Partner von:
Anzeige

“Werden auch nie aufhören Pornos zu sehen”: Tim Mälzer über sein neues Format und den Mega-Hype Kochshow

TV-Koch Tim Mälzer in der Studioküche der “Bullerei” in Hamburg
TV-Koch Tim Mälzer in der Studioküche der "Bullerei" in Hamburg

Mit der neuen Kochsendung "Essen und Trinken – für jeden Tag" will RTLplus ab Januar eine tägliche Kochshow etablieren. Nach dem Vorbild des gleichnamigen Print-Magazins soll die von Tim Mälzer produzierte Sendung eines der Leuchtturm-Projekte des Senders sein. Mälzer wird hier erstmals nicht selbst kochen. MEEDIA hat mit dem TV-Koch über das Format, seinen Wechsel hinter die Kamera und seine Abneigung gegen Billig-Fernsehen gesprochen.

Anzeige

Vor 15 Jahren hat mit der wochentäglichen Sendung “Schmeckt nicht, gibt’s nicht” Ihre Karriere auf Vox begonnen. Nun produzieren Sie wieder eine tägliche Kochshow: “Essen und Trinken – für jeden Tag” auf RTLplus. Was darf der Zuschauer erwarten?
Tim Mälzer: In der Kochsendung werden praktikable Gerichte von Profis präsentiert, damit die Menschen Zuhause eine Anleitung haben zum Nachkochen. Das machen wir in einer Kooperation mit dem Magazin Essen und Trinken – für jeden Tag, bei dem ich seit Jahren Partner bin.

Gibt es nicht schon genug Kochsendungen im deutschen Fernsehen?
Mälzer: Kochsendungen sind nicht nur ein Hype, das ist ein Mega-Hype. Seit 15 Jahren sind wir jetzt schon präsent, natürlich mit Ups und Downs. Und bei jeder Kochsendung, die ich gemacht habe, wird immer wieder gefragt, ob wir nicht schon genug haben. Wir sagen nein! Solange die Leute das gerne gucken und unterhalten werden wollen, brauchen wir sie weiterhin. Wir werden ja auch nie aufhören, Musikvideos, Spielfilme oder auch Pornos zu sehen. Und jedes Wochenende rennen tausende Leute in die Fußballstadien, um ihre Mannschaft anzufeuern. Das ist eben Unterhaltung.

Bei “Essen und Trinken – für jeden Tag” stehen Sie nicht vor, sondern hinter der Kamera als Produzent. Wird der Zuschauer sie da nicht vermissen?
Mälzer: Hoffentlich! (Lacht). Aber ich bin ja nicht der einzige Koch. Ich mach das nun schon sehr lange. Als ich angefangen habe war ich jung und unverbraucht, wüst und liebevoll provokant. Auch wenn ich damals aussah wie das “Entfant terrible” mit meinen krummen Zähnen. Aber nun ist es an der Zeit, dass endlich mal neue Leute kommen. Das heißt nicht, dass ich aufhören möchte.

Aber Ihnen wird es doch sicher in den Fingern kribbeln, wenn Sie den Köchen bei “Essen und Trinken” nur zuschauen dürfen…
Mälzer: Das ist das Schlimmste. Deshalb bin ich auch nur der leise Produzent im Hintergrund und nicht Teil der Sendung. Weil wenn ich da bin, will ich kochen. Aber das ist normal. Und wenn ich das nicht mehr hätte, dann wäre ich wirklich durch. Dann würde ich auch die Sendung nicht mehr produzieren, weil mir der Ehrgeiz fehlen würde. Es ist nicht ausgeschlossen, aber geplant ist es bewusst nicht, dass ich an der Sendung teilnehme. Einfach weil ich auch ein Platzhirsch bin. Wenn ich irgendwo mitmache, ist mir dann jeder egal. Dann bin ich der Held, so ist nunmal mein Gen.

V.l.: Ronny Loll, Meta Hiltebrand, Andrea Scharmier-Huber, Ludwig Heer. (Credit: MG RTL D / Markus Hertrich)

Stattdessen werden abwechselnd die Kochteams Meta Hiltebrand und Ludwig Heer sowie Andrea Schirmaier-Huber und Ronny Loll vor der Kamera stehen. Aus eigener Erfahrung: Wie schwer ist das für die?
Mälzer: Natürlich müssen die sich erst finden. Am Anfang waren sie stocksteif, mittlerweile lernen sie die Macken und positiven Seiten des jeweils anderen kennen. Wenn man sich zum Beispiel meine ersten Sendungen bei “Schmeckt nicht, gibt’s nicht” anschaut: Die erste Sendung, die wir gedreht haben, mussten wir aus acht Aufzeichnungen zusammenschneiden. Da kann man sehen, wie scheiße ich war. Mein Fehler war, dass ich einfach nicht gesprochen habe. Jeder sieht doch, dass ich eine Tomate in Scheiben schneide oder Petersilie hacke. Was soll ich da noch sagen? Daran musste ich mich erst gewöhnen.

Wenn man Ihre Sendungen heute sieht, könnte man meinen, sie sind der geborene Entertainer. Böse Zungen würden sagen: Ein TV-Koch muss nicht mehr kochen können.
Mälzer: Das ist richtig. Es gibt Formate, wo der TV-Koch nicht kochen können muss. Das sehen wir bei Henssler (lacht).

Anzeige

Stört Sie das bei Kochshows?
Mälzer: Mich stört bei Kochsendungen vor allem eine “Muss-Didaktik”. Das heißt, wenn mir irgendjemand erzählt, dass du beim Kochen etwas genauso machen musst und nicht anders. Das finde ich manchmal nervig und arrogant. Ich will ja Begeisterung schaffen und da musst du auch Fehler zulassen dürfen.

Kritik an Kochshows im deutschen Fernsehen haben sie auch vor neun Jahren im Spiegel geäußert. Sie sagten, dass das “Kochfernsehen meist superbillig produziert” wird. Wie meinten Sie das?
Mälzer: Wenn wir uns zum Beispiel meine Sendung “Kitchen Impossible” auf Vox anschauen. Die hat etwa die Produktionsqualität vom “Tatort”. Wir haben sehr viele Schnittstunden und das beste Kameramaterial, das man sich wünschen kann. Das gleiche Format haben wir nun nach Holland verkauft. Dort wird es jetzt preiswert adaptiert mit anderen Objektiven, einem anderen Storytelling, einfach nicht mehr so liebevoll.

Ist das ihrer Meinung nach im deutschen Fernsehen heute auch noch so?
Mälzer: Es hat sich weiterentwickelt. Aber nach wie vor erkennt man, ob Fernsehen billig produziert wird oder nicht – ohne Sender nennen zu wollen. Wenn du bestimmte Kuppelformate siehst, musst du nur die Nettosendezeit stoppen ohne Wiederholungen. Da schaut man sich eine Stunde Sendung an, die eigentlich nur 20 Minuten Material hat. Der Rest ist wieder und wieder zusammengeschnitten. Das ist leider bei vielen Sendungen heute so.

Auch Sie waren Teil von mehreren Fernsehsendungen. Nehmen Sie sich da mit rein?
Mälzer: Teilweise ja. Ich habe aber auch ein anderes Beispiel: “Tim Mälzer kocht!”. Das war zwar relativ teuer und aufwendig produziert, alle Kochszenen wurden zweimal gefilmt, um die Zwischenschnitte mit den besten Foodbildern im deutschen Fernsehen zu liefern – aber das konnte der Zuschauer gar nicht wissen.

Das heißt?
Mälzer: Es war ein frontales Kochen. Ich stand als Koch da, habe erzählt, was es heute gibt, und hinten raus habe ich was serviert. Das war der ganze Inhalt der Sendung. Da ich hinter dem Kochtresen stehen musste, war es etwas statisch. Und es blieb am Ende ein Studioformat, da konnte man jetzt nicht mehr so viel anders machen, um den tatsächlichen Aufwand der Sendung für die Wertschätzung des Zuschauers zu verdeutlichen. Es machte nur für Fachleute einen aufwendigen Eindruck. Was mich aber gut gelaunt stimmt: Bis heute macht der NDR am Samstagnachmittag mit den Wiederholungen von „Tim Mälzer kocht!“ noch immer bis zu über 9% Marktanteil, vielleicht lässt sich hieran ablesen, dass gut produzierte Koch-Service-Sendungen immer noch ihre Berechtigung haben.

Das mit dem frontalen Kochen ist bei “Essen und Trinken – für jeden Tag” anders?
Mälzer: Da ist es mit Absicht so. Wir verzichten ganz bewusst auf Wettbewerb oder Spielereien. Es ist meines Wissens derzeit das einzige Format im deutschen Fernsehen, was sich wirklich nur mit dem Kochen beschäftigt und Rezepte präsentiert. Und wir bieten als einzige Sendung zum Beispiel eine Kalkulation an. Das heißt wir sagen, wie viel das Essen, was gekocht wird, gekostet hat. Wir wollen nicht immer höher, schneller, weiter, größer und geiler. Es geht nur darum, dass das Kochen und die Inspiration im Vordergrund stehen.

“Essen und Trinken – Für jeden Tag” startet am 28. Januar 2019 und läuft montags bis freitags um 17 Uhr auf RTLplus.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Genau so. Kochsendungen und Pornos. Mehr braucht der Mensch eigentlich nicht zur guten Unterhaltung. Alles andere ist überflüssig.

    1. Mehr braucht “der Mann” nicht zur guten Unterhaltung… sollte es heißen. Wie dämlich muss man(n) sein angesichts der Zustände (Bordell Europas) und der generellen Kritik an der durchgängigen Frauendiskriminierung in Deutschland. Ich glaube, der Mälzer muss sein Proll-Image unter den Buddy-Köchen aufrecht erhalten, damit der Schotter – egal ob aus Gebühren oder Werbung – dicke weiter fließt.

    2. Da haben Sie Recht Frau Eule. Männer sind auch Menschen, sollt man nicht vergessen. Und diese Massenbordelle gehören abgeschafft. Natürlich. Viel besser ist sicher jeder escortservice, rein qualitativ schon.

      Mit Pornos und Sex kann man halt schnell Kohle machen, ohne viel Nachdenken. Mit der Fernsehkocherei ebenso.

  2. Denkt man an die Heerscharen der Adipösen und an die fast eine Milliarde Unterernährten weltweit, so sind Kochshows, Feinschmeckerei und Völlerei in der Tat obszön. Auch eine Art von Porno, mit saftigem Fleisch und jungem Gemüse.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia