Partner von:
Anzeige

Facebook-Medien-Report, Teil 4: “Alternativmedien” leiden nicht unter Facebooks Algorithmus-Änderungen

Der Facebook-Medien-Report von MEEDIA: Wie wirken sich die Algorithmusänderungen von Facebook auf Medienseiten aus?
Der Facebook-Medien-Report von MEEDIA: Wie wirken sich die Algorithmusänderungen von Facebook auf Medienseiten aus?

In den ersten drei Teilen des Facebook-Medien-Reports, den MEEDIA aus Daten von 1.500 Facebook-Seiten deutschsprachiger Medien erstellt hat, wurde deutlich, dass die meisten massiv an Likes und Shares verloren haben, seit Facebook entsprechende Veränderungen an seinem Algorithmus vorgenommen hat. Ein Segment, dass weitgehend schadlos davongekommen ist, ist das der selbst ernannten "Alternativmedien", die insbesondere in rechten Kreisen sehr beliebt sind.

Anzeige

Im Laufe der vergangenen Jahre sind diverse Medien insbesondere auf Facebook populär geworden. Teilweise, weil sie immer wieder von AfD-Politikern und Seiten wie Pegida & Co. geteilt wurden. Dazu gehören russische Staatsmedien wie RT Deutsch oder Sputnik Deutschland, die Epoch Times, aber auch Medien aus Deutschland von rechts-konservativ über populistisch und alarmistisch bis weit rechts. Von journalistischen Marken wie Tichys Einblick und Junge Freiheit reicht das Spektrum hier über das Blog Philosophia Perennis, das Compact Magazin bis hin zu Seiten wie journalistenwatch.com und anonymousnews.ru. Entsprechende Seiten auf der linken Seite gibt es in dieser Form und mit diesen Erfolgen nicht, weswegen sie in unserer Analyse auch nicht auftauchen.

In den sozialen Netzwerken sind diese Websites überdurchschnittlich erfolgreich – nicht nur wegen ihrer eigenen Accounts und Pages, sondern auch, weil die sehr aktive Zielgruppe ihre Inhalte extrem weiter verbreitet. Für den viertel Teil des Facebook-Medien-Reports haben wir uns die Posts von 25 in diesem Umfeld populären Facebook-Seiten angeschaut, um zu analysieren, ob diese von Fans und von Machern als “Alternativmedien” bezeichneten Marken von Facebook in ähnlichem Maße abgestraft wurden – oder in Zeiten der Fake-News-Debatten sogar deutlicher als andere Medien.

Doch überraschenderweise ist das Gegenteil der Fall: Von den 10 nach Interaktionen größten der analysierten Facebook-Seiten verloren nur drei im Jahres-Vergleich Oktober 2018 vs. Oktober 2017 Likes, Reactions, Shares und Kommentare mit ihren Inhalten: die Junge Freiheit, Sputnik Deutschland und journalistenwatch.com. Alle anderen sieben gewannen zum Teil deutlich dazu:

  • RT Deutsch: +13,8% (von 546.926 auf 622.308 Interaktionen)
  • The Epoch Times – Deutsch: +24,2% (von 377.504 auf 468.937)
  • Wochenblick: +44,8% (von 132.198 auf 191.369)
  • Junge Freiheit: -6.8% (von 138.985 auf 129.504)
  • Sputnik Deutschland: -58,4% (von 305.895 auf 127.174)
  • Tichys Einblick: +30,2% (von 85.924 auf 111.846)
  • watergate.tv: +26,9% (von 79.733 auf 101.166)
  • Die Achse des Guten: +55,7% (von 61.271 auf 95.418)
  • Compact-Magazin: +28,7% (von 58.846 auf 75.755)
  • journalistenwatch.com: -46,9% (von 140.597 auf 74.702)
  • Anzeige

Ruft man sich den zweiten Teil des Facebook-Medien-Reports in Erinnerung, der aufzeigte, dass lediglich einige Qualitätsmedien und öffentlich-rechtliche Regionalmedien bei den Facebook-Interaktionen zulegen konnten, ist die Entwicklung in diesem “Alternativmedien”-Umfeld durchaus erstaunlich. Abgesehen vom russischen Sputnik Deutschland und dem besonders unappetitlichen journalistenwatch.com sind die Facebook-Seiten der “Alternativmedien” von rechts bis sehr rechts offenbar schadlos durch die Algorithmus-Änderungen von Facebook durchgekommen. Eine Tatsache, die den Unmut von Medien wie der Süddeutschen Zeitung, Focus Online, stern, Welt, RP Online und vielen anderen nicht schmälern dürfte. All diese Marken haben zum Teil deutlich Interaktionen auf ihren Facebook-Seiten verloren.

Natürlich kann die Entwicklung der “Alternativmedien” auch damit zu tun haben, dass hier eine Zielgruppe wächst und dass diese Zielgruppe extrem aktiv ist beim Teilen, Liken und Kommentieren. Doch das kann nicht hundertprozentig bewiesen werden, da es keine Netto-Nutzerzahlen über das Publikum von Facebook-Seiten gibt: Wie viele unterschiedliche Leute hinter den Interaktionen stecken, ist also unklar. Ruft man sich vor Augen, wie die “Alternativmedien” beim Traffic im Vergleich zu den großen Nachrichtenmedien abschneiden, so ist der überdurchschnittliche Erfolg der AfD-nahen Medien auf Facebook sehr auffällig. Auf Facebook ist längst ein Paralleluniversum dieser Szene entstanden. Und wie unsere Analyse zeigt, wächst und gedeiht die Szene ohne Korrektur durch Facebook.

Zur Methodik: MEEDIA sorgt mit einer aufwändigen Analyse für den bisher wohl genauesten und ausführlichsten Blick auf die Entwicklungen, die durch Facebooks Algorithmus-Änderungen für deutschsprachige Medien entstanden sind. Mit Hilfe der Rohdaten des Social-Media-Tools Crowdtangle haben wir 1.500 der größten Facebook-Pages von Medienmarken untersucht und präsentieren in einem mehrteiligen Report die Ergebnisse. Zu allen Artikeln des Facebook-Medien-Reports gelangen Sie jederzeit mit einem Klick auf diesen Link.

MEEDIA hat dabei die Likes, Reactions, Shares und Kommentare untersucht, die 1.500 Facebook-Seiten deutschsprachiger Medienmarken mit ihren Posts erreicht haben. In die Wertung kamen für den besten Blick auf die Entwicklungen nicht nur journalistische Angebote, sondern beispielsweise auch Facebook-Seiten zu deutschen TV-Serien, -Shows und Satire-Websites. Nicht in die Wertung kamen Facebook-Pages von Einzelpersonen wie Moderatoren, Schauspieler oder Journalisten. Zu den 1.500 Seiten gehören die größten Medienmarken auf Facebook, aber auch eine Reihe von kleineren Anbietern. Die Wahl fiel auf Crowdtangle, da das Ende 2016 von Facebook gekaufte Tool die zuverlässigsten, genauesten und aussagekräftigsten Zahlen zum Geschehen auf Facebook liefert.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige
Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia