Partner von:
Anzeige

Oliver Wurms Print-Weihnachtsmärchen: Grundgesetz als Magazin ist ein Renner, Verlag druckt 60.000 Hefte nach

Freuen sich über die Resonanz auf ihr mutiges Magazin-Projekt: Selfmade-Verleger Oliver Wurm (re.) und Andreas Volleritsch
Freuen sich über die Resonanz auf ihr mutiges Magazin-Projekt: Selfmade-Verleger Oliver Wurm (re.) und Andreas Volleritsch

Das Grundgesetz als Magazin – mit dieser Idee sorgte der Journalist Oliver Wurm Ende November in der Branche für eine Mischung aus Verwunderung und Kopfschütteln. Konnte solch ein Kiosk-Experiment gutgehen? Die Antwort: Ja, es kann, und wie! Tatsächlich liefert der Selfmade-Verleger so etwas wie das Print-Weihnachtsmärchen anno 2018 und druckt nun kurzfristig 60.000 Exemplare für den Handel nach.

Anzeige

Die Idee zu der Zeitschrift mit dem bald 70 Jahre alten Inhalt war früheren Max-Redakteur Wurm gekommen, als er eine Talkshow mit Ranga Yogeshwar sah, in der der Wissenschaftsjournalist das “GG” als “schönste Verfassung der Welt” lobte und anregte, dass jeder sie mal lesen solle. An diesem Vorhaben allerdings scheiterte Wurm trotz aller Motivation. Die “Bleiwüste” habe er als “unlesbar” empfunden, obwohl das Artikelwerk sowohl gedruckt wie digital auf verschiedenste Weise gratis verfügbar sind. Dabei, so Wurm, seien viele der Inhalte “geradezu visionär”.

Der Rest ist (Magazin-)Geschichte: Zum im Mai anstehenden Jubiläum der deutschen Verfassung bereitete Wurm den Originaltext im Zeitschriftenlayout auf, angereichert mit Grafiken und Erklärtexten. Das Projekt ging er zusammen mit dem Designer Andreas Volleritsch an, der hälftig auch das verlegerische Risiko trägt. Die gedruckte Auflage zum Start lag bei 100.000 Exemplaren, das 124 Seiten starke Heft kostet zehn Euro. MEEDIA berichtete darüber bereits zum Verkaufsstart im November. 

Trotz des hohen Copypreises scheint Wurm mit seinem Konzept, die Verfassung vor allem durch gestalterische Elemente (neben Infografiken und Typo-Variationen u.a. Weltraum-Fotos von Astronaut Alexander Gerst) leichter zugänglich zu machen, einen Volltreffer gelandet zu haben. Bereits in der vergangenen Woche vermeldete der Fachdienst Der neue Vertrieb erstaunliche Heftbewegungen des Magazins mit dem Uralt-Inhalt, dem viele Insider eher eine Rolle als Ladenhüter prognostiziert hätten. Das GG-Magazin feiere “schon jetzt große Erfolge im Handel”, und das, obwohl der 70. Jahrestag erst am 23. Mai 2019 anstehe, diagnostizierten die DNV-Vertriebsprofis. Das Zitat eines Grossisten für den Bahnhofsbuchhandel illustriert dies:

Anzeige

Das Grundgesetz als Magazin ist derzeit einer unserer Top Seller. Er passt sehr gut zu unserem Vertriebskanal Bahnhofsbuchhandel. Mit unserem breiten Sortiment und dem Schwerpunkt Special Interest leisten wir einen sehr wichtigen Beitrag für die Pressevielfalt und damit für die Pressefreiheit in Deutschland. Wir haben in kürzester Zeit mehr als 3.000 Exemplare verkauft. Wegen der großen Nachfrage mussten wir an einigen Standorten bereits nachbestellen. Mehrfach haben Lehrer für ihre Schulklassen gleich bis zu 20 Exemplare gekauft, eine Richterin erwarb mehrere Exemplare für ihre Azubis als Weihnachtsgeschenk.

Ein baden-württembergischer Lieferant für den Bahnhofsbuchhandel berichtete DNV neben enormen Absatzzahlen in den ersten Verkaufstagen auch eine erfreulich “hohe Quote von Koppelkäufen” mit Spiegel, Zeit oder SZ. Aufgrund der hohen Nachfrage entschieden sich Wurm und Volleritsch, noch in diesem Jahr nachdrucken zu lassen. 60.000 weitere Hefte sollen spätestens Anfang Januar verfügbar sein. „Bis zum Jahreswechsel haben wir noch ausreichend Hefte im Handel und auch eine größere Restmenge im Lager – aber die Nachfrage ist so stark, dass ein Nachdruck nun nicht annähernd so mutig ist wie die 100.000er Auflage zum Start”, so Wurm zu MEEDIA, “mein Gefühl sagt mir: da baut sich eine echte Welle auf. Das freut mich natürlich riesig: Und wenn das so ist, dann muss man dieser Welle auch nachspüren.

Den Absatz an den Verkaufsstellen dürfte auch das umfangreiche Medienecho zum Magazin-Start beflügelt haben. So haben sich Leitartikler wie Heribert Prantl (“Haute Couture für die Verfassung”) mit dem Projekt befasst, ebenso FAZ, Spiegel Online und zahlreiche regionale Medien. Dabei hatte Wurm vor dem Launch sogar bekannt, dass sein Magazin gar keine keine spezifische Zielgruppe habe und stattdessen orakelt: “Jung und Alt sollten es lesen, Arm und Reich, Professoren und Arbeiter.” Er selbst habe das Grundgesetz auch lange Zeit nicht zur Hand genommen. “Das letzte Mal hatte ich in der Schulzeit da reingeguckt”, sagt Wurm.

Gegenüber MEEDIA räumt der Selfmade-Verleger rückblickend ein, anfangs durchaus “nervös” gewesen zu. Nun pusht er sein auf das GG-Magazin zugeschnittenes Vermarktungsprinzip mit einer Logo-Wand für 70 Partner pro Druckauflage. Wurm: “Die Idee: Jeder Partner zahlt – ebenfalls symbolisch angelehnt an das Gründungsjahr 1949 des GG – einmalig 1.949 Euro und erhält dafür im vollen Gegenwert zum Verkaufspreis Hefte, also 195 Hefte frei Haus.” Mit dieser Maßnahme will der Journalist die Abnahme größerer Mengen durch Unternehmen als Geschenke für Mitarbeiter oder Kunden befördern. Als “Partner” in Wurms Visier: “Mittelständler, DAX-Riesen, Kreativagenturen, Verbände, Vereine.”

Durch die “Unterstützer” solle die Idee „Grundgesetz für alle“ aufgehen – und natürlich auch die Erfolgsrechnung des Erfinders. Der verlegerische Mut von Wurm und Volleritsch jedenfalls scheint sich beim GG-Magazin mit dem angeblich ja bereits allseits bekannten Content entgegen aller Branchenregeln auszuzahlen. Und zumindest für die Weihnachtszeit 2018 ist im Print-Geschäft frei nach Helmut Schmidt eine neue hinzugekommen: Wer Visionen hat, sollte damit zum Arzt gehen – oder an den Kiosk.

(ga)

 

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Gut, habe es verstanden: Das GGmagazin kaufen, verschenken oder selber behalten. Lesen. Und dann?

    1. Wie: “und dann ” ?

      Das wohlige Gefühl der guten Tat stellt sich ein bei:

      kaufen, verschenken oder selber behalten.

      Sowas läßt sich kommunizieren und bestaunen, so wie bei diesem Artikel bereits zu beobachten. Ohne deswegen den Inhalt zur Kenntnis nehmen zu müssen. Damit entsteht das Eigenleben einer Öffentlichkeitswirksamen, dabei gleichzeitig irreführenden Botschaft von bestehendem Interesses am Grundgesetz.

      Etwa entfernt ähnlich wie mit der Bibel zu Hause….. die liegt da rum, aber mittlerweile scheint es selbst Kardinälen peinlich zu sein, mit dem Inhalt in Zusammenhang gebracht werden zu können. Das Grundgesetz, als Zierbroschüre für den Illustriertenständer.

      Immerhin.

      Für die wenigen unserer Elite, die das Grundgesetz tatsächlich kennen droht eine winzige Irritation Dennoch sollten die den Stab über Oliver Wurm nicht zu vorbeugend brechen. denn dieser dürfte als von Russen gesteuerter Nazi-Populist kaum durchgehen. man wird ihn also trotz allen Kitzels feiern müssen. Immerhin steht – warum auch immer – über dem Grundgesetz ja auch noch der EuGH und die EU-Charta.

      Vielleicht ist es also nur Nostalgie. Oder ein pfiffiger Ansatz für Merkel-Eliten, irgendwann später einmal darauf verweisen zu können, wonach sogar während ihrer Regentschaft das Grundgesetz sich allgemeiner Verbreitung erfreut habe, mithin niemand sagen könne, wonach lediglich alles nun so sei, wie es halt gekommen ist.

      Vielleicht könnte Oliver Wurm demnächst mit einem geeigneten Verlagshaus – Bertelsmann ? – eine Prunk- Ausgabe des Grundgesetzes herausgeben. Aber bitte nur Gold. Kein Schwarz- Rot-Gold, so genau soll man das Grundgesetz garnicht mehr in Anspruch nehmen.

      1. Willi Wahnsinn

        O.k., dann warte ich auf die Prunkausgabe des Grundgesetzes in Gold. Ich liebe Gold. Schaut dann auch superer aus in meinem Bücherschrank.

    2. und dann ?

      Feststellen, dass die Politik der Bundesregierung im Widerspruch zum GG steht und dies von Presseerzeugnissen wie Spiegel, Zeit oder SZ einfach so hingenommen wird.

      1. Jesus

        Ach so, deshalb. Ist eh eine gute Idee. Also Aufklärungsarbeit, aber sollten das dann nicht alle lesen und verstanden bekommen.

      2. @Gangsterwally

        Geniale Aktion, den subversiven Character haben die Leute aus Prantlhausen natürlich nicht im Ansatz verstanden.

  2. >Das Zitat eines Grossisten für den Bahnhofsbuchhandel illustriert dies:

    “Bahnhofsbuchhandel:

    Im Pressevertrieb nimmt der Bahnhofsbuchhandel (BB) aufgrund besonderer Anforderungen und Bestimmungen einen gesonderten Status ein.

    Entgegen anderer Verkaufsstellen wird der BB nicht über einen Grossisten sondern vom Verlag direkt beliefert. ”

    @Meedia Bitte um Aufklärung

    1. In ganz und für ganz Karlsruhe bräuchte man nur EIN Exemplar, oder ist dort genau einer noch ohne eins? Warum das denn? Es sollten doch alle eins haben, unabhängig von Geschlecht, Profession, Einkommen, Religion, Herkunft. Bin irritiert.

  3. So wird dieses Druckerzeugnis wohl das Schicksal mit Hitler’s “Mein Kampf” als Dekoartikel teilen…

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia