweichende Meinung kundtut, bekommt er es von allen Seiten auf die Mütze. Auch von Ihnen Herr Schade. Aber trösten Sie sich, Sie sind nicht der Einzige, der sich “ertappt” fühlt. Ich kann nicht mehr zählen, in wieviel Publikationen ich heute eine ähnlich kritische (Achtung Schimpfwort) “Haltung” selbstverständlich “kritisch differenziert ” verbrämt, lesen musste.
    Und jeder der hier anwesenden Leser möge sich jetzt selbst fragen, ob er beim lesen oder hören der Aussagen K.´s nicht reflexartig gedacht hat: “Was, ist der Kretzschmar jetzt etwa auch ein N…..?”

  5. Naja – das mit der Meinungsfreiheit in Deutschland ist ein Armenmärchen!

    Wer sich in Deutschland in dem Öffentlichen Raum wagt, und etwas von seiner Meinung Preis zu geben, muss wissen, dass der Druck enorm groß werden kann. Ist er in einer schlechten Position wie Stefan Kretschmann, dann kann er für alle Zeit oder sogar alles verlieren. Es sei denn, er verschreibt sich der herrschenden Meinung, der Bundesregierung, der Opposition, vertreten durch LINKE und GRÜNE und zu 90% der Medien. Dann wird im nichts passieren. Ansonsten wird er regelrecht an den Pranger gestellt, wie im Mittelalter bei der Inquisition. So heißt es zynisch: „Äußerungen zu Meinungsfreiheit: Kretzschmar wehrt sich gegen Kritik“ – Ksta

    Meinungsfreiheit – Was genau darf man nicht sagen?

    Ex-Handballer Stefan Kretzschmar redet missverständlich – und wird übers Wochenende zum Testimonial der Rechten. Was meinen die eigentlich wirklich, wenn sie sagen, es gäbe in Deutschland keine Meinungsfreiheit? – Spiegel-Online

    Das ist Deutschland 2019.

    Wollen sie eine Kostprobe haben wie das funktioniert?
    „Angriff auf AfD-Politiker Magnitz Ermittler bekamen 140 Hinweise aus der Bevölkerung“ – Mordversuch wäre wohl angebrachter …

    „Danziger Bürgermeister nach Messerattacke gestorben“ „Welt“
    Danziger Bürgermeister Pawel Adamowicz – Ein Mord, der Polen erschüttert – „Spiegel-Online“

    Die Überschriften verraten nicht einmal in welchen Land, das passiert ist. Und weiter heißt es: „Mit Danzigs Bürgermeister Pawel Adamowicz ist ein liberaler Proeuropäer ermordet worden“

    Damit ist klar, in welche Richtung das Schiff gesteuert werden soll. Es waren wieder einmal die “bösen Rechten“. Egal – was zurzeit passiert. Ob es der Wintereinbruch in Bayern, Österreich oder der Schweiz ist, es war die AfD oder die bösen Rechten? Sie sind Schuld daran? Wenn sie glauben, dass der Höhepunkt überschritten ist, dann werden sie früher oder später eines besseren belehrt.

    1. Nun ja, wer noch nicht einmal weiß, dass die AfD eine Partei aus Deutschland ist, Danzig in Polen liegt und Polen das Land „in welchen Land, das passiert ist“ [sic!] ist, glaubt wahrscheinlich alles. Seien Sie froh, dass statt Danzig dort nicht Gdańsk stand, wie die Stadt heute eigentlich heißt, sonst stünden Sie wohl völlig auf dem Schlauch.

  6. Meinungsfreiheit mit Konsequenzen. Ich glaube, dass hat der geschätzte Autor schön und durchaus zutreffend ausgedrückt. Ich stimme ihnen uneingeschränkt zu.
    Nur das „Meinungsfreiheit” -jedenfalls die Idee davon- ein Recht jedes Menschen ist.
    Das Recht de Eigener dieses Portals, dass zur Holzbrinck-Gruppe gehört, seine Meinung zu verkünden, wird niemand in Frage stellen. Auch Elisabeth Mohn oder Friede Springer werden dieses Recht bedingungslos in Anspruch nehmen können.
    Wie oft, wenn überhaupt, wird der geschätzte Autor dies können, wenn seine Meinung von der der Holzbrinck-Gruppe in wesentlichen Fragen abweicht?
    Sie merken selbst, dass die Freiheit der von mir genannten Personen, die nur beispielhaft für diese Gruppe von sehr wenigen Menschen steht, eine andere als die ihre ist. Auch eine andere als die des Handballspielers.
    Ein Recht aber, das nicht für alle gleich gilt, ist eben keines sondern Willkür. In dem Moment, wo sie erklären, dass er sich sehr wohl äußern könne, ohne vor Gericht gezerrt zu werden (wobei auch das längst nicht mehr als gesichert zu gelten hat, wie die Verfolgung eines Bloggers, der sich kritisch mit der Verbreitung eines Syrien-Märchens durch den Stern beschäftigte, belegt) aber dann die Folgen ertragen müsse, geben Sie ihm letztendlich Recht. Wer mit der Wahrnahme eines Rechtes seine wirtschaftliche Existenz riskiert, hat dieses Recht in Wirklichkeit nicht. Und das Recht der Reichen und Mächtigen, der Welt kundzutun was sie für richtig halten, stand nie in Frage. Vermutlich seit Nebukadnezar und davor auch schon.
    Hatt Kretschmar sich unbeholfen ausgedrückt, wie Sie schreiben? Vielleicht, ich vermag das nicht zu beurteilen. Und wenn ich ehrlich bin, muss ich zugeben, dass mir diese Stilkritik auch egal ist.
    Er hat die Wahrheit gesagt.

  7. Die Debatte um Kretzschmar zeigt eine Verkümmerung des Demokratie-Verständnisses. Diktaturen modernen Zuschnitts setzen gegen Kritiker nur noch selten auf Knast; sie grenzen Andersdenkende aus, diskriminieren und entmenschlichen sie. Eben das ist die Gefahr. Ausgerechnet die Diskussion um Kretzschmars Aussage – und auch ein Artikel wie dieser – belegt diese auf bizarre, ja Kafka´eske Weise. Zu sagen, dass diese Gefahr in Deutschland nicht bestehe, ist entweder scheinheilig, dumm oder ignorant.
    Denn es gibt genügend ernst zu nehmende, warnende Stimmen über Kretzschmar hinaus:
    “Merkwürdig ist es in Deutschland, dass normale politische Äusserungen abqualifiziert werden mit Nazi-Vorwürfen, islamophoben Einstellungen und Rassismus, während wirklich rassistische Äusserungen ungeahndet bleiben.” Bassam Tibi in der Basler Zeitung über die Bedrohung der Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik: “Es geht darum, politische Überzeugungen der Mitte als illegitim im demokratischen Diskurs zu brandmarken.” Tibi zitiert Jaques Schuster (WELT). Der sieht einen “Drang…, die Meinung des anderen nicht nur abzulehnen, sondern sie auszumerzen und ihn mit der Wucht eines Großinquisitors zu vertilgen, dem es bisher nicht gelang, die Ketzerei auszurotten.”
    Der Historiker Heinrich August Winkler schrieb im Juli 2018 in der “Welt”:
    “Die deutsche Debattenkultur trägt leider immer noch Schlacken der absolutistischen Zeit. Es gibt auch eine Art von intellektuellem Absolutismus, die typisch ist für Staaten, die eine lange absolutistische Vergangenheit haben. In Deutschland gibt es (…) noch immer Spuren der Parole: „Und willst du nicht mein Bruder sein, dann schlag’ ich dir den Schädel ein.“ Diese Art von politischer Debatte im Geiste der Religionskriege ist ein Stück der deutschen Pathologie.”

  8. Herr Kretzschmar hat wahrscheinlich schon recht. Wer diese Haltung jetzt aber als rechte Propaganda missbraucht hat etwas nicht verstanden: Es ist keine Frage von links oder rechts.
    Wenn jemand sagt man solle Flüchtlinge mehr unterstützen, wird dieser Jemand von Rechts auch meistens heftig attackiert und beschimpft. Die Meinungsfreiheit wie ihr sie hier versucht darzustellen wird meistens weder von links noch von rechts akzeptiert.

  9. Es ist alles wieder gut, “Kretsche” hat das alles nicht gesagt. Er sagte zu den BILD Veröffentlichungen:

    „Mir wurde im Interview die Frage gestellt: „Warum gibt es keine Typen mehr, keine Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten?“ Daraufhin habe ich geantwortet, dass ich jeden Menschen, der in der Öffentlichkeit steht, VERSTEHEN KANN, wenn er sich heutzutage nicht mehr KRITISCH äußert und demzufolge auch NICHT mehr ANECKT. Weiterhin sagte ich, dass wir natürlich eine gesetzliche MEINUNGSFREIHEIT haben und diese ist auch ein hohes Gut“ …

    “Kretsche” ist voll linientreu. Er steht aber noch nicht auf einer Stufe mit Toni Kroos, der twitterte 2017:

    Es lebe Angie!!!

    Wolf Biermann kam übrigens bei BILD ebenfalls zu Wort. Der sagte:

    „Die Lüge dieses genialen Handballers ist ein Eigentor.“

  10. Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) [am 18.8.2006 in Kraft getreten]

    Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder WELTANSCHAUUNG, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.

    ——————–

    Das gleiche Problem wie bei der Grenzöffnung. Es finden im System reihenweise Rechtsbrüche statt, die aber nicht verfolgt werden.

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