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Facebook-Medien-Report, Teil 6: Interaktions-Verluste auch abseits der Medien, viele ziehen Konsequenzen

Der Facebook-Medien-Report von MEEDIA: Wie wirken sich die Algorithmusänderungen von Facebook auf Medienseiten aus?
Der Facebook-Medien-Report von MEEDIA: Wie wirken sich die Algorithmusänderungen von Facebook auf Medienseiten aus?

Die bisherigen Analysen des Facebook-Medien-Reports von MEEDIA haben gezeigt, dass deutschsprachige Medien-Seiten auf Facebook massiv Interaktionen verloren haben, seit das Social Network seine Algorithmen verändert hat. In Teil 6 zeigen wir, dass auch Facebook-Seiten jenseits der Medien deutliche Verluste erlitten haben. Einige davon haben die Zahl der Facebook-Posts inzwischen deutlich heruntergefahren.

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In den bisherigen fünf Teilen des Facebook-Medien-Reports drehten sich unsere Analysen vornehmlich um 1.500 Facebook-Seiten deutschsprachiger Medienmarken. Doch wie entwickelten sich im gleichen Zeitraum die anderen Pages? Die von Marken, Personen, Promis, Fußballclubs? Um zu schauen, ob Medien von Facebook besonders abgestraft werden oder ob der Abwärtstrend alle Facebook-Seiten gleichermaßen betrifft, haben wir eine neue Grund-Gesamtheit von 3.800 der größten deutschsprachigen Facebook-Seiten gebildet. Darunter zum Vergleich auch Medien-Seiten, aber nicht alle 1.500 aus den bisherigen Reports. Wichtig: Es sind nicht nur Seiten darunter, die jetzt erfolgreich sind, sondern auch viele, die vor zwei, drei Jahren erfolgreich waren und es jetzt womöglich nicht mehr sind. Nur so ist ein Blick auf die langfristigeren Entwicklungen möglich.

Die 3.800 Seiten bestehen aus einem Querschnitt von all dem, was bei Facebook erfolgreich war bzw. ist: Fußballvereine, Schauspieler, Seiten mit Witzen, Zitaten, nutzlosem Wissen, Handelsmarken, Konzerne und und und. Zu allererst haben wir wieder den Komplettvergleich ermittelt: Wie haben sich die Gesamt-Interaktionen all dieser 3.800 Pages im Laufe der vergangenen Jahre entwickelt? Wie schon bei den Medien-Seiten haben wir auch hier den Oktober 2018 in den Mittelpunkt gestellt: 135,14 Mio. Likes, Reactions, Shares und Kommentare erreichten die 3.800 Seiten in diesem Monat mit ihren Facebook-Posts. Eine eindrucksvolle Zahl.

 

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Einiges an Kraft verliert die Zahl von 135,14 Mio. beim Vergleich mit den Vorjahren: Im Oktober 2017 erreichten die gleichen 3.800 Seiten noch 247,11 Mio. Interaktionen, im Oktober 2016 heftige 358,74 Mio. und im Oktober 2015 sogar 363,50 Mio. Die Zahl der veröffentlichten Posts ist in diesem Zeitraum von Oktober 2015 zu Oktober 2018 ziemlich gleich geblieben: Aus 10.800 wurden 10.500 Posts pro Tag. Im Oktober 2016 – auf dem Höhepunkt des Facebook-Hypes – lag diese Zahl allerdings bei 13.500, im Oktober 2017 bei 11.900. Ein erster Hinweis darauf, dass die Aktivität der Seiten-Betreiber auf Facebook insgesamt nachlässt.

Große Verluste

Im Vergleich zum Vorjahr erreichten die 3.800 analysierten Facebook-Seiten damit 45,3% weniger Interaktionen mit ihren Posts. Zur Erinnerung: Die 1.500 Medien-Seiten lagen – siehe Teil 1 des Facebook-Medien-Reports – 43,7% unter dem Oktober 2017. Offenbar haben sich also die Facebook-Pages insgesamt ähnlich negativ entwickelt – egal, ob eine Medienmarke dahinter steckt oder nicht. Letztlich bestätigt diese Erkenntnis die Ankündigungen von Facebook, denn der Social-Media-Gigant wollte ja persönliche Posts von Freunden und Familien beim Einspeisen in die Timelines allen Facebook-Pages vorziehen – und nicht nur denen von Medien.

Wie bei den Medien gibt es auch abseits davon Extrembeispiele. Unter den Facebook-Seiten, die im Oktober 2017 noch mehr als 100.000 Interaktionen mit ihren Posts erzielten – das waren mehr als 500 der 3.800 Seiten – verloren viele sogar 80% und mehr ihrer Likes, Shares & Co. Einige der größten Verlierer:

  • Oreo -96,9% (von 453.608 auf 13.954)
  • Daniel Aminati -95,2% (von 724.123 auf 34.816)
  • “Kämpf weiter, egal wie verletzt du bist.” -92,1% (von 640.398 auf 50.595)
  • DeinUpdate – Das Magazin -91,6% (von 549.085 auf 45.856)
  • Ab-in-den-urlaub.de -89,6% (von 203.364 auf 21.176)
  • Eurowings -88,1% (von 216.973 auf 25.908)
  • Marvel -85,1% (von 141.172 auf 20.999)
  • Jodel – Die hyperlokale App -84.6% (von 1.566.882 auf 242.076)
  • Star Wars -82,7% (von 198.309 auf 34.267)
  • mydealz -79,2% (von 112.216 auf 23.330)

Die Bandbreite der Seiten deutet bereits an, dass kein echtes Schema zu erkennen ist: Nicht Promis oder Marken oder Seiten mit Gags, Sprüchen oder Viralvideos haben besonders verloren – sondern Seiten aus allen Segmenten.

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Konsequenzen

Interessant ist der Blick auf die Entwicklung der Post-Anzahl. So haben diverse Betreiber von Facebook-Seiten offenbar schon auf den Trend der schrumpfenden Interaktionen reagiert und die Zahl ihrer veröffentlichten Posts heruntergeschraubt. Beispiel Bayern München: Der Fußballclub hat seine Facebook-Aktivität seit Anfang des Jahres eingeschränkt. Auf der deutschen Facebook-Seite wurden im Oktober noch 108 Posts veröffentlicht, ein Jahr zuvor waren es noch 230. Eine Folge der Algorithmus-Änderungen, die dazu führten, dass auch Fußball-Clubs nicht mehr so viele Fans auf Facebook erreichen wie noch vor ein, zwei Jahren?

Auch andere Seiten, die vor einem Jahr zu den erfolgreichsten deutschen Facebook-Pages gehörten, veröffentlichen teilweise weniger – insbesondere solche, die zuvor zu den größten Interaktions-Verlierern gehörten. Promis wie Elyas M’Barek, Sarah Lombardi, Til Schweiger oder Bushido sind darunter, viele Fußballer und zahlreiche Seiten, die mit dem Posten von Lustigem aller Art große virale Erfolge feierten bis Facebook gegensteuerte.

Medien hingegen posten nicht viel weniger als noch vor einem Jahr. Sie treffen die Algorithmus-Änderungen trotz ähnlicher Interaktions-Verluste ja auch schwerer, schließlich diente Facebook nicht nur als Plattform für Likes, sondern vor allem auch als Traffic- und damit indirekt auch Umsatz-Bringer für die eigenen Websites. Fußball-Clubs, Unternehmen oder Promis hingegen ist der Traffic für die eigenen Websites eher egal, hier geht es vornehmlich um eine Steigerung der Bekanntheit. Funktioniert das dann auf Facebook nicht mehr so gut, schraubt man seine Aktivität eben nach unten.

Gegenbeispiele

Doch wie schon bei den Medien gibt es auch abseits davon Facebook-Seiten, die ihre Interaktionen bei gleich bleibender Aktivität gegen den Trend sogar steigern konnten. Dazu zählt z.B. der Otto-Versand mit einem Plus von 150%, auch Fußballclubs wie Eintracht Frankfurt und Werder Bremen, die Deutsche Knochenmarkspenderdatei, aber auch Facebook-Seiten wie “Schnell selbst gemacht für wenig Geld” oder “Das musst du gesehen haben ;-)” Hier Zusammenhänge herauszufiltern ist schwierig, denn für alle Segmente und Nischen gibt es immer auch Gegenbeispiele von Seiten, die massiv verloren haben.

Letztlich hat nur Facebook selbst einen kompletten Einblick in seine Algorithmen und weiß, welche Änderungen zu welchen Folgen führen. Der Blick auf die 3.600 Seiten zeigt aber wie schon zuvor der auf die 1.500 Medien-Seiten vor allem eins: Die Zeit des Facebook-Hypes ist für Seiten-Betreiber vorbei. Auch wenn einige zulegen, könnten sie schon morgen ebenfalls zu den Verlierern gehören. Medien, Marken, Unternehmen, so genannte “Influencer”: Sie sollten lernen, dass man sich nie zu abhängig von einzelnen Internet-Plattformen machen sollte. Das böse Erwachen kommt früher oder später immer.

Zur Methodik: MEEDIA hat mit Hilfe des Social-Media-Tools Crowdtangle die Likes, Reactions, Shares und Kommentare untersucht, die 3.600 deutschsprachige Facebook-Seiten mit ihren Posts erreicht haben. Die Wahl fiel auf Crowdtangle, da das Ende 2016 von Facebook gekaufte Tool die zuverlässigsten, genauesten und aussagekräftigsten Zahlen zum Geschehen auf Facebook liefert.

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