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Clickbait-Knüppel aus dem Sack! Wie Medien ein harmloses Knecht-Ruprecht-Zitat ausnutzen

Grünen-Politikerin Josefine Paul, Knecht-Ruprecht-Alarmismus in den Medien
Grünen-Politikerin Josefine Paul, Knecht-Ruprecht-Alarmismus in den Medien

Der Social-Media-Aufreger des Tages hieß am gestrigen Donnerstag Knecht Ruprecht. Grund war ein Artikel der Rheinischen Post, in dem verschiedene Menschen sagen, dass der Knecht des Nikolaus nicht mehr zeitgemäß sei. U.a. wird eine Grünen-Politikern mit den Worten zitiert, Knecht Ruprecht “passe nicht mehr in das heutige Bild der Kindererziehung.” Zahlreiche Medien nutzten die Vorlage, um mit überdrehten Überschriften auf Klickfang zu gehen.

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Kinder sollten am Nikolaustag keine Angst haben, so Josefine Paul, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im NRW-Landtag ist und die sich auch im Kinderschutzbund engagiert. Wörtlich wird sie in dem RP-Artikel u.a. wie folgt zitiert: “Vielleicht kann Knecht Ruprecht auch besser beim Tragen der Süßigkeiten helfen, anstatt mit der Rute zu drohen.” Andere Befragte in dem Artikel sehen das ähnlich.

Die Gruppe von Menschen, die das Thema zum Aufreger machte, war wieder einmal das Umfeld der AfD. So schrieb die AfD Sachsen-Anhalt auf Facebook: “Ich halte eher die Grünen für nicht mehr zeitgemäß….“, die AfD Rheinland-Pfalz bezeichnet die Äußerungen der Grünen Politikerin als “Kulturmarxismus im Galopp: Grüne, die mit jeder Facette des Islams kein Problem haben, machen rituell unsere Kultur verächtlich, und das an Nikolaus.” Und der AfD-Bundestagsabgeordnete Petr Bryston griff direkt in die Beleidigungskiste: “Kinderlose Homosexuelle wissen eben am besten, wie man Kinder erzieht! Na dann, schönen #Nikolaustag!

Und zahlreiche Medien sprangen auf und sorgten mit teils überdrehten Headlines, dafür, dass das Bild entstand, die Grünen wollten eine vorweihnachtliche Tradition abschaffen. Den Vogel schoss der Bild-Kommentar von Frank Schmiechen ab, der auf der Homepage der Boulevardzeitung sogar überschrieben war mit “Grünen-Politikerin will Nikolaus abschaffen” – dabei ging es doch um Knecht Ruprecht.

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Der Artikel der Rheinischen Post selbst wurde nicht zum großen Aufreger. Dafür ist er vermutlich zu ausgewogen und zu wenig reißerisch. Stattdessen liegen Medien vorn, die – wohl, weil sie genau wissen, wie sie die Headline formulieren müssen, um möglichst viele Klicks zu bekommen – die Grünen-Politikerin in die Überschrift packten und nicht die anderen Aspekte und Zitate des RP-Artikels. So holte die Welt mit “Grünen-Politikerin: ‘Knecht Ruprecht ist nicht mehr zeitgemäß’” 19.700 Interaktionen auf Facebook und Twitter, Bild mit “Wegen psychischer Gewalt – Grünen-Politikerin will Knecht Ruprecht abschaffen” 6.200, Focus Online mit “Bayreuth – Nicht mehr zeitgemäß: Grünen-Politikerin will ‘Knecht Ruprecht’ abschaffen” 3.600. [Das “Bayreuth” kommt übrigens daher, dass man den Artikel von inFranken.de re-publizierte. Der Inhalt des Artikels selbst hat mit Bayreuth nichts zu tun.] Und auch Spiegel Online weiß, wie man Klicks und Likes bekommt: “Drohungen an Nikolaus: Grüne Politikerin findet Knecht Ruprecht nicht mehr zeitgemäß” erreichte 3.500 Interaktionen.

(js)

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