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Wochenrückblick: “Sawsan Chebli wäre das nicht passiert” – die Luxusuhren-Probleme des Kai Diekmann

Sandra Maichberger, kaputte Diekmann-Top-Gun. Mark Zuckerberg, BamS-Chefin Marion Horn
Sandra Maichberger, kaputte Diekmann-Top-Gun. Mark Zuckerberg, BamS-Chefin Marion Horn

Die FAZ übte sich in Sachen BamS-Enthüllungen zur Saudi-Connection der Agentur WMP Eurocom in der Disziplin Jimmeljammeljummel. Der Facebook-Medien-Report bietet spannende Erkenntnisse darüber, wie der Algorithmus des Networks Medien abstraft. Schock: Kai Diekmanns Luxusuhr ist kaputt. Und die aktuelle "Maischberger"-Ausgabe sorgte für positive Überraschungen. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Vergangenen Sonntag jubilierte die Bild am Sonntag über ihren Scoop, dass sie ein internes Papier der PR-Agentur WMP-Eurocom ergattert hat. In dem Papier brüstet sich die Agentur gegenüber dem Kunden Saudi Arabien mit Kontakten zu diversen Journalisten und sogar dem Bundespräsidenten. Das ganze ist aus mehreren Gründen ein bisschen peinlich: Erstens, weil die genannten Journalisten und Medien alle Stein und Bein schwören, dass ihre Berichterstattung nicht von WMP und den Saudis gelenkt werden könne. Zweitens, weil WMP so tut, als stünden Journalisten und der Bundespräsident auf Abruf für PR-Dienstleistungen bereit, was nun doch sehr abwegig ist. Und Drittens, weil die BamS selbst auch schon sehr ausführlich die Dienste ebenjener Agentur genutzt hat, ohne dass man das damals schlimm fand.

Eigentlich will ich hier aber auf etwas ganz anderes hinaus: Die FAZ war in dem BamS-Bericht auch genannt und sorgte anschließend für Irritationen auf Twitter. Ein Artikel zum Thema ging zunächst auf FAZ.net online, wurde dann runtergenommen und später wieder in veränderter Form online gestellt. Auf Twitter darauf hingewiesen, erklärten die Frankfurter, man distanziere sich von den Inhalten des BamS-Berichts, werde das “intern kritisch analysieren” und kündigte einen neuen Artikel an.

BamS-Chefin Marion Horn fand das nicht witzig und forderte Aufklärung:

Der zweite FAZ Artikel entsprach im Wesentlichen dem ersten, ergänzt um eine Stellungnahme der FAZ. Ich schickte der FAZ daraufhin folgende Fragen:

Warum hat die FAZ dem Bericht zur BamS-Story über Verbindungen zwischen WMP Eurocom und Saudi-Arabien zunächst offline und später wieder online gestellt?

Unterscheidet sich die erneut online gestellte Version von der alten Version?

Warum “distanziert” sich die FAZ von der BamS-Berichterstattung?

Nach einiger Zeit und mehreren Nachfragen kam statt einer Antwort auf die drei Fragen eine einzige Stellungnahme zurück:

Die erste Meldung auf FAZ.NET am frühen Sonntagmorgen basierte auf der Vorabmeldung der “Bild am Sonntag (BamS)“. In dieser Vorabmeldung wurde die F.A.Z., anders als im vollständigen Artikel der BamS, nicht erwähnt. Unsere Redaktion hat daher am Sonntag einen umfassenderen Bericht über den Artikel in der BamS verfasst, der auch die Reaktion unseres Hauses auf die in dem BamS-Stück wiedergegebenen Behauptungen enthält. Das hat unsere Social-Media-Redaktion mit “Distanzierung” gemeint. Unser eigener Bericht wurde am Sonntag um 16.35 online gestellt. Er ist auch in der heutigen Printausgabe zu lesen.

Naja. Um diesen zweiten FAZ-Bericht als “Distanzierung” zu verstehen, muss man aber schon gewaltig was hineininterpretieren. Die Tweets der FAZ, die von “Distanzierung” und “Analyse” sprachen, erweckten den Eindruck, dass da ein ganz anderer Text kommen würde. Den aktualisierten, wieder online gestellten Text als “Distanzierung” zu bezeichnen, erscheint wenig glaubwürdig. Außerdem ist es eine grassierende Unsitte unter Medien-Pressestellen, dass auf Anfragen mit mehreren Fragen immer häufiger eine einzige Stellungnahme geschickt wird. Die Presseleute suchen sich die Aspekte aus einem Fragenkatalog aus aus, die sie beantworten wollen und lassen andere oft weg. Das betrifft beileibe nicht nur die FAZ. Eigentlich sollten Medienhäuser doch ein bisschen offensiver und transparenter kommunizieren. Ein früherer Pressesprecher eines großen Verlagshauses nannten diesen Stil Jimmaljammeljummel. Das Jimmeljammeljummel ist mit der Zeit leider nicht weniger geworden.

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Mein MEEDIA-Kollege Jens Schröder ist bei uns zuständig für alles mit Daten. Diese Woche hat er eine überaus interessante Serie gestartet: den Facebook-Medien-Report. Er hat analysiert, wie sich sich die Änderungen am Facebook-Algorithmus auf die Interactions von 1.500 Facebookseiten von Medien ausgewirkt haben. Die Ergebnisse sind extrem spannend für Medienmacher. So zeigt sich, dass die jüngsten Veränderungen am Algorithmus dafür gesorgt haben, dass bei den meisten Medienseiten auf Facebook die Interactions (also Likes, Reactions, Shares oder Kommentare) stark eingebrochen sind. Besonders abgestraft hat der Algorithmus Seiten mit Promi-News oder so genannte Viral-Schleudern. Seriöse Nachrichtenseiten waren etwas weniger betroffen. Auch interessant: Videos werden von Facebook seit den Änderungen nicht mehr bevorzugt, sondern eher Foto-Postings. Die Erkenntnis: Wer sich als Medium auf eine Plattform wie Facebook zu sehr verlässt, kann irgendwann sehr verlassen dastehen. Als hätten wir es geahnt … Hier geht es zu den Artikeln der Reihe.

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Lange nix mehr von Kai Diekmann gehört. Der Ex-Chef der Bild und heutige Agentur-Macher bei Storymachine war früher ein Garant für heitere Medien-Tratschgeschichten. Diese Woche ist er nach langer Pause mal wieder im Wochenrückblick, und zwar mit seiner Jammer-Arie über den Kundendienst des Schweizer Luxusuhren-Hersteller IWC.

Diekmann trägt natürlich das Modell “Top Gun”, Kostenpunkt: 12.100 Euro. Da kann Sawsan Chebli mit ihrer Popel-Rolex für 7.300 Steine nicht gegen anstinken. Dafür wäre die Rolex vielleicht nicht so knick-knack zerbrochen wie die Diekmann’sche “Top Gun”. Keramik halt. Bester Twitter-Kommentar hierzu:

Mittlerweile hat sich der IWC-Kundendienst bei Diekmann gemeldet, alle können aufatmen.

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Doppelte Überraschung zur “Maischberger”-Sendung vom Mittwoch: 1. In der Sendung wurde sachlich und informativ über das Reiz-Thema UN-Migrationspakt diskutiert, obwohl Alexander Gauland und Claus Strunz zu Gast waren. 2. Obwohl ich eine positive Kritik geschrieben habe, wurde der Text gut geklickt und es gab Kommentare, die die Sendung ebenfalls als gelungen lobten. Normalerweise laufen positive Kritiken bestenfalls mittelprächtig und wenn man mal eine schreibt, wird man als Claqueur gebranded. Ist das etwa schon der Geist der Weihnacht, der da über uns kommt? Es wäre zu hoffen!

In diesem Sinne: ein wunderbares erstes Adventswochenende!

PS: Die Themen Facebook-Medien-Report und UN-Migrationspakt diskutieren wir auch in der aktuellen Folge unseres Podcasts “Die Medien-Woche”. Im Podcast erläutert Jens Schröder noch einmal genau, worum es dabei geht. Außerdem spreche ich mit meinem Kollegen Christian Meier von der WELT über den neuen Podcast von FDP-Chef Christian Lindner. Es würde mich freuen, wenn Sie reinhören!

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