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"Zutiefst irritiert": Ahmad Mansour, Constantin Schreiber und Hamed Abdel-Samad kritisieren DJS für Auftritt von Islam-Initiative

Constantin Schreiber, Hamad Abdel-Samad, Ahmad Mansour (v.l.) kritisieren den Auftritt der "Muslim Story" an der DJS

Die Deutsche Journalistenschule (DJS) hatte für ein Seminar die Initiative „The Muslim Story“ eingeladen, um ihre Arbeit für eine ausgewogenere Berichterstattung über den Islam vorzustellen. Dabei wurde auch über Kritik an Experten gesprochen, von denen sich nun drei kritisch zu Wort melden. Ihnen zufolge sei dort vor ihnen „gewarnt“ worden. Die Macher der „Muslim Story“ verteidigen sich – die Schule will ihre Veranstaltung nicht kommentieren.

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Mehr als 600 Shares hat das Posting von Ahmad Mansour bis zum späten Montagabend gesammelt. Darin kritisiert der studierte Psychologe und Extremismus-Experte die renommierte Deutsche Journalistenschule (DJS) für einen einseitigen Umgang mit einem Vortrag von „The Muslim Story“. Im Rahmen eines Seminars haben zwei Vertreterinnen einen Vortrag an der DJS gehalten und auch über Mansour, den Journalisten Constantin Schreiber und den Politikwissenschaftler und Publizisten Hamed Abdel-Samad gesprochen. Wie Mansour in seinem Facebook-Posting, das die beiden anderen ebenfalls geteilt haben, schreibt, sei dort vor ihnen „konkret gewarnt“ worden.
„Nach dem, was uns zu Ohren gekommen ist, wurden wir beschuldigt, die Gesellschaft durch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Islam spalten zu wollen und Imame der Verfolgung auszusetzen. Journalisten sollten nicht mit uns als Experten sprechen“, schreibt das Trio weiter.

„The Muslim Story“, angeführt von einer vierköpfigen Gruppe aus Muslimen und Nicht-Muslimen, tritt eigener Aussage zufolge für eine „faire Berichterstattung über Muslime und einen Diskurs auf Augenhöhe“ ein, versteht sich auch als Kompetenzvermittler zwischen Journalisten  und Muslimen im Umgang miteinander und plädierte bereits prominent in der taz, auch „positive“ Geschichten über den Islam zu erzählen. Auf ihrer Website heißt es: „Mit Sorge betrachten wir, wie die mediale Debatte über den Islam und die Muslime Vorurteile schürt und dadurch den Boden für Ausgrenzung, Hass und Gewalt bereitet.“ Etwas über 500 Follower erreicht „The Muslim Story“ bei Facebook.
Man habe Henriette Löwisch, seit 2017 Leiterin der DJS, „in Kenntnis gesetzt und um Klärung gebeten“, heißt es weiter im Posting von Mansour, Schreiber und Abdel-Samad. Geschehen sei dies allerdings nicht. „Das Angebot, unsererseits an der DJS zum Thema Islamberichterstattung mit den Schülern zu sprechen, wollte sie nicht annehmen.“
Auch MEEDIA hat bei Henriette Löwisch nach einer Stellungnahme gefragt. Die Ausbilderin beruft sich zum Vorfall jedoch auf das Prinzip der Vertraulichkeit. „Schulveranstaltungen sind bei uns nicht öffentlich, wir behandeln sie wie Redaktionskonferenzen. Was dort gesagt wird, läuft unter Drei. Insofern kann ich die Behauptung, die in dem Facebook-Post aufgestellt wird, nicht bestätigen“, heißt es in einer Mail. Als Leiterin der DJS behalte sie sich zudem vor, selbst zu entscheiden, wen sie in die Schule einlade. Zum Angebot der drei Männer erklärt sie, bereits mit Constantin Schreiber Kontakt gehabt zu haben. „Ich habe ihm seinerzeit angeboten, mich bei Gelegenheit mit ihm zu treffen und persönlich über sein Anliegen zu sprechen.“ Löwisch weiter: „Dass Herr Mansour und Herr Abdel Samad an der DJS referieren wollen, ist mir neu. Das habe ich erst aus der Facebook-Veröffentlichung erfahren.“
Ihr Anliegen formulieren Mansour, Schreiber und Abdel-Samad in ihrem Posting ebenfalls: „Wir finden es problematisch, wenn Lobby-Vertreter an einer journalistischen Lehreinrichtung über einzelne Personen in diskreditierender Weise referieren. Wir finden es ebenso problematisch, wenn die DJS sich gegen ein journalistisches Prinzip entscheidet, nämlich Ausgewogenheit.“ Löwisch sieht journalistische Regeln offenbar eingehalten. „Die angesprochene Veranstaltung fand im Rahmen einer Einführungswoche statt, in der innovative Medienmacherinnen und Medienmacher von ihrer Arbeit berichten. Kritische Fragen der Schülerinnen und Schüler sind bei allen DJS-Veranstaltungen erwünscht und üblich.“
Während sich Löwisch zu den Abläufen der Veranstaltung nicht äußern will, haben die Macherinnen von The Muslim Story ihre Sicht der Dinge mittlerweile geschildert. Ebenfalls bei Facebook veröffentlichte die Initiative eine ausführliche Stellungnahme und bestreitet, vor Mansour, Schreiber oder Abdel-Samad „gewarnt“ zu haben. Das Trio sei nicht einmal Teil ihrer Präsentation gewesen. Auf sie zu sprechen gekommen, sei man erst in einer Gruppendiskussion. Dabei ging es um die Frage, wer als Islamexperte gelte und wer nicht. Aus Sicht der Muslim-Story-Initiatorinnen ist das Trio umstritten.

„Wir sehen kritisch, dass die Debattenbeiträge bekannter Islamkritiker die Islamdebatte zu dominieren scheinen und ihre Bücher mit großen medialen Echo besprochen werden – während renommierte Wissenschaftler, die auch Zwischentöne zulassen, entsprechend weniger Gehör finden“, heißt es dazu in ihrer Stellungnahme.
Im Gespräch mit MEEDIA weisen Julia Ley und Nabila Abdel Aziz, von denen letztere an der DJS gesprochen hat, darauf hin, dass sie sich an ein paar Einzelheiten – beispielsweise welcher Name von welcher Seite zuerst genannt worden war – nicht mehr erinnern können. Constantin Schreiber aber, so steht es auch in ihrem Posting, beziehungsweise seine Filmreihe „Moscheereport“ (NDR) sei von Ihnen als Beispiel angeführt worden, in dem die Sorgfaltspflicht nicht eingehalten worden sei. „Auch hier warnten wir nie vor Herrn Schreiber als Person, sondern diskutierten anhand des ‚Moscheereports‘ und des Buches Inside Islam Phänomene, die wir häufig beobachten: konkret die unnötige Verengung auf das Negative – zumal der Untertitel des Buches „Was in Deutschlands Moscheen gepredigt wird“ einen gewissen Anspruch erkennen lässt, ein repräsentatives Bild zu zeichnen.“
Die Kritik am „Moscheereport“ ist nicht neu, kam in der Vergangenheit vor allem aus dem linken Meinungsspektrum. In einem Interview mit Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo hat der Journalist und Grimmepreisträger Schreiber („Marhaba – Willkommen in Deutschland“), dem der „Moscheereport“ wie auch sein Buch „Inside Islam“ in Teilen den Ruf eines Islam-Kritikers eingebracht hat und auf die Kritik reagiert.
Die Macherinnen der „Muslim Story“ kritisieren nun wiederum den öffentlichen Umgang mit dem Vorfall an der DJS. Das Trio habe den „Weg der Skandalisierung über die sozialen Medien“ gesucht. „Keiner der drei Herren hat das Gespräch mit uns gesucht, versucht, die Behauptungen zu verifizieren oder um eine Erklärung gebeten. Auch wurden wir vorab nicht von dem Aufruf in Kenntnis gesetzt.“ Für weitere Gespräche sei man aber offen.

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