Partner von:
Anzeige

Facebook-Medien-Report, Teil 3: Video-Views und -Interaktionen im freien Fall – ist Foto das neue Video?

Der Facebook-Medien-Report von MEEDIA: Wie wirken sich die Algorithmusänderungen von Facebook auf Medienseiten aus?
Der Facebook-Medien-Report von MEEDIA: Wie wirken sich die Algorithmusänderungen von Facebook auf Medienseiten aus?

In den beiden ersten Teilen des Facebook-Medien-Reports hat MEEDIA dargelegt, wie deutlich die Interaktionen - und damit auch die Sichtbarkeit - von Medien-Posts auf Facebook gesunken sind. Die Algorithmus-Änderungen schaden offenbar vor allem Promi-Magazinen und Viral-Profis. Doch welche Rolle spielen die unterschiedlichen Posting-Formen? Wie sehen die Interaktions-Trends bei Videos, Fotos und Links aus? Antworten gibt Teil 3.

Anzeige

Schaut man auf die Facebook-Posts, die die von uns analysierten 1.500 Seiten deutschsprachiger Medienmarken im Oktober 2018 veröffentlicht haben, so wird eins schnell klar: Die Link-Posts, die auf Inhalte der eigenen Website verweisen, sind weiterhin der Schwerpunkt in der Strategie der Medien. Das ist auch nicht so überraschend, denn durch Klicks auf die eigene Website – inklusive der dort angezeigten Werbung – lassen sich Social-Media-Nutzer immer noch am besten in Umsatz umwandeln.

Zur Erinnerung: MEEDIA sorgt mit einer aufwändigen Analyse für den bisher wohl genauesten und ausführlichsten Blick auf die Entwicklungen, die durch Facebooks Algorithmus-Änderungen für deutschsprachige Medien entstanden sind. Mit Hilfe der Rohdaten des Social-Media-Tools Crowdtangle haben wir 1.500 der größten Facebook-Pages von Medienmarken untersucht und präsentieren nun in einem mehrteiligen Report die Ergebnisse. Zu allen Artikeln des Facebook-Medien-Reports gelangen Sie jederzeit mit einem Klick auf diesen Link.

Medien lieben Links, Nutzer nicht so sehr

383.737 Posts setzten die 1.500 untersuchten Seiten im Oktober insgesamt ab, davon waren 317.710 Link Posts – also 82,8%. Photo Posts kommen auf 9,3% (35.581), eigene und geteilte Videos liegen bei 6,5% (24.911), Status Posts ohne Link, Foto oder Video spielen mit 0,8% keine Rolle.

Blickt man auf den Erfolg, den die verschiedenen Posting-Arten bringen, so wird klar, dass die so populären Link Posts nicht die meisten Interaktionen bringen. Das Social-Media-Tool Crowdtangle errechnet die so genannte “Interaction Rate” – ein Faktor, der aus den Interaktionen pro Post – geteilt durch die Page Likes einer Facebook-Seite besteht. Diese Zahl zeigt recht anschaulich, wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Mediums ist, mit einem Post auch Likes, Reactions, Shares und Kommentare einzusammeln.

Die durchschnittliche “Interaction Rate” der 1.500 analysierten Seiten lag im Oktober bei 0,24%. Vereinfacht gesagt: Ein durchschnittlicher Post bekam also von 0,24% der Fans ein Like, eine Reaction, einen Kommentar oder ein Share. Bei den Link Posts liegt dieser Wert aber nur bei 0,18%. Videos kommen auf 0,22%, Photo Posts auf 0,30%.

Video-Interaktionen und -Views im freien Fall

Besonders spannend sind die Zahlen der Videos. Noch vor nicht allzu langer Zeit waren Bewegtbilder auf Facebook der große Hype. Facebook speiste Videos bevorzugt in die Timelines der Nutzer, die Abrufzahlen sahen gigantisch aus und Medien sprangen auf den Zug auf. Doch dieser Hype ist vorbei. Schon die “Interaction Rate” zeigt das anschaulich: Sie lag für Videos im Oktober 2016 noch bei 0,42%, 2017 dann bei 0,34% und nun nur noch bei 0,22%. Die Chance, ein Like oder eine andere Interaktion mit einem Video einzusammeln, hat sich für die 1.500 untersuchten Facebook-Seiten deutschsprachiger Medien also fast halbiert.

Die Abrufzahlen sprechen sogar eine noch klarere Sprache: Im Oktober 2017 erreichten die von den 1.500 Seiten veröffentlichten Videos noch 1,81 Mrd. Views auf Facebook – eine gigantische Zahl. Ein Jahr später sind davon noch 655,6 Mio. übrig geblieben – ein Minus von 63,7%. Die Medien haben auf die deutlich rückläufigen Zahlen auch schon reagiert, posteten im Oktober 2018 rund ein Viertel weniger Videos als noch ein Jahr zuvor und liegen damit wieder auf dem Niveau von 2016. Die Views waren 2016 aber trotz einer ähnlichen Zahl von veröffentlichten Videos noch doppelt so hoch wie 2018.

Anzeige

Ist Foto das neue Video?

Videos scheint Facebooks Algorithmus also nicht mehr so zu mögen wie noch 2016 und 2017, an den Zahlen der Link Posts ändert sich nicht viel. Doch wie sieht es bei Photo Posts aus? Die “Interaction Rate” der 1.500 analysierten Seiten zeigt, dass sie mit 0,30% inzwischen auf Platz 1 vor den Videos und Links liegt. Zwar ging sie auch für die Photo Posts etwas nach unten, doch das kann auch daran liegen, dass zahlreiche Facebook-Seiten, die auf optische Posts setzten, wegen ihrer Inhalte besonders von Facebook abgestraft wurden – Promi-Magazine zum Beispiel. Klar ist aber: Die Chance, mit einem Foto oder einer Grafik eine Interaktion auf Facebook zu generieren ist derzeit so groß wie mit keiner anderen Posting-Art.

Zudem ist ein Blick auf die 210 Facebook-Seiten sehr spannend, die im Oktober 2017 und/oder Oktober 2018 mehr als 100.000 Interaktionen mit ihren Posts erreicht haben – und hier insbesondere auf die 38 der 210, die sich gegen den Trend steigern konnten. Das Spannende: Von den 38 posteten 26 mehr Fotos  und Grafiken als noch ein Jahr zuvor. Verspricht also das verstärkte Setzen auf Photo Posts Erfolg gegen den Trend? So allgemein lässt sich das nicht sagen, denn es gibt unter den 1.500 Medienmarken auch genügend Gegenbeispiele. Das sind dann oft aber auch Seiten, die ohnehin für alles, was sie machen, von Facebook abgestraft wurden.

Blicken wir auf ein Segment, das insgesamt nicht zu den ganz großen Verlierern gehört: auf die überregionalen Nachrichtenmedien. Wir haben uns zehn der großen Facebook-Seiten herausgegriffen und noch genauer auf ihre Zahlen geschaut: Bild, Spiegel Online, Tagesschau, ZDF heute, Welt, Zeit Online, Focus Online, FAZ.net, stern und Süddeutsche Zeitung. Diese Gruppe enthält mit Bild, der Süddeutschen Zeitung, Focus Online und stern zwar auch Verlierer von 31,1% bis 51,7%, auf der anderen Seite aber auch Gewinner: FAZ.net, ZDF heute, Zeit Online, Spiegel Online und Tagesschau konnten ihre Interaktionen gegen den Trend gegenüber dem Vorjahr steigern.

Der Blick auf die Posting-Typen zeigt bei den zehn Marken: Link-Posts sind auch hier die dominierende Form. Auf acht der zehn Facebook-Seiten nehmen Link-Posts mehr als 80% der Gesamtzahl ein. Nur bei zwei nicht: den Seiten der öffentlich-rechtlichen Marken Tagesschau und heute. Hier werden stattdessen vor allem Fotos und Videos gepostet.

Schaut man auf die Interaktionen der einzelnen Kategorien, so halten sich Gewinner und Verlierer bei den Link Posts in etwa die Waage, bei den Videos hingegen ging es für alle zehn (!) nach unten. Mit Photo Posts gewannen sechs der zehn Marken Interaktionen hinzu – und dazu gehören genau auch vier der fünf Gesamt-Aufsteiger: FAZ.net, ZDF heute, Zeit Online und Tagesschau.

Vergleicht man zudem den Anteil der einzelnen Posting-Arten an den Gesamt-Interaktionen und an den insgesamt veröffentlichten Posts, so zeigt sich, dass neun der zehn Marken überdurchschnittlich erfolgreich mit Photo Posts sind. Ein paar Beispiele: Bei ZDF heute sind 39% der Gesamt-Posts Fotos und Grafiken. Diese 39% sorgen aber für 55% der Interaktionen. Bei der Tagesschau beträgt das Verhältnis 50% zu 66%, bei der Welt 9% zu 24% und bei der FAZ 15% zu 21%.

Auch wenn die Aussage nicht allgemein gültig für alle 1.500 Facebook-Seiten ist, die wir untersucht haben, so scheint sie für diejenigen, die auf seriöse Nachrichten setzen, durchaus zu gelten: Es lohnt sich, verstärkt auf Photo Posts zu setzen. Die aufwändigere Produktion von Videos können Medien im Hinblick auf Facebook hingegen vergessen.

Zur Methodik: MEEDIA hat mit Hilfe des Social-Media-Tools Crowdtangle die Likes, Reactions, Shares und Kommentare untersucht, die 1.500 Facebook-Seiten deutschsprachiger Medienmarken mit ihren Posts erreicht haben. In die Wertung kamen für den besten Blick auf die Entwicklungen nicht nur journalistische Angebote, sondern beispielsweise auch Facebook-Seiten zu deutschen TV-Serien, -Shows und Satire-Websites. Nicht in die Wertung kamen Facebook-Pages von Einzelpersonen wie Moderatoren, Schauspieler oder Journalisten. Zu den 1.500 Seiten gehören die größten Medienmarken auf Facebook, aber auch eine Reihe von kleineren Anbietern. Die Wahl fiel auf Crowdtangle, da das Ende 2016 von Facebook gekaufte Tool die zuverlässigsten, genauesten und aussagekräftigsten Zahlen zum Geschehen auf Facebook liefert.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Lieber Jens Schröder,

    1000 Dank für die tolle Recherche. Sonst muss man meist mit US-Zahlen operieren. Sehr, sehr hilfreich, Ihre tolle Analyse zu deutschen Medien.

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia