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Schmutzkampagnen und Ignoranz: NY Times wirft Facebook vor, im Umgang mit Skandalen versagt zu haben

Screenshot: © CNBC
Unter Dauerdruck: Facebook-Chef Mark Zuckerberg bei seiner aufsehenerregenden Anhörung vor dem US-Kongress im April 2018

Die New York Times widmet sich in einem großen Enthüllungsbericht dem Umgang Facebooks mit dem Datenskandal sowie der Beeinflussung von Wahlen. Der Beitrag offenbart, wie leichtfertig der Konzern erste Hinweise auf die Krise genommen hat – und wirft Facebook vor, über eine PR-Firma Gegner diffamiert zu haben.

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Diese Story dürfte in den kommenden Wochen für Gesprächsstoff sorgen: Die NYT zeichnet in einem aktuellen Bericht das Verhalten Facebooks während der vergangenen Krisen nach. Das Unternehmen um Mark Zuckerberg war in den vergangenen Jahren unter anderem wegen einer vermeintlichen russischen Einflussnahme beim Trump-Wahlkampf in die Kritik geraten. Auch der Skandal um Trumps Wahlkampf-Firma Cambridge Analytica belastet den blauen Riesen sehr.

Eine Krise, in der Facebook offenbar auf Angriff umschaltete, um die Öffentlichkeit abzulenken: Laut der NYT soll das Unternehmen die PR-Firma Definers Public Affair dafür genutzt haben, Gegner bewusst in Misskredit zu bringen. Die Firma, die von Republikanern gegründet wurde, sollte auf Facebooks Anordnung hin seit einem Jahr diverse kritische Beiträge über konkurrierende Unternehmen veröffentlichen lassen. Die Berichte werfen Firmen wie Google oder Apple fragwürdige Geschäftspraktiken vor und wurden auf der Plattform “NTK Network” herausgegeben. Die vermeintliche Intention: Medien sollten die Anschuldigungen übernehmen und so die konkurrierenden Firmen schaden und die eigenen Skandale herunterspielen.

Darüber hinaus soll Facebook die PR-Firma beauftragt haben, den Investoren und Facebook-Kritiker Georg Soros zu diskreditieren. Die Firma habe etwa eine Studie an Journalisten verteilt, laut der Soros mit einer Anti-Facebook-Verbindung verknüpft sein soll. Unklar ist, wer die Studie erstellt hat. Soros gilt insbesondere bei rechten Gruppen in den USA als Feindbild.

Das soziale Netzwerk widerspricht den Anschuldigungen: “Die ‘New York Times’ liegt falsch mit der Behauptung, dass wir jemals Definers darum gebeten oder bezahlt haben”, schreibt Facebook in seinem Blog. Trotzdem zieht das Unternehmen Konsequenzen: Mittlerweile soll die PR-Firma keine Aufträge mehr erhalten.

Warnzeichen ignoriert

Die NYT wirft Facebook zudem vor, Warnzeichen auf den Datenmissbrauch und die russische Einflussnahme bewusst ignoriert zu haben. Ein Sicherheitsexperte des Unternehmens habe schon im Frühjahr 2016 Anzeichen auf russische Hacker entdeckt. Die beiden Facebook-Chefs Zuckerberg und Sandberg spielten die Indizien aber herunter. Insbesondere Zuckerberg sei zu Beginn der Affäre überhaupt nicht an internen Diskussion beteiligt gewesen – er habe sich stattdessen mit öffentlichkeitswirksamen Dingen wie einer Zuhör-Tour durchs Land beschäftigt.

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Sheryl Sandberg, die bei Facebook das operative Geschäft leitet, sei zunächst wütend gewesen, als sie erfahren habe, dass einige ihrer Mitarbeiter zu der russischen Einflussnahme ermittelten. Später habe sie alles versucht, Indizien von der Öffentlichkeit fernzuhalten – ein Grund, warum das Wort “Russland” in einem Zwischenbericht zum Skandal ein Jahr später auch nicht vorgekommen sei.

Eine andere Geschichte der NYT soll zudem zeigen, wie wütend Zuckerberg auf Konkurrent Apple ist: Weil Apple-Chef Tim Cook wiederholt öffentlich Kritik am Datenmissbrauch Facebooks äußerte, soll Zuckerberg seine Manager verpflichtet haben, künftig nur noch Android-Smartphones zu verwenden. Gegenüber den Mitarbeitern begründete der Facebook-Chef den Schritt damit, dass es deutlich mehr Android-Handy als iPhones gebe.

Unzufriedenheit im Unternehmen

Die NYT zeichnet das Bild einer Führung, die ihr Unternehmen nicht mehr im Griff hat – und sich vor allen anderen für die Fehler während des Skandals zu rechtfertigen hat. Facebook widerspricht dem Enthüllungsbericht in seinem Blog vehement. Demnach wusste der Konzern, wie Zuckerberg auch während einer Anhörung vor dem Kongress erzählt hat, erst nach der Wahl von der Einflussnahme vermeintlich russischer Trolle – und nicht, wie es im Bericht heißt, schon im Frühjahr. Auch die anderen Anschuldigungen seien inkorrekt.

Trotzdem hat Facebooks Image Kratzer bekommen – auch intern. Glaubten vor mehr als einem Jahr noch 80 Prozent der Mitarbeiter an eine positive Entwicklung des Sozialen Netzwerkes, lag dieser Wert vor Kurzem bei 50 Prozent, wie das Wall Street Journal aus einer Umfrage zitiert. Auch an der Börse sieht es nicht gut aus. Der Kurs der Facebook-Aktie ist seit Ende Juli um 30 Prozent eingebrochen.

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