Getarnt als Bild-Werbung: Feministinnen kritisieren Frauenfeindlichkeit beim Springer-Blatt

Vermeintliches Bild-Plakat in Berlin-Mitte

Dicke, weiße Lettern auf rotem Grund: Die Werbung der Bild-Zeitung gehört längst zum modernen Stadtbild. Während das Springer-Blatt seit rund einer Woche offensiv seine Anti-Dschungelcamp-Serie bewirbt, tauchte Ende vergangener Woche in Berlin eine Reihe ungewöhnlicher Plakate in Bild-Anmutung auf. Allerdings steckt dahinter nicht die Bild-Zeitung. Im Gegenteil.

„Bei uns steht die Frau an erster Stelle“, ist auf einem Plakat zu lesen, unweit des Axel-Springer-Platzes in Berlin. Dem Hauptsitz der Axel Springer SE. Doch darunter die Auflösung: „als Bild-Girl auf Seite 1“. „Schicksale von Frauen bewegen uns“, steht auf einem anderen Plakat. Darunter: „Deswegen sind 70% der Frauen in den Rubriken Unterhaltung + Skandale dargestellt – meistens sind sie nackt!“ Rechts unten auf den Plakaten prangt das „Bild“-Logo neben dem Slogan „Bild Dir Deine Meinung“. Nanu, gibt sich Springer selbstironisch?

Bei der Recherche zum auf den Plakaten abgedruckten Hashtag #UnfollowPatriarchy stößt man im Netz auf Gender Equality Media. Der gemeinnützige Verein mit Sitz in München setzt sich nach eigenen Angaben seit Jahren gegen Sexismus in den deutschen Medien ein. „Täglich wird Gewalt an Frauen verharmlost, wird die Lebensleistung von Frauen systematisch entnannt, werden Frauen als Lustobjekte dargestellt und auf ihre Körper reduziert“, erklärt Britta Häfemeier, Vorstandsmitglied bei Gender Equality Media, auf MEEDIA-Anfrage. Man habe nichts mit der Ausführung zu tun, aber freue sich und unterstütze, dass die Künstler*innen die Plakate geadbusted hätten. „Die Bild-Zeitung, als eine der auflagenstärksten Zeitungen Europas, allen voran. Unsere mehrjährige Kampagnenarbeit mit #StopBildSexism hat uns verdeutlicht, dass bei der Bild-Redaktion rund um Julian Reichelt ganz bewusst Sexismus eingesetzt wird und sie diesen jeden Tag online und in Print platzieren.“

Springer: „Aktion steht selbst ziemlich nackt da“

Bei der Aktion handelt es sich um sogenanntes Adbusting. Der Trend zur Verfremdung, Umgestaltung oder auch Nachahmung von Werbung im öffentlichen Raum hat seinen Ursprung in der Streetart-Szene. Die Bild-Busting-Aktion entstand im Vorfeld des Berliner Presseballs im Hotel Maritim, ebenfalls unweit der Berliner Springer-Zentrale. „Während sich die Presse auf ihrem jährlichen Presseball in Berlin selbst feiert, feiern wir lieber die kreativen Künstler und Künstlerinnen und ihre Adbusting-Aktion“, so Häfemeier. Denn die großen Verlagshäuser hätten besonders in Sachen Geschlechtergerechtigkeit nicht viel zu feiern. Springer behält sich auf Anfrage alle juristischen Schritte vor. Zudem stehe die Aktion „selbst ziemlich nackt da“, so ein Sprecher gegenüber MEEDIA. Denn: „Das Bild-Girl auf Seite 1 gibt es seit 2012 nicht mehr.“ Die Aktfotos waren seitdem im Innern des Blatts untergebracht.  Seit März 2018 posieren die Damen zudem nicht mehr nackt, sondern nur noch leicht bekleidet.

2014 startete eine 25-jährige Studentin eine Petition, die unter dem Hashtag #StopBildSexism dazu aufrief, das halbnackte Bild-Girl endgültig abzuschaffen. Daraus entstand 2015 der gemeinnützige Verein. In täglichen Medienscreenings sammelt der Verein nach eigenen Angaben Beispiele für „sexistische, rassistische, queer-feindliche sowie trans* und inter*feindliche Berichterstattung“ und tritt mit Chefredaktionen und dem Deutschen Presserat in Kontakt.