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#trending: Polyana Viana, “Nazis raus”, Robert Habeck, “Bohemian Rhapsody” und Cyntoia Brown

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Guten Morgen! Ich habe viel über Robert Habecks Entscheidung nachgedacht, Twitter und Facebook zu verlassen. Und auch wenn einige Passagen in seiner Begründung absolut einleuchten, finde ich die Entscheidung falsch. Habeck argumentiert ein bisschen so, als seien die sozialen Netzwerke eine Art Droge für ihn gewesen, die er nun radikal absetzt. Eine Kommunikation von politischen Inhalten kann ich mir im Jahr 2019 dennoch nicht ohne soziale Netzwerke vorstellen. Habeck hätte sich klare Regeln auferlegen sollen, statt direkt einen Schlussstrich zu ziehen.

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#trending // News & Themen

Die erfolgreichste journalistische Story des Montags war in Deutschland nach Social-Media-Reaktionen eine aus Brasilien. Dort wurde eine Kämpferin der Mixed-Martial-Arts-Organisation UFC (Ultimate Fighting Championship) offenbar Opfer eines Straßendiebs. Doch der Versuch, der Frau das Smartphone zu klauen, gelang nicht, stattdessen schlug und trat Polyana Viana den potenziellen Dieb, setzte ihn damit außer Gefecht und wartete dann gemeinsam mit dem Stratftäter auf die Polizei. Zusammen mit blutigen Fotos und der Headline “Dieb überfällt UFC-Kämpferin und kassiert Prügel” erreichte die Welt 28.900 LIkes, Shares & Co. auf Facebook und Twitter, die Bild kam mit “Räuber kassiert böse Prügel – Überfalle NIE eine UFC-Kämpferin!” auf 18.400 – Platz 1 und 3 in den Social-Media-News-Charts des Tages.

#trending // Social Media

“Nazis raus”. Mit diesen beiden Worten, getwittert am 1. Januar, lockte die ZDF-Reporterin Nicole Diekmann unfreiwillig Massen von Hass an. Zahlreiche Nutzer wünschen ihr seitdem den Tod, Vergewaltigungen und die Entsorgung als Abfall. Der Tagesspiegel schrieb den Sachverhalt am Montag auf und landete damit einen großen Social-Media-Hit: Über 12.800 Likes und Shares gab es für den Artikel “Ein ‘Nazis raus’ und seine Folgen” allein auf Twitter – eine riesige Zahl mit Seltenheit in Deutschland.

Der Tagesspiegel-Artikel inspirierte tausende andere Twitterer, ihre Solidarität mit der ZDF-Journalistin zu zeigen: Sagenhafte 34.200 mal wurden laut Talkwalker am Montag die Worte “Nazis raus” getwittert. Von Spiegel Online. Von Jan Böhmermann. Von Lars Klingbeil. Von Christian Ulmen. Vom TV-Sender Vox. Von Bodo Ramelow so oft, bis die Zeichenbegrenzung erreicht war. Vom VfL Wolfsburg. Von Arminia Bielefeld. Vom SPD-Parteivorstand. Und von vielen vielen anderen mehr.

#trending // Politik

Kein “Nazis raus” getwittert hat am Montag Grünen-Chef Robert Habeck. Womöglich hätte er es gemacht, wenn er sein Twitter-Account nicht gelöscht hätte. Das tat er nämlich, nachdem er Kritik wegen eines Videos erntete, in dem er missverständlich bis unglücklich Wahlkampf für seine Partei in Thüringen machen wollte [Hier alle Details zum Video-Fail]. Habeck verkündete am Montag nun “Bye bye, twitter und Facebook” und löschte bzw. sperrte daraufhin seine Accounts. Seine Begründung: “Nach einer schlaflosen Nacht komme ich zu dem Ergebnis, dass Twitter auf mich abfärbt. Dass ich mich bei beiden Videos, auch dem Bayrischen – unbewusst auf die polemische Art von Twitter eingestellt habe. Twitter ist, wie kein anderes digitales Medium so aggressiv und in keinem anderen Medium gibt es so viel Hass, Böswilligkeit und Hetze. Offenbar triggert Twitter in mir etwas an: aggressiver, lauter, polemischer und zugespitzter zu sein – und das alles in einer Schnelligkeit, die es schwer macht, dem Nachdenken Raum zu lassen. Offenbar bin ich nicht immun dagegen.”

Zwar sind insbesondere Habecks Worte “Twitter desorientiert mich, macht mich unkonzentriert, praktisch, wenn man in Sitzungen verstohlen aufs Handy schaut. Grundsätzlich, weil ich mich dabei ertappt habe, wie ich nach Talkshows oder Parteitagen gierig nachgeschaut habe, wie die Twitter-Welt mich denn gefunden hat. Und das ist die Schere im Kopf. Als wäre Politik eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Dass man so redet, wie es das Medium will” unbedingt nachdenkenswert, doch ob das Löschen der Social-Media-Präsenzen der richtige Weg ist, ist mehr als fraglich. Kein Politiker sollte im Jahr 2019 auf diese Kommunikationskanäle verzichten.

Habecks Social-Media-Aus stieß bei Kollegen aus anderen Parteien dann auch auf viel Kritik. So twitterte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil: “Wenn ich bei Hausbesuchen oder auf Infoständen bin, bekomme ich auch oft Kritik ab. Trotzdem würde ich nie aufhören, an den Haustüren und Marktplätzen zu sein.” Karl Lauterbach schrieb in einem viel beachtetet Tweet: “Robert Habecks Rückzug von Twitter u Facebook ist ehrenhaft aber absolut falsch. Wenn das alle vernünftigen Leute machen würden überließen wir diese Räume der Meinungsbildung den Falschen, besonders den Rechten. Denk noch mal drüber nach, Robert“, Peter Altmaier von der CDU schrieb: “Lieber @RobertHabeck, ich respektiere Ihre Entscheidung, niemand muss @socialmedia nutzen. Aber auch TV-Kameras & Mikrofone können ?abfärben?, wenn wir nicht aufpassen. Öffentliche Existenz heißt immer die Bereitschaft, der Versuchung zu widerstehen“, Johannes Vogel von der FDP ergänzte: “Immer gut: sein eigenes Verhalten kritisch zu reflektieren, Stichwort #Fehlerkultur (die wir gerade in der Politik mehr brauchen). Aber die Sozialen Medien den Hatern und Aggressiven überlassen?! ? Das überzeugt nicht. Statt zu flüchten, lieber gegenhalten!

Ob Robert Habeck nach einer womöglich weiteren schlaflosen Nacht seine Entscheidung schon bereut?

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#trending // Entertainment

“Bohemian Rhapsody” war der strahlende Sieger der Golden-Globes-Verleihung. Der Film rund um das Leben des Queen-Sängers Freddie Mercury gewann den Preis für den besten Film, Hauptdarsteller Rami Malek erhielt ebenfalls eine Auszeichnung. In den sozialen Netzwerken wurden die Preise gefeiert. So erreichte ein Artikel von LadBible sagenhafte 460.000 Likes & Co. auf Facebook und Twitter, Rami Maleks Dankesrede wurde auf der Facebook-Seite von NBC 6,6 Mio. mal angeschaut und erhielt über 200.000 Likes, Reactions, Shares und Kommentare und der Jubel-Post auf der Facebook-Seite von Queen erzielte ebenfalls eine sechsstellige Interaktionsrate.

#trending // Worldwide

Cyntoia Brown sorgte am Montag in den USA für die größten Social-Media-Reaktionen aller journalistischer Stories. Die 30-jährige Frau sitzt seit 15 Jahren im Gefängnis, weil sie einen Mann getötet hatte. Schon damals sorgte der Fall für Aufsehen, weil Brown nach eigenen Angaben von ihrem Freund zur Prostitution gezwungen wurde und das 43-jährige Opfer ein Freier war, vor dem sie Todesangst hatte. Trotz ihres jungen Alters von 16 Jahren wurde sie vor Gericht als Erwachsene behandelt und bekam eine lebenslange Haftstrafe.

Der Grund für das Aufsehen am Montag: Der republikanische Gouverneur von Tennessee Bill Haslam, begnadigte Brown kurz bevor er nach acht Jahren aus dem Amt scheidet. CNN sammelte mit dem Artikel “Cyntoia Brown is granted clemency after serving 15 years in prison for killing man who bought her for sex” innerhalb von acht Stunden über 680.000 Facebook- und Twitter-Interaktionen ein, Refinery29 kam mit “Cyntoia Brown Clemency Granted, Will Be Released August” auf 283.000, NBC mit “Cyntoia Brown granted clemency by Tennessee governor” auf 215.000 und abc News mit “Cyntoia Brown, sentenced to life in prison for killing her alleged sex trafficker, granted clemency” auf 160.000.

#trending // Deutsche Tops des Tages

Story nach Social-Media-Interaktionen: Der Postillon – “Ribery lässt sich mit Blattgold überziehen, um es seinen Hatern zu zeigen” (51.100 Interaktionen bei Facebook und Twitter)

Story nach Likes & Shares bei Twitter: Der Tagesspiegel – “Ein ‘Nazis raus’ und seine Folgen” (12.800 Retweets und Likes)

Story bei Blendle (nach Likes): GQ – “Wie Sie im Job jedes Ziel erreichen

Google-SuchbegriffBorgward (100.000+ Suchen) [wegen des ARD-Films “Die Affäre Borgward“]

Wikipedia-SeiteBorgward (159.400 Abrufe) [wegen des ARD-Films “Die Affäre Borgward“]

Youtube-Video: Simon Desue – “i found 60,000$ in Miami & got R0BBED in seconds

Song (Spotify): Capital Bra – “Benzema” (438.200 Stream-Abrufe aus Deutschland am Sonntag)

Musik (Amazon): Herbert Grönemeyer – “Tumult (Ltd. Deluxe)” (Audio CD)

DVD/Blu-ray (Amazon): “Bohemian Rhapsody” (Blu-ray) [erscheint am 14. März]

Game (Amazon): “New Super Mario Bros. U Deluxe” (Nintendo Switch) [erscheint am 11. Januar]

Buch (Amazon): Michel Houellebecq – “Serotonin” (Gebundene Ausgabe)

#trending // Feedback und Teilen

Anmerkung: Alle in #trending genannten Zahlen beziehen sich wenn nicht anders vermerkt auf den Vortag der Newsletter-Veröffentlichung (Stand: 24 Uhr)

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