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Jörg Thadeusz über den Fall Relotius und Reporterpreise: “Journalismus ekelt mich passagenweise an”

Spiegel-Skandal-Reporter Claas Relotius (l.): Jörg Thadeusz will künftig keine Reporterpreise mehr überreichen
Spiegel-Skandal-Reporter Claas Relotius (l.): Jörg Thadeusz will künftig keine Reporterpreise mehr überreichen

Der Skandal um die umfangreichen Fälschungen des Spiegel-Reporters Claas Relotius sind natürlich auch Thema in unserem wöchentlichen Podcast "Die Medien-Woche" mit Stefan Winterbauer (MEEDIA) und Christian Meier (WELT). Es gibt Interviews mit dem designierten Spiegel-Co-Chefredakteur Ullrich Fichtner und mit Jörg Thadeusz, der zahlreiche Journalistenpreise moderiert und Relotius selbst einige Auszeichnungen überreicht hat. Thadeusz sieht die Flut an Preisen überaus kritisch.

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Das habe er Cordt Schnibben, einem der Gründer des Reporterpreises schon vor der Enthüllung des aktuellen Skandals mitgeteilt. Thadeusz erklärt im Medien-Woche-Podcast, er habe ihm geschrieben: “Lieber Cordt, mich ekelt Journalismus passagenweise an. Ich möchte nicht mehr in der Jury sitzen und ich möchte unter keinen Umständen mehr diese Veranstaltung moderieren.” Beim jüngsten Reporterpreis war Relotius erneut ausgezeichnet worden. Insgesamt viermal hatte er den Reporterpreis gewonnen. Mittlerweile hat Relotius die Preise zurückgegeben ist damit einer wahrscheinlichen Aberkennung zuvorgekommen.

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Thadeusz übt auch scharfe Kritik an der großen Zahl an Journalistenpreisen: “Es gibt 500 Journalistenpreise in Deutschland, da kann man nicht mehr von Bescheidenheit sprechen.” Der Journalismus würde vermutlich nicht schlechter werden, wenn es weniger Preise gäbe, so der Moderator. Über die Art und Weise, wie solche Preise ausgewählt wurden sagt er: “Für uns bleibt die ganz hässliche Frage im Raum, warum ergreift es Jurys so sehr, wenn man so eine richtig schöne, fette antiamerikanische Geschichte ein ums andere mal aufschreibt?” Bei den prämierten Stücke sei eine gewisse Masche erkennbar gewesen, es seien immer dieselben Medien und Journalisten ausgezeichnet worden. Als positives Gegenbeispiel nennt Thadeusz den Theodor-Wolff-Preis, der Lokaljournalisten ehrt. Diesen Preis wird an eine Person jeweils nur ein einziges Mal vergeben.

Der designierte Spiegel-Print-Chefredakteur Ullrich Fichtner sagt im Gespräch im Medien-Woche Podcast u.a.: “Ich denke, dass wir mit den Veröffentlichungen bewiesen haben, dass wir sehr kritisch mit uns selbst sein können. Mir fällt kein Beispiel ein in der deutschen Presse, bei dem jemals so offen mit einem ganz klaren Fehler und einem schlimmen Unfall umgegangen wäre.” Fichtner gibt aber auch zu, dass der Fall nun eine schonungslose Aufarbeitung erfordere und  man sich beim Spiegel kritisch selbst befragen müsse: “Wir befinden uns in einer großen Krise. Unsere Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel, unsere Werte, die wir mehr als 70 Jahre hochhalten.” Zur vielfach geäußerten Kritik, sein Text zum Skandal bediene sich eines ähnlichen Stils wie jener von Relotius sagt Fichtner: “Sie werden mir glauben, dass ich den Text in einer sehr gedrängten und dramatischen Situation für dieses Haus geschrieben habe und nicht an preiswürdige Formulierungen gedacht habe. Es ist vielleicht ein Stil, der mir eigen ist. Ich habe den Text so gut gemacht, wie ich ihn machen kann.” Bei aller Kritik sei aber auch klar: “Wir müssen unsere Verfahren überprüfen, wir müssen überprüfen, ob wir richtig aufgestellt sind. Wir müssen überprüfen, ob wir einen Fall wie Relotius bei anderer Organisation früher hätten erkennen können. Aber wir werden nicht grundsätzlich infrage stellen, wie wir hier arbeiten.”

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Alle Kommentare

  1. Für seine Offenheit bei der Aufdeckung, sollte der Spiegel einen Medienpreis bekommen (Satire).

    1. Ja vor allem weil sie die Anschuldigungen von Harald Schumann aus dem Jahr 2011 oder noch früher, so konsequent totgeschwiegen haben. Total selbstkritisch dieser Spiegel!
      Und meedia ist auch total kritisch und lässt jeden meiner Kommentare durch, gell!

      https://www.youtube.com/watch?v=uOT1IMTXumw

  2. In der Tat: Der Ekel über den teilweise zwangsfinanzierten Lügen-, Lücken-, Indoktrinations-, Umerziehungs-, Manipulations- und Gesinnungs-“Journalismus” in den angeblichen “Qualitätsmedien” ist mittlerweile weit verbreitet. Das Vertrauensverhältnis zwischen den politischen Akteuren, die sich allen Ernstes selbst als Journalisten begreifen aber nicht Meinung und persönliche Gesinnung von Fakten trennen können – und ihren restlichen Rezipienten ist schon länger nachhaltig zerrüttet. Und es wird lange dauern, falls es überhaupt noch gelingen kann, diese Aversionen gegen die publizistischen Akteure wieder zu dämpfen.

    Der etablierte “Qualitätsjournalist” ist ja ohnehin auf der untersten Scala des Sozialprestiges angekommen. Zu Recht befinden sich die Verkaufszahlen dieser degenerierten Medien und Sprachrohre der im Umfeld der Dekadenz Herrschenden im freien Fall.

    1. Da spricht wohl einer, der es ja des öfteren immer wieder in seiner verschachtelten, intellektuell verkünstelten Sprach versucht, sich aufzuspielen. Ganz sicher ist er jemand, dem es nie gelungen ist, auch nur eine einzige, bezahlte Zeile zu veröffentlichen, da es bei ihm niemals reichte. Aber so kann er sogar sein Gesicht zeigen, das ebenfalls wenig angenehm auffällt. Es muss furchtbar sein, immer nur auf der Verliererseite zu stehen und schwadronierend zu verdörren.

      1. Es soll ja Zeitgenossen geben, die nicht auf Zeilenhonorare für einen verachtenswerten aber leider verbreiteten Relotius-Journalismus angewiesen sind und ihre Knete für`s Leben mit seriöser Arbeit in einer nicht medialen Branche verdienen.

        Und dann gibt es offenbar richtige – echte – Schreiberlinge, die nicht in der Lage sind, sich argumentativ mit aufgezeigten Sachverhalten auseinander zu setzten und intellektuell auf die persönliche Diffamierung von Kritikern beschränkt sind.

      1. @Mattias Timm und Hawe

        Obwohl ich ahne, dass Ihre Fragen ironisch gemeint sind: Jörg Thadeusz?, wichtiger Mann in der Szene.
        T. arbeitet als freier Mitarbeiter des links-grünen WDR, der es bei seinen regelmäßigen, teilweise alltäglichen Auftritten im WDR und außerhalb des eigenen Senders, z.B. in der Illner-Show Anfang des Jahres, immer wieder schafft, seine eigenen links-grünen Ansichten vehement unters Volk zu bringen. Insofern ist seine kritische “Haltung” (ich benutze dieses Zauberwort inzwischen gerne abwertend) in der Causa Relotius zumindest “überraschend”.
        Ach so: Seine Frau ist Pressesprecherin unseres Bundespräsidenten. Insofern dürfte er über “Königswissen” und besondere Hintergrundkenntnisse im Zusammenhang mit der aktuellen Regierungsarbeit verfügen. Was seine Bedeutung bei den Kollegen sicherlich nicht schmälert.
        Wie gesagt: Wichtiger Mann.

  3. Dass ganze Geschichtenerfunden wurden, dürfte (sogar) im Journalismus selten sein.
    Aber schon seit längerem fühlt man sich beim direkten Vergleich von Meldungen in deutschen Medien und Meldungen in ausländichen Medien (siehe etwa schweizer Medien) zum gleichen Themen an einen alten Witz erinnert:
    “Kennedy und Chruschtschow veranstalten einen Wettlauf. Kennedy wurde Erster. Da fragten die Journalisten: “Mister Chruschtschow! Wie beurteilen sie den Wettlauf?” Chruschtschow: “Ich werde erst einmal abwarten, was die ‘Prawda’ schreibt.” Am nächsten Tag stand in der Prawda: “Bei dem gestrigen Wettlauf belegte Nikita Sergewitsch Chruschtschow einen hervorragenden Zweiten Platz, während Kennedy nur Vorletzter wurde.””

  4. 500 Journalistenpreise pro Jahr? Ich müsste lügen, wenn ich abstreitete, dass ich auch einen verdient hätte.

  5. Spiegel löscht im SPON-Forum alle Postings, die auf redaktionelle Fehler hinweisen

    Als Berliner Inside-Journalist habe ich die SPON immer wieder auf evidente Fakten-Fehler in Berichten hingewiesen – und zwar über das öffentliche Leserforum. Die krass fehlerhaften Artikel wurden nie korrigiert, sondern meist ins Archiv verschoben- auch wenn sie erst eine halbe Stunde alt waren. Oder der Autor ließ meine Fakten-Korrektur im Forum nach wenigen Minuten löschen. Die Fakten-Kritik muss denen zunehmend auf die Nerven gegangen sein. Denn zum Schluss sperrte SPON meinen Forums-Account “lies.das” ohne jeden Anlass – um nicht länger öffentlich kritisiert zu werden. Reine Fakten-Korrektur im Forum widerspricht offenbar internen Richtlinien, wie mir ein Spiegel-Kollege sagte.

    Dabei kritisierte ich stets nur die inhaltliche Fakten-Fehler. – ohne jede Meinungspolemik. Offenbar vor allem gegen Fakten-Zweifel schirmt sich SPON knallhart ab, auch durch Kontosperrung. Der hybride Unfehlbarkeits-Anspruch scheint das höchste Gut.

    Auch die Proteste aus der US-Kleinstadt, die Klaas Relotius mit Fake-Fakten gebasht hat, wurden möglicherweise gelöscht. Auch die manipulative Forums-Auswahl bei SPON (et alt.) wäre ein wichtiges Thema für die interne Spiegel-Aufarbeitung – weil öffentliche Widerlegungen die redaktionelle Fehlentwicklungen verhindern könnten. Und auch ein Thema für Medien-Journalisten.

    1. Danke für den Innenbericht. Selbige Vermutung trug ich bereits in mir. Wenn man Einblick in ein Thema hat, ist durchaus auffällig, wie ahnungslos und dafür umso ideologisch gefestigter man da durchtappst. Die Frage ist für mich lediglich, ob solche Journalisten Themen nicht wirklich durchdringen oder ob sie in voller Absicht falsch schreiben. Ich vermute, es ist eine Mischung aus beidem.

  6. Hoffentlich hat nun bald jeder selbsternannte Moralist seine Meinung zum “Fall” Relotius abgesondert. Oder soll das jetzt wochenlang so weitergehen?

    1. Die selbst ernannten links-rot-grün konnotierten Moralisten und Betreuer des einzig richtigen Denkens agieren doch gerade in unerträglicher Weise in den einschlägigen Qualitätsredaktionen.

      1. Niemand, der Begriffe wie “selbst ernannt” oder “links-rot-grün” ironiefrei verwendet, kann auch nur ansatzweise ernst genommen werden, unabhängig davon, wie berechtigt die Kritiken an den mit diesen Kampfbegriffen bezeichneten auch sein mögen. Sie legen exakt das Verhalten an den Tag, welches Sie bei anderen kritisieren. Zwei Seiten, eine Medaille.

      2. Ach wirklich- na dann glauben Sie doch weiter erfundene Geschichten von Jesidinnen, die in Deutschland ihre IS- Peiniger treffen und von Antifa- Frauen, denen Hakenkreuze eingeritzt werden – und akzeptieren Sie das weg Retuschieren von Hakenkreuzen an den Stahlhelmen der Maidan- Putschisten und der Verteidigung solcher Fälschungen durch die Grünen. Super schlau halt unsere Klima- rettende aufgeklärte kommod in schicken Lofts lebende Meinungs-Elite!
        Und dann Trump einen Lügner nennen- ihr seid schon dreist.

      3. @aw Aus welchen “Informations”-Müllhalden haben Sie denn diesen ganzen Unsinn? Von vorne bis hinten reinster Bullshit, inklusive der angeblichen Verteidigung dieses Quatsches durch “die Grünen”. Viel Spaß noch in Ihrer Wutblase.

    2. Man könnte meinen der Jakob. A. steckt hinter Ihrem Pseudonym.
      Wenn das wochenlang so weiter geht mit der Kritik, dann kann man davon ausgehen, dass wir allmählich die Spitze eines Eisberges verlassen haben und uns der untere Teil des Eisberges in Form von schreibender Prominenz offenbart. Ich bin gespannt welche Namen da noch zutage gefördert werden.

  7. Jetzt hat es den Spiegel wegen unwahrer Stories erwischt. Nicht das einzige große deutsche Magazin, das einem Schwindel aufgesessen ist.
    Vor 35 Jahren veröffentlichte der STERN vermeintliche Hitler-Tagebücher.

  8. Fake, Fake, Fake-News zahlt sich aus!

    Da winken Preise und Preisgelder, wenn Journalisten das schreiben, was die Anderen (Zahlenden und Preisverleiher) gerne lesen möchte. Man bleibt praktisch in seinem Biotope. Mit einer Ausnahme: Dass die anderen Medien, über diese Preisverleihung berichten. So läuft das heute! Ob nebenbei die Geschichten stimmen oder der Wahrheit entsprechen, die dort prämiert werden, ist irrelevant. Es geht immer darum: Ist es einer von uns (politisch gesehen)!

    Nun heißen die Schlagzeilen der anderen Medien: Spiegel Affäre, Spiegel Skandal und Spiegel Schwindel. Der Druck und die Widerstände innerhalb der Spiegelredaktion müssen enorm groß gewesen sein damit als erster herauszurücken zu müssen, weil sonst der eigene Redakteur, Juan Moreno den Manipulationsskandal um den Star-Autoren Claas Relotius beim „Spiegel“ in einem anderen Medium aufgedeckt hätte.

    Wie sagte doch der Gründer vom Spiegel, Rudolf Augstein: „Sagen, was ist“. Es sollte besser heißen: „Schreiben, was ist“! Aber nicht mehr heute beim Spiegel 2018 und anderen Medien!

  9. Wer im Internet “sagenwasist.de” eingibt, landet bei “postfaktisch.de”, nicht beim “Spiegel”.

  10. “Gewerbsmäßige Märchenerzähler”, hieß es irgendwo im Internet, treffend. Auch Großkritiket Heribert Prant von der SZ berichtete direkt aus der Küche des Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, in der er nie gewesen war.

  11. Der designierte Spiegel-Print-Chefredakteur Ullrich Fichtner sagt im Gespräch im Medien-Woche Podcast u.a.: “Ich denke, dass wir mit den Veröffentlichungen bewiesen haben, dass wir sehr kritisch mit uns selbst sein können, ….

    Da klopft sich einer wieder selbst auf die Brust…, bla bla bla

    Wenn die sich nicht gegenseitig belauern würden…, wäre die Sache nie aufgeflogen…, dass ist Sache…

  12. Ich sehe die ganzen Gesichter hier beim “Reporterpreis 2018” ( https://vimeo.com/304620317 ), die Schnittchen, den Craft-Gin Ausschank, stelle mir die Gespräche vor (das kann ich nämlich auch, und das als Techniker) und muss immerzu daran denken, wer das alles eigentlich bezahlt und an Haslinger’s “Opernball”…

    Ich kann Thadeuz verstehen.

  13. „Es ist nicht die Aufgabe des Journalismus, zu missionieren. Trump als Irren zu disqualifizieren oder die AFD niederzuschreiben. Es ist unsere Aufgabe, die Leser zu befähigen, sich selbst eine Meinung zu bilden. Zu recherchieren, Fakten und Informationen zusammenzutragen. Und diese so zu verbreiten, dass sie die Leser erreichen.“ So Barbara Hans, ihres Zeichens hohes Tier beim SPIEGEL im Sommer letzten Jahres.

    Man hat beim SPIEGEL nicht erst jetzt sehr wohl erkannt, dass man Teil des Niedergangs der so genannten Qualitätsmedien ist. Es gab bereits vorher Momente, wo man sich Asche aufs Haupt streute. Zum Beispiel nach Sebnitz 2000. Und doch hat man wieder und wieder disqualifiziert, niedergeschrieben und missioniert. Von daher musste ich lachen, als Fichtner im Podcast beteuerte, Relotius sei eine Singularität und dank Dokumentation eigentlich alles in Ordnung. Fichtner ist genauso blind wie Honecker 1989, die Zeit des SPIEGELs und aller Relotiusmedien ist vorbei. Das Problem ist systemisch. Ihr seid keine Journalisten mehr, sondern Agitatoren. Deswegen bin ich über den Fall Relotius wenig verwundert. Eher darüber, dass man sich brüstet, es selbst aufgedeckt zu haben und darob noch versucht, Asche zu machen.

    So will der SPIEGEL das Vertrauen wiederherstellen? Niemals! Da ist mehr nötig, als die hohlen Worte Hans und Fichtners. Der SPIEGEL muss erst einmal beweisen, dass er auf die journalistische Schiene zurückfinden. Allein, das wird er nicht. Weil es in seiner DNA, seinem Sound und in den Köpfen der dortigen Journalisten ist. Man hat Relotius in dem Moment möglich gemacht, als man im besten Knopp-Stil nicht mehr die Geschichte, sondern einzelne Menschen in den Mittelpunkt gerückt hat. Damit hat man den Blick für die harten Fakten verloren und nur noch auf Emotionen gesetzt. Und ein Narrativ vorgegeben. Dies sind jedoch Kennzeichen von Propaganda, also Agitation. Der Leser wird nicht mehr informiert, sondern indoktriniert. Und da ist es nicht wichtig, ob die Geschichte stimmt, sondern, dass der Rahmen passt und eine Botschaft transportiert wird. Nichts anderes hat Relotius gemacht.

    Insofern war der Podcast interessant. Ging aber nicht weit genug. Den Fichtner hätte man noch mehr in die Mangel nehmen und Thadeusz seinen AfD-Verweis stecken lassen können. Ich weiß nicht, wann man in diesen Kreisen endlich kapiert, dass die AfD nur dann schwächer wird, wenn man sich ehrlich macht. Wenn man endlich eine Alternative zu all den Lügen und Betrügereien ist. Wenn man sich von dem System, welches Relotius möglich macht, ernsthaft lossagt.

  14. Das Selbstverständnis der ganzen Medien-Branche hat sich im Laufe der Jahre verändert, und damit auch die dazu passenden Charaktere angezogen und eingebunden.

    Sagen was ist, das gehört in eine verdrängte, ja unterdrückte Epoche, die nicht kompatibel ist, per spezieller Themen-Aufbereitung die eigene Haltung verbreiten zu können.

    Die Haltung, die ein Journalist zu erkennen geben darf besteht einzig darin, daß er sagt, was ist.

    So besehen ist es Zeit zu erkennen, welche Leute inzwischen in unsere Gesellschaft prägende Medien-Landschaft eingesickert sind. Es sind Leute, die sich nicht zufrieden geben mochten, eine lediglich dienende Funktion einzunehmen. Sie wollten gestalten, untergehakt mit denen, die sie hätten kontrollieren müssen. Als Sturmgeschütz der Demokratie.

    Wünschen wir diesen eitlen Figuren dennoch Glück, unsere Demokratie zwar ausgehebelt, uns stattdessen aber ein Europa übergestülpt zu haben, welches bereits an allen Ecken und Enden ächzt.

    Wir werden noch mehr Parolen, Appelle an die Bereitschaft zur Selbstaufgabe und noch viele seichte luftige Stories zu hören und zu lesen bekommen, um uns von dem bereits in Gang befindlichen Strudel abzulenken. Bevor wieder gesagt werden kann, was ist.

    Der Spiegel dürfte dabei fehlen. Er ist mit der “schonungslosen Aufarbeitung” seiner eigenen Krise befaßt, bei der es um Glaubwürdigkeit und Werte gehe, die man seit 70 Jahren hochhalten würde.

    Welche Werte?

    Paralleluniversum.

    42.

    1. @WW: Die Hoffnung ist noch begründet, dass immer mehr wache und alternativ informierte Bürger erkennen “welche Leute inzwischen in unsere Gesellschaft prägende Medien-Landschaft eingesickert sind.” Die Erkenntnisse, die Ihr exzellenter Kommentar spiegeln, verbreiten sich erkennbar und zeigen bereits praktische Wirkung. Die Deutungshoheit und vor allem die für diese ideologischen medialen Akteure unverzichtbare Vertrauensgrundlage in der nach ihrer Meinung zu erziehenden Bevölkerung ist bereits hinreichend verzockt.

      Immer mehr selber denkende Menschen entziehen sich dieser einseitigen und ideologisch gleich geschalteten medialen Meute: Agitierende und manipulierende mediale Akteure, die stets in einer unseligen Komplizenschaft mit denen aus dem politischen Raum agieren, die eigentlich durch dies inzwischen degenerierte “Vierte Gewalt” unter Kontrolle gehalten werden müssten. Das Image dieser Kreise ist bereits im Anus.

  15. Am 7. Dezember 2018 moderierte Herr Thadeusz in Bochum die Verleihung des diesjährigen “Litertaturpreises Ruhr”. Mit Geschmäckle. Preisträgerin und die neue Chefin der vergebenden Institution, des Literaturbüros Ruhr, sind alte Freundinnen. Die Art des Vergabe von Literaturpreisen ekelt mich passagenweise an, Herr Thadeusz.

  16. Das Relativierungsplädoyer von Fichtner deutet keine Neubesinnung beim Spiegel an. Lese ich den Spiegel (seit über 40 J.) als Roman (sozusagen als “Kino im Kopf”, erwarte “Musikzitate”) o. um Sachverhalte u. belegte Fakten mitgeteilt zu bekommen? Genaue Recherche, ja, schmückendes Beiwerk (“Herzfrequenz, Zahl d. Kirchen, klappernde Hufe”), nein. Wenn ich Romanliteratur suche, dann nicht im Spiegel, im Text vorgelebte Betroffenheits-Prosa ist tendenziös und stört eigene Meinungsbildung (führt zu Vorwurf “Lügenpresse”!).
    Hätte nicht hinterfragt werden müssen, produziert man mit gerade 30 J. nur “meisterhafte Reportagen” u. verdient diese Vielzahl von Preisen? Oder deutet das nicht Klüngelei usw. an, denn man schwimmt auf der Erfolgswelle des erfolgreichsten Journalisten mit.
    Wenn dies als “Trauerfall in der Familie” zu bezeichnen ist, sollten wichtige Mitglieder der Familie (wie Fichtner + Gezer) unbedingt ausgewechselt und andere wie Moreno gefördert werden. Ich bin gespannt, wie dessen Zukunft aussieht. Ich werde den Spiegel nur bis zur Aufklärung des Skandals weiterhin kaufen.

  17. “Der Journalismus würde vermutlich nicht schlechter werden, wenn es weniger Preise gäbe…”

    Geht das denn noch schlechter?

  18. Für uns bleibt die ganz hässliche Frage im Raum, warum ergreift es Jurys so sehr, wenn man so eine richtig schöne, fette antiamerikanische Geschichte ein ums andere mal aufschreibt?

    Genau ins Schwarze getroffen.
    Aber wahrscheinlich kommen diese linken Schwachköpfe der Antwort auf diese Frage auch nicht ansatzweise nahe. Sonst wären sie ja auch keine Linken.

  19. Um es kurz zu machen: Wie blöd muss man sein auf die Prosa die der “Preisträger” verbrochen reinzufallen statt Sie als das zu erkennen was Sie ist? Märchenstunde.

    Dann noch dieser Begründung zum Rücktritt. Wenn Sie so gemeint ist IQ 75 oder drunter, stimmt Sie nicht, Lügenpresse.

    Aber was soll man auch von einer Presse erwarten die Ultrazentrifugen auf LKWs ungefragt hinnimmt oder so dummes Zeug wie die britische “Nervengasaffäre” druckt, Beobachtungsstellen zitiert oder in einem (unfruchtbaren) Uterus eine #Raute# erkennt.

  20. Wirklich interessant wäre mal eine Aufstellung, ab welcher Anzahl verkaufter Exemplare eine Zeitung auf ihre Print Ausgabe verzichten muss.
    Spiegel verkauft ja mittlerweile nur noch 180.000 “hart”. Der Rest wird zum Dumpingpreis an Krankenhäuser, Flughäfen und Bahnhöfen verscherbelt. Bei der taz war bei geringerem Personal es bei 50.000 soweit. Evtl. kommt der Spiegel bald an die kritische 100.000 Marke ran. Dann wirds interessant, ob Ideologie bis zum Selbstmord geht.

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