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Heftpreis steigt auf 28 Euro: Wie W&V 2019 mit einer Hochpreis-Strategie den Weg aus der Krise sucht

W&V-Verlagschef Christian Meitinger
W&V-Verlagschef Christian Meitinger

Werben & Verkaufen, Marktführer unter den Print-Magazinen der Kommunikationsbranche, versucht mit einer neuen Vertriebsstrategie den Befreiungsschlag. Obwohl der Verlagschef Christian Meitinger ab 2019 nur noch 15 Printausgaben herausgeben will, soll das Jahres-Abo unverändert 419 Euro kosten. Damit würde der Preis pro Heft auf 28 Euro klettern. Das Modell ist gewagt. Doch auch das ehemalige G+J-Unternehmermagazin Impulse fährt eine ähnliche Hochpreis-Strategie – mit Erfolg.

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Es ist ein ambitioniertes Vorhaben. Bislang erscheint das Fachblatt Werben & Verkaufen wöchentlich. Damit ist ab 2019 Schluss. Künftig soll die Agenturszene jährlich nur noch 15 gedruckte Exemplare pro Jahr erhalten. Statt den Abo-Preis aber an die deutlich geringere Erscheinungsfrequenz anzupassen, bleibt dieser für das zur Stuttgarter Südwestdeutschen Medien Holding GmbH (SWMH) gehörende Fachblatt unverändert bei jährlich 419 Euro. Dies bestätigt eine SWMH-Sprecherin gegenüber MEEDIA. Damit würde der Preis pro gedruckter Ausgabe umgerechnet auf 28 Euro hochschnellen. Bislang lag er bei etwas mehr als 8 Euro. Geplant sei, das Magazin nicht am Kiosk zu vertreiben. „W&V wird im Abo angeboten“, heißt es.

Dafür soll der Umfang des Magazins von jetzt rund 60 auf deutlich mehr als 100 Seiten steigen. „Es sind mindestens 15 Ausgaben mit deutlich erhöhtem Mehrwert und Nutzwert geplant“, betont eine SWMH-Sprecherin gegenüber MEEDIA. Neben dem Umfang soll sich „auch die Ausstattung und die Heftstruktur ändern“, heißt es weiter. Fraglich ist, ob sich die Abonnenten hierauf einlassen. Zuletzt hatte der Absatz des Heftes bereits kräftig Federn gelassen. So sank die verkaufte Auflage im 3. Quartal 2019 um fast 16 Prozent auf 21.236 Exemplare. Auch die Abo-Auflage des B2B-Titels gab in dem Zeitraum um mehr als fünf Prozent nach.

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Dennoch ist eine solche Hochpreis-Strategie in der Branche nicht neu. Auch für das Unternehmermagazin Impulse zahlen die Abonnenten einen stolzen Preis. Hier müssen Bezieher der Zeitschrift inzwischen für zehn Printausgaben im Jahr insgesamt 199 Euro auf den Tisch blättern, also pro Heft 19,90 Euro. Mehrfach hatte Mitinhaber Nikolaus Förster das Jahres-Abo für das ehemalige Gruner + Jahr-Wirtschaftsmagazin verteuert. Dies rechtfertigt der Verleger damit, dass er Impluse als Premium-Titel positioniert. Er wirbt mit Nutzwertjournalismus, der seinen Leser sogar konkrete finanzielle Vorteile einbringen soll. Zwar geriet Förster mit seinen Kurs im hart umkämpften Segment der Wirtschaftspresse unter Verkaufsdruck, aber nicht so stark wie in der Branche erwartet. So sank die verkaufte Auflage im 3. Quartal 2018 gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal von 73.304 auf 72.397 Exemplare, die Zahl der Abos gab im dem Zeitraum von 35.480 auf 33.795 Exemplare nach.

In der W&V-Redaktion ist die Stimmung indes gedrückt. Gerüchte, wonach der Verlag seinen Mitarbeitern angeboten haben soll, sich die Höhe möglicher Abfindungszahlungen ausrechnen zu lassen, weist das Medienhaus zurück. Dennoch gehen Branchenkenner davon aus, dass der Verlag massiv auf die Kostenbremse drückt. Eine Maßnahme bestätigt eine SWMH-Sprecherin. Werben & Verkaufen plane, das Berliner Korrespondentenbüro zu schließen. Die Fachzeitschriften-Gruppe schreibt seit Jahren rote Zahlen. Bei der zuletzt veröffentlichten Bilanz wies das Unternehmen für 2015 einen Jahresfehlbetrag von rund 1,3 Millionen Euro aus.

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