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Facebook-Medien-Report, Teil 7: Nach den großen Interaktions- und Traffic-Verlusten – ist Twitter die Alternative?

Der Facebook-Medien-Report von MEEDIA: Wie wirken sich die Algorithmusänderungen von Facebook auf Medienseiten aus?
Der Facebook-Medien-Report von MEEDIA: Wie wirken sich die Algorithmusänderungen von Facebook auf Medienseiten aus?

MEEDIAs Facebook-Medien-Report hat aufzeigt, dass die deutschsprachigen Medien-Seiten auf Facebook massiv unter den Algorithmus-Änderungen leiden. Im 12-Monats-Vergleich haben sie fast die Hälfte ihrer Interaktionen verloren. Bitter: Damit ging auch viel Traffic für die eigenen Websites verloren, den man durch das Teilen von Artikeln eingesammelt hatte - und damit indirekt auch Werbe-Umsätze. Könnte die Lösung Twitter heißen?

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Die Zahl der Social-Media-Alternativen, die den Medien gleichzeitig ein großes Publikum auf den Plattformen und Besucher für die eigenen Websites bringen, ist überschaubar. So lassen sich auf Instagram mit normalen Foto-Posts weiterhin keine Links teilen. Wie viel Traffic Instagram-Stories den einzelnen Medien bringen, ist angesichts fehlender Daten-Transparenz durch Instagram nicht objektiv nachprüfbar. Bleibt Twitter: Unter Journalisten war und ist der Kurznachrichten-Dienst seit jeher – auch in Deutschland – extrem populär. Doch wie sieht es generell aus? Wächst das Publikum für Medien-Inhalte hier gegen den Facebook-Trend?

Um diese Fragestellung zu beantworten, haben wir wiederum mit Hilfe des Social-Media-Analyse-Tools Crowdtangle eine Liste von 500 der populärsten Twitter-Accounts deutschsprachiger Medien untersucht. Journalistische Medien wurden ebenso in die Liste aufgenommen, wie Satire-Accounts à la Postillon oder heute-show, Accounts von TV-Sendungen und -Sendern oder Radiokanälen. Nicht in die Wertung kamen aber Einzelpersonen wie Journalisten oder Moderatoren.

Zwar ist mangels früherer Daten kein Langzeit-Vergleich über viele Jahre möglich, doch für die jüngsten zwei Jahre liefert Crowdtangle verlässliche Zahlen. Und das Ergebnis ist durchaus interessant: Im Oktober 2016 erreichten die 500 untersuchten Accounts noch 1,65 Mio. Likes und Retweets mit ihren veröffentlichten Tweets, im Oktober 2017 waren es 2,44 Mio. und im Oktober 2018 immerhin 2,99 Mio. Ein Plus von 22,5% gegenüber dem Vorjahr und eins von 81,2% gegenüber 2016.

Offenbar wächst die Popularität von Twitter im deutschsprachigen Raum also durchaus. Den Verlust des Faktors Facebook kann Twitter dennoch nicht ausgleichen. Zwar ist ein direkter Vergleich unserer Untersuchungen wegen verschiedener Grundgesamtheiten problematisch, doch die 1.500 von uns untersuchten Facebook-Seiten schrumpften innerhalb der 12 Monate von 100,85 Mio. auf immer noch 56,81 Mio. Interaktionen, die 500 Twitter-Accounts legten im gleichen Zeitraum von 2,44 Mio. auf lediglich 2,99 Mio. zu.

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Auch der Blick auf einige der erfolgreichsten Accounts journalistischer Medien bestätigt den Trend: Der Haupt-Twitter-Account von Zeit Online steigerte sich von 60.900 auf 70.100 Likes und Retweets, der von ZDF heute von 36.800 auf 69.200, der von Spiegel Online von 53.600 auf 68.300 und der der Süddeutschen Zeitung von 37.000 auf 55.700 Interaktionen. Im Minus liegen unter den zehn größten journalistischen Marken lediglich die Tagesschau, die im Oktober 2017 mit 124.400 Likes und Retweets aber auch überdurchschnittlich stark war und nun mit 100.000 immer noch vor allen anderen liegt, sowie die Welt aus dem Hause Springer.

Ein etwas langfristigerer Blick ist mit Hilfe von 10000 Flies möglich. Die Social-Media-News-Charts (Offenlegung: Ich, Jens Schröder, bin Mitbetreiber) erfassen seit über fünf Jahren sämtliche Interaktionen, die deutschsprachige Medien mit ihren Artikeln auf Facebook und Twitter erreichen. Wichtig: Dabei ist es egal, ob diese Interaktionen auf eigenen Facebook- oder Twitter-Präsenzen stattfinden oder sonstwo in den beiden sozialen Netzwerken. Hier zeigt sich ein ähnlich positiver Trend für Twitter: Von 1,25 Mio. Interaktionen für die Artikel deutschsprachiger Medien im Oktober 2013 ging es über 1,66 Mio. (Oktober 2014), 2,03 Mio. (Oktober 2015), 2,25 Mio. (Oktober 2016) und 2,49 Mio. (Oktober 2017) auf nun 3,15 Mio. Likes und Shares für Artikel-URLs im Oktober 2018 hinauf. Da die Facebook-Zahl gleichzeitig schrumpft, liegt der Interaktions-Marktanteil von Twitter gegenüber Facebook bei Artikel-URLs deutschsprachiger Medien nun bei 6,5% gegenüber 93,5%. Vor einem Jahr waren es für Twitter noch 4,6%. Die 6,5% zeigen aber auch, dass Facebook weiterhin die klare Nummer 1 in Sachen Interaktionen für Artikel ist.

Auch wenn Twitter also die Facebook-Verluste in Sachen Interaktionen und Traffic nicht ausgleichen kann, so ist das Netzwerk für Medien-Inhalte dennoch ein verlässlicherer Partner. Abgesehen von einigen hervorgehobenen Tweets, die die Nutzer zuerst sehen, wenn sie Twitter.com besuchen, ist der Charakter der Twitter-Timeline nach wie vor auf chronologische Sortierung ausgerichtet – und das wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch so bleiben. Ist die Timeline mit Posts für Facebook nur EIN Feature, an dem immer schon herumgedoktert wurde, ist sie für Twitter DAS Feature. Eine komplett auf Algorithmen ausgerichtete Änderung der Timeline-Sortierung würde alles zerstören, was Twitter ausmacht: den Echtzeit-Charakter, die Stärke als Breaking-News-Medium, die demokratische Sortierung, die 2-Follower-Accounts gleichberechtigt mit 2-Millionen-Follower-Accounts anzeigt. Die Zuwächse in Sachen Interaktionen sollten Medien auch hierzulande also darin bestärken, Twitter als Plattform für ihre Inhalte zu fördern.

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