Partner von:
Anzeige

Stolpert Print-Chef Ullrich Fichtner über die Relotius-Affäre? Der Spiegel und die offenen Fragen im Betrugsskandal

Ullrich Fichtner, designierter Chefredakteur beim Spiegel, holte Claas Relotius zum Spiegel. Nun lässt er sein neues Amt vorerst ruhen
Ullrich Fichtner, designierter Chefredakteur beim Spiegel, holte Claas Relotius zum Spiegel. Nun lässt er sein neues Amt vorerst ruhen

Keine zehn Tage sind vergangen, seit der Spiegel einen bis dahin unvorstellbaren Skandal in eigenen Reihen publik machte. In den teils irritierend wortreichen Einlassungen der Führungskräfte zum Fall Relotius war von Vielem die Rede: von Schock, Auszahmezustand und – was auch sonst – dem Bekenntnis zu rückhaltloser Aufarbeitung. Dabei wird man sich wohl auch gegen innere Widerstände durchsetzen müssen.

Anzeige

Die Suche nach Ursachen und Hintergründen, die dazu führten, dass ein Autor dem Nachrichtenmagazin mit dem härtesten Fakten-Check der Republik womöglich mehr als 50 Artikel mit Erfindungen, Lügen und Falschinfos unterjubeln konnte, erweist sich als komplexes Unterfangen. Das gilt für den Spiegel selbst, vor allem aber auch für externe Fragesteller. Die nämlich scheinen an der Ericusspitze zunehmend als Störfaktor beim internen Fehlertracking identifiziert zu werden. Wer etwas genauer wissen will, bekommt zwar postwendend Auskunft, zugleich aber eine gefühlte Botschaft mit auf den Weg: Gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen. Lassen Sie die Profis hier ihren Job machen.

Der Wunsch nach einem Ende des Ausnahmezustands ist aus Sicht des Verlags verständlich. Die buchstäblich sagenhafte Story vom Fälscher mit der Reporter-Visitenkarte des Nachrichtenmagazins klingt nicht nur abenteuerlich, sie ist es auch. Der Schaden, den Claas Relotius, der Marke Spiegel zugefügt hat, lässt sich noch gar nicht ermessen. Mitten in die Debatte um Fake News, Mainstream-Medien und die Populisten-Kampagne gegen eine angeblich einseitig berichtende “Lügenpresse” platzt die Breaking News vom vorsätzlichen Fälscher, dem nichts heilig und jedes Mittel recht schien. Und, schlimmer noch: Er wurde mit Preisen geradezu überschüttet und von den Alpha-Journalisten noch als leuchtendes Vorbild einer neuen Reporter-Generation gefeiert.

Der Skandal ist noch so frisch, dass sich die Berichterstatter noch nicht einmal auf einen allgemein üblichen Namen verständigt haben, unter dem die Affäre in die Mediengeschichte eingehen wird: Fälschungsskandal, Relotius-Affäre, Fakegate oder etwa die Relotius Papers? Treten die Leitmedien als Enthüller andernorts auf, wird schnell ein Begriff geprägt. Das eingänginge Branding einer Rechercheleistung gehört längst zum modernen Marketing der investigativen Scoops. Bei Relotius funktioniert das andersherum: Deeskalation und Imagepflege sind die ersten Bürgerpflichten der Verantwortlichen, wollen sie das Ausmaß der Beschädigung im Rahmen halten.

Wohl deshalb betonte der designierte Gesamt-Chefredakteur Steffen Klusmann bereits in der ersten Pressekonferenz zum Thema, dass die Aufklärung lange, wahrscheinlich Monate, dauern werde und man nicht beabsichtige, jeden Zwischenstand der eigenen Nachforschungen zu kommunizieren – als hätte der Spiegel es in der Hand, die Mediendebatte über Relotius zu steuern. Das Gegenteil scheint der Fall: Nur drei Tage später publizierte Klusmann einen Text, in dem er eine Strafanzeige wegen Betrugsverdacht auf Veruntreuung von Spendengeldern gegen Claas Relotius ankündigte. Damit war die Ankündigung des künftigen Ersten Journalisten beim Spiegel gleich doppelt widerlegt, denn der hatte zunächst auch erklärt, dass man auf straf- wie zivilrechtliche Schritte gegen den jungen Reporter wohl verzichten werde.

Mit der Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erklärte Klusmann erneut, es helfe nicht, nun “mit jedem Fitzelchen neuen Erkenntnisgewinns jetzt an die Öffentlichkeit zu gehen”. Seine Marschroute für die interne Aufarbeitung: “Wir werden den Fall im Ganzen aufarbeiten und das dann dokumentieren, so wie es sich gehört. Im Januar tritt eine Aufklärungskommission ihre Arbeit an. Sie soll herausfinden, wie ein solches Desaster beim Spiegel passieren konnte und wie es sich künftig verhindern lässt.” Genau daran allerdings darf man durchaus Zweifel haben, die sich auf die bisherige Behandlung des Falls durch die Spiegel-Führung wie auch die unkonventionelle Gesellschafter-Struktur des Verlagshauses gründen. Und, auch nicht ganz ohne, auf Hybris und Narzissmus einiger Verantwortlicher, die selbst die Kommunikation des Skandals unverkennbar beeinflussten.

Die Kernfrage lautet: Wie sehr steht der Spiegel sich beim Bemühen um eine neue Fehler-Kultur selbst im Weg? Nur ein paar Punkte, die beim aktuellen Krisenmanagement auffallen:

– Warum braucht es bei der allerersten Meldung in eigener Sache rekordverdächtige 41.868 Zeichen, um den Fall zu erklären? Den Artikel unter der Headline “Spiegel legt Betrugsfall im eigenen Haus offen” hat Ullrich Fichtner verfasst, einer der einflussreichen Förderer von Claas Relotius. Fichtners Rolle in dem Skandal scheint noch unklar. Der erfahrene Journalist präsentierte sich bei der Präsentation des Falls auf der Pressekonferenz gegenüber Medienberichterstattern als Teil der Lösung; er könnte aber zugleich Teil des Problems sein. Vier Tage dauerte es laut offizieller Darstellung, bis er und seine Kollegen Matthias Geyer und Özlem Gezer ihr Wissen aus dem Teilgeständnis von Relotius an die zuständige Chefredaktion weiterreichten – ein angesichts der Sprengkraft der Aussagen inakzeptables Verhalten. Im Haus wird ihm zudem eine der Sache nicht angemessene stilistische Koketterie angelastet: Die Vorwürfe gegen den Fichtner reichten von Verneblungstaktik bis hin zur Selbstüberhöhung und Abwälzung des Großteils der Verantwortung auf den Geschichten-Fälscher. Fest stehen dürfte: Fichtner lieferte eher eine Erzählung als eine Selbstbezichtigung und hat mit seinem Epos seinen Auftrag als Aufklärer in der Sache recht eigenwillig interpretiert.

– Der designierte Chefredakteur Steffen Klusmann signalisierte auf der PK noch den Schulterschluss mit Ullrich Fichtner und dem ebenfalls anwesenden Interims-Blattmacher Dirk Kurbjuweit und stellte sich wie ein Trainer nach einer Niederlage vor die Führungsspieler einer Mannschaft, die genau genommen erst ab dem 1. Januar seine sein wird. Man muss kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass er von dieser Linie schon bald abrücken dürfte. Fichtners gerade erworbene Position als Chefredakteur Print unter Klusmann wackelt, zumal der Relotius-Mentor, siehe oben, auch im Haus gewaltig in der Kritik steht. Bedrohlich könnten diese Worte Klusmanns auch in Fichtners Ohren klingen: “Wer Verantwortung zu tragen hat, wird sie tragen.” Schon im Januar könnte eine Schlüsselposition in der Spiegel-Chefredaktion neu zu besetzen sein.

– In der Titelgeschichte “Sagen, was ist”, die nur zwei Tage nach der ersten Meldung über den Fälschungsfall erschien, steuerte Clemens Höges unter der Überschrift “Ein Albtraum” ein weiteres Stück in Sachen Relotius bei. Thema war erneut die Fehlersuche in eigener Sache. Höges, ebenfalls langjähriger Spiegel-Journalist und zwischenzeitlich sogar stellvertretender Chefredakteur, sorgte mit seinem Einstieg erneut für Irritation und Diskussionen, als er das nachrichtlich wichtige Stück mit der reichlich fernliegenden Betrachtung über das Wesen des “perfekten Sturms” einleitete. Wie Fichtner konnte der Autor im Auslandsressort offenbar selbst in der schweren Stunde nicht von einer Ästhetisierung des Untergangs lassen. Wenn beim Spiegel etwas schief geht, ist ein Orkan bei weitem nicht genug, hier muss schon der perfekte Sturm her. Unklar, warum eine derartige Eitelkeit bei der Textkontrolle abgesegnet wurde, zumal zu diesem Zeitpunkt die Kritik an der Form der Aufarbeitung durch Fichtner bereits die Runde gemacht hatte. Höges nimmt darauf sogar Bezug und merkt geradezu trotzig an:

Manche sagen nun, die Affäre habe ja wohl auch mit dem Willen Relotius’ zu tun, um jeden Preis schöne Geschichten zu erzählen, schöner oft als die Wirklichkeit. Geschichten, die Preise gewinnen. Eine fatale Sucht, glauben Kritiker, gerade im Gesellschaftsressort, das viele Geschichten hervorbringt, die Preise gewinnen. Und deshalb dürfe es bei der Aufklärung nicht um Schönheit gehen, sondern ausschließlich um Präzision bei den Fakten. Aber schadet es, sie gut geschrieben darzustellen?

 

Wer sich so positioniert, stellt sich als Aufklärer und Neuerer durchaus selbst in Frage – aber diese Rolle soll Höges in den kommenden Wochen und Monaten innehaben, als Mitglied einer dreiköpfigen Task-Force, die vom Verlag eingesetzt worden ist und ihre Arbeit “im Januar” (warum eigentlich erst dann?) aufnehmen soll. Neben dem künftigen Nachrichtenchef Stefan Weigel (54, kommt zum Jahreswechsel von der Rheinischen Post) und der 64-jährigen Brigitte Fehrle, Ex-Chefredakteurin der Berliner Zeitung, ist Höges der einzige in der Aufklärungskommission, der im Haus fest verwurzelt ist, also eine zentrale Funktion bei der Aufarbeitung haben sollte. Auch hier mehren sich die Zweifel, ob der Höges die richtige Wahl für die schwere Aufgabe ist.

– Wer dem Spiegel eine Nachricht schickt, sollte dies niemals über dessen Social Web-Account, sondern altmodisch über E-Mail tun, denn sonst kommt sie womöglich gar nicht an. Nach dieser seltsamen Logik argumentiert die Redaktion in einem weiteren Artikel der Relotius-Titelgeschichte. Der Einstieg zum Interview (“Zu perfekt, um wahr zu sein”) mit zwei Bloggern aus der US-Kleinstadt Fergus Falls, einem Fälschungs-“Opfer” des Reporters, liest sich so:

Anzeige

Am 6. April 2017 schrieb Michele Anderson eine Nachricht an den Twitteraccount @DerSPIEGEL. Jeden Tag twittern Dutzende Menschen an diesen Account, anders als eine E-Mail werden diese Nachrichten aber nicht alle von einem Redakteur genau gelesen. Das wusste Michele Anderson nicht.

 

Wie bitte, die Nachrichten werden “nicht alle von einem Redakteur genau gelesen”? Mit Torsten Beeck beschäftigt Spiegel Online einen überaus erfahrenen Digital-Experten, der laut Verlag die Social-Teams, Community und Forum “strategisch steuert” und dabei auf eine vielköpfige Mannschaft zurückgreifen kann. Ist die Behauptung, man sei unter dem eigenen Twitter quasi nicht erreichbar bzw. fühle sich für diesen nicht zuständig für die (Print-)Redaktion des wichtigsten deutschen Nachrichtenmagazins nicht ein Armutszeugnis? Darf man den Lesern, die nach einer Erklärung für die Causa Relotius verlangen, suggerieren, das alles wäre nicht passiert, wenn die Beschwerde auf dem guten alten Postweg eingetroffen wäre? Dann könnte man genauso gut sagen: Selbst schuld, wenn Informanten nicht auf der Rechnung haben, wo es beim Spiegel drunter und drüber geht.

– Claas Relotius war als Angestellter aus nun reichlich bekanntem Grund trotz aller gewonnenen Preise nicht berechenbar und ein Riesenproblem für das Nachrichtenmagazin. Er bleibt es offenbar auch nach seinem Ausscheiben – auch das ist eine besonderere Herausforderung für das Krisenmanagement und vor allem die Kommunikation. In den ersten Verlautbarungen hieß es noch, “eine Vertrauensperson” aus der Redaktion halte in der “auch für ihn schweren Zeit” Kontakt zu dem 33-Jährigen. Ob das heute noch gelingt, ist fraglich. Bei drängenden Nachfragen (wie zuletzt bei dem Verdacht auf Spendenbetrug) war der Hamburger für seinen Ex-Arbeitgeber nicht erreichbar und sorgte so möglicherweise für die postwendende Ankündigung, dass der Verlag nun doch eine Strafanzeige erstatten werde. Inzwischen äußert sich Relotius, aber allem Anschein nach nicht gegenüber dem Spiegel, sondern über einen Anwalt, der Erklärungen via Deutsche Presse-Agentur verbreitet. Diese Gemengelage ist ein ungutes Omen, der Reporter könnte noch mit Überraschungen aufwarten, die sich der Kontrolle des um geordnete Aufklärung bemühten Magazins entziehen. Wie wird seine Verteidigungsstrategie aussehen, welche Indiskretionen sind eventuell von ihm zu erwarten. Wird er dem Verlag den Gefallen tun, sich als therapiebedürftige, charakterlich deformierte Persönlichkeit hinzustellen, die ohne Lügen nicht leben konnte? Oder präsentiert er sich eher als junges Talent, das in der Spiegel-Maschinerie unter die Räder geriet und mit seinen Erfindungen nur auf äußeren Druck reagierte. Man weiß es nicht, auch nicht in den Kreisen an der Ericusspitze, die ihm nahestanden.

– Jakob Augstein hat sich in einem Bild-Interview zu den Vorgängen beim Spiegel öffentlich geäußert und dem Magazin “schwere Fehler” bescheinigt. Der Erbe des Spiegel-Gründers Rudolf Augstein sagt zudem:

Der Fall Relotius ist keine Krise des Spiegels, sondern die Krise einer bestimmten Art von Journalismus. Der Spiegel ist ein politisches Nachrichtenmagazin und erfüllt diesen Anspruch als Magazin Woche für Woche und im Netz Tag für Tag. Beim Heft gibt es Kollegen, denen es guttäte, sich daran zu erinnern.”

 

Ähnlich äußerte sich auch seine Schwester Franziska Augstein: „Man könnte daraus den Schluss ziehen, dass das Magazin sich vielleicht auf seine Kernkompetenz ein bisschen mehr besinnen sollte”, sagte sie im Deutschlandfunk.

Man kann besonders die Aussage des Freitag-Verlegers und früheren Spiegel-Kolumnisten durchaus als Seitenhieb auf eine Mentalität in Teilen der Redaktion werten, für die u.a. Fichtner und vielleicht auch Höges stehen. Aber trotz dieser deutlichen Worte macht Augstein auch klar, dass es ihm als Anteilseigner nun vor allem darum geht, den Schaden für die Marke Spiegel zu minimieren, von deren Wertverfall er unmittelbar betroffen wäre: “Selbstkritik darf nicht zu Selbstbeschädigung werden.” Deshalb findet Augstein auch einen weiteren Artikel der Titelgeschichte problematisch: “Man muss nicht einem direkten Konkurrenten des Spiegels wie dem Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo die Gelegenheit geben, im Spiegel den Spiegel anzugreifen.” Vom zweiten Minderheitsgesellschafter Gruner + Jahr ist offiziell nichts zu hören, aus dem Umfeld wird aber versichert, man sei mit Art und Weise, wie der Spiegel in eigener Sache verfährt, durchaus zufrieden. Dort kämen die Aufklärungsarbeiten gut an, weil sie transparent, schonungslos und in angemessenem Ton verlaufen. Die Mitarbeiter KG des Spiegel, die über die Mehrheit am Verlag verfügt, hält sich derzeit noch zurück. Sie hat mit einem weiteren Problem zu kämpfen: eine vom Mediendienst Horizont diese Woche öffentlich gemachten Compliance-Angelegenheit, in deren Mittelpunkt KG-Sprecherin Susanne Amann steht.

Alle offenen und umstrittenen Punkte addieren sich an der Ericusspitze zu einem komplexen Puzzle, das nun Geschäftsführer Thomas Hass und der neue Chefredakteur Steffen Klusmann sortieren und ordnen müssen. Letzterem kommt dabei zu Gute, dass er einer von außen ist, der unbefangen bewerten und handeln kann. Viel Zeit hat Klusmann nicht, gerade von ihm werden deutliche Signale erhofft und erwartet, und zwar von allen Seiten. Bei der Kommunikation der Relotius-Affäre machte Klusmann dabei nicht nur auf der Pressekonferenz eine den Umständen entsprechend gute Figur.

Sein Artikel zum Thema, den künftig erste Journalist der Spiegel-Gruppe am vergangenen Sonnabend veröffentlichte, kam mit einem Viertel der Textlänge von dem Fichtner aus und war doch in der Sache um Einiges klarer. Dort heißt es schnörkellos: “Einer Marke mit der Autorität des Spiegel darf ein solches Versagen nicht passieren, das ist hochnotpeinlich und dafür können wir uns nur schämen – egal wie genialisch Relotius das alles eingefädelt haben mag.” Klusmann weiter: “Wir als Haus haben (…) in einem erheblichen Ausmaß versagt. Das wird Konsequenzen haben.” Endlich sagt einer, was ist. Ohne Umschweife und Kapriolen. Es geht doch, auch und gerade beim Spiegel.

Update, 28.12.2018, 21.20 Uhr: Am Abend hat der Spiegel in einem Schreiben an die Belegschaft erste Personalmaßnahmen bei der Aufarbeitung der eigenen Versäumnisse in der Relotius-Affäre kommuniziert. Danach werden der designierte Chefredakteur Ullrich Fichtner und der Blattmacher im Gesellschaftsressort, Matthias Geyer, die ihnen zum 1. Januar 2019 übertragenen Ämter ruhen, bis die Vorgänge “abschließend untersucht sind”.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Der Grundgedanke, dass Selbstbeschränkung und Nüchternheit bei der Aufklärung eine angemessene Bescheidenheit signalisieren, ist gut nachvollziehbar.

    Unverständlich ist, warum nun schon in mehreren Meedia-Artikeln immer wieder auf dem Textumfang der ersten Publikationen herumgehackt wird. Was hätten das Publikum und die Fachpresse denn gesagt, wenn diese ersten Schritte zur Offenlegung nicht – im Rahmen der Umstände – gut vorbereitet und umfangreich gewesen wären, sondern inhaltlich karg oder gar mit den üblichen nichtssagenden Beschwichtigungsphrasen?

    Ich habe mich durch die ersten Artikeln zunächst einmal ordentlich informiert gefühlt. Kein Standardgefasel “Wir werden bei der Aufklärung mit Wemauchimmer zusammenarbeiten” oder “Wir haben verstanden”, sondern eine starke Menge Informationen zur Sache. Dass man innerhalb weniger Tage nicht fünfzig große Artikel nachrecherchieren kann, weiß jede/r. An den vorgestellten Beispielen ließ sich zunächst einmal gut nachvollziehen, wie die Methode Relotius funktionierte.

    Und es war zudem ein Versuch, sich nicht durch bloßes Eindreschen auf einen Sündenbock selbst freizusprechen, sondern auch die andere Seite zu zeigen: einige Aussagen des betrügerischen Autors selbst sowie die Sicht der Redaktion. Das ist in eigener Sache schwierig, aber eine Unterlassung hätte gegen Grundsätze des Journalismus verstoßen.

    Dass das nicht in drei Sätzen geht, sollte einer Medien-Redaktion klar sein. Sie sollte – wie in diesem Artikel – kritisch verfolgen, ob die gegebenen Versprechen tatsächlich eingehalten werden. Die wiederholte Kritik an den ersten Veröffentlichungen halte ich jedoch für verfehlt.

    1. Die Kritik an den ersten Artikeln war keineswegs verfehlt. Denn der Stil dieser Artikel ist Teil des Problems. Klußmann hat jetzt erst einmal den richtigen Ton gefunden: Sachliche Aufklärung, was ist. Ob er sich damit durchsetzt, bleibt abzuwarten. Jetzt hilft doch keine Sprachvernebelung mehr. Schon wenn ” Ausdermittagspause” schreibt, “eine angemessene Bescheidenheit signalisieren”, ist der Duktus des Hauses unverkennbar und verräterisch. Warum denn nur “signalisieren” ? Angemessene Demut zu praktizieren, jetzt und künftig, wäre das Mindeste, was man nach spiegelgate erwarten dürfte. Zu fürchten steht: Der Vertrauensverlust ist nicht wiedergutzumachen, eine Kurskorrektur wird nicht stattfinden. Das Blatt wird untergehen. Ob mit Schwurbel-Stil oder ohne. Sie begreifen es einfach nicht. Die alpha-Journos sitzen anderswo.

  2. Klusmann wird zitiert mit der Aussage: “Einer Marke mit der Autorität des Spiegel darf ein solches Versagen nicht passieren, das ist hochnotpeinlich und dafür können wir uns nur schämen – egal wie genialisch Relotius das alles eingefädelt haben mag.”

    Autorität des Spiegel? Na ja. Wer tatsächlich Reputationsschäden vermeiden will, der sollte externe Fehlermeldungen ergebnisorientiert lesen, zumindest nicht reihenweise wegzensieren (was ja immer wieder zu lesen ist; ich selbst schreibe dort selbstverständlich nichts). Ich denke mal, daran wird sich so schnell auch nichts ändern. Am Haltungsjournalismus (um mal Buschkowski abzuwandeln: am Klugscheisserjournalismus) wohl auch nichts. Der liegt doch in den Genen dieses Wirtschaftsunternehmens, oder? Statt des hehren Mottos Rudolf Augsteins (“Sagen was ist”) wurde in dessen Zeit eine Hetzkampagne verzapft nach dem Motto: Strauß muss weg.

  3. Die Kritik an dem ersten Artikel im “Spiegel” stammte vor allem vom Medienjournalisten Stefan Niggemeier auf “Übermedien”. Der hat einen großen Einfluss in der herrschenden Medienblase. Deren Motto lautet nicht “Sagen, was ist”, sondern “Sagen, was sein sollte”. Der “Spiegel” hat zwar diesen Spruch von Rudolf Augstein in seine Eingangshalle gemeißelt, aber ernst gemeint war er wohl nie.

  4. Der Artikel ist gut geschrieben und setzt sich kritisch mit der aktuellen Problematik auseinander.

    Was ich aber nicht verstehe ist, dass jahrelang an dem kaputten Sytem (=Preise über Preise) selbstgefällig festgehalten wurde und man plötzlich Abstand davon nimmt.

    Das ist unaufrichtig. Klug wäre es gewesen, die Mißstände früher anzuprangern.

    Das RelotiusGate hat dem defizitären Verlagswesen keinen guten Dienst erwiesen.
    Diese

  5. Branding : #spiegelgate

    Verantwortung: Brinkbäumer, Fichtner, Geyer ( Redaktion)/ Hauke Janssen, Cordelia Freiwald ( Dokumentationsleitung, Auslandsdok.)

    Aufklärung: Auf keinen Fall Höges – Teil des Pfauen-Problems !

    Konsequenzen: Kernkompetenz klären, Reporter downgraden, Rechercheure upgraden. Denn: wie hieß es doch früher im vertraulichen Gespräch in der obersten Reporterriege des Hauses: “Recherche ist socks”.

    Wundern: braucht sich über #spiegelgate keiner mehr

  6. Die Spiegel-Lügen nur die Spitze vom Eisberg. Auch bei anderen Meidien werden Grundsätze des Journalismus, wie Neutralität, Recherche an der Quelle und ein Mindestmaß an Höflichkeit, mit Füssen getreten, besonders unakzeptabel finde ich das bei GEZ-finanzierten Medien. Ein System-“Journalist” das gibt man zu und suggeriert damit, dass andere die Wahrheit schreiben.

  7. Der Ideologie-SPIEGEL hat seit Langem nicht nur ein Relotius-Problem.

    Symptomatisch für den intellektuellen Verfall von Spiegelautoren ist ein Artikel im Umfeld der staatlich ausgelagerten und privatisierten Zensurindustrie durch das allerhöchst umstrittene Stasi-Kahane-Kollektiv nebst der Amadeo-Antonio-Stiftung.

    Dazu hier ein exzellenter Artikel über den SPIEGEL-Clown Jörg Breithut:
    https://www.journalistenwatch.com/2018/12/29/spiegel-clown-facebook/

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia