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“Gefährlichste Waffe gegen Demokratie”: Was Facebook mit den “Gelbwesten”-Unruhen in Frankreich zu tun hat

Der französische Medienwissenschaftler Frederic Filloux hat die Rolle von Facebook bei den “Gelbwesten”-Unruhen in Frankreich analysiert
Der französische Medienwissenschaftler Frederic Filloux hat die Rolle von Facebook bei den "Gelbwesten"-Unruhen in Frankreich analysiert

Die Proteste der so genannten Gelbwesten in Frankreich erreichten am Wochenende einen neuen, gewaltsamen Höhepunkt mit über 130 Verletzten in Paris. Der französische Medienwissenschaftler Frederic Filloux analysiert in seinem Blog "Monday Note", wie Facebook die gewaltsamen Ausschreitungen befördert. Facebook sei die "gefährlichste Waffen gegen Demokratie, die jemals erfunden wurde", so Filloux.

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Die “Gelbwesten” sind eine lose Gruppe von Demonstranten und Randalierern, die gegen die Politik von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron protestieren. Macron protegiere ihrer Meinung nach Reiche und Eliten und betreibe eine abgehobene Politik. Entzündet hatten sich die Proteste an einer neuen Steuer auf Benzin und Diesel und den daraus resultierenden, deutlich gestiegenen Tankkosten in Frankreich. Die “Gelbwesten” sind keine hierarchisch organisierte Gruppe, sondern agieren dezentral ohne erkennbare Führung. Ihr Erkennungszeichen sind gelbe Verkehrswarnwesten.

Unter der Überschrift “How Facebook ist fueling the French populist rage“, erklärt Frederic Flloux, wie die “Gelbwesten” Facebook nutzen, um Proteste zu organisieren und die öffentliche Debatte zu vergiften. “Nearly all the people I talked to admitted to relying on Facebook to get informed in real-time on the unfolding events. In France, 63 percent of internet users are on Facebook”, schreibt er. Bereits vor zwei Wochen seien über 1.500 Facebook-Events mit Bezug auf die “Gelbwesten” in Facebook erstellt worden. Zu den zahlreichen Facebook-Gruppen kommen viele Live-Übertragungen von den Protesten und “Gelbwestlern” hinzu. Dabei haben sich, so Filloux, einige Protagonisten der “Gelbwesten” zu so etwas wie Influencern entwickelt, die in klassischen Medien   eine Bühne bekommen. Als Beispiel nennt er Maxime Nicolle, der unter dem Pseudonym Fly Rider auf Facebook aktiv ist und derzeit dort über 80.000 Abonnenten hat. Seine Live-Übertragungen von “Gelbwesten”-Protesten werden laut Filloux von tausenden Zuschauern verfolgt. Mittlerweile sind längst die traditionellen Medien aufmerksam geworden und interviewen “Fly Rider” regelmäßig für TV-Nachrichten und er taucht in Zeitungsberichten auf. Filloux: “Right now in France, traditional TV is trailing a social sphere seen as uncorrupted by the elites, unfiltered, and more authentic.”

Facebook habe hier den klassischen Medien die Führungsrolle abgenommen. Hinzu kommt die große Bedeutung, die der vor einiger Zeit veränderte Algorithmus Facebook-Gruppen zuweist. Facebook hat seinen Algorithmus so verändert, dass Inhalte von klassischen Medien weniger häufig in den Timelines der Nutzer auftauchen, Beiträge aus Facebook-Gruppen dafür mehr. Dies hat zur Folge, dass man auch bei nur wenigen Interaktionen innerhalb einer Gruppe mit Inhalten dieser Gruppe regelrecht geflutet wird. Wer Mitglied einer “Gelbwesten”-Gruppe wird und auch nur einen Beitrag “liked”, bekommt so auf Facebook extrem viele Inhalte aus dieser Gruppe angezeigt. Eine sich selbst verstärkende Filterblase, so Filloux. Umgekehrt dringen traditionelle Medien auf Facebook nicht mehr zu den Nutzern durch, wenn sie etwa Fake-News aufdecken, die in “Gelbwesten”-Gruppen verbreitet werden.

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Was Facebook-Chef Mark Zuckerberg mit den Veränderungen am Agorithmus verändern wollte, nämlich die Qualität von Interaktionen und Kommunikation verbessern, wird hier ins Gegenteil verkehrt.

Filloux bezeichnet Facebook als “the most threatening weapon to democracies ever invented”. Das Social network sei von Populisten und Parteien für deren Zwecke eingespannt worden, habe rund ein Dutzend Wahlen weltweit beeinflusst und eine Reihe von Populisten an die Macht gebracht. Der Medienwissenschaftler nennt die Beispiele Donald Trump in den USA, Rodrigo Duterte auf den Philippinen und Jair Bolsonaro in Brasilien. Letztgenannter habe eine treue Gefolgschaft über WhatsApp aufgebaut, das hundertprozentig zu Facebook gehört. Sollte Facebook also verboten werden? Nein, meint Filoux. Das würde nur noch schlimmeren Plattformen den Weg bereiten. Er plädiert allerdings für eine deutlich stärkere Regulierung des weltgrößten Social Networks bis hin zur Zerschlagung. Facebook, WhatsApp und Instagram sollten nach Meinung von Filloux wieder getrennt werden. Das, so gibt er zu, könnte noch eine ganze Weile dauern. In der Zwischenzeit sei mit weiteren Schäden zu rechnen.

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Alle Kommentare

  1. Facebook & Social Media zerstören die offene Gesellschaft, und beseitigen die sozialen und sozioökonomischen Grundlagen, die ein Gemeinwesen, eine Stadtgesellschaft, eine Gesellschaft insgesamt – und ihre Institutionen zusammen halten. Polis, Kultur, Märkte und Sozioökonomien dürfen nicht zerfallen. Zeitungen und Journalismus übrigens auch nicht!

    Es ist an der Zeit, für grundsätzliche Kritik!

    http://www.lichtenberg-nachrichten.de/facebook-und-soziale-netzwerke-nicht-gemeinnuetzig/

    Lösungsstrategien müssen gefunden werden, die soziale Medien auf ihren “Werkzeugcharakter” für soziale Interaktion zurück führen.

    Personalisierte Werbung auf Basis von automatischen Datenauswertungen und Datenaggregierungen muss m.E. verboten werden.

    Personalisierte Werbung auf Basis “erlaubter und optierter Datensätze” würde wieder Vertrauen schaffen!

  2. Demokratie bedeutet VOLKSHERRSCHAFT. Das Volk ist der Souverän, und die Politiker haben zu machen, was das Volk wünscht. In einigen Europäischen Ländern geschieht das Umgekehrte – unterstützt von den Medien – und die Völker haben recht, diese Politiker entweder abzuwählen oder zu protestieren. Und zu einer Demokratie gehört uneingeschränkte Meinungsfreiheit, auch und gerade in den sozialen Medien. Aufrufe zu friedlichem Protest zu unterdrücken ist ANTIdemokratisch.
    Gewalt ist natürlich von KEINER Seite in Ordnung, leider gibt es immer Leute, denen es nicht um die Sache geht, sondern um ihre Lust am Randalieren, einige wollen vielleicht sogar einen friedlichen Protest auf diese Weise in ein schiefes Licht bringen.

    1. Können Sie nicht lesen? Der Algorithmus erzeugt keine “uneingeschränkte Meinungsfreiheit”, sondern pusht Fake-News-Gruppen und unterdrückt seriöse Nachrichten.

      1. “seriöse Nachrichten” ?

        Sie meinen, die von der Polit-Elite gesteuerten Staatsmedien.

        Die Datenanalysten bei Facebook haben schnell erkannt, der Kuschelkurs mit der Politik führt zum eigenen Untergang.

        Jetzt versucht man langsam umzusteuern, in Deutschland wartet FB nur noch auf einen günstigen Zeitpunkt, AA Stiftung, Correctiv und Co. den verdienten Tritt zu versetzen.

      2. Über Geschmack lässt sich nicht streiten, über (die Arroganz und die Dämlichkeit von) Nutzernamen aber schon, Möchtegern-Jesus!

  3. Unglaublich dass “Facebook die gefährlichste Waffe gegen Demokratie” bezeichnet wird. Es ist doch extrem interessant, dass jede und jeder und vor allem auch Politiker, die Wirtschaft und so weiter nicht mehr tun und lassen können was sie wollen oder gar nur das verbreiten, wie SIE es gerne hätten, sondern dass es einen sehr schnellen Austausch unter fast allen Bürgern gibt. Dies als “Gefährdung der Demokratie” zu bezeichnen ist unglaublich. Was heißt denn das? Regierungen und all ihre Adlaten, die sich sie mit Steuergeld geschaffen haben, hätten gerne die alten Zeiten wieder, in denen “das Volk” so dumm wie nur möglich gehalten werden kann. “Das Volk” soll nur das bekommen, was die “Eliten” ihm mitteilen wollen?! Oder wie ist das zu verstehen? Ich glaube, so wie man “uns” die Digitalisierung oder/und die Globalisierung verkaufen möchte als größte Errungenschaft, damit “wir” weiter still und leiste funktionieren, so verweigern sich jene Eliten, Ihrerseits endlich zu verstehen, dass sie es sind, die Transparenz und Bürger-Dialog suchen und nicht über “das Volk” hinwegregieren sollten. Denn die Völker – siehe Frankreich, das schon immer aufmüpfiger war als die feigen Deutschen – lassen sich vieles nicht mehr gefallen sondern sie artikulieren sich über Facebook & Co. und gehen auch auf die Straßen und wehren sich. Damit sind nicht diese deutschen Aufmärsche gemeint, zu denen hunderte von Vereinen, Kirchenverbänden oder sonstigen staatlich geleiteten und finanzierten, mit der Politik Verbündeten aufrufen. Vielleicht wollen ja solche Leute wie der hier zitierte diese neue und schnelle Digitalisierungsform à la Facebook ” (hahahaha) eliminieren… und lieber Netzwerke für Bürger bauen wie sie in China aussehen… Jeder Bürger ist des anderen Bürgers Feind und Denunziant… Jede Aufmüpfigkeit, jede Kritik wird mit Eliminierung jeder sozialen Teilhabe sanktioniert und vice versa… Gefängnisse für aufmüpfige Bürger (wer erinnert sich nicht an das “Tian’anmen-Massaker” und die aktuellen drei Morde an aufmüpfigen Journalisten in Malta, Slowakei + zuletzt Saudi-Arabien à la G20-Scheich. Wir wollen doch hoffen, dass vor allem Facebook die Fahne hochhält, sich in einigen Bereichen verbessert aber niemals die Freiheit des Austauschs der “globalisierten Menschen” einschränkt oder verhindert weil sich irgendein Wichtigtuer auf die Füße getreten fühlt.

  4. Es geht darum, dass hier massiv manipuliert und polemisiert wird, dass die Hintermänner mit ganz eigenen Interessen normale Bürger gegen die Demokratie ausspielen.
    Wenn ich schon lese, dass der Auslöser eine Erhöhung der Benzinpreise war, ist ziemlich klar, woher der Wind weht. Für den Scheiß gehen sie auf die Straße, für wichtige Dinge nicht.

    1. Für die Franzosen sind die Preiserhöhungen richtig wichtig. Was DU dazu meinst, ist doch vollkommen egal. Macron hat vielfach signalisiert, dass ihm die kleinen Bürger und ihre Sorgen egal sind… Und diese kleinen Bürger sehen offensichtlich deutlich, dass er für Eliten unterwegs ist oder wie arrogant er einen jungen Mann zusammenfaltet, der ihn nicht adäquat anspricht. Er wurde mit überbordender Mehrheit gewählt.. und hat diese Zustimmung nicht für ein Miteinander mit den Bürgern genützt sondern gegen sie. Scheint so, dass viele Franzosen das, was wir längst bitter bezahlen, so nicht akzeptieren wollen: eine Energiewende zum teuersten Strom in ganz Europa nach einem Merkel-Chaos-Ausstieg aus dem Atomstrom und eine Flüchtlingskrise nach der Merkel-Chaos-Grenzöffnung für 1,5 Millionen meist junge Männer. Diejenigen, die das nicht akzeptieren wollen, sind nicht in hoher Zahl auf die Straße gegangen, obwohl die Gesellschaft gespalten wurde und die Wut nicht nachgelassen hat. Ein großer Teil der Deutschen ist offensichtlich genau so feige wie die alten Deutschen, die immer brav mitgelaufen sind…

      1. >Und diese kleinen Bürger sehen offensichtlich deutlich, dass er für Eliten unterwegs ist oder wie arrogant er einen jungen Mann zusammenfaltet, der ihn nicht adäquat anspricht.

        …aber wenig später mit farbigen Migranten mit nacktem Oberkörper posiert.

        Unfassbares Bild eines Präsidenten.

      2. >> … wie arrogant er einen jungen Mann zusammenfaltet, der ihn nicht adäquat anspricht
        > …aber wenig später mit farbigen Migranten mit nacktem Oberkörper posiert.

        Steht denn das eine mit dem anderen in kausalem Zusammenhang?

        Ihre “Analyse” ist gewohnt oberflächlich, aber solange Sie einen Kommentar für Ihr nationalistisches derailing nutzen können, müssen Logik und Anstand sich ja hinten anstellen. Sie haben ja schon kundgetan “überhaupt keine Ausländer” zu wollen, das müssten Sie eigentlich nicht ständig wiederholen, wenn es Ihnen nicht nur um Parteipropaganda ginge.

        Macron dürfte beides relativ gleich wichtig oder egal sein, solange es nur eine Medienwirkung entfaltet, von der er sich Unterstützung erhofft. Beide gehören derselben Gruppe von Menschen an, die von seinen “Reformen” nicht in gleichem Maße profitieren dürften, wie die Klasse jener, deren Mitglieder in Teilen gerade Ihre Richtung mit anonymen Großspenden finanziert.

    2. Erst kommt die Erosion des Vertrauens in die staatlichen Strukturen, dann die Revolution.

      Bei Linken, Rechten, Islamo-Migranten,… steigt das Hass-Level auf die Macht-Elite (und grosse Teile der Medien) jeden Tag weiter an, das wird sich früher oder später in einer Gewaltorgie entladen und diese wird nicht bei brennenden Autos haltmachen.

      Das Problem fürs Establishment, wie in Frankreich gut zu beobachten, grosse Teile der Bevölkerung unterstützen auch Gewalt bei Protesten.

      1. Ihre Gewaltfantasien in Ehren, aber ist das Bürgerkriegsgeraune nicht nur ein weiteres Bruchstück aus dem meme-Fundus der Rechtsextremen?

        Und woher nehmen Sie, dass die Randalierer breite Unterstützung genießen? Die Gelbwesten ja, die Randalierer nicht. Außer von Marine, natürlich, womit der Kreis sich schließt.

  5. “Gefährlichste Waffe gegen Demokratie”
    Als 2010 in Nordafrika die Unruhen begannen, die in Europa als “Arabischer Frühling” gefeiert wurden, und die in Syrien mit den bekannten Konsequenzen bis heute andauern, wurde die Rolle von Facebook (& Co.) gerade in Europa aber noch ganz erheblich anders bewertet….

  6. Als gefährlichste Waffe gegen die Demokratie, die in den Händen der Mächtigen ist, würde ich die Mainstreammedien bezeichnen, die bewusst Fakten unterschlagen, Meinungen vorgeben und im gewünschten Sinne der Auftraggeber manipulieren. Unser gegen die Interessen der eigenen Bevölkerung agierenden Politiker können froh und dankbar sein, dass sie ihre Untertanen in der Mehrzahl äußerst gutmütig – man könnte es auch als obrigheitshörig und etwas dümmlich bezeichnen- sind, sonst würden bei uns schon lange der Mob auf der Straße sein. So lassen wir uns, sediert durch die tägliche Medienberieselung, in Ruhe zur Schlachtbank führen und Singen bei dem Marsch noch Regierungslieder.

    1. Es ist traurig.
      Aber inzwischen ist es geradezu Routine geworden, Meldungen aus deutschen Quellen mit Meldungen aus Quellen außerhalb Deutschlands abzugleichen. Bevozugt aus dem nicht “Nato”, “Euro”, “wir mit unserer Vergangenheit” etc. Land, der Schweiz.

    2. Wen meinen Sie denn mit „der eigenen Bevölkerung“, „Schrottpresse“ (welch sinniger Name!)? Rhetorische Frage, denn die Antwort ergibt sich aus Ihrer Diktion à la „Mainstreammedien“, die „bewusst Fakten unterschlagen, Meinungen vorgeben“ usw. Sie sprechen also wieder einmal nur von Blau-Braun – ein Irrtum, wenn Sie das für die ganze Bevölkerung halten! Außerdem ist der Mob doch schon auf der Straße, siehe Chemnitz, Cottbus, Kandern usw. Allerdings schafft sich dieser Mob seine eigenen Fakten, siehe Ihren Kommentar. Die Mehrzahl unserer Bevölkerung ist immun dagegen, und DESHALB ist hier NUR der Mob auf der Straße.

      1. @ Ronald
        Noch funktioniert das mit der Gehirnwäsche durch Gniffke, Kleber und Co ja noch ganz gut. Die Deutschen sind halt obrigkeitshöriger als die Franzosen, das wird sich so schnell nicht ändern. Aber die Kraft des Faktischen – Zusammenbruch des Sozialstaats und der Zusammenbruch der Inneren Sicherheit – werden langfristig das Fass zu Überlaufen bringen.

  7. Allen Facebook-Usern sollte klar sein, dass sie mit der Mitgliedschaft und Datenweitergabe auf umfassende Weise ihre “Persönlichkeitsrechte” abgeben, und maschinenlesbar gestalten.
    Der “Freiheitsgewinn” wird mit “Nacktheit” erkauft.

    So wie Facebook und anderes soziale Netzwerke derzeit konzipiert sind, muss zwangsläufig ein Machtzuwachs bei Autokraten, Populisten und Diktatoren entstehen.

    Systeme wir Palantir “Gotham” und rsNetMAN von Rola schaffen den Echtzeitzugriff auf Personen.

    In der Türkei wurden so hunderttausende unter Terrorverdacht gestellt, aus ihren Berufen in Armut entlassen, mit Auflage das Land nicht zu verlassen, weil sie in sozialen Netzwerken allzu freimütig kurdische Positionen angesprochen haben.

    Und der syrische Bürgerkrieg der Krieg gegen den Terror sind auch nur in ihren Abläufen verständlich, wenn man versteht, wie wichtig die Aufrechterhaltung des Internets für Feind und Freund und Mörder ist.

    Da inzwischen weltweit wieder mehr als die Hälfte der Menschheit autokratisch regiert werden, muss der Komplex “Freiheitsrechte versus Staatsterrorismus” sorgfältig erörtert und rechtswissenschaftlich diskutiert werden.

    Wir haben es mit einer Rekonzeption des grundrechtlichen Persönlichkeits- und Datenschutzes im Zeitalter sozialer Medien zu tun, die alle Grundlagen von Verfassungsstaat und Demokratie dekonstruieren und zerstören kann!

    1. Die Netzwerke, lieber Michael Springer, sind nicht das Problem, die Politiker sind es.

      UND die antidemokratische Medienvertreter, die immer von “unserer Demokratie” reden statt von Demokratie und von Herrschaft des Volkes.

      Das Internet und die sozialen Netzwerke haben die Systemmedien entmachtet und die Polit-Eliten werden jetzt enttarnt, es sind tatsächlich Feinde des Volkes.

      1. “Feinde des Volkes” naja, aber immer noch abwählbar. Nach dem Wahlsieg bauen die “Alternativen” den Staat zuverlässig dahingehend um, dass diese Möglichkeit weitgehend erschwert wird.

        Das Gegenmittel zu autoritären Regierungen sind nicht noch autoritärere Regierungen.

  8. Schön, wie man aneinander vorbei reden kann. Ich will jetzt nicht behaupten alles zu durchschauen, aber es ist sowohl im Beitrag, als auch in den Kommentaren heraus zu lesen, dass es unterschiedliche Sichtweisen gibt.
    Im Beitrag werden die Manipulationsmöglichkeiten, die Facebook bietet, in den Vordergrund gestellt. Sieht man, dass Cambridge Analytica nur 77000 Wähler dazu bringen musste Trump zu wählen, um die entscheidenden Staaten zu gewinnen – und damit die Wahl – ist das schon eine Hausnummer, die einem etwas Angst machen darf.
    Auf der anderen Seite werden die Kommunikationskanäle angeführt, die es praktisch allen Bürgern ermöglichen eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen. Das tut der Demokratie und dem Weltfrieden wiederum gut. Diese Kanäle einzuschränken und zu zensieren (wenn das überhaupt noch möglich ist) ist sicher nicht der richtige Weg, auch wenn einige konservativer Denkende das noch als Möglichkeit sehen und es auch tatsächlich noch versuchen. Die chinesische Regierung ist ein gutes Beispiel. Sie versucht es – aber sie haben diese Schlacht schon lange verloren, denn ihre Bevölkerung ist auch nicht ganz ungeschickt. Die Behinderungen sind mittlerweile nur lästig – aber nicht sehr effektiv.

  9. Ui, ui, ui … Facebook ist böse?

    Vielleicht weil sich die Proteste gegen Marcon richten, der nach Ansicht des Herrn Filloux (oder mehr vielleicht Filou) wohl der Beste ist:
    “First, the good news: The reasonably best candidate, the one who is the most likely to adopt a reformist stance without wrecking the country has a reasonable chance of becoming the next president on May 7.”
    https://qz.com/968707/the-odds-favor-emmanuel-macron-but-his-task-in-reforming-france-will-be-incredibly-difficult/

    Ein Schuft, wer da Schlimmes denkt …

  10. Das gefährliche an Facebook bzw. der ungefilterten Kommunikation allgemein ist nicht, dass sachliche Information ans Tageslicht kommt.

    Das gefährliche ist, dass eine von Milliardären aufgebaute und finanzierte autoritäre “Bewegung” diese Kanäle auf Basis von Erkenntnissen des Neuromarketing und der Propaganda zur Emotionalisierung nutzt, um die Demokratie durch vermeintlich demokratische Prozesse unter Beschuss zu nehmen, auch um jegliche Einschränkungen der internationalen Geldflüsse oder der Veränderung der Regeln des Marktgeschehens zu verhindern.

    Die Zeit war für ein solches Einschreiten wohl überreif, die öffentliche Meinung in Bezug auf Ökologie und soziale Spaltung hatte sich seit Jahren in eine andere Richtung entwickelt, als sie die Regierungen unter “Beratung” der Stiftungen vertraten. Dem musste wohl etwas entgegengesetzt werden, da nach 2008 der Dissens drohte, sich in Wahlergebnissen auszudrücken.

    Dem “Volk” werden hierzu einerseits relativ nichtige Feinde angeboten, während die interessierten Kreise weiter an der Zerstörung des Planeten und dem massiven Abschöpfen der Geldflüsse festhalten können. Ein Abgleich mit den durch die Bank radikal neoliberalen Programmen der “populistischen” Parteien, die in ihren öffentlichen Verlautbarungen aber ausschließlich Feindschaft und Angst in den Vordergrund stellen, legen das zumindest nahe.

    Im Interesse einer breiten Masse der Bevölkerung ist es nicht, wenn sämtliche Aspekte der Daseinsvorsorge (ganz aktuell die Altersvorsorge) in nicht demokratisch legitimierte oder kontrollierte Hände von Weltkonzernen gelegt werden, die genauso schlecht oder schlechter agieren, wie staatliche Organisationen. Die “Volks”-Parteien haben allerdings alle genau das in ihren Programmen, während sie die Wut ihrer Anhänger auf die vor Ort passenden Sündenböcke ausrichten und die Gesellschaft in zwei feindliche Blöcke zu spalten versuchen. So haben beide Gruppen ihren Feind, ohne die zentralen Stellschrauben der längerfristigen gesellschaftlichen Entwicklung im Fokus zu haben.

    Wenige scheinen zu begreifen, wie wenig offensichtlich es ist, über einen längeren Zeitraum mit gezielt abgestimmten Kaskaden emotionalisierender Informationen konfrontiert zu werden, um Weltbilder so zu manipulieren, dass sie irgendwann nützlichen Idioten einflussreicher Spieler an die Macht verhelfen.

    Wie “Populisten” ihre “demokratisch” erlangte Macht dann konsolidieren, kann man in Polen, Österreich, der Türkei, Indien, den Philippinen usw. beobachten, wo die Pressefreiheit eingeschränkt, die Justiz auf Linie gebracht und die sozialen Sicherungssysteme abgebaut und privatisiert werden, während ökologische Regulierungen zurückgezogen und das Unbehagen und die Wut auf Sündenböcke umgeleitet werden.

    Die werbeabhängigen “sozialen” Medien haben mit ihren auf Wirksamkeitsoptimierung ausgerichteten Persönlichkeitsprofilen und Algorithmen solche Strategien, Menschen gezielt an ihren Ängsten zu manipulieren erst ermöglicht. Die werbeabhängigen “sozialen” Medien ermöglichen es so, ganze Gesellschaften in eine käufliche Ware zu verwandeln.

    Der Einsatz wirksamkeitsoptimierter Algorithmen ist folglich generell zu untersagen, wie auch der Einsatz von social bots, die zu ganzen Netzwerken zusammengeschaltet werden, um breite Unterstützung für marginale Meinungsbilder zu simulieren. Gegen gezieltes Entwickeln von memes wird man wohl kaum wirksam vorgehen können, solange sie nicht gegen rechtliche Grundsätze verstoßen.

    Stichworte: Palantir,, Super-PACs, Neuromarketing, Tea Party, AfD

    1. Eine ausgezeichnete Analyse der aktuellen Situation. Der Analyse gibt es wenig hinzuzufügen. Ihren Schlüssen daraus vielleicht schon. Bei den Manipulationen von Cambridge Analytica hätte das Untersagen von “wirksamkeitsoptimierten Algorithmen” nichts genutzt, genauso wenig wie die Kontrolle von “Social Bots”.
      Um solche Manipulationen wirksam zu bekämpfen wird es keinen einfachen Weg geben, zumal wir ja von global wirksamen Regelungen reden müssten. In dem Moment, wo es regionale Einzelgänge gibt, gibt es schon einen Weg darum herum auf einer Ebene darüber. Das wissen unsere Politiker. Aber sie tun immer noch so, als hätten sie darüber die Kontrolle. Wenn man sie damit konfrontiert, erntet man bestenfalls ein Achselzucken und ein verschmitztes Lächeln.
      Wie also dieses Dilemma lösen? Mit Aufklärung. Mit transparenten Strukturen bei den Nachrichten- und Meinungsmachern. Mit Unterstützung von freiem investigativem Journalismus. Die Öffentlich-Rechtlichen sind dazu nicht in der Lage und sie reichen auch bei weitem nicht aus.

      1. >Eine ausgezeichnete Analyse der aktuellen Situation

        Nicht wirklich, eher Wunschdenken.

        Die aktuellen “Populisten” verkörpern alle eine neue Art Nationalismus und sind im Kampf gegen die globalen Eliten und Übernationale Strukturen absolut vereint.

        Die mit den globalen Eliten verbundene (pseudo) Linke hat keinerlei Mittel mehr den Aufstieg dieser Kräfte zu stoppen.

        Einzige Möglichkeit, selbst auf die Agenda der “Populisten” einzuschwenken.

      2. @ Jesus Ben Sven

        Das große Geld gehört aber ebenso zu “den globalen Eliten”, das ist, was die Allianz aus “neuen” Nationalisten und dem großen Geld so widersprüchlich macht. Beide Seiten haben offenbar die Illusion, sich gegenseitig unter Kontrolle zu halten bzw. für ihre Agenda benutzen zu können.

        Ihre Definition von “Links” hat Ihren Blick so verwaschen, dass Sie den Balken im eigenen Auge nicht sehen können: die Nationalisten besorgen das Geschäft obszön reicher Oligarchen.

        Solange dabei nur genug Macht abfällt, um nicht-nationalistische Teile “des Volkes” aus der Definition von “Volk” auszuschließen, sie zu “Volksfeinden” zu deklarieren und willkürlicher Gewalt auszuliefern (wir erinnern uns an die diversen publik gewordenen Personenlisten, Gewalt- und Exekutionsfantasien), scheint sie diese Rohheit genauso wenig zu stören, wie der intellektuelle Riss, der durch ihre Definition von “Nation” geht.

        Es ist wie bei allen Glaubenssystemen, die auf einen absoluten “Feind” setzen, ob sie religiös (IS, Inquisition, …) oder politisch (Faschismus, Stalinismus, …) unterfüttert sind: es ist das ihnen innwohnende Versprechen der straflosen Barbarei, das ihre glühendsten Anhänger bei der Stange hält. Sobald Empathie zur “Schwäche” oder einem “Defekt” umdefiniert wird, ist überdeutlich, dass soziopathische Elemente zur Macht drängen, denen jedes Mittel recht ist.

        Dazu zählt auch die Strategie, über Progaganda eine “kulturelle Hegemonie” anzustreben, mittels jeden Mediums (neben Facebook, YouTube und Co. auch die der hiesigen Handelsblatt Media Group GmbH & Co. KG), das sich ihnen als Multiplikator bereitwillig zur Verfügung stellt. Nicht umsonst betreiben Sie mehrere Pseudonyme, verbreiten Videos und memes und derailen jeden auch nur entfernt sich für das Unterbringen rechtsextremer memes anbietenden Kommentarbereich.

        Dass Medienunternehmen, deren Repräsentanten sich professionell mit Massenkommunikation beschäftigt haben sollten, den Missbrauch ihres Namens und ihrer Ressourcen stillschweigend zulassen, wirft Fragen auf (die im Fall Springer von ihrem Vorstandsvorsitzenden schon in aller Öffentlichkeit eindeutig beantwortet wurden). Wo die Handelsblatt Media Group GmbH & Co. KG sich positioniert, ist offenbar noch nicht entschieden. Oder?

  11. Warum hat facebook deren Konten nicht gesperrt?

    Ich verstehe das nicht. In Deutschland werden mittlerweile facebook Konten gesperrt, wo in einem Post aus dem Koran zitiert wird oder wo in einem Post einfach nur ein Politiker zitiert wird.

    Warum hat facebook deren Konten nicht gesperrt?

  12. “Unabhängige Presse” in der EU heißt übersetzt parteiabhängiges Medien(fast)monopol wie bspw bei der SPD-Medienholding, Aufwartung der Chefredakteure der führenden Zeitungen bei Merkel, Schere im Kopf etc

    1. Die der Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft, die Sie als „SPD-Medienholding“ bezeichnen, gehörenden Tageszeitungen kommen auf einen Marktanteil von 1,9 Prozent (!) und nehmen nach Auflage gerade mal Rang 11 im deutschen Zeitungsmarkt ein. Das bezeichnen Sie also als „Medien(fast)monopol“!?

      Da darf man sich nicht wundern, wenn Blau-Braun zur Verdummung der Bevölkerung beträgt …

      1. @Ronald

        Dinge wie “Correctiv” (“Faktenchecker” für Facebook) sind auch eine SPD Veranstaltung

      2. Selbst wenn, ja und? Haben Sie Angst vor denen, weil Sie selbst von denen gecheckt werden könnten, weil Sie selbst Unwahrheiten verbreiten?

        Aber hier sieht man es mal wieder: Nicht nur Facebook ist eine Gefahr für die Demokratie, sondern vor allem jene sind es, die die Kommentarspalten wie etwa diese hier für Demagogie missbrauchen!

      3. Correctiv ist ein weiteres Agitprop Instrumente der Polit-Elite zur Bekämpfung der Opposition und des Volkes.

        Kein Zufall wenn SPD Barley sich mit Soros (ebenfalls Correctiv-Finanzierer) trifft.

        Correctiv hat praktisch nur ein Thema, AFD!

      4. > Correctiv hat praktisch nur ein Thema, AFD!

        Und ihre Lügen, vergaßen Sie hinzuzufügen.

        Die AfD geriert sich als Saubermannpartei, rechtfertigt ihre eigene Lügen-Propaganda aber mit der anderer. Wen der Widerspruch nicht anspringt, muss wohl auf mindestens einem Auge blind sein.

        Als wäre eine Lüge einer anderen vorzuziehen, weil sie “der Wahrheit” diene. Was für ein lächerliches Konstrukt, um die eigene Schofeligkeit zu rechtfertigen.

        Schauen wir mal, was von dem Verein übrigbleibt, wenn er sich von allen mit Naziorganisationen verbundenen Mitgliedern und “unbekannten Spendern” getrennt hat. Unsere “Alternative” ist ein negatives Spiegelbild dessen, was sie ihren “Feinden” zuschreibt.

  13. Ob etwas als Waffe gegen Demokratie bezeichnet werden kann hängt davon ab, was man unter Demokratie verstanden wissen will.

      1. Wenn ein “französischer” “Medien” “Wissenschaftler” mit dem Namen “Filloux” sich zu Demokratie äußert, dabei die Gelb- Westen ( anderswo: Gelb sei das neue Braun) als Begünstigte der Facebook-Existenz darstellt und dies als Gefahr für die Demokratie kommuniziert, dann darf man natürlich auch darüber nachdenken, welches Verständnis dieser Filou unter einer Dachmarke “Demokratie” kommunizieren möchte.

        Nachdem wir jetzt eine Digitalisierung unserer Gesellschaft vorantreiben, und KI fördern wollen ( irgendwo las ich gar von ethischer KI, ein Brüller nach dem anderen) liegt es auf der Hand, dann auch gleich noch staatliche Sozialmedien auf den Weg zu bringen.

        Ein Job ist ihnen sicher.

  14. Der Artikel diskriminiert Facebook als “demokratiefeindlich” – andererseits ist Facebook der EINE jedermann zugängliche Weg, sich öffentlich zu äußern und natürlich auch zu organisieren. Klingt nicht demokratiefeindlich.

    Bis jetzt keine Meinung, aber Hinweis auf den Widerspruch.

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