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“Ergebnis deutlich besser als prognostiziert“: Spiegel korrigiert Ertragsprognose für 2018 nach oben

Spiegel-Verlagsgeschäftsführer Thomas Hass
Spiegel-Verlagsgeschäftsführer Thomas Hass

Personalabbau, schrumpfende Vermarktungserlöse, Investitionen in digitale Bezahlmodelle - die vor Jahren angestoßene Restrukturierung zeigt beim Spiegel offenbar weiter ihre Wirkung, Firmenchef Thomas Hass rechnet damit, dass der Verlag 2018 an das gute Ergebnis des Vorjahres anschließt. Dabei war der ehemalige Leiter des Vertriebsmarketings im März noch ganz anderer Ansicht. Er hatte einen Gewinneinbruch von bis zu 20 Prozent vorausgesagt.

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Er war ein schwerer Gang für Spiegel-Chef Thomas Hass in die Öffentlichkeit. Vor mehr als drei Jahren verkündete der ehemalige Leiter des Vertriebsmarketings unter dem Projektnamen „Agenda 2018“ eine harte Restrukturierung, die tiefe Einschnitte hinterließ: Mehr als 149 Stellen wurden abgebaut, Arbeitsabläufe verändert, Bereiche ausgegliedert. Neue Print-Produkte sollten zudem helfen, das Printhaus wieder auf Expansionskurs zu steuern. „Sparen und wachsen“, hieß die Devise.

Jetzt zeigt sich, dass der ihm angeschobene Umbau offenbar weiterhin seine Wirkung entfaltet – auch für das Geschäftsjahr 2018. „Es ist noch zu früh, konkrete Aussagen über das Geschäftsjahr 2018 zu treffen; den testierten Jahresabschluss erwarten wir wie gewohnt im Mai. Wir können aber bereits sehen, dass das Ergebnis des letzten Jahres deutlich besser ausfallen wird, als noch im März 2018 prognostiziert“, erklärt eine Spiegel-Sprecherin auf Anfrage von MEEDIA. So erwartet die Spiegel-Gruppe, „an das sehr gute Geschäftsjahr 2017 anschließen zu können.“ Das liege zum einen daran, dass es „im Rahmen der Spiegel-Agenda wie geplant gelungen ist, unsere Kosten dauerhaft zu senken. Zum anderen haben sich im vergangenen Jahr unsere digitalen Aktivitäten ausgesprochen erfolgreich entwickelt: Sowohl in der Vermarktung als auch im Vertrieb erwarten wir aus dem digitalen Geschäft Erlöse, die über den Erwartungen liegen“.

Die Aussagen überraschen. Noch im März war Hass von einem Gewinneinbruch im zweistelligen Prozentbereich für 2018 ausgegangen. Das zumindest geht aus dem Geschäftsbericht für 2017 hervor, der jetzt im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde. Dort hatte Hass seine Ertragserwartung für das vergangene Geschäftsjahr publiziert. Wörtlich: „Gegenüber dem guten Ergebnis 2017 wird für den Spiegel-Konzern im Jahr 2018 deshalb insgesamt von einem Jahresüberschuss ausgegangen, der um bis zu 20 Prozent geringer ausfallen wird“, heißt es hier. Verantwortlich für den Ergebnisrückgang machte Hass damals unter anderem erhebliche Investitionen in neue Geschäftsfelder – darunter Bezahlmodelle und einen verbesserten Online-Auftritt von SpON. Auch einen leicht rückläufigen Umsatzrückgang hatte der Manager vorausgesagt. Die Rede war im Bereich von weniger als fünf Prozent. Ursache hierfür seien vor allem um 5 bis 8 Prozent rückläufige Anzeigenerlöse sowie leicht bis zu 2 Prozent sinkende Vertriebserlöse.

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Im Geschäftsjahr 2017, heißt es im Bericht zur Bilanz, hat sich die Radikalkur positiv auf das Ergebnis ausgewirkt. Der Grund: Der Gesamtaufwand verringerte sich gegenüber dem Vorjahr – unter anderem durch den Personalabbau – um vier Millionen Euro. In Folge dessen kletterte der Konzernüberschuss im Berichtszeitraum auf 31,42 Millionen Euro, ein Jahr zuvor waren es 26,36 Millionen Euro. Doch von einem angestrebten Wachstum ist in jenem Jahr keine Spur. Der Konzernumsatz sank leicht auf 268,85 Millionen Euro, ein Jahr zuvor waren es noch 269,48 Millionen Euro. Dass die Gruppe beim Umsatz auf der Stelle tritt, liegt dem Geschäftsbericht zufolge unter anderem am rückläufigen Vermarktungsgeschäft für Printprodukte wie den Spiegel und das Manager Magazin. Hier brach der Anzeigenumsatz 2017 gegenüber dem Vorjahr um neun auf 46 Millionen Euro ein. Das entspricht einem kräftigen Rückgang von 17 Prozent. Auch die Vertriebserlöse Print gaben im Berichtszeitraum um 2 Prozent auf 122 Millionen Euro nach. Aufgefangen wurde die Entwicklung lediglich durch die Online-Aktivitäten – darunter Spiegel Online. Hier wuchsen die Werbeerlöse um 17 Prozent auf 49 Millionen Euro. Die Entwicklung zeigt grob: Was der Spiegel bei den Digitalaktivitäten gewinnt, verliert der Verlag im Printgeschäft.

Damit kann aber von einem nachhaltigen Expansionskurs bei der Spiegel-Gruppe weiter keine Rede sein. Mehrfache Versuche, Printprodukte wie Spiegel Classic oder Spiegel Fernsehen einzuführen, missglückten. Auch Spiegel Daily konnte sich als eigenständiges Produkt nicht am Markt halten. Große Print-Newcomer sind zudem nicht in Sicht, die in den nächsten Jahren ein nachhaltiges Wachstum versprechen. Unklar ist zudem, wie sich der Skandal um den ehemaligen Star-Reporter Claas Relotius auf den Leser- und Anzeigenmarkt auswirkt. Zumindest der Print-Vermarktung droht offenbar eine Delle, erwartet Susanne te Poel, stellvertretende Geschäftsführerin bei der Media-Agentur Crossmedia. „Ich denke, dass kurzfristig sicherlich Auswirkungen auf das Anzeigengeschäft zu spüren sein werden. Ich gehe ebenfalls davon aus, dass in der immer intensiver geführten Diskussion um Print im Mediamix dieser Case für den ein oder anderen Werbekunden das Zünglein an der Waage gegen Print sein könnte. Es bleibt zu hoffen, dass die Werbetreibenden dem Spiegel diesen Fall ebenso schnell verzeihen, wie sie Facebook das tägliche Clickbaiting offenbar nachsehen“, so die Media-Expertin. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Prognose bestätigt.

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Alle Kommentare

  1. Der Aufschwung kommt, da wird von Morgens bis Abends relotiert und gemerkelt.

    Danke deutsche L*genpresse

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