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Wochenrückblick: Claas Relotius flog schon 2014 bei der NZZ mit einem Frisör-Fake auf

Ribery und sein goldenes Steak, Fake-Superstar Claas Relotius, Medienkolumnen-Fan Julian Reichelt, Dschungelshow
Ribery und sein goldenes Steak, Fake-Superstar Claas Relotius, Medienkolumnen-Fan Julian Reichelt, Dschungelshow

Das Medienjahr geht gut los! In der ersten MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne 2019 geht es um das güldene Steak des Franck Ribéry, die Bild-Kampagne gegen die RTL-Dschungelshow, die erwartete neue Medienkolumne der Bild und es gibt Neues von Fake-Superstar Claas Relotius!

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Freunde der gepflegten Medienkritik frohlocket! Die Bild plant eine eigene Medienkolumne. Das schreibt jedenfalls die Kollegin Ulrike Simon wiederum in ihrer Medienkolumne bei Spiegel+. Toll! Je mehr Medienkolumnen es gibt, desto öfter können Medienkolumnen über andere Medienkolumnen schreiben. Bei der Bild-Kolumne soll es angeblich darum gehen, den “political bias” von Medien wie ARD, ZDF, SZ, oder Zeit offenzulegen. Als mögliche Autoren der neuen Bild-Medienkolumne nennt Simon die Namen Filipp Piatov und Timo Lokoschat. Letzterer war beim Spiegel mal verantwortlich für die gefloppte tägliche Digital-Zeitung Daily, bevor er zur Bild wechselte. Piatov war jener Bild-Redakteur, der federführend die peinliche Panne mit dem Kevin-Kühnert-Fake der Titanic verantwortet hat. Wir erinnern uns: Das Satire-Magazin hatte der Bild gefälschte Mails untergejubelt, in denen Russen-Trolle angeblich Juso-Chef Kühnert eine Manipulation der Groko-Abstimmung der SPD anboten. Los gehen soll es laut Simon spätestens Ende Februar. Ich bin sehr gespannt.

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Was gibt es eigentlich Neues in Sachen Claas Relotius, dem Meister-Fäscher vom Spiegel? Die Spiegel-Leute Ullrich Fichtner und Matthias Geyer, die Relotius in der Redaktion als Vorgesetzte betreuten, lassen ihre geplanten Beförderungen ruhen, bis die Aufklärung abgeschlossen ist. Fichtner sollte in die Chefredaktion aufsteigen, Geyer Blattmacher werden. Relotius selbst hat über seinen Anwalt bestritten, dass er Spendengelder veruntreut hat. Der Spiegel-Dokumentar, der für die Relotius-Texte zuständig war, geht laut Medien-Kolumne der Berliner Morgenpost in Vorruhestand. Unterdessen bot ein falscher Claas Relotius diversen Medien Interviews an. Der Berliner Sender radioeins ging zum Schein darauf ein. Während der Live Sendung schaltete der Moderator dann die stellvertretende Spiegel-Chefredakteurin Susanne Beyer hinzu und der falsche Relotius legte auf.

Wer dahintersteckt? Vielleicht kann das die neue Bild-Medienkolumne demnächst mal aufklären.

Meine Lieblings-Relotius-Schnurre Woche war aber die Meldung, dass der Star-Faker schon 2014 bei der Neuen Zürcher Zeitung wegen Fake-News in einer Frisör-Kolumne auf – und rausgeflogen war. Zum Beitrag “Blondinen färben ihr Haar dunkel” (es handelt sich um ein Interview mit einer Frisörin in Finnland) schreibt die NZZ:

Claas Relotius hat sich in den Jahren 2013 und 2014 bei uns gemeldet, um uns Beiträge für die Kolumne “Beim Coiffeur” anzubieten – wie das viele freie Journalisten getan haben. Eine aufmerksame Leserin wies uns gleich nach Erscheinen dieses Texts auf Unstimmigkeiten hin. Wir konfrontierten den Autor damit und sahen uns anschliessend zum bizarrsten Korrigendum veranlasst, das wir je veröffentlichen mussten.

Das “bizzarre Korrigendum” ging so:

Die Coiffeuse heisst nicht Hannu Sundell, sondern Hanna Sundell. Und das Foto zeigt nicht Hanna Sundells Salon, sondern Hannu Sundells Salon, der zwar auch in Finnland ist, aber nicht in Lahti, sondern in Helsinki. Es scheint, als hätten Hanna und Hannu samt ihren Salons unseren Autor etwas verwirrt.

Soviel auch zum Thema, dass niemand ahnen konnte, dass bei Relotius irgendetwas oberfaul war. Die NZZ-Sache zeigt aber: Der Fall Relotius hat auch komische Seiten. Wird bestimmt mal verfilmt. Und wir sind in Sachen Relotius in dieser Kolumne auf Stand. Es kann also heiter weitergehen.

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Amüsant war natürlich auch das Instagram-Video, das den Star-Fußballer Franck Ribéry beim Empfang eines mit Blattgold überzogenen Riesen-Steaks in einem Restaurant in Dubai zeigt:

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Wer von dem Hände-patschenden Ribéry noch nicht überzeugt ist: Spätestens ein Besuch des Instagram-Accounts des Steak- und Salz-Impresarios “Nusret” belegt, dass einfach nur Geld zu haben weiß Gott nicht alles ist. Nicht käuflich zu erwerben: Stil, Geschmack, gesunder Menschenverstand.

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A propos guter Geschmack: Heute Abend ist es mal wieder soweit und bei RTL startet um 21.15 Uhr die mittlerweile 13. Staffel der Dschungelshow “Ich bin ein Star – holt ich hier raus!” Vergangenes Jahr zeigte das Format deutlich sichtbare Abnutzungserscheinungen, was Quote und Konzept betrifft. Die Erwartungen an die neue Staffel sind also gebremst. Zumal das Personal – wie stets ein Panoptikum an Trash-TV-Personal und Leuten von der Entertainment Reste-Rampe – keine neuen Aspekte erwarten lässt. Irgendwann isch halt over. Fast interessanter als die aktuelle Dschungel-Besatzung ist die recht billige Kampagne, die die Bild gerade gegen die Show fährt. Seit Jahren war die Boulevardzeitung Haus- und Hofberichterstatter von “IBES”, nun werden plötzlich Kleinigkeiten, Selbstverständlichkeiten und sattsam Bekanntes zu Skandälchen hochgejazzt. Etwa die seit zig Jahren bekannte Tatsache, dass “Dr. Bob” gar kein Doktor ist, sondern Rettungssanitäter. Oder dass die in der Show verwendeten Insekten aus Zuchtbetrieben stammen. Bild schickt diesmal auch keine Reporter nach Australien und die hauseigene Bild-Dschungel-Begleitshow fällt wohl auch flach. Angeblich soll man bei der Bild nicht begeistert sein, dass der Dschungelsender RTL mit seinem frisch relaunchten RTL.de nun selbst auf Unterhaltungsportal macht und damit in direkte Konkurrenz zu Bild.de tritt. RTL hat einerseits den 76 Fragen umfassenden Fragenkatalog der Bild komplett mit Antworten online gestellt, um der Kampagne ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen. Meine Lieblingsfrage samt Antwort daraus:

Frage: Warum ist unter dem Plumpsklo ein meterlanger Schacht in die Tiefe?

Antwort: Unter dem Klo gibt es keinen meterlangen Schacht.

Preisverdächtiger Enthüllungsjournalismus.

Schönes Wochenende!

PS: In der ersten Ausgabe 2019 des Podcasts “Die Medien-Woche” haben mein Kollege Christian Meier von der Welt und ich gleich zwei Gäste. Einmal sprechen wir mit dem Politikberater Mathias Richel über den Rückzug des Grünen-Politikers Robert Habeck von Twitter und Facebook. Und es gibt ein Gespräch mit dem Autor Malte Herwig über seinen neuen Podcast “Faking Hitler”, in dem die Story um die gefälschten Hitler-Tagebücher spannend und mit neuen Ton-Dokumenten nacherzählt wird. Viel Spaß beim Reinhören!

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