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Redaktionsfusion beim Spiegel: Betriebsrat fordert dreijährigen Kündigungsschutz für Mitarbeiter

Chefredakteur Steffen Klusmann (l.) will eine integrierte Redaktion führen – dafür verhandelt Personalchef Felix Blum mit dem Betriebsrat

Das Ziel ist ambitioniert. Zum 1. Januar will das neue Chefredaktionsteam mit Ex-Manager Magazin-Chef Steffen Klusmann an der Spitze die Fusion der Print- und Online-Redaktion festzurren. Betriebsrat und Geschäftsführung ringen derzeit um die Einzelheiten der neuen Gemeinschaftsbetriebs. Wichtigster Eckpunkt: ein dreijähriger Kündigungsschutz für alle betroffenen Mitarbeiter.

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Spiegel-Personalchef Felix Blum kennt sich mit schwierigen Projekten aus. 2013 stand der Volljurist beim Spiegel-Miteigentümer Gruner + Jahr vor der größten Herausforderung seiner Karriere. Als Personalchef sollte er das Ende der defizitären Financial Times Deutschland (FTD) abwickeln, die der künftige Spiegel-Chefredakteur Steffen Klusmann jahrelang geleitet hatte. Eingebunden war Blum auch in der weiteren Abwicklung der G+J-Wirtschaftsmedien – beispielsweise beim Verkauf von Impulse und Börse Online.
Jetzt steht der Personaler beim Spiegel vor einer ebenso gewaltigen Aufgabe. Er soll mit dem Betriebsräten des Verlags an der Ericusspitze die notwendigen Vereinbarungen für einen Gemeinschaftsbetrieb aushandeln. Dabei steht er unter enormen Zeitdruck. Bis zum 1. Januar nächsten Jahres sollen die Print- und Online-Redaktionen verschmelzen. Unter Hochdruck verhandelt deshalb Blum mit den Betriebsräten die Vereinbarung über den geplanten Gemeinschaftsbetrieb aus. Ein wichtiger Punkt in den Gesprächen: der Betriebsrat fordert einen dreijährigen Kündigungsschutz für die betoffenen Mitarbeiter des künftigen Gemeinschaftsbetriebs. Dies erfuhr MEEDIA aus Kreisen des Spiegel. Noch ist diese Vereinbarung nicht festgezurrt. Doch der Verlag ist offenbar bereit, der Forderung nachzugeben. Eine Spiegel-Sprecherin will sich auf Anfrage von MEEDIA zu den Verhandlungen nicht äußern.
Mit einem mehrjährigen Kündigungsschutz dürfte auch Ruhe in der Belegschaft einkehren. Hausintern wurde befürchtet, dass der Verlag die Fusion von Print und Online nutzen könnte, um sich von Mitarbeitern zu trennen. Kolportiert wurde sogar in Firmenkreisen, dass der Verlag über ein Abfindungspaket sinniert, um Mitarbeiter zum freiwilligen Ausscheiden zu bewegen. Doch dies wird von einer Spiegel-Sprecherin klar dementiert.
Auch wenn sich der Verlag mit dem Betriebsräten über den mehrjährigen Kündigungsschutz verständigt, sind noch viele Fragen offen. Dazu gehört auch, wie der künftige Arbeitnehmervertretung für den Gemeinschaftsbetriebs aussieht. Bislang werden die Interessen von SpOn und Print jeweils von eigenen Betriebsräten vertreten. Künftig gibt es nur noch eine Arbeitnehmervertretung, die neben den Redaktionen auch für die Verlagsfunktionen, Produktmanagement und -entwicklung sowie Dokumentation zuständig ist. Denn auch diese Bereiche sollen künftig in den Gemeinschaftsbetrieb fallen, wie aus einer hausinternen Mitteilung zum Gemeinschaftsbetrieb an die Mitarbeiter hergeht.
Ein weiterer Knackpunkt ist, wie die SpOn-Mitarbeiter zu stillen Gesellschaftern des Verlags werden. Denn erstmals in der Unternehmensgeschichte der Spiegel-Gruppe öffnet sich die Mitarbeiter KG für stille Gesellschafter. Die KG ist mit 50,5 Prozent Mehrheitsgesellschafter des Spiegel. Bislang war dies nur Angestellten des Verlags vorbehalten. Mitarbeiter von Spiegel Online, Spiegel TV und dem Manager Magazin blieben außen vor. Jetzt soll zumindest die SpOn-Belegschaft dazu stoßen. Dafür sollen sie die Stellen beispielsweise von Vorruheständlern in der KG einnehmen, die mit dem Ausscheiden aus dem Verlag ihre Beteiligung satzungsgemäß abgeben müssen. Doch die frei werdenden Plätze im KG-Boot sind knapp. Durchschnittlich verlassen rund 30 bis 40 Vorruheständler pro Jahr das Unternehmen. Zudem ist nicht klar, welche Spiegel Onliner als erstes zu stillen Gesellschaftern aufsteigen. Ob per Los oder per Betriebszugehörigkeit – das war zuletzt Gegenstand von Diskussionen. Fraglich ist deshalb, ob Blum, Klusmann & Co. den erhofften Zeitplan wirklich einhalten können.

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